
Die Redaktion wünscht allen Leserinnen und Lesern gesegnete Weihnachten und ein gutes neues Jahr. Wir hoffen, Sie freuen sich über die Beiträge im Grenzboten. Wenn Sie Fragen haben oder selber einen Beitrag liefern möchten, sprechen Sie uns gerne an.
Pastor Jan Alberts, Nordhorn
Pastor Fritz Baarlink, Veldhausen
Pastor Dr. G.J. Beuker, Hoogstede
Euch ist heute der Heiland geboren - Andacht Gerrit Jan Beuker, Hoogstede
WEIHNACHTSBOTSCHAFT 1999 - von Dr. Konrad Raiser, dem Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen in Genf
Weihnachten in Bangladesch - Bericht v. Joke Gosker
Ein Text und zwei Predigten (2)
Randbemerkungen: Kennst du den Weltbibelring?
Seelsorge im Grafschafter Klinikum - ein neuer Andachtsraum
Kerzen im Advent - nach Philipper 4, 4-7
EUCH
Dir und mir |
Heute
Nicht gestern! |
Geboren
Nicht gemacht, |
Der Heiland
Christus |
Also hat Gott die Welt geliebt!
Der Aufgang aus der Höh geht auf,
der helles Licht im Dunkeln gibt,
läuft wie ein Held nun seinen Lauf.
Er macht die ihres Heils gewiss,
die sonst in banger Finsternis,
in Todesschrecken saßen.
Er macht uns selbst den Friedensweg bekannt,
führt uns darauf an seiner Hand
und leitet uns zu unserm Vaterland.
Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren,
wie du gesagt hast;
denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen,
den du bereitet hast vor allen Völkern,
ein Licht zu erleuchten die Heiden
und zum Preis deines Volkes Israel.
Nur als kleines Dia, drei mal zwei Zentimeter groß, habe ich das Bild vor mir. Eine Lupe zeigt mir fünf Menschen mit einem Heiligenschein. Rechts hält der alte Simeon wohl das Jesuskind auf dem Arm. Maria, vorne in der Mitte, hat es ihm gerade gereicht.
Ein farbenfrohes Bild - vor über 200 Jahren in Griechenland entstanden. Menschen in prächtigen Kleidern. Gebäude im Hintergrund - der Tempel in Jerusalem - ähnelt er dem altreformierten Kirchturm in Bad Bentheim? Daneben griechische Türme - und Menschen aus einer anderen Welt. Der Maler hat die Geburt Christi hineingezeichnet in seine Welt und in seine Zeit.
Er will ein Stück des Heiligen, einen Teil des Himmels und des himmlischen Wirkens in seiner Ikone vergegenwärtigen. Damals wird es ihm gelungen sein. Gelingt es bei uns?
Ikonen sind für unsere Frömmigkeit kaum bedeutsam. Der Bildersturm hat sie aus unserem Gesichtskreis weggefegt. In den orthodoxen Kirchen sind sie unverzichtbar. Vielleicht haben sie ja auch die Ehrfurcht vor dem Heiligen und die Erinnerung daran in den Herzen wachgehalten in kommunistischer und schlimmer Zeit.
Gerrit Jan Beuker, Hoogstede
WEIHNACHTSBOTSCHAFT 1999 Nach dem Wort der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland in der letzten Nummer des Grenzboten folgt heute die Weihnachtsbotschaft von Dr. Konrad Raiser, dem Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen in Genf. Die Zwischenüberschriften habe ich eingefügt. GJB Ein besonderes Fest
Gottes Herrschaft weckt Vertrauen
Wegen der starken symbolischen Ausstrahlungskraft des Übergangs in ein neues Jahrhundert und ein neues Jahrtausend werden die aus diesem Anlass organisierten lautstarken und glitzernden öffentlichen Festlichkeiten an vielen Orten das Gedenken an die Geburt Jesu Christi überschatten. Aber ungeachtet der Feiern werden viele dem neuen Jahrtausend mit Angst und Furcht vor dem Unbekannten begegnen. Ähnliche Vorahnungen erfüllten viele Menschen zu der Zeit, als Jesus geboren wurde. Es ist um so bemerkenswerter, dass auch nach 2000 Jahren das Leben und die Botschaft dieses aus dem jüdischen Volk stammenden Menschen weiterhin Männer und Frauen anzieht, die in ihm die Quelle von Hoffnung und Gewissheit für ihr Leben finden. Während seither die menschliche Geschichte mit all ihren Höhen und Tiefen weitergegangen ist, hat seine Ankündigung der kommenden Gottesherrschaft Menschen in Stand gesetzt, der Zukunft mit Vertrauen entgegenzusehen, und zugleich allen Formen menschlicher Macht einen kritischen Maßstab vor Augen gehalten.
Haltung der Bußfertigkeit
Aber jede glaubwürdige und ehrliche Feier der Geburt Jesu in den christlichen Kirchen - den Gemeinschaften derer, die sich darauf eingelassen haben, dem Weg Jesu zu folgen - muss von einer Haltung der Bußfertigkeit begleitet werden. Auch wenn Christen seine Botschaft, das Evangelium, bis zu den Enden der Erde getragen haben, so haben sie sich in ihrem eigenen Leben doch oft dazu verleiten lassen, anderen Wegen zu folgen. Das zu Ende gehende Jahrtausend war eine Periode christlicher Spaltungen, Kämpfe und wechselseitiger Verurteilungen. Das Bestreben, eine christliche Kultur und Zivilisation auszubreiten oder zu verteidigen, hat Gewalt und Krieg, Ungerechtigkeit und Unterdrückung hervorgebracht. Und auch das jetzt endende Jahrhundert, in dem die ökumenische Bewegung entstanden und das Gespür für die Zusammengehörigkeit der Nachfolger Jesu Christ gewachsen ist, war dennoch die gewalttätigste Periode in der menschlichen Geschichte. Wir können seine Geburt in Bethlehem nicht feiern, ohne der Shoah zu gedenken, die für immer eingegraben bleiben wird in der Erinnerung des Volkes, aus dem Jesus kam.
Aufruf zur Versöhnung
Im Geist Jesu von Nazareth sollte unsere Botschaft zu Weihnachten in diesem Jahr ein Aufruf zur Versöhnung sein: Versöhnung zwischen Christen, Juden und Muslimen in Israel und Palästina zu einer Zeit, da der Friedensprozess in seine entscheidende Phase eintritt; Versöhnung zwischen Christen und Muslimen in Indonesien, Nigeria, Pakistan, Bosnien und Kosovo; Versöhnung zwischen Christen, Muslimen und Hindus in Indien; und Versöhnung zwischen der Gliedern der christlichen Familie in der ganzen Welt.
Im eigenen Haus anfangen
Während der letzten Jahre dieses Jahrhunderts sind wichtige Schritte vollzogen worden, um die Ursprünge christlicher Spaltung zu überwinden. Diese Bemühungen müssen weitergehen. Die Kirchen, die zum Dienst der Versöhnung berufen sind, müssen im eigenen Haus beginnen. Nur dann werden sie in der Lage sein, das Licht weiterzugeben, das sie in Jesus Christus empfangen haben. Denn "in ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht ergriffen" (Joh. 1,4-5). Möge dieses Licht aufleuchten, wenn wir in diesem Jahr Weihnachten feiern.
Generalsekretär Dr Konrad Raiser
Ökumenischer Rat der Kirchen
Konrad Raiser ist seit 1993 ins seinem Amt als (fünfter) Generalsekretär des ÖRK tätig. Er stammt aus Deutschland und ist ordinierter Pastor der lutherischen Kirche. Er hat in Harvard studiert und in Tübingen promoviert. Von1969 bis 1983 arbeitete er schon einmal im ÖRK. Danach hatte er zehn Jahre lang einen Lehrstuhl für systematische Theologie und Ökumenik an der Ruhr-Universität in Bochum inne und leitete auch das Ökumenische Institut der Fakultät.
Weihnachten in Bangladesch
Joke Gosker berichtet, wie man in Bangladesch Weihnachten feiert. Ihr Beitrag gibt einen Einblick in eine ganz andere Kultur des Feierns und Erinnerns. GJB
"Vom 10. bis zum 17. Dezember findet die sogenannte Hausrunde statt. Alle Christen besuchen sich dann gegenseitig und beten füreinander. In meinem Bezirk leben 15 christliche Familien. Wir brauchten zwei Tage für die Besuche.
Alle werden besucht
Um 16.00 Uhr geht es los. Eine Gruppe von 50 Personen besucht das erste Haus, das nur zwei kleine Zimmer hat. Alle 50 setzen sich auf den Fußboden, der mit Tüchern ausgelegt ist. Kerzen brennen überall und die Räume sind vom Weihrauchduft erfüllt. Einer hat die Leitung. Wir singen und lesen aus der Bibel. Der Familienvater berichtet von besonderen Ereignissen in seiner Familie im letzten Jahr. Er darf sagen, wofür wir beten sollen. Nach dem Gebet folgt ein Lied. Die Gastfrau gibt jedem eine kleine Frühlingsrolle oder etwas Süßes zu essen mit. Der Besuch dauert 45 Minuten. Dann gehen wir zur nächsten Familie. Ein anderer übernimmt die Leitung. Die Lesungen sind vorher festgelegt, damit sie in einem Zusammenhang stehen. Gegen 22 Uhr haben wir sieben Besuche gebracht und siebenmal gegessen.
Jedes Projekt - ein Fest
Vom 17. bis zum 23. Dezember wird gefeiert. Die Kirche von Bangladesch arbeitet in verschiedenen Projekten in Raishahi. Jedes Projekt organisiert ein eigenes Fest und lädt alle anderen dazu ein. Das Krankenhaus, unsere Schule, die Volksschule, das Dorfentwicklungsprogramm, die Kirche. Jeden Tag gibt es ein Fest. Meistens finden dabei Spiele statt, an denen sich alle den ganzen Vormittag lang beteiligen. Danach essen wir gemeinsam. Die Preise werden verteilt und einige erklären das Weihnachtsfest. Wir sehen bengalische Tänze. Wir singen und machen Musik. Der kulturelle Teil geht über den ganzen Nachmittag. Ich bin jeden Abend todmüde, aber sehr zufrieden. Und dann endlich fängt der 24. Dezember mit einem Weihnachtsgottesdienst um Mitternacht an.
Gesänge, Kerzen, Chöre, Blumen, große Freude. Mit Weihrauch und bengalischen Liedern. Zusammengehörigkeit und Hoffnung werden sichtbar.
Der Weihnachtstag
Der Weihnachtstag selbst fängt früh an. Um 3.45 Uhr, etwa z u der Zeit, in der die Engel den Hirten erschienen sind, singt eine Gruppe junger Männer unter meinem Schlafzimmer laut eine bengalische Version von "Herbei, o ihr Gläubigen". Sie hoffen, dass ich ihnen dafür etwas "Weihrauch und Myrrhe" oder besser Geld gebe. Diese Hirten haben Ausdauer! Sie hören erst auf, wenn die Takas, die bengalischen Münzen, in ihre Mützen rollen. Ich muss erst beweisen, dass ich die Botschaft gut verstanden habe. Dann ziehen sie zum nächsten christlichen Haus, um auch dort die Schlafenden mit der guten Nachricht zu erfreuen. Mit gemischten Gefühlen und um einige Takas ärmer krieche ich wieder unter die Decke.
Frühstück und Gottesdienst
Zwei Stunden später klopft es: "Maria didi, Mri didi", ruft jemand. Müde von gestern und von der unterbrochenen Nachtruhe, stehe ich etwas mürrisch auf. Ich werde beschämt. Vor der Tür steht Shimi, das Nachbarmädchen von unten, mit einem herrlichen Frühstück, das sie eigens für mich vorbereitet hat: Kleine, warme Pfannkuchen, heißer Tee und andere leckere Sachen. "Frohe Weihnachten, didi", wünscht sie mir und lässt mir das mit frischen Blumen geschmückte Tablett.
Wieder einige Stunden später sitzen wir in der überfüllten Kirche. Sie ist mit Glitzer und Glanz, mit Luftballons und Papiergirlanden geschmückt. Eine Art Weihnachtsbaum steht vorn in der Ecke. Über der Kanzel klebt ein großer, aus Papier ausgeschnittener Weihnachtstall an der Wand. Alle tragen ihre schönsten Kleider.
Mit Muslimen
Einige prominente Muslime sind eingeladen und gekommen. Die Projektleiter und der Pastor haben gute Kontakte zum muslimischen Bürgermeister und den Beamten der Stadt. Sie bemühen sich, diese Beziehungen auszubauen. Der Gottesdienst ist froh und dauert lange. Er vergeht im Nu, soviel passiert.. Es wird gesungen, gebetet, gesammelt, gepredigt – alles nach bengalischer Art.
Nach dem Gottesdienst besucht jeder jeden. Das bedeutet wieder essen. Wer nichts isst, war nicht auf Besuch! ... Abends kommen die jungen Männer wieder, jetzt sind auch die Mädchen dabei. Auf meinem Balkon haben wir noch wohl eine halbe Stunde unter Musik und Tanz getanzt und gelacht. Eine seltsame Erfahrung.
Joke Gosker (geb. 1953) arbeitet seit März 1997 in Bangladesch
Ein Text und zwei Predigten (2)
In einem zeitlichen Abstand von ein paar Monaten hörte ich zweimal eine Predigt über den kurzen Abschnitt aus 2. Könige 2,23-25. Er handelt über den Propheten Elisa. Nach dem dramatischen Abschied von seinem Vorgänger Elia kommt dieser junge Prophet zum ersten Mal nach Bethel. Und da geschieht es, dass eine Schar halbwüchsiger Knaben ihm wiederholt zuruft: "Kahlkopf, komm herauf!" Vom Jordan her kam er wirklich den Weg hinauf. Auf diese Verspottung folgt dann von Seiten des Propheten ein Wort der Verfluchung, und zwar ausdrücklich im Namen des Herrn. Und der Fluch wird Wirklichkeit. Bald darauf werden sie alle von zwei Bären getötet.
Wie soll man über diese Begebenheit predigen? Vielleicht darf man sogar die Frage stellen, ob man im Namen Gottes und im Dienst Jesu Christi darüber überhaupt predigen kann. Auch das ist eine berechtigte Frage, zu welcher Antwort man da auch für sich selbst kommen mag. Aber das lassen wir heute einmal auf sich beruhen.
Mir scheint, dass es grundsätzlich zwei verschiedene Möglichkeiten gibt, diese Begebenheit zur Grundlage der Verkündigung für die versammelte Gemeinde hier und heute zu machen; und die eine ist nach meiner Einschätzung nicht weniger legitim als die andere.
Verhalten gegenüber Spöttern
Ich fange mit der Auslegung an, die ich zweimal hörte und die mich tief beeindruckte. Nach einer kurzen Schilderung des Herganges wurde kritisch gefragt, ob das Verhalten des Propheten Elisa überhaupt zu verteidigen sei. Er wird verspottet, und das tut weh. Er wurde wahrscheinlich verspottet, so darf man getrost vermuten, weil er im Dienst Gottes stand. Aber musste er dazu nicht bereit sein? Vielleicht war es aber auch einfach nur die Ausgelassenheit Jugendlicher gewesen. Wer weiß? Dann wäre aber ebenfalls zu fragen, ob er nicht ganz anders hätte reagieren können. Zum Ärgern gehören immer zwei: diejenigen, die den anderen ärgern, und die, die sich ärgern lassen. Hätte er nicht in einem zweiten Schritt zumindest versuchen sollen, mit diesen gewiss rüpelhaften Jugendlichen ins Gespräch zu kommen?
Es geht dann in der Predigt um das christliche Verhalten gegenüber Spöttern und anderen, die sich schändlich daneben benehmen, sei es dass wir als Christen und wegen unseres Christseins Zielscheibe des Spottes werden, sei es auch einfach, dass es leider viel rüpelhaftes Benehmen gibt, unter dem manch einer zu leiden hat.
Gilt hier nicht das Gebot Jesu: "Segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen!" (Lk. 6,28)? Gewiss gilt es. Hier kann auch hingewiesen werden auf das, was Petrus in seinem ersten Brief schreibt: "Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort" (3,9); und er weist in diesem Zusammenhang auf Jesus, "der euch ein Vorbild hinterlassen hat, ... der nicht widerschmähte, als er geschmäht wurde, nicht drohte, als er litt: er stellte alles dem anheim, der gerecht richtet" (2,21.23).
Exemplarische Auslegung
Man könnte die Frage stellen, wie die Geschichte ausgegangen wäre, wenn Elisa in diesem Sinne gehandelt hätte. In der Predigtkunde nennt man diese Art der Behandlung, Auswertung und Verkündigung exemplarisch. Man kann darüber streiten, ob in einer gegebenen Situation diese Ausrichtung sich aufdrängt. Dass man so darüber predigen kann, ist meines Erachtens nicht von der Hand zu weisen. Es ist nicht gegen die Ehre eines Propheten, wenn sein Verhalten kritisch hinterfragt wird. Das gilt in unserer Zeit allemal. Früher hat man in bestimmten Kreisen vielleicht gedacht, ein Pastor (wie übrigens auch jede andere Autoritätsperson in Zivil oder in Uniform!) habe immer recht, und ihn zu kritisieren sei unstatthaft, auf jeden Fall aber bedenklich. Auf solch einem unnahbaren Podest möchte heute wohl kein Pastor stehen. Aber im Neuen Testament lesen wir, dass auch Apostel Jesu nicht über aller Kritik erhaben waren. Nehmen wir nur den Petrus. Jesus selbst hat in einem Falle dessen Einstellung und Meinung (Mt 16,22f.), bei einer anderen Gelegenheit sein Verhalten (Mt 26,51-53) mit heftigem Worten getadelt. Und der Apostel Paulus sah sich im Galaterbrief veranlasst, mit demselben Apostel hart ins Gericht zu gehen, weil er aus Angst vor bestimmten Juden nicht den Mut gehabt hatte, mit Heidenchristen an einem Tisch zu sitzen (Gal. 2,11-14).
Der Bibeltext in seiner Zeit
Doch kann man auch ganz anders an diesen Text herangehen, und zwar von der Frage her, wie er selbst im Rahmen der Erzählungen über Elisa und die Zustände zur Zeit des Königs Ahab wohl verstanden sein möchte. Kurz zuvor war Elisa zusammen mit dem bald scheidenden alten Elia durch Bethel gekommen. Es war die Stadt, in der seit Jerobeams Zeiten die Staatsreligion des Nordreiches praktiziert wurde. Propheten sprachen in einem Wortspiel über Beth-El (Haus Gottes) als Beth-Aven (Haus der Sünde, aber auch des Unterganges). Aber es gab in Bethel auch Propheten und selbst Prophetenschüler (2,3), und das heißt: der Protest gegen Jerobeams Instrumentalisierung der Religion und natürlich gegen die noch viel gröbere Form des Baalsdienstes unter Ahab und Isebel starb nicht aus. In dieses Bethel kehrt Elisa, der Nachfolger Elias, zurück. Es war deshalb wohl nicht der Übermut Halbwüchsiger, der sie zu dieser Verspottung brachte. Das hätten sie wohl gern, dass nur Greise und Kahlköpfe, Menschen von gestern, gegen ihre Pseudoreligion protestierten. Aber junge Propheten wie Elisa haben im Allgemeinen noch keine Glatze. Haben sie dieses Spotten von ihren Eltern gelernt? Wir wissen ja: "Wie die Alten sungen, ..." In ihrem Spott zeigt Bethel (Beth-Aven!) sein wahres Gesicht. Nun trifft sie der Fluch; sie und zugleich alle, die sie zur Verspottung des ungeliebten Propheten verleitet haben. Sie wollten ihn wegärgern, denn er störte sie mit ihrem Missbrauch der Religion für Staatszwecke. Es ist derselbe Fluch, der in der Gerichtsankündigung des Amos seinen Ausdruck findet: "Bethel wird zunichte werden", denn bald wird "ein verzehrendes Feuer (kommen), das niemand löschen kann zu Bethel" (Amos 5,5f.).
Heilsgeschichtliche Auslegung
Diese Auswertung der Geschichte, die man in der Predigtlehre im Unterschied zur obengenannten exemplarischen Predigt heilsgeschichtlich genannt hat, führt ebenfalls zu Jesus Christus hin. Was ist seine Verfluchung des Feigenbaumes (Mk 11,12-14) anders als eine Ankündigung des Gerichts? Und was sind seine wiederholten Weherufe in Matthäus 23, sieben an der Zahl, anders als Drohung mit Gottes Strafe? Bei einer anderen Gelegenheit hat Jesus darüber gesprochen, dass es für bestimmte Menschen besser wäre, ein Mühlstein würde um ihren Hals gehängt, und sie würden ersäuft in der Tiefe des Meeres (Mt 18,6), worauf dann die Worte folgen: "Wehe der Welt der Verführungen wegen. Es müssen ja Verführungen kommen. Doch weh dem Menschen, der zum Abfall verführt" (V.7).
Seelsorgerliche Motive entscheidend
Da sind sie, die beiden Predigten im Kleinformat, die eine exemplarisch, die andere heilsgeschichtlich; beide sind sie legitim, beide führen sie vom Alten Testament aus zu Jesus Christus hin. In beiden Fällen wird der Prophet ernst genommen, in seiner eigenen Verantwortung für das, was er sagt und wie er es sagt, wie er auftritt und wie er reagiert. Ein Prophet steht im Dienste Gottes, so wie wir ihn aus seinem Wort kennen. Einerseits lässt Gott nicht mit sich spotten; andererseits erträgt Jesus allen Spott und mahnt er uns, in seinem Dienst auch Spott zu ertragen. Es müssen deshalb seelsorgerliche Motive den Ausschlag geben und die Art der Predigt bestimmen. In einer Welt, in der Gott und sein Wort missbraucht werden für eigene nationale, staatliche oder persönliche Ziele, sollte diese Geschichte in all ihrer Ärgerlichkeit verkündigt werden. Gott ist nicht so harmlos wie ihr denkt, und er schweigt nicht, wo er menschlichen Interessen untergeordnet wird. Ich bin geneigt, einer Predigt in diesem Sinne den Vorzug zu geben. Wo jedoch ein Prediger schockiert ist durch die Leichtigkeit, mit der auch Christen andere verwünschen, als Verfluchte betrachten und am liebsten Gott noch etwas nachhelfen möchten, da kann es Sinn haben, die andere Seite der Medaille zu beleuchten, und auch dann in der Vollmacht Jesu.
Heinrich Baarlink, Nordhorn
Randbemerkungen:
Wenn nicht, dann wird es höchste Zeit, ihm eine Randbemerkung zu widmen; der bevorstehende Übergang in das neue Jahrtausend ist ein besonders geeigneter Anlass dazu.
Mitglied Deutsche Bibelgesellschaft
Der Weltbibelring ist eine Aktion der Deutschen Bibelgesellschaft. Seine Mitglieder setzen sich dafür ein, dass möglichst viele Menschen in aller Welt eine Bibel in die Hand bekommen. Mitglied kann man werden, wenn man sich bereit erklärt, regelmäßig einen kleineren Betrag dafür zu geben. Ich nenne ein Beispiel: Wer sechs Mark im Monat gibt, hilft auf diesem Wege, dass jeden Monat irgendwo in der Welt jemand eine Bibel erhalten kann. Sechs Mark pro Monat. Mit einem Dauerauftrag von achtzehn Mark pro Vierteljahr können viele unter uns gut leben. Und jedes mal darf er/sie wissen: irgendwo in unserer Welt können mit diesem Betrag drei Bibeln an den Mann oder an die Frau gebracht werden.
Bibeln in Gaza und Nanjing
Der Weltbibelring gibt jeden Monat die ‘Weltbibelring Nachrichten’ heraus und schickt sie allen seinen Mitgliedern zu; so bekommt man umfangreiche und aktuelle Informationen und wächst in dieses wunderbare Werk hinein. Es ist erstaunlich, was auf diesem Gebiet geschieht.
Ein Blick auf die Nachrichten vom September 1999 bestätigt das. Wusstest du, dass im Gazastreifen, und zwar in der Stadt Gaza, ein neuer Bibel-Buchladen eröffnet ist und dass weitere folgen sollen? Wusstest du weiter, dass in Nanjing (früher Nanking geschrieben) in China seit den Erleichterungen auf religiösem Gebiet bis März dieses Jahres bereits 20 Millionen Bibeln gedruckt worden sind und dass seit dem März schon wieder eine Million folgten? Auf die Frage, ob denn überhaupt noch Bibeln benötigt werden, antwortete Prof. Dr. Chen Zemin vom theologischen Seminar Nanjing: "Jedes mal, wenn eine Lieferung ihren Bestimmungsort erreicht hat, sind die Bücher im Handumdrehen vergriffen."
Brief, Anruf oder Fax genügt
Ich möchte Sie oder dich als Leser fragen, ob es nicht ein guter Start ins neue Jahrtausend wäre, Mitglied des Weltbibelringes zu werden. Ein Brief an die Deutsche Bibelgesellschaft genügt. Ihre Adresse lautet: Balinger Straße 31, 70567 Stuttgart, Tel. 0711 71 81 0, Fax 0711 71 81 250.
Heinrich Baarlink, Nordhorn
Mitglieder des Weltbibelring erhalten zusätzlich vierteljährlich kostenlos die Zeitschrift "Bibelreport". Auf jeweils 16 A4 Seiten vermittelt sie sehr viele Informationen über die Arbeit der Bibelgesellschaften und über die Bibel selbst. GJB
Seelsorge im Grafschafter Klinikum
Der Grenzbote vom 7.11.1999 brachte auf S. 173 einen Beitrag von Dr. B. Schroven, Pastorin am Grafschafter Klinikum über einen geplanten "Raum der Stille und der Andacht" Hier folgen weitere Informationen. .
Bisheriger Werdegang
Planungen Andachtsraum
Seit vielen Jahren wird nun der Wunsch geäußert, im Grafschafter Klinikum einen Andachtsraum einzurichten, der den Patienten, Angehörigen, Besuchern und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gleichermaßen für Stunden der Stille und Besinnung zur Verfügung stehen soll. Das Grafschafter Klinikum hat gemeinsam mit der Krankenhauspastorin, Frau Dr. Schroven, Frau Gemmeker und den Architekten Feitsma & Egberdt einen Entwurf für einen Andachtsraum erarbeitet, der den Vorstellungen aller Beteiligten entspricht. Der Entwurf sieht einen schlichten Gottesdienstraum vor, dessen Vorbau den Blick in den Park des Grafschafter Klinikums freigibt. Der Gottesdienstraum soll hell und freundlich gestaltet werden. Er wird vom Eingangsbereich des Klinikums als solcher erkennbar und für jeden, der Andacht und Ruhe oder auch den Kontakt zur Krankenhausseelsorge sucht, zugänglich sein.
Auf Spenden angewiesen
Für den Umbau und für die Einrichtung ist mit Kosten in Höhe von rd. 225.000,00 DM zu rechnen. Die Finanzierung des Vorhabens nach den Vorschriften des Krankenhausfinanzierungs- und Pflegesatzrechtes ist nicht möglich, so dass das Grafschafter Klinikum auf Spenden und andere Zuwendungen angewiesen ist. Aus diesem Grunde möchten wir Sie herzlich bitten, die Einrichtung des Andachtsraumes nach Ihren Möglichkeiten mit einer Spende zu unterstützen.
Für die Überweisung von Spenden wurden zwei Sonderkonten eingerichtet: Kreissparkasse Nordhorn, BLZ 26750001, Kto. 5013131, und Raiffeisen- und Volksbank Nordhorn, BLZ 26760005, Kto. 108000801. Bitte geben Sie das Stichwort "Andachtsraum" an und vermerken Sie gegebenenfalls den Begriff "Spendenbescheinigung". Das Grafschafter Klinikum ist allen Personen, Institutionen, Unternehmen, Vereinen usw., die das Projekt ideell und finanziell unterstützen, sehr verbunden und dankbar.
Hildebrand Stegemann, Vorsitzender des Verwaltungsrates
Johann Bosch, Geschäftsführer
Der vorliegende Beitrag stammt aus einem Faltblatt des Klinikums. Es informiert auf acht A5 Seiten unter dem Titel "Ein Andachtsraum im Grafschafter Klinikum" und kann kostenlos beim Klinikum (Albert-Schweitzer Straße 10, 48527 Nordhorn, Tel. 05921 84-14 41 (Frau Dr. Schroven) angefordert werden. GJB
"Der Synodalverband Grafschaft Bentheim begrüßt das Projekt sehr!" heißt es im Protokoll der Versammlung des Synodalverbandes der Evangelisch-altreformierten Kirche vom 6.10.1999. "Es verdient nach Kräften unterstützt zu werden. Daher beschließt die Versammlung die Bitte an die Kirchenräte, das Projekt mit mindestens einer Kollekte zu unterstützen.
Angeregt wird weiter, diese Kollekte möglicherweise mit Mitteln aus der Diakoniekasse zu verdoppeln. Die Gemeinde sollte darauf hingewiesen werden, dass sie die geplante Einrichtung auch anlässlich von Familienfeiern durch Sammlungen unterstützen könne."
Kerzen im Advent nach Philipper 4, 4-7
Das Licht am Kranz kann nicht die Nacht erhellen,
doch soll es dir und mir ein Zeichen sein!
Es strahlt uns Gottes Glanz in Finsternissen
und bricht in unsre dunklen Herzen ein.
Das erste Licht will uns zur Freude rufen,
so freuet euch im Herren allezeit!
Wie es die Hirten auf dem Felde hörten:
Gott selber tritt in unsre Dunkelheit.
Das zweite Licht verheißt uns Gottes Güte.
Gott teilt uns reichlich seine Liebe aus.
So tragt die frohe Botschaft freudig weiter
und ruft sie in die dunkle Welt hinaus.
Das dritte Licht sagt tröstend: Bringt die Sorgen
mit Danken und mit Flehn vor euren Herrn!
Er wird euch helfen, seht, er ist uns nahe,
denn auch für uns erschien der Weihnachtsstern!
Das vierte Licht verkündet Gottes Frieden,
er zieht auch diese Weihnacht bei uns ein,
dass wir in unsern Ängsten ihm vertrauen
und tröstlich spüren: Wir sind nicht allein.
Barbara Cratzius