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Nr. 12 (11. Juni 2006):

Zur Freiheit hat uns Christus befreit - Gal.5,1 (Andacht von Gerold Klompmaker, Laar)
Im Strom der Zeit: Rechtsextremismus und Wege, ihn zu bekämpfen
Aus den Gemeinden: Gerrit Jan Beuker, "Gemeinde unter dem Kreuz, Altreformierte in Emden 1856 - 2006"
Diakonie: Hilfe nach Erdbeben in Indonesien
Gleichnisse Jesu (6)
Buchtipp: Sie schwammen gegen den Strom
Dreiländerreise nach Israel - Jordanien - Ägypten (Sinai)


Zur Freiheit hat uns Christus befreit

Galater 5, 1

Der Begriff "Freiheit" hat Hochkonjunktur. Für manche Menschen in unserem Land bedeutet Freiheit: unabhängig sein, leben ohne Bindungen, weg mit den Verpflichtungen! Der so nach Freiheit strebende Mensch lässt sich ungern etwas vorschreiben. Man will frei sein, das zu tun, wozu man Lust hat. Der freie Mensch fährt, wohin er will. Er kauft das, worauf er Lust hat. Er sieht das und interessiert sich für das, was ihm gefällt. Grenzenlose Freiheit!

Auf der Basis der eigenen Stärke

Menschen, die etwas von unserem Leben und Zusammenleben verstehen, sprechen davon, dass wir "individualisiert" sind.. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied! Die Freiheit, von der landauf landab geträumt wird, muss ich selbst verwirklichen: Wenn genug Geld da ist, kann ich mir die Freiheit leisten, mir das zu kaufen, was ich will. Das ist eine Freiheit, die auf der eigenen Kraft und Stärke, dem eigenem Engagement beruht.

Dass Menschen diese Art der Freiheit mit einem hohen Preis bezahlen, wird an vielen Stellen deutlich. Da, wo wir den freien Markt haben, entdecken wir, sind die Schwachen die Verlierer. Da, wo wir auf freies Wachstum der Wirtschaft setzen, ist die Umwelt der Verlierer. Da, wo wir in den Beziehungen auf grenzenlose Freiheit setzen, ist die Liebe der Verlierer. Diese eingebildeten Freiheiten sind Unfreiheiten, die uns knechten.

Befreit durch Christus

Das Wort aus dem Galaterbrief spricht von einer anderen Freiheit, nämlich von der Freiheit, zu der Christus befreit. Christus verschafft uns keine Freiheit, die uns und anderen schadet. Er stellt uns in seine Freiheit hinein. Da liegt ein entscheidender Unterschied. Nicht wir selbst begründen unsere Freiheit. Nicht unsere eigene Kraft und Stärke, nicht unser Ansehen und Aussehen, nicht unsere Leistungen und Verdienste machen uns frei. Unseren Wert, unseren Bezugspunkt, der uns Halt gibt, finden wir in Jesus Christus.

Frei sein von, frei sein für

Paulus schrieb, dass die Galater fest bleiben und sich nicht von neuem unter das Joch der Knechtschaft begeben sollten. Lassen wir uns damit sagen: In Christus sind wir frei, unser Handeln nicht nach menschlichen Maßstäben wie Erfolg, Prestige, Schönheit, Jugendlichkeit usw. ausrichten zu müssen. Kraft und Identität verleiht uns Gott. Wir müssen uns nicht in den Dingen dieser Welt verwirklichen und nicht an die Dinge dieser Welt verlieren..

Haben wir unseren Bezugspunkt und Halt in Jesus Christus, macht uns das zu verantwortlichen Menschen. Im Glauben an Jesus Christus sind wir befreit zur Verantwortung für die Schöpfung mit ihren vielen Fassetten. Wir sind befreit zur Freiheit, anderen zu helfen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Wir sind befreit zur Freiheit, Kinder anzunehmen wie sie sind, ohne von ihnen als Dank bessere Leistungen in der Schule oder anderswo zu erwarten. Wir sind befreit zur Freiheit, uns in der Gemeinde oder anderswo zu engagieren, ohne dass uns das auf den ersten Blick "etwas bringt". Wir sind befreit zur Freiheit, Traditionen auf ihre Tauglichkeit in der heutigen Zeit zu prüfen, ohne dass uns dabei die Wahrheit entgleitet. Wir sind in Christus befreit, zu dienen.

Ich wünsche uns, dass Gott uns fest macht in der Freiheit, zu der uns Christus befreit hat. So fest, dass wir uns nirgendwo sonst binden lassen.

Gerold Klompmaker, Laar

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Im Strom der Zeit

Rechtsextremismus und Wege, ihn zu bekämpfen

Bettina Vestring führte mit Wolfgang Huber, Bischof der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, ein Gespräch über den Rechtsradikalismus in Deutschland und über Wege, diesen Rechtsradikalismus zu bekämpfen. Der Text wurde in der "Berliner Zeitung" vom 26. Mai 2006 veröffentlicht, als die Fußball-Weltmeisterschaft - Motto "Zu Gast bei Freunden" - näher rückte und gleichzeitig die Frage diskutiert wurde, ob Fremden nahe gelegt werden muss, bestimmte Orte und Bereiche des Landes zur eigenen Sicherheit und Unversehrtheit zu meiden und nicht zu betreten.

??? Herr Bischof, erst stellte sich der angeblich fremdenfeindliche Angriff auf einen Italiener in Berlin-Prenzlauer Berg als Lüge heraus, jetzt gibt es Zweifel an dem Potsdamer Überfall auf einen Deutsch-Äthiopier. Sehen Sie Grund zur Entwarnung?

Nein. Neue Überfälle auf Ausländer zeigen leider, dass es keinerlei Grund zur Entwarnung gibt. Der Angriff auf den Politiker Sayan in Berlin-Lichtenberg steht uns allen deutlich vor Augen. Die niederträchtige Behandlung des Kindes äthiopischer Herkunft durch Jugendliche in Pömmelte wurde gerade vor Gericht verhandelt. Der in diesen Tagen veröffentlichte Verfassungsschutzbericht schildert leider eine steigende Zahl von Übergriffen. Das muss uns beunruhigen; es fordert Aufmerksamkeit, Wachsamkeit und persönliches Engagement.

??? Ist der Rechtsextremismus ein Sonderproblem in Ostdeutschland?

Wir sollten nicht so tun, als gäbe es dieses beunruhigende Phänomen nur im Osten Deutschlands. Allerdings ist das Problem dort zugespitzt. Schon in der DDR gab es Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und nationalistische Einstellungen. Offenbar hat man sich das nicht deutlich genug bewusst gemacht. Im Osten ist die jüngere Generation außerdem besonders verunsichert, was ihre Lebenssituation und ihre Zukunftschancen betrifft. Das ist ein Umfeld, in dem leicht Extremismus entsteht. Und noch etwas ist anders als im Westen: In den neuen Bundesländern gibt es ein Phänomen von Fremdenfeindlichkeit ohne Fremde. Die wenigen Menschen mit anderer Hautfarbe, die sich im Osten bewegen, sind dann tatsächlich besonders gefährdet.

??? Zugleich leidet Ostdeutschland unter der Abwanderung. Verstärkt die Entvölkerung das Problem?

Sie trägt dazu bei, weil diejenigen gehen, die besonders aktiv, mobil und zuversichtlich sind. Unter denen, die bleiben, ist ein hoher Anteil von Menschen, die sich von der Gesellschaft enttäuscht abwenden, weil sie schlechte Ausbildungs- und Berufschancen haben. Das kann in eine Protesthaltung münden, aus der heraus Menschen dann ihre Zuflucht auch zum Rechtsextremismus nehmen.

??? Halten Sie die Debatte über die No-Go-Areas für hilfreich?

Es ist wichtig und richtig, dass Menschen auf Leib und Leben achten. Es gibt sowohl Tageszeiten als auch Gegenden, in denen man sich - wenn überhaupt - besonders vorsichtig bewegen sollte. Aber die Ausrufung von so genannten No-Go-Areas ist nicht hilfreich. Wir können Deutschland nicht unterteilen in einen Teil, in dem man sich frei bewegen kann, und einen anderen, in dem das nicht mehr geht.

??? Aber wenn das doch die Realität ist?

Natürlich habe ich Verständnis dafür, dass eine Institution wie der Afrika-Rat, dessen Mitglieder selber betroffen sind, über Warnungen nachdenkt. Trotzdem bedrückt mich die Diskussion. Vor ein paar Jahren haben wir uns zu Recht darüber empört, dass Rechtsextreme so genannte National Befreite Zonen ausgerufen haben, wo sie weder Linken noch Ausländern den Zutritt gestatten wollten. Wenn man nun manche Gegenden als "No-Go-Areas" bezeichnet, die man nicht ohne Gefahr für Leib und Leben betreten kann, bestätigt man gerade den Erfolg dieser Strategie. So weit solche Zonen wirklich existieren, gibt es die Pflicht zu einer verstärkten polizeilichen Präsenz. Eine Kapitulation vor den Rechtsextremen darf es nicht geben.

??? Welche Rolle spielen die Pfarrer der evangelischen Kirche?

In vielen Orten sind die Kirchengemeinden und die Pfarrer ein Kern von Bündnissen gegen Rechtsextremismus. Kirchliche Mitarbeiter sind oft auch diejenigen, die zu manchen Familien noch am ehesten Zugang haben. Wenn es eine Verbindung zur Kirche gibt, kann ein Pfarrer darauf achten, welche Mentalität sich in der Familie ausbildet, wie mit den Kindern umgegangen wird und ob die Kinder in die rechtsextreme Szene abgleiten. Da beherzt einzugreifen, gehört zu den wichtigen seelsorgerischen Aufgaben.

??? Wo sehen Sie für staatliche Stellen mehr Handlungsmöglichkeiten?

Die größte Aufgabe sehe ich im Bereich von Bildung und Erziehung. Dort müssen wir den Mut aufbringen, keinen einzigen verloren zu geben. Jedem jungen Menschen müssen wir nachgehen und versuchen, ihn zu einer verantwortlichen Haltung zu bringen. Gerade die Jugendlichen, die auf einen Hauptschulabschluss zugehen, müssen wir so begleiten, dass sie im Anschluss einen Ausbildungsplatz finden. Vorbildlich finde ich die Projekte, in denen Verantwortungsträger aus der Wirtschaft Hauptschüler einzeln begleiten und auf ihre Bewerbungen vorbereiten.

??? Trifft das nicht genauso auf junge Migranten zu wie beispielsweise die Schüler der Berliner Rütli-Schule?

In der Tat sehe ich große Vergleichbarkeiten. Immer dort, wo es um Gruppen geht, die aus ihrer Dynamik heraus Fremden- oder Menschenfeindlichkeit entwickeln, müssen wir stärker auf die soziale Situation achten als auf den Reisepass. An Schulen, an denen ein großer Anteil der Kinder aus Migrantenfamilien stammt, schaffen nicht nur der Migrationshintergrund und die mangelnden sprachlichen Kompetenzen Probleme, sondern auch die soziale Situation und die Bildungsferne.

Jan Alberts, Nordhorn

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Aus den Gemeinden

Gerrit Jan Beuker, "Gemeinde unter dem Kreuz, Altreformierte in Emden 1856 - 2006"

Jubiläumssonntag am 7. Mai in Emden, mit großer Freude nahm ich das Buch in die Hand. Nach fünf Tagen hatte ich es schon gelesen. Wie dankbar bin ich Pastor Dr. Beuker, dass er dieses Buch geschrieben hat. Die Geschichte der Gemeinde wird lebendig. An erster Stelle gilt der Dank Pastor Beuker. Ich wage ihn nicht zu fragen, wie viele Stunden er für dieses Buch gearbeitet hat. Der Dank gilt auch allen, die ihm viele Informationen gaben und denen, die mitgeschrieben haben.

Im September 1962 begann ich meinen Dienst in der Evangelisch- reformierten Gemeinde in Emden. Ich besuchte einen Ältesten der Gemeinde im Emder Krankenhaus. Als ich ihm Gottes Wort zugesprochen und mit ihm gebetet hatte, wurde ich von einem langen Gebet überrascht, das er dann sprach. Er betete für einen schwer kranken Mann, für Bruder Heetderks. Erst nach dem Gebet erzählte er mir von Pastor Heetderks. Später habe ich oft gesagt: "Bernhard, ich habe Dich im Gebet kennen gelernt."

Wie lebt diese Zeit wieder auf durch den Bericht, den Anna Heetderks für dieses Buch geschrieben hat.

Auch die Zeit mit Pastor Hindrik Heerspink wird in dem Buch so recht lebendig. Meine Frau und ich waren in der ganzen Zeit mit beiden Pastorenfamilien sehr befreundet, und wir sind es heute noch mit Anna Heetderks und mit Dina und Hindrik Heerspink. Diese Freundschaft hat sich von uns auf die Gemeinde und von der Gemeinde auf uns übertragen. Wie gern haben wir Dienste in der Gemeinde übernommen. Wir tun es heute auch noch gern.

Wiebe Bergsma berichtet von seiner ersten Begegnung mit der Gemeinde in dem kalten und langen Winter 1962/63. Das war auch mein erster Winter in Emden. Wie oft lag ich mit dem Fahrrad am Boden. Damals waren wir noch jung.

Von den Anfängen der Gemeinde, und den vielen Pastoren wird berichtet. Wie viel Forschungsarbeit hat Pastor Beuker getrieben. Die Zerstörung Emdens im 2. Weltkrieg kommt ausführlich zur Sprache. Am Beispiel der Pastorenfamilie Brink wird deutlich, was damals fast alle in Emden erlebt haben. Am 1. April 1941, als ein Angriff auf Emden erfolgte, gab es noch keine Bunker. Kirche und Pfarrhaus wurden zerstört. Ein fremder Mann steht auf den Trümmern des Pfarrhauses und ruft: "Lebt hier noch jemand?" "Ja, wir sind zu dritt", ruft Frau Brink aus dem Kellereingang. Sie wurde mit ihren beiden Kindern gerettet. Pastor Brink war an jenem Abend in Campen, um den kirchlichen Unterricht zu erteilen. Was haben damals die Pastoren auf sich genommen, um diesen Dienst zu tun. Kann noch jemand etwas berichten von dem kirchlichen Unterricht im Krieg?

Wie schwer war der Aufbau nach 1945. Alle, die diese Zeit nicht miterlebt haben, werden beim Lesen dieses Buches besonders aufhorchen. Älteste aus Emden hielten sich viele Tage in den Gemeinden in der Grafschaft Bentheim auf. Sie gingen von Haus zu Haus und baten um ein Opfer für den Bau der Kirche in Emden. Wie viel Arbeit für den inneren Aufbau der Gemeinde musste erfolgen, als 1951 die Kirche in Gebrauch genommen wurde. Wie gern habe ich den Bericht über die Evangelistin Gesine Husmann und den Bericht von Pastor Guhrt gelesen.

Wie viele kleine Bemerkungen aus den Kirchenratsprotokollen aus allen Jahrzehnten werden den Leser beschäftigen. Namen von Menschen, die sie gekannt haben, tauchen auf. Erlebnisse, woran sie beteiligt waren, regen zum Nachdenken an. Für mich war es der Name Peter Bauman, ein Sohn der Emder Gemeinde, Er ist nicht mit mir verwandt. Ich habe ihn auch nie gesehen. Mit ihm verbindet mich aber die Ausbildung in der Evangelistenschule Johanneum in Wuppertal-Barmen. Wenn in der Schule Pakete an ehemalige Schüler nach Ostdeutschland geschickt wurden, durfte aus Sicherheitsgründen der Name der Schule nicht als Absender erscheinen. So war ich eben der Absender der Pakete für Peter Bauman. Es gab auch einen kurzen Schriftverkehr mit ihm. An seiner Beerdigung in Emden habe ich teilgenommen.

Eine andere Bemerkung aus dem Protokoll: "Mai 1906 nimmt Pastor Jäger an der Einweihung vom Diakonissenverein in Emden teil." Da wurde das Altersheim Bethanien, betrieben bis 1996 von einem Verein innerhalb der Ev.-ref. Gemeinde, eingeweiht. Mit diesem Heim war ich in allen Jahren meines Dienstes verbunden. Oft haben dort auch Pastor Heetderks und Pastor Heerspink Bibelstunden gehalten.

Von Pastor Lankamp wird berichtet, dass er in dem Buch der Freikirchen, "Viele Glieder ein Leib", einen Beitrag über die Altreformierten verfasste. Diesen Beitrag habe ich 1960 in Wuppertal gelesen. Es war meine erste Beschäftigung mit der Geschichte der Evangelisch-altreformierten Kirche.

Vieles könnte ich noch aufzählen, was ich gern in diesem Buch gelesen habe. Die Geschichte der Gemeinde wird so recht lebendig. Aber doch nicht nur die Geschichte. Die Gemeinde lebt. Das wird deutlich, wenn in Wort und Bild alle heutigen Aktivitäten der Gemeinde dargestellt werden. Das Buch will Mut machen für die Arbeit in unserer Zeit. Die Gemeinde lebt, weil Jesus Christus lebt.

Die Gemeinde hat Zukunft, weil Jesus Christus die Zukunft der Gemeinde ist.

Folkert Baumann, Emden

Die vorhandenen Bücher reichten für den Verkauf am 7. Mai nicht aus. Ein Neudruck ist geplant. Das Buch ist im DIN - A4 Format erschienen. Es hat 204 Seiten und eine gut lesbare Schrift. Auf die Vergangenheit und Gegenwart weisen 175, meist bunte Bilder hin. Das Buch ist wohl seinen Preis von 20,00 € wert. Es werden nur so viele Bücher gedruckt, wie bestellt werden. Die Bestellung nimmt bis zum 20. Juni entgegen: Monika Schipper, Emder Strasse 8, 26759 Hinte, Telefon: 04925/1688, E-Mail: www. familieschipper@t-online.de

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Diakonie

Hilfe nach Erdbeben in Indonesien

Ein Erdbeben der Stärke 6,2 hat am frühen Samstagmorgen, 27. Mai, die Umgebung von Yogyakarta heimgesucht. Nach neuesten Meldungen sind mehr als 5100 Menschen ums Leben gekommen und viele Tausend weitere verletzt worden. In der Stadt Bantul sind mehr als 80 Prozent der Häuser völlig zerstört worden. Zahlreiche Küstenbewohner flüchteten in die höher gelegenen Gebiete. Bei diesem Erdbeben handelt es sich um die schwerste Naturkatastrophe in Indonesien seit dem Tsunami am zweiten Weihnachtstag 2004.

Internationale Hilfe angelaufen

Das Auswärtige Amt in Berlin stellte für Soforthilfe zunächst 500.000 € zur Verfügung. Mit den Mitteln wurden Projekte deutscher Hilfsorganisationen in Zusammenarbeit mit Partnern vor Ort unterstützt. Unter anderem finanziert das Auswärtige Amt den Betrieb einer mobilen Wasseraufbereitungsanlage des Deutschen Roten Kreuzes, mit der über 20.000 Menschen mit Trinkwasser versorgt werden könnten. Mit weiteren Hilfsprojekten sollten insbesondere die medizinische Notversorgung sichergestellt und Notunterkünfte errichtet werden. Bundespräsident Horst Köhler brachte in einem Schreiben an den indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono m Namen der Deutschen seine tief empfundene Anteilnahme zum Ausdruck.

Diakonie Katastrophenhilfe

Die Diakonie Katastrophenhilfe und ihre indonesischen Partner leisten medizinische Hilfe und verteilen Hilfsgüter. "Unsere Partner verteilen Lebensmittel und Decken. Außerdem werden dringend Zelte, Medikamente und Hygieneartikel benötigt", berichtete Bernd Baucks, Projektkoordinator der Diakonie Katastrophenhilfe für Südasien. Nachdem der Flughafen in Yogyakarta am Montag wieder geöffnet worden war, konnten Hilfsgüter direkt in das Katastrophengebiet gebracht werden. Das Erdbeben ereignete sich in der Nähe des Vulkans Merapi. Dort versorgen die indonesischen Partner der Diakonie Katastrophenhilfe bereits seit Wochen Menschen, die aufgrund eines befürchteten Vulkanausbruchs ihre Häuser verlassen mussten. Sie konnten deshalb sehr schnell auch in der Erdbebenregion Hilfe leisten. Für Soforthilfemaßnahmen hat die Diakonie Katastrophenhilfe 200.000 € bereit gestellt. Die Partnerorganisationen der Diakonie Katastrophenhilfe sind u.a. YAKKUM Emergency Unit (YEU) und Church World Service (CWS).

Die Partnerorganisation YEU hilft mit mobilen Ambulanzen in den betroffenen Regionen hauptsächlich bei der medizinischen Versorgung der Erdbebenopfer. Die inzwischen zehn Ambulanzen bestehen aus Ärzten, Krankenschwestern und anderem Personal. Weiterhin hat YEU Gesundheitsposten eingerichtet. Die Teams berichten, dass die provisorischen Unterkünfte nicht ausreichend vor dem Regen schützen, Erste-Hilfe-Sets und Medikamente fehlen, ebenso Toiletten und andere Sanitär-Einrichtungen, Lebensmittel und andere Dinge.

CWS hat in vier Unterdistrikten in der Region Bantul Mineralwasser und Lebensmittel verteilt - in Kretek, Parangtritis, Tambang Dipuro und Pundong. Das CWS-Notfallteam erkundet zurzeit sechs weitere Unterdistrikte in Bantul: Sabdodadi, Jetis, Plered, Imogiri, Sewon und Kasihan.

Hilfe der VEM

Die Vereinte Evangelische Mission (VEM) hat nach einer Pressemitteilung vom 29. Mai 15.000 € Soforthilfe für die Erdbebenopfer in Zentraljava zur Verfügung gestellt. Damit werden Hilfsmaßnahmen des indonesischen Kirchenverbands PGI, der VEM-Mitgliedskirche GKJTU sowie der theologischen Universität "Duta Wacana" in Yogyakarta unterstützt. Der VEM- Asienreferent Pastor Peter Demberger nahm sofort Kontakt zum VEM-Regionalbüro Asien sowie zu den VEM-Mitgliedskirchen in Ostjava und im nördlichen Zentraljava auf. Beide Kirchen sind nicht direkt betroffen. Die VEM ist eine Gemeinschaft von Kirchen in drei Erdteilen. Die meisten Mitgliedskirchen sind in Indonesien zu Hause.

Quellen: Zuletzt am 30.05.06 aktualisierte epd-, Diakonie Katastrophenhilfe- und VEM-Meldungen
Jan Alberts, Nordhorn

Spenden und Kollekten an: Diakoniekasse der Ev.-altref. Kirche, Kontoführer Dietrich Kolthoff, Konto-Nr. 2050573, Sparkasse Leer-Weener, BLZ 28550000, Vermerk "Erdbebenhilfe Indonesien"

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Gleichnisse Jesu (6)

Das überraschende Entgegenkommen Gottes

Die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer fasteten oft und beteten viel (Lk 5,33). Die Jünger Jesu fasteten nicht. Es lag an Jesus, nicht an ihnen. Im Gespräch mit Pharisäern und Schriftgelehrten nannte er den Grund: "Ihr könnt die Hochzeitsgäste nicht fasten lassen, solange der Bräutigam bei ihnen ist" (V. 34). Das bedeutet: Die Hochzeit hat begonnen, freut euch - mit mir! Mit Jesus freuten sich Zöllner wie Levi, der ein großes Festessen für Jesus veranstaltete (V. 29). Pharisäer und andere Gesetzeslehrer beklagten sich darüber: "Warum esst und trinkt ihr mit Zolleinnehmern und ähnlichem Volk?"(V. 30) Das ist im Lukasevangelium die Ursprungssituation des vielleicht bekanntesten Gleichnisses Jesu. Es erzählt von einem Vater und zwei Söhnen (Lk 15,11-32). Beide Söhne handeln nicht ungewöhnlich, der Vater schon: Er überrascht den einen und den anderen. Gerade an diesen Stellen des Gleichnisses kann uns ein Licht aufgehen. Was wir vernehmen, kann uns und unser Leben verändern - so sehr, dass die Veränderung der Wende vom Tod zum Leben gleicht.

Ein Gleichnis oder zwei?

Lukas überliefert den Text als einziger von den Evangelisten. Handelt es sich um ein Gleichnis oder um zwei? Trifft die geläufige Bezeichnung "Vom verlorenen Sohn" den Kern? Weil der Weg des jüngeren Sohnes in der Verlorenheit endet? Er endet dort ja nicht! Wegen des Zusammenhangs im Lukasevangelium, der Gleichnis-Reihe: "Vom verlorenen Schaf", "Vom verlorenen Silberstück", "Vom verlorene Sohn"? Im Gleichnis spielen zwei Söhne eine Rolle. Ist der andere Sohn, der treu im Dienst des Vaters steht, auch verloren? Sollten wir das Gleichnis besser "Von zwei verlorenen Söhnen" nennen? Oder noch anders?

Der jüngere verlorene Sohn (Lk 15,11-24)

"Ein Mensch hatte zwei Söhne" (V. 11). Von Anfang an sind da zwei Söhne und Brüder, wie in der Geschichte von Kain und Abel, Jakob und Esau. Doch mit dem Vater beginnt das Gleichnis und mit dem Vater endet es auch.

Der jüngere Sohn wünscht, dass sein Vater ihm den Teil der Güter gibt, der ihm zusteht. Es ist keine freche Forderung. Nach damaligem Recht konnte ein Erbe auch schon bei Lebzeiten durch Schenkung geschehen (5. Mose 21,17). Von zwei Söhnen eines Hofbesitzers bekam der ältere 2/3, der jüngere 1/3 des verfügbaren Vermögens.

"Da teilte der Vater seinen Besitz unter die beiden auf." Es ereignet sich ohne Kommentar oder gar Kritik. Der jüngere Sohn erhält seine Abfindung. Weitere Ansprüche können nicht geltend gemacht werden.

Selbstständig sein

Der Sohn macht sein Erbe zu Geld und zieht in ein "fernes Land", weit weg in die Fremde. Dass der jüngere Sohn auswanderte, war ebenfalls nichts Unanständiges und Ungewöhnliches. Nach Schätzungen lebten damals ˝ Million Juden in Israel und über 4 Millionen im Ausland, in der Diaspora.

Stellen wir uns den "Verlorenen Sohn" also nicht als "miese Type" vor! Er ist herangewachsen und will selbstständig sein. Das ist es doch, was Kinder wollen und sollen: selbstständig sein, in eigener Verantwortung leben. Wenn Kinder aus dem Haus gehen, fragen Eltern sich oft: Können wir ihn/sie gehen lassen? Die Frage quält den Vater im Gleichnis nicht.

Geld regiert die Welt

"Dort lebte er in Saus und Braus und verjubelte alles." Der Gedanke liegt nahe: Mit Geld steht mir die ganze Welt offen! Der jüngere Sohn mag von dem Land der ungeahnten Möglichkeiten geträumt haben, angekommen ist er dort nicht. Er verprasst sein Geld, gibt es aus für das, was ihn fasziniert: Leben in vollen Zügen, Leben auf großem Fuß. Wer Geld verprasst, findet leicht andere, die nur gefällig sind. Da sind immer Freunde, die in Wahrheit keine Freunde sind. Der ältere Bruder wird später von Huren reden.

In der Abhängigkeit eines Fremden

Das Geld ist bald weg, aufgebaut ist nichts; verprasst das ganze Vermögen, die Zukunft verspielt. "Als er nun all das Seine verbraucht hatte, kam ein große Hungersnot über jenes Land ...." Zur Schuld kommt hinzu, was "Schicksal" genannt wird: teure Zeit, Hungersnot. Das Leben wird eng, dem jungen Mann geht es schlecht.

"Er hängte sich an einen Bürger des Landes, der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten ..." Er verdingt sich einem Fremden. Damit klingt kurz an, was die Zöllner in Jesu Tagen taten: Als Kompagnons des Kaisers in Rom machten sie gemeinsame Sache mit einem Heiden.

Vor dem Nichts

"Und er begehrte seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen ..." Es wird ihm verwehrt. Der verlorene Sohn würde - so hungrig und arm, wie er ist - auch Schweinefutter zu sich nehmen. Er ist ganz unten angekommen, vor dem Nichts, nur noch erpicht auf das nackte Überleben.

Am Ende geht er in sich: "Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger!" Er erinnert sich an die Verhältnisse in seinem Vaterhaus und beschließt, zu seinem Vater zurückzukehren. Der verlorene Sohn kehrt um. Aus Not, nicht aus Reue. Auf dem Weg überlegt er, mit welchen Worten er dem Vater gegenübertreten soll.

Umkehr

Er will seinen Vater fragen, ob er als Tagelöhner bei ihm arbeiten darf. "Vater, ich bin vor Gott und vor dir schuldig geworden, ich bin es nicht mehr wert, dein Sohn zu sein ..." Der verlorene Sohn sucht die Schuld nicht bei anderen, er selbst hat seine Situation zu verantworten. Der Vater kann nicht mehr sein Vater sein, und er nicht mehr Sohn im Haus, allenfalls ein Tagelöhner.

Jesus erzählt von Gott und uns Menschen. Die Geschichte handelt von der Selbstständigkeit, die wir haben sollen, vom Streben, uns selbst zu finden und unser Glück zu machen, vom Scheitern an uns selbst und den Umständen unseres Lebens, von der Verlorenheit und der Sorge um das nackte Überleben, von der Gottesferne, aus der es nur einen Ausweg gibt: Umkehr.

Der Vater

Der Sohn ist noch ein gutes Stück vom Vaterhaus entfernt, da sieht ihn der Vater schon und eilt ihm entgegen. Ungewöhnlich: Ein Orientale eilt nicht, nicht einmal, wenn er es eilig haben sollte. Rennen ist würdelos.

Der Vater überrascht den Sohn mehr als einmal: Ehe der verlorene Sohn auf die Knie fallen kann, umarmt ihn der Vater und küsst ihn, als wären sie Menschen gleichen Ranges. Er unterbricht ihn in seinem Schuldbekenntnis, bevor der Sohn den Schluss zieht, dass der Vater ihn als Tagelöhner in Dienst nehme, kommt ihm der Vater zuvor - mit Vergebung, die über das Recht hinausgeht.

"Wir wollen ein Fest feiern und uns freuen!"

Der Vater ruft seinen Dienern zu: "Schnell, holt das beste Kleid für ihn, steckt ihm einen Ring an den Finger und bringt ihm Schuhe! Holt das Mastkalb und schlachtet es. Wir wollen ein Fest feiern und uns freuen." Der Vater setzt klare Zeichen: Nicht im Lumpenrock soll der Sohn einhergehen, sondern im Ehrenkleid. Den Siegelring bekommt er, die vollen Sohnesrechte werden ihm wieder verliehen. Schuhe soll er tragen als freier Mann, nicht barfüßig gehen wie ein Sklave. Das für festliche Zwecke gemästete Kalb wird geschlachtet - für ein Festmahl: "Denn mein Sohn war tot, jetzt lebt er wieder; er war verloren, jetzt ist er wiedergefunden!" Sie beginnen zu feiern. Draußen ist zu hören, Was im Haus los ist. Es wird getanzt und gesungen.

Jesus

Jesus hat Freude verbreitet, mit Gerechten und Ungerechten gegessen, getrunken, gefeiert. Die einen und die anderen nimmt er in seine Gemeinschaft hinein. Alle sind willkommen, gern gesehen. Gefeiert wird ein großes Fest - mit weltweiter öffentlicher Bekanntmachung: "Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über alle, die ihn ehren" (Ps. 103,13).

So ist Gott: Er kommt den Sündern entgegen. Gott vergibt Sünden, tilgt Schuld, rettet vom Tod zum Leben! Unbedingt und unbeschränkt, grenzenlos ist seine Liebe!

Jan Alberts, Nordhorn

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Buchtipp

Sie schwammen gegen den Strom

Zwei ältere Männer haben ein Buch geschrieben, das auch junge Menschen interessieren sollte. Prof. em. Dr. Günther van Norden (Jahrgang 1928) und Klaus Schmidt (Jahrgang 1935) haben Kurzbiographien über 65 Persönlichkeiten herausgegeben, die allesamt im Widerstand gegen den Nationalsozialismus tätig gewesen sind. Das Buch trägt den Titel "Sie schwammen gegen den Strom. Widersetzlichkeit und Verfolgung rheinischer Protestanten im ‚Dritten Reich'".

Zu den "rheinischen Protestanten" zählen in diesem Buch auch Karl Koch (1910-1994), der jahrelang in Emlichheim lebte, und die aus Ostfriesland gebürtige Theologenfamilie Hesse, Vater D. Hermann Albert Hesse (1877-1957, von 1934 - 1946 Moderator des Reformierten Bundes) sowie seine Söhne Eduard (* 1912) und Helmut (1916-1943). Zwei ältere Brüder Friedrich Wilhelm und Theodor sind schon 1941 bzw. 1942 gefallen. Es finden sich Beiträge über Karl Immer (1888-1944, gebürtig aus Manslagt, 1925 - 1927 Pastor in Rysum) und über "Gustav W. Heinemanns BK-Engagement und (kirchen-)politische Karriere.

Die Beiträge sind über vier Kapitel verteilt:
1. Christen und Christinnen jüdischer Herkunft
2. Die "Illegalen"
3. Engagierte Gemeindeglieder
4. Die "legalen" Pfarrer

Zu jedem Beitrag gibt es ein Literaturverzeichnis, in dem man ausführlichere Informationen finden kann.

Der Herausgeber, Prof. Dr. Günther van Norden, schrieb mir am 10.05.2006: "Die rheinischen Protestanten, die sich dem Nazi-Regime ängstlich oder mutig widersetzen, ob es sich um die Hunsrückbäuerin oder die Solinger Organistin handelte, sind geographisch etwas weit weg von Ostfriesland, aber sie sind doch - besonders die Reformierten unter ihnen - nahe bei denen in Ihrer Kirche, die sich ebenfalls dem Terror und der Inhumanität der Nationalsozialisten widersetzten."

Karl Koch aus Nordhorn schrieb mir zu diesem Buch (29.04.2006): "Es ist ein schönes Kompendium der mutigen Stimmen, die - teilweise aus furchtbarer Betroffenheit, teilweise aus Solidarität und Anstand, christlicher Verantwortung! - heute so leicht vergessen werden. Natürlich ist es in erster Linie "rheinisch" geprägt, aber diese Art Kirchengeschichte geht uns ja längst alle etwas an."

Das möchte ich unterstreichen und dem habe ich nichts hinzuzufügen. Wer größere Biographien scheut, aber doch mehr wissen möchte über den Widerstand gegen den Nationalsozialismus und die perfiden Methoden jenes Systems, der wird hier fündig. Die Beiträge von insgesamt 17 Autoren lesen sich durchweg gut und spannend. Ein ausführliches Inhaltsverzeichnis, zehn Seiten "Verzeichnis wichtiger Begriffe und Namen" und fünf Seiten "Personenregister" runden das Buch ab.

Gerrit Jan Beuker, Hoogstede

"Sie schwammen gegen den Strom. Widersetzlichkeit und Verfolgung rheinischer Protestanten im ‚Dritten Reich'", Greven Verlag Köln 2006, 252 Seiten, ISBN 3-7743-0382-7, 14,90 €

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Dreiländerreise nach Israel - Jordanien - Ägypten (Sinai)

Am 8. April 2006 startete in Wuppertal eine Gruppe von 27 Personen zu einer Dreiländerfahrt nach Israel, Jordanien und Ägypten (Sinai). Für die bunt zusammengesetzte Reisegruppe - von Bunde bis Köln- führte der Weg zunächst mit der Bundesbahn nach Frankfurt/Main und sodann mit dem Flugzeug nach Tel Aviv in Israel. Was uns erwartete, war eine in vieler Hinsicht beeindruckende 15-tägige Rundreise durch die genannten Länder. Ich möchte im Folgenden keinen ausführlichen Reisebericht erstatten, sondern nur ein paar Eindrücke wiedergeben.

Land der Bibel

Zusammen mit Teilen von Jordanien, Syrien, Libanon und Ägypten ist Israel das Land der Bibel. Wir kennen es aus vielen (biblischen) Erzählungen und Texten. Wer sich auf eine ‚kirchliche' Reisegruppe einlässt, möchte in aller Regel dieses biblische Land kennen lernen. Doch wo finden wir es? Vielleicht an den sogenannten heiligen Stätten? Sie sind zumeist mit ‚Sakralbauten' zugepflastert. Wie recht haben Autoren, wenn sie schreiben: "Die sogenannten ‚Heiligen Stätten' sind dem Kommerz in die Hände gefallen!". Ironisch, aber auf realem Hintergrund formuliert: "Wie wär's mit einer Dornenkrone aus Plastik als Reisemitbringsel?" Unwillkürlich denke ich dabei an jene biblische Geschichte von Jesu Tempelreinigung ....

Aber dann stehen wir an den Ausgrabungsstätten und in Ruinen. Wir geraten auf die Spur Herodes des Großen mit seinen vielen monumentalen Prachtbauten in Caesarea am Meer und anderswo. In Jerusalem wurde tief unter der Erde der Teich Bethesda freigelegt. In Kapernaum führen die Ausgrabungen bis in die Zeit Jesu zurück. Nach Nazareth war dieser Ort am See Genezareth die zweite Heimat Jesu. Und wer dann diese und viele andere Ausgrabungsstätten mit den immer wieder bezaubernden Landschaften zusammenschaut, der ist angekommen: im Land der Bibel!

Religiöse Vielfalt

Wer nach Israel fährt, kann sich der religiösen Vielfalt nicht entziehen: Synagogen, Moscheen, Kirchen und die Gebäude anderer Religionen wie etwa der Bahaischrein in Haifa stehen oft dicht gedrängt neben einander. Wir spüren die Spannungen in diesem Land, das von der Größe her mit dem Bundesland Hessen vergleichbar ist. Immer wieder werden unsere Blicke auf ultraorthodoxe Juden gelenkt: im galiläischen Safed, in Me'a She'arim (Jerusalem) und dann in Verbindung mit dem Passahfest an der Klagemauer in Jerusalem. In großen Scharen eilen vor allem orthodoxe Juden zur Klagemauer, um dort zu beten. Der "muslimische" Tempelberg oberhalb der Klagemauer ist in diesen Tagen gesperrt. Zu leicht könnten die Spannungen zu einem explosiven Gemisch mutieren.... Für viele Israeliten stellen die orthodoxen Juden ein großes Problem dar. Die Diskussionen entzünden sich an den "Sonderrechten" für die Orthodoxen. Ihre jungen Leute werden nicht zu dem sonst üblichen 2-3jährigen Militärdienst für Männer und Frauen verpflichtet. Einer normalen bürgerlichen Arbeit gehen die Orthodoxen zumeist nicht nach. Sie sind vollends mit dem Studium der Thora und ihrer Auslegungsgeschichte beschäftigt. Die zumeist sehr kinderreichen Familien leben vom Kindergeld und weiteren Zuwendungen durch die Regierung. Fast alle Regierungen in Israel seit 1948 brauchten die Orthodoxen als Mehrheitsbeschaffer, was dann auch die besagten "Zuwendungen" erklären mag.

Wenn es in Israel auch nicht an Versuchen fehlt, die Begegnung zwischen Judentum, Islam und Christentum zu fördern, insgesamt gesehen geht es hier um sehr zarte Pflänzchen. Der erste Ort, in dem wir in Israel übernachteten, war ein solches Pflänzchen: Neve Shalom, zwischen Tel Aviv und Jerusalem gelegen. Modellhaft bemühen sich in dieser "Oase des Friedens" Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen sozialer und religiöser Art um ein gutes und gerechtes Zusammenleben. Toleranz und gegenseitige Achtung werden hier von Kindesbeinen an eingeübt.

Geschichtsunterricht

Wer das biblische Land bereist, lernt nicht nur die biblische Geschichte besser kennen und verstehen, er sieht sich vielmehr einem täglichen umfassenden Geschichtsunterricht ausgesetzt. Ägyptische, babylonisch-assyrische, hellenistische (griechische), römische, byzantinische und islamische Herren haben dem Land durch die Jahrhunderte hindurch ihren Stempel aufgedrückt. Von den Kreuzfahrern im Mittelalter bis zu der heutigen Supermacht USA und anderen Mächten ging und geht der Versuch aus, in dieser Region Einfluss zu gewinnen. Wer etwa die Kreuzfahrergeschichte mit Händen greifen will, schaue sich in den Ausgrabungen von Akko um! Faszinierend allein schon wegen der geographischen Lage ist die Kreuzfahrerburg Montfort, die den Kreuzfahrern vor allem als Warenlager diente.

Politische Spannungen

Mit den religiösen verbinden sich die politischen Spannungen. Wer hat ein Recht auf das Land der Bibel? Immer wieder drängt sich der Eindruck auf: Hier steht Recht gegen Recht oder auch Unrecht gegen Unrecht. Seit der Staatsgründung im Jahre 1948 drohte Israel immer wieder zu einem Kriegsschauplatz zu werden - und wurde es dann auch wiederholt.

Entsetzliche Terrorakte palästinensischer Selbstmordattentäter bewirken auf Seiten der Juden ein Sicherheitsbedürfnis, das sich in unseren Tagen in einem riesigen Mauerbau manifestiert. Während die einen auf den neuerlichen Rückgang der Terroranschläge verweisen, resümiert ein palästinensischer Pfarrer angesichts einer 9 Meter hohen Betonmauer und der jüdischen Siedlungspolitik im Westjordanland in bitterer Weise: "Uns Palästinensern lässt man nur noch die "Löcher" wie in einem Schweizer Käse". Unwillkürlich keimt die Frage auf: Wird da nicht ein ganzes Volk in Sippenhaft genommen? Kann so der Friede wachsen?

Wir sind mit manchen Einsichten und Antworten, aber auch mit vielen offenen Fragen von einer spannenden Reise in die Länder der Bibel zurück gekehrt. Deutlich wurde uns: Ein "Schwarz-Weiß-Denken" wird den Menschen, weder Juden noch Palästinensern, gerecht. Es war ein israelischer Palästinenser, der zu uns sagte: "Alle müssen hier von ihren hohen Bäumen herabsteigen. Nur auf dem Wege der Kompromisse und nicht der Diktate kann es Lösungen geben."

Ein Land voller Gegensätze

Wir tauchten während unserer Reise ein in wunderbare Landschaften, in denen die Gegensätze - manchmal faszinierend, aber dann auch wieder beängstigend - hart aufeinander prallen: schneebedeckte Berge und heißer Wüstensand; Synagogen - Moscheen - Kirchen; Ultraorthodoxe und bewusste Atheisten; heiße Tage und kühle Nächte; Beduinenzelte und supermoderne Hotels; großer Reichtum und bittere Armut; hervorragende wissenschaftliche Leistungen und Analphabetentum; emanzipierte Frauen und junge Mädchen, die von ihren Vätern an die Familien ihrer zukünftigen Männer "verkauft" werden; Terroranschläge und Mauerbau.

Nächstes Jahr wieder in Jerusalem!?

Unter unserem Reiseprogramm standen die Worte: "Nächstes Jahr wieder in Jerusalem!" Nun, im nächsten Jahr werden wir wohl nicht schon wieder ins Land der Bibel aufbrechen, aber eine weitere Reise wäre sicherlich lohnend. Manche Teilnehmer denken schon recht konkret darüber nach und lassen eine Reise vor ihren Augen entstehen unter dem Titel: "Wandern im Land der Bibel".

Shalom!
Wir wünschen dem Land der Bibel und den Menschen, die darin wohnen Frieden!

Heinrich Lüchtenborg, Wuppertal


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