Ev.-altref. Kirche – Woher? Wohin?
Emlichheim 1.2.2002
Am 27.02.2001 hat Heinrich Baarlink am
selben Ort in einer Gemeindeversammlung dasselbe Thema behandelt. In den
letzten drei Ausgaben des Grenzboten von 2001 ist sein Vortrag nachzulesen. (www.altreformiert.de)
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von Pastor Dr. Beuker
Ich beschäftige mich seit ungefähr 25 Jahren mit der Geschichte der Evangelisch-altreformierten Kirche in Niedersachsen (EAK) und bin bald 24 Jahren als Pastor in dieser Kirche tätig. Ich habe – abgesehen von meinem Elternhaus – in dieser Kirche Jesus Christus kennen und lieben gelernt. Allein deswegen liegt sie mir sehr am Herzen. Ich fühle eine Verpflichtung dieser Kirche gegenüber – und habe in ihr große Freude und großen Segen gefunden.
Die Existenz der EAK an sich ist eigentlich schon ein Wunder Gottes. Wir meinen oft, wir sehen heute kaum noch Wunder. Aber wenn man sich die Geschichte anschaut, ist die EAK selbst ein Wunder.
Zehn Jahre lang, von 1838 bis 1848 heftige Verfolgungen, Geld- und Gefängnisstrafen für Teilnehmer und Leiter der ersten Versammlungen – ist es da nicht ein Wunder, dass die Menschen sich nicht davon abhalten lassen?
Kein reformierter Pastor und kein aktiver reformierter Ältester schließt sich den ersten Altreformierten an – und trotzdem entsteht eine Kirche.
Beide Kirchenräte und große Teile der altreformierten Gemeinden Emlichheim und Hoogstede wandern 1847 aus in die USA. Auch von der Gemeinde Neermoor sind nach 1861 viele Glieder ausgewandert. Trotzdem gibt es heute altreformierte Gemeinden an diesen Orten!
Eine kleine Kirche entsteht und sie besteht nun schon über 160 Jahre! Gott hat sie durch die Zeiten geführt und wird sie ganz sicher auch weiter führen. Die EAK selber ist ein Wunder Gottes!
Ich freue mich sehr, über diese Kirche nachzudenken, über „unsere“ Kirche. Wir sind alle ein Teil dieser Kirche, fast so wie wir ein Teil unserer Familie sind. Wir haben uns in der Regel nicht bewusst für diese Kirche entschieden. Wir sind hinein geboren und hinein gewachsen. Manche haben es für ihr Gefühl gut getroffen, andere sind nicht ganz so gut zufrieden. Manche finden ihre Familie oder auch ihre Kirche ganz toll, andere eben ein bisschen weniger.
Unser Verhältnis zu unserer Familie und unserer Verhältnis zu Kirche ändert sich im Laufe des Lebens ziemlich radikal. Ich bin heute 48 und ich sehe und erlebe Kirche, Gemeinde und familiäre Beziehungen heute ganz anders als z.B. vor 25 Jahren.
Eine Zeitlang sind wir vielleicht auf Konfrontationskurs. Wir geben viel Contra, bis wir dann älter werden und oft die Bedeutung von Familie oder Kirche besser einsehen und erleben, und sie in unser Leben integrieren. Der persönliche Lebensweg geht also häufig von der Konfrontation zur Integration.
Die Konfrontation zum Bestehenden ist wichtig, um erwachsen zu werden. Sie bedeutet ein „Sich loslösen“ und ein „Sich finden“. Aber ein Mensch kann nicht lebenslang in seinem jugendlichen Konfrontationskurs bleiben.
Vielleicht ist der beschriebene Weg auch ein Weg, den junge Kirchen gehen: Von der Konfrontation zur Integration. Anfangs waren die Altreformierten gegen viele Dinge: Gegen ein Gesangbuch (das im Übrigen schon 1813 eingeführt und in 1838 schon 25 Jahre lang in Gebrauch war!), gegen einen neuen Katechismus, der ungefähr ebenso lange schon benutzt wurde, gegen die Übertretung der Bentheimer Kirchenordnung, gegen Kirmes und Tanzen, gegen Alkohol und anderes. Aus dem Konfrontationskurs hat die EAK zur Integration gefunden. Sie betont heute und sucht Gemeinsamkeiten mit anderen. Sie arbeitet in vielen Bereichen mit anderen zusammen. Sie ist den Weg von der Konfrontation zur Integration gegangen.
Es geht heute um Geschichte, Gegenwart und Zukunft der EAK, kurz: EAK woher – wohin?
Auch für mich persönlich ist das eine spannende Frage. Diese Kirche ist „meine Firma, mein Arbeitgeber, mein Club“. Sie bestimmt mehr oder weniger mein privates und mein öffentliches Leben. Arbeit und Beruf, Alltag und Sonntag sind bei einem Pastor oft ziemlich deckungsgleich. Seine Bekannten sind oft Bekannte aus dem kirchlichen Bereich, au den Gemeinden wo er tätig ist oder war. Kaum ein Gemeindeglied hat ein so enges Blickfeld wie ein Pastor: Er ist eigentlich immer nur im kirchlichen Raum tätig.
Die Arbeit eines Pastors bleibt zudem nie im Büro zurück. Sie begleitet ihn fast Tag und Nacht. Sie greift tief in sein privates Leben und das seiner Familie ein. Ich bin also durchaus persönlich betroffen von der Thematik des heutigen Abends. Kommen wir zur Sache:
Kirche – was ist das für ein Verein?
Was sind da für Menschen? Im Fußballverein ist deutlich: Da geht es um Fußball. Da sind vom Fußball begeisterte Spieler und Zuschauer, da geht es um die Tore, um gewinnen und verlieren. Worum geht es in der Kirche? Das ist nicht ganz so undeutlich – und da haben wir vielleicht schon ein Problem.
Im Fußballverein, im Sportverein geht es um den Klassenerhalt, um den Aufstieg oder den Abstieg, den keiner gerne will. Da muss man Tore machen oder Punkte – und gewinnen! Wie macht man in der Kirche Tore? Ist die Kirche ein aufsteigender oder ein absteigender Verein? Welche Ligen gibt es im kirchlichen Bereich, welche Klassen? Gibt es da die Volkskirchliche Liga, die Landeskirchliche Liga, die Freikirchenklasse und Liga der Gemeinschaften, die orthodoxe Liga und die baptistische?
Mir wäre lieber, wir
würden mehr nach der Zukunft der Kirche Jesu Christi fragen.
Wenn wir über die Zukunft der der altreformierten Kirche reden, ist das ein falscher Ansatz. Dann gehen wir von uns aus. Wenn es um unsere Kirche geht, dann ist es schon eine falsche und schlechte Kirche. Es geht nicht um „unsere“ Kirche, sondern um die Kirche Jesu Christi.
Er ist der Ausgangspunkt. „Er versammelt, schützt und erhält seine Kirche, und es ist eine große Gnade, dass wir an ihr teilhaben dürfen und zu ihr gehören. Wenn der Heidelberger Katechismus in Antwort 54 in der gerade zitierten Form von der Kirche spricht, dann denkt und redet er sehr deutlich von Jesus Christus her! Darauf hat auch Heinrich Baarlink in seinem Vortrag ausdrücklich hingewiesen.
Es ist ein Vorrecht,
in der Kirche Jesu Christi zu sein und sogar in ihr geboren zu sein.
Es geht nicht um unser Verdienst oder Können, sondern um die Sache Jesu Christi.
Es ist ein großes Glück und eine große Gnade, ein großes Vorrecht, zur Kirche Jesu Christi zu gehören – und Jesus Christus selbst zu kennen. Wir haben Glück gehabt – und nicht Pech – dass wir Jesus Christus haben – und zu seiner Kirche gehören.
Die EAK steht
zwischen Landes- und Freikirche
Sucht und sammelt einmal, was in der EAK landeskirchlich geprägt ist und was mehr freikirchlich geprägt ist.
Aus der Versammlung
wird genannt:
Kirchensteuer und
freie Beiträge
Möglich wäre auf folgende Punkte zu verweisen:
Die EAK steht
zwischen Tradition und Entscheidung
zwischen Territorialkirche und Personalgemeinde (mit [offenen] Gemeindegrenzen)
zwischen Kindertaufe, persönlicher Entscheidung und Gruppengeschehen, -konfirmation
zwischen Konfirmation und Öffentlichem Glaubensbekenntnis
zwischen Bekenntniskirche – und Traditionskirche.
landes- oder volkskirchlich sind eher:
feste Gemeindegrenzen
Gruppenkonfirmation
Kindertaufe – Betonung des Bundes
wenig missionarische Aktivitäten
Pastoren geprägte Gottesdienste
Traditionelle Lieder und Psalmen
Keine Verpflichtung zur Mitarbeit in der Woche
mehr
freikirchlich oder
entscheidungskirchlich
sind eher:
Frage nach dem Glauben beim Öffentlichen Glaubensbekenntnis
Guter (und längerer) Kirchlicher Unterricht
Entscheidung als Erwachsene (Glaubensbekenntnis)
Keine Taufe ohne Teilnahme an Gemeinde
Intensive Seelsorge (Älteste und Pastoren)
Regelmäßige Hausbesuche
Rege Teilnahme am Gottesdienst
Große Opferbereitschaft
Viele Ehrenamtliche
Viele eigenständige Kreise, Chöre, Verein
Zitat von Bischof Klaiber von der Evangelisch-methodistischen Kirche:
„Nicht der Landeskirche oder Freikirche gehört die Zukunft, sondern der Kirche Jesu Christi!“
Die EAK sagt: Sie ist eine Bekenntniskirche
Das bedeutet: Die Übereinstimmung mit dem formulierten Bekennen der Kirche ist wichtig, die Übereinstimmung mit dem verfassten und gedruckten Bekennen. Der Heidelberger Katechismus ist so wichtig, dass jeder ihn im Konfer komplett durchnehmen muss – und dass jeder Pastor ihn komplett durchpredigen muss, immer wieder. Ich weiß, das passiert nicht überall. Im Kirchlichen Unterricht arbeitet nicht jeder den ganzen Heidelberger durch – und in den Lehrgottesdiensten gibt es auch Auslassungen! Ich habe in meinem eigenen kirchlichen Unterricht Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre hier in Emlichheim auch nur einen Teil des Heidelberger unterrichtet bekommen und gelernt. Schon damals wurden große Teile ausgelassen. Sind wir dann noch Bekenntniskirche, bekenntnisgebundene Kirche, wenn wir so mit dem Bekenntnis umgehen?
Für mich bedeutet der Ausdruck „Bekenntniskirche“ auch nicht so sehr ein Festhalten und Bewahren des Alten und Herkömmlichen. Wenn ich heute genau dasselbe sage, wie die Menschen vor 200 Jahren, sage ich nicht mehr dasselbe, sondern etwas anderes.
Das formulierte Bekenntnis will zum aktuellen Bekenntnis hier und heute werden. Unser Bekenntnis zu Jesus Christus, unser persönlich Bekenntnis und unser Bekenntnis als Kirche hier und heute ist gefragt und gefordert. Die bekenntnisgebundene Kirche muss zur bekennenden Kirche werden! (Natürlich weiß ich, dass diese Bezeichnung für die Zeit des Nationalsozialismus ein fester Ausdruck ist. Da stand die Bekennende Kirche den Deutschen Christen gegenüber.)
Ich sage heute: Das Bekenntnis der Kirche kann nur
funktionieren, wenn die Gemeindeglieder es praktizieren.
Die neue Verfassung der EAK vom 3.11.2001 spricht in Artikel 2 vom Bekennen der Kirche. Ich lese, (verteile und erkläre nachfolgenden Text):
Artikel 1
(1) Die
Evangelisch-altreformierte Kirche in Niedersachsen ist eine reformierte Freikirche,
die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus einer Trennung von
Gemeindegliedern aus evangelisch-reformierten Gemeinden evangelischer
Landeskirchen entstanden ist. Die Evangelisch-altreformierte Kirche in
Niedersachsen ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts.
(Absatz 2 und 3sind nicht kopiert)
Artikel 2
(1) Die
Evangelisch-altreformierte Kirche in Niedersachsen ist gegründet allein auf
Jesus Christus, ihren Herrn, wie er in der Heiligen Schrift Alten und Neuen
Testaments bezeugt wird.
(2) Die
Evangelisch-altreformierte Kirche in Niedersachsen ist in Übereinstimmung mit
ihrem Bekennen eine Gestalt der einen heiligen apostolischen und katholischen
oder allgemeinen christlichen Kirche. Indem sie teilhat an der Israel
geschenkten Verheißung, erwartet sie das Kommen des Reiches Gottes.
(3) Die Kirche
ist berufen, ihrer unaufgebbaren Verbundenheit mit dem Volk Israel Gestalt zu
geben. Als Christus bekennende Glaubensgemeinschaft sucht sie das Gespräch mit
Israel über das Verstehen der Heiligen Schrift, insbesondere in Bezug auf das
Kommen des Reiches Gottes.
(4) Jesus
Christus sendet seine Kirche zu allen Völkern, um ihnen Gottes Verheißungen und
seine Weisungen zu bezeugen und sie in seine Nachfolge zu rufen.
(5) Als Urkunden
des Bekenntnisstandes, die für Zeugnis und Lehre, Ordnung und Dienst der
Evangelisch-altreformierten Kirche verbindlich sind, gelten das Apostolicum,
das Nicaeno-Constantinopolitanum, das Athanasianum, das Niederländische
Glaubensbekenntnis von 1559, der Heidelberger Katechismus von 1563 und die fünf
Dordrechter Lehrsätze von 1618/19. Die Kirche macht sich die Aussagen der
Theologischen Erklärung von Barmen vom 31. Mai 1934 zu eigen.
(6) In fester
Bindung an ihr Bekennen lebt die Evangelisch-altreformierte Kirche ihre
Verbundenheit mit anderen christlichen Kirchen. Zum Abendmahl sind die Glieder
aller christlichen Kirchen eingeladen. Die Evangelisch-altreformierte Kirche
erkennt die Bedeutung der Leuenberger Konkordie für die weiterführende
Begegnung der lutherischen und reformierten Traditionen an.
Artikel 3
Die Evangelisch-altreformierte Kirche in Niedersachsen
ist als synodale Gemeinschaft evangelisch-altreformierter Kirchengemeinden eine
bekennende evangelische Gemeindekirche. Für ihr Zusammenleben ist maßgeblich:
Keine
Gemeinde darf über andere, kein Gemeindeglied über ein anderes Vorrang oder
Herrschaft beanspruchen.
Alle
Kirchenleitung erfolgt durch kirchliche Versammlungen (Kirchenräte und
Synoden); Synodale dürfen nur durch die Kirchenräte ernannt werden.
Die
Gemeinden wählen ihre Dienerinnen und Diener am Wort auf Vorschlag des
Kirchenrates frei aus allen wählbaren Predigerinnen und Predigern.
Die
Gemeinden ordnen ihre Angelegenheiten selbständig. Den Synoden wird vorgelegt,
was in der Gemeinde nicht hat entschieden werden können oder eine Mehrzahl von
Gemeinden angeht.
Die
Kirchengemeinden wirken an der Vorbereitung der synodalen Verhandlungen mit. Um
der synodalen Gemeinschaft willen wissen sie sich an die synodalen
Entscheidungen gebunden.
EAK woher – wohin?
Ich formuliere einmal:
Von Jesus Christus
her und zu Jesus Christus hin.
oder Von Pfingsten her und zur Vollendung Gottes
hin.
oder Von Gott her und zu den Menschen hin.
Der Heidelberger formuliert in Antwort 54:
„Von Anbeginn der
Welt bis ans Ende“
Jeder rechte
Gottesdienst ist auch ein Menschendienst:
„Dass ihr euch hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott gefällig sei, das sei euer vernünftiger Gottesdienst“ Römer 12,1. Sich selbst einzusetzen, sich zu „opfern“, gehört zum rechten Gottesdienst. Du kannst nicht Gott lieben und über alles ehren, und den Nächsten übersehen und links liegen lassen.
Also die Armen und Witwen stützen und ihnen Recht verschaffen, für Frieden sorgen, Ausländern ein Zuhause geben; Aussteigern Gottes Nähe ansagen, das alles und noch viel mehr ist Teil unseres Gottesdienstes. Dieser Gottesdienst findet auch und nicht zuletzt in der Woche statt.
Nicht jeder Menschendienst ist Gottesdienst. Eine Kirche kann sich nicht in Diakonie erschöpfen, also nur Diakonie betreiben. Aber eine Kirche ohne Diakonie, ohne Dienst für andere und an anderen, ist nicht Kirche Jesu Christi. Du kannst nicht Christ sein, ohne auch gleichzeitig für andere Menschen da zu sein.
Dieser diakonische Dienst der Kirche ist in den ersten Jahrzehnten in altreformierten Kreisen sträflich vernachlässigt worden. Heute ist in manchen Kirchen die Diakonie das große Aushängeschild der Kirche – und wird oft überbetont. Die Kirche hat nicht nur und nicht zuerst eine diakonische Aufgabe.
EAK woher?
Ich formuliere spezieller und detaillierter:
Aus dem reformierten
Bereich, „aus reformierten Landeskirchen“ (Verfassung
Art .1)
= aus der Betonung der Mündigkeit der Gemeindeglieder,
der Eigenständigkeit der Gemeinden,
und der Verbindlichkeit von Synoden,
ohne übereinander zu herrschen. (Art. 3 Verfassung)
Aus dem erweckten
Bereich:
der Konventikel, Versammlungen, Zusammenkünfte
Sie tragen und prägen die EAK bis heute:
Eigenständige Jugendversammlungen, Männer- und Hauskreise, Frauenvereine, Seminare und Schulungen in großer Zahl.
Das gibt es in der EAK wesentlich mehr als in vielen anderen Kirchen
Aus dem
abgeschiedenen oder getrennten Bereich:
Aus der Quarantäne - aus der Isolation, (nicht alles mit
bekommen, was sich tut)
anderen den Streit überlassen, anderen die Politik und die Gesellschaft
überlassen
aus dem Verzicht (auf Alkohol, Tanz, Kirmes, Geiz, irdischen Reichtum)
aus dem Weltverzicht – hinein in die Weltverantwortung
Abgeschiedene = vom Wort her: Pharisäer
Aus dem
übersichtlichen Bereich
Aus der kleinen Schar,
für alle übersichtlich; fast familiär; soziale Kontrolle – soziale Geborgenheit
Freundschaften und Cliquen tragen auch die Gemeinde
intensives Mitleben und intensive Betreuung.
(Wo sonst gibt es so regelmäßige Hausbesuche,
Einzeltaufen und –taufgespräche,
so intensive Traugespräche und Trauerbegleitung,
Krankenseelsorge und Notfallseelsorge?
Wohin ist schwerer zu beantworten als woher
Ich gebe einige Orientierungen, wie ich sie sehe. Richtungen, in die die EAK nach meiner Meinung gehen sollte. Es sind nicht alle Orientierungspunkte gleich wichtig und gleichrangig.
Auf Deutschland
orientiert
In den kirchliche Verbindungen und allen Beziehungen, in der Ausbildung von Theologen,
in den Materialien und der Fortbildung.
Ich rede von einer „relativen Selbständigkeit“ der EAK. Es gibt keine absolute Selbständigkeit und Unabhängigkeit für eine solche kleine Kirche. Viele reformierte Gemeinden haben an einem Ort mehr Glieder als die gesamte EAK sie hat.
Zwischenfrage: Wie viele Glieder hat die
ev.-reformierte Gemeinde an eurem Ort,
in eurem Kirchspiel?
Uelsen, hat 6.500 Gemeindeglieder,
Nordhorn hat 15.000,
Emlichheim 4.500
Hoogstede 1800,
Laar 600 - 700,
Bad Bentheim 3.000,
Brandlecht 1000,
Georgsdorf 1200,
Gildehaus 4000,
Lage 700,
Ohne und Salzbergen 1000,
Schüttorf 7.500,
Veldhausen 3.800,
Wilsum 1300.
Grafschaft Bentheim: 55.000 Reformierte und 5.000
Altreformierte
Die EAK variiert von 20% Altreformierten in der nördlichen(Nieder)Grafschaft
bis zu unter 1% in der südlichen (Ober)Grafschaft.
Die Ortschaften Echteler, Wagenholt, Klein- und
Großringe waren und sind teilweise mehrheitlich altreformiert. In der
Samtgemeinde Emlichheim leben 13.500 Einwohner, davon gehören heute 2200 der
EAK an. Allerdings: Der EAK Anteil sinkt bei steigender Einwohnerzahl.
auf reformiert orientiert Die reformierte Kirche muss immer wieder ref. werden.
à reform-orientiert Ecclesia
reformata semper reformanda est!
Reform- und reformiert orientiert: Reformiert ist kein Zustand, sonder ein Werden.
Reformen im Gottesdienst Kirche muss reformierbar bleiben.
Verantwortlichkeit, Mündigkeit der Gemeinde:
in der Leitung und Gestaltung des kirchlichen Lebens
z.B. im Kirchenrat,
in Besuchsdiensten,
in der Lehre (Unterricht und Predigt),
in der Evangelisation (Außenwirkung und Werbung).
Beziehungs-orientiert
oder Gemeinschafts-orientiert)
Ökumene-orientiert
Beziehungen pflegen, gemeinsam mit anderen zusammenarbeiten:
ACK, Ref. Bund, EMW, Allianz, Ökumene, Kloster Frenswegen, EEB, Diakonie
Landeskirchen, Freikirchen und Gemeinschaften; EC Verband und CVJM-Arbeit.
Erst in der Beziehung mit anderen wird uns deutlich, wie wertvoll, wichtig und gesegnet die eigene Gemeinde ist. Nur wer eine Beziehung zu anderen hat, kann etwas ausstrahlen und andere positiv beeinflussen. Nur im Spiegel sieht man sich selbst. Andere Menschen und Kirchen sind für uns so etwas wie ein Spiegel. Wer aus sich selbst herausgeht, wer sich selbst loslässt und hingibt, der findet sich. Aber wer sich und das Seine krampfhaft festhält, wer nichts opfern und loslassen will, der verliert auch, was er festhält.
Menschen – orientiert
und Gesellschafts-orientiert
für Menschen, die uns nötig haben, die Not leiden
Die vielen Aktiven und Aktivitäten im Gottesdienst und unter der Woche sind ein großes Kapital. Mit ihnen müssen wir wuchern, Freude an der Gemeinde und an Gott zu wecken,
Gemeinschaft und Gespräch zu fördern, „mit Herzen, Mund und Händen“:
Der Herz-bereich muss entdeckt werden, „herzliche Liebe und
Barmherzigkeit“ fordert schon der Apostel Phil. 2,1
Bedeutet das: Kuschelrock und Schmusesongs sind angesagt?
Das weiß ich nicht. Aber ich weiß, uns fehlen das Herz und das Herzliche z.B. im Singen und in der Gemeinschaft in den Gemeinden. Das ist nicht nur mit unserer Tradition und unserer schweren norddeutschen Wesensart zu erklären. Ein Lächeln kann jeder und jede lernen. Und Christen, die nicht lächeln können, haben noch wenig von Christus und vom Glauben verstanden.
Techno und Beat, der harte Schlag, immer nur treiben und getrieben werden, sind out.
„Mach mal Pause“, sagt Gott. „Lass die Arbeit Arbeit sein“ -
Da bist du Mensch, da darfst du’s sein.
Der Mund muss auskunftsfähig bleiben und werden und Anbetung, Lobpreis, Verherrlichung üben
Die Hände, die zum
Beten ruhn, die macht er stark zur Tat.
Und was der Beter
Hände tun, geschieht nach seinem Rat.
EG 457, 11 (Jochen Klepper 1938)
Christus-orientiert
Ora et labora (Im zweiten Wort ist das erste enthalten, gleichzeitig bedeutet: „Ora“ auch Zeit oder Stunde.
Meditation
– und Aktivität für andere.
Wir werden nur Kirche Jesu Christi bleiben und immer wieder werden, wenn wir Kirche für Gott und für die Menschen sind und für beide gleichzeitig eintreten.
Wir dürfen Mitarbeiter Gottes beim Bau seines Reiches und Handlanger des Herrn Jesus Christus sein.
Wir leben als Menschen Gottes, als Gottes-Menschen und nicht als Erden-Menschen.
In der versammelten, gottesdienstlichen Gemeinde schlägt das Herz der Kirche. Der Ort gemeinsamer Anbetung und gemeinsamen Hörens ist der Ort fortwährender Erneuerung.

Beitrag für „Jugendbote“ Februar 2002, Seite 4 - 5
Woher – Evangelisch-altreformierte Kirche – Wohin
Die Kirche gehört nicht uns, sondern Jesus Christus
„Unsere Kirche“ gibt es nicht. „Unsere Kirche“ hat keine Zukunft. Wir fragen nicht: „Wie sollen wir die Kirche gestalten, prägen und einrichten?“ Die richtige Frage ist: „Wie möchte Jesus Christus seine Kirche haben?“ „Unsere Kirche“ ist so etwas wie ein gefälschter Geldschein. Davon kann man nicht herausgeben. In der Kirche Jesu Christi dreht es sich nicht um uns. Nicht wir stehen im Mittelpunkt. Nicht wir gestalten, prägen oder machen die Kirche, sondern Jesus Christus. Nur weil Jesus Christus handelt und spricht, gibt es Kirche und Kirchen. Das schenkt Gelassenheit und Mut.
„Der Sohn Gottes
versammelt, schützt und erhält
sich eine auserwählte Gemeinde zum ewigen Leben.“
Aus Antwort 54,
Heidelberger Katechismus.
κυριακή
Kirche hat mit dem griechischen „κύριος (kurios)“, dem Herrn zu tun. Das Wort „Kirche“ kommt vom griechischen „κυριακή (küriakä)“. Es bedeutet: „zum Herrn gehörig“.
Kirchliche Grammatik
Kirche Jesu Christi
Nicht: sondern:
Meine Kirche,
deine Kirche,
seine Kirche,
unsere Kirche,
eure Kirche,
ihre Kirche.
Woher kommt die Evangelisch-altreformierte Kirche`?
1. Aus den Versammlungen von
Gemeinschaften
In allen Kirchen gibt es Gruppen und Gemeinschaften, die der verfassten Kirche kritisch gegenüber stehen. Die EAK hat sich aus christlichen Privatversammlungen entwickelt. Sie ist eine zur Kirche gewordene [(landes)kirchliche] Gemeinschaft.
2. Aus einer Gemeinde- und
Laienbewegung
Die EAK ist aus einer Laienbewegung entstanden, der sich in Deutschland (ab 1838) gar keine und in den Niederlanden (ab 1834) nur wenige Pastoren angeschlossen haben. Höchstens zwei oder drei (ehemalige) reformierte Älteste haben sich den Altreformierten angeschlossen.
3. Aus einer Bekenntnisbewegung
Das Festhalten am alten Bekenntnis war und ist den Altreformierten wie auch den zeitgleich entstandenen Altlutheranern (seit 1817 in Preußen) und Altkatholiken (seit 1870) wichtig. Diese drei bilden die sog. konfessionellen Freikirchen in Deutschland.
4. Aus einer Bindung an die
Niederlande
Die ersten altreformierten Kirchenräte in Uelsen (1838), Bad Bentheim (1840), Emlichheim (1845) und Hoogstede I (1845) sowie die ersten altreformierten Pastoren Jan Berend Sundag und Jan Bavinck (beide 1848) sind von Niederländern eingesetzt worden. Wer im Herbst 1848 den ersten Kirchenrat in Wilsum eingesetzt hat, ist leider nicht bekannt. Die theologische Ausbildung war immer auf die Niederlande ausgerichtet oder fand in den Niederlanden statt. Von 1881 bis 1915 ungefähr existierte eine eigene altreformierte theologische Schule, zuerst in Veldhausen, seit 1891 in Emden.
1923 schlossen die Altreformierten sich vorläufig den „Gereformeerde Kerken in Nederland“ an. Diese Verbindung besteht bis heute hauptsächlich in den Bereichen von Mission (schon seit 1908), theologischer Ausbildung (seit 1923) und Rentenversicherung der Pastoren (seit etwa 1960?).
Altreformierte Stärken
Es gibt zwar nicht die Verpflichtung, zehn Prozent des Einkommens für kirchliche Zwecke zu geben, aber manche Altreformierte tun das. Die weitestgehende Eigenfinanzierung der Gemeinden und das System der freiwilligen finanziellen Beiträge, entsprechend den Richtlinien“ ist eine allgemeine Stärke der Freikirchen. In der Regel findet der Kirchliche Unterricht über einen Zeitraum von sechs bis neun Jahren statt. Sein Ziel ist das „Öffentliche Glaubensbekenntnis“ vor der Gemeinde. Dabei wird nach dem Glauben gefragt und nicht nur, ob jemand zur Gemeinde gehören will.
Die überschaubaren Gemeinden wie auch Pastoren- und Ältestenbezirke ermöglichen eine intensive Gemeinschaft. In allen Gemeinden gibt es viel Gruppen, Kreise, Vereine und Chöre, in denen viele ehrenamtlich tätig sind.
Eine altreformierte Stärke liegt auch in ihrer Jugendarbeit. Kaum eine andere Kirche in Deutschland kennt solch ein durchgängiges Angebot von Kinderhort, Kindergottesdienst, Jungscharen und Jugendkreisen. Kaum eine Kirche kennt solche eine intensive Seelsorge von Jugendältesten, Ältesten und Pastoren und regelmäßigen offiziellen Hausbesuchen. Allerdings übt die enge Gemeinschaft auch eine starke soziale Kontrolle aus.
Wohin?
In Eigenständigkeit und neue Beziehungen
Die EAK wird so eigenständig wie möglich ihren Weg gehen und so viel in Verbindung mit anderen, wie nötig. Die Bindung zu den Niederlanden wird weiter abnehmen, die frei- und landeskirchlichen Beziehungen in Deutschland werden stärker. Die EAK darf den Auftrag Jesu, nach Einheit zu suchen und zu streben, nicht vergessen (Jh. 17).
In eine Minderheitssituation
Manchmal schlagen Wellen von Gleichgültigkeit oder Unglauben in das Boot der Kirche. Einzelne Gemeindeglieder entfremden und entfernen sich von Kirche und Glauben. Das weckt Befürchtungen. Es ist auch ein Stück Gericht Gottes.
Andere aber finden gerade neu hinzu. Das ist immer wieder ein Zeichen für Gottes Gnade. Das Letzte übertrifft das Erste bei Weitem. Große Gemeindegliederzahlen, volle Kirchen und ausgeglichene Finanzen sind uns nicht verheißen, wohl aber Christi Führung, Leitung und Bewahrung.
Näher zu Jesus Christus
Die Zukunft der Kirche ist die Zukunft von Jesus Christus, wenn sie denn seine Kirche ist. Als Kirche Jesu Christi hat sie supergute Aussichten. „Er wird sein herrlich Reich vollenden.“ Je näher die Kirchen bei Jesus Christus sind, desto näher rücken sie auch untereinander zusammen. (vgl. Graphik). Je mehr sie sich an den Missionsauftrag Jesu (Matth. 28) erinnern und ihn ausführen, desto weniger Zeit haben sie, untereinander zu streiten.
Reformierte in
Europa
NL
4 Mio
D: ERK: Polen
200.000 7.000/4000
Lippe:
200.000 Ukraine:
in EKD: 1.5 Mio?
Frankreich:
CH: 2.6 Mio H.
2 Mio Rumän.
2x200.000
Gliederzahlen EAK
Jahreszahlen ![]()
1880 1900 1950 1970 1980 1990 2000 2002
Emden 190 200 137 137 141 139 136
Neermoor 120 80 25 58 71 69 71
Bunde 330 400 542 519 435 399 405
Ihrhove 70 100 176 182 185 191 199
Campen unbek. 160 252 210 230 233
Campen in 1910 142 in 1960 156, in 1965: 181, in 1970 252
Emlichheim 520 880 1328 1335 1512 1562 1565
Wilsum 80 170 323 352 382 373 375
Uelsen 340 250 422 646 710 697 697
Veldhausen 410 420 574 806 846 828 818
Bentheim 300 400 481 654 726 718 698
Laar 0 132 221 319 335 286 265
Gronau 0 200 0 0
Nordhorn 321 717 979 1052 1057
Brandlecht hatte ca. 1911 – 1965 jeweils von 43 bis 75 Glieder
Hoogstede 0 309 341 354 363
Wuppertal 282
insgesamt 7164
Siehe auch mein Buch:
Umkehr und Erneuerung:
Seite 139 für Ostfriesland (Graphik)
und Seite 140 Graphik für die Grafschaft.




Je mehr Kirchen und Christen auf Christus zugehen, desto näher kommen sie auch einander.