Wort zum Sonntag, Grafschafter Nachrichten, Ausgabe vom
30.06.2001
Verloren gehen und verloren sein
Von Pastor Dr.
Gerrit Jan Beuker, Hoogstede
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Verloren zu
sein ist schlimmer als etwas verloren zu haben. Wir verlieren oder verlegen
immer wieder einmal Dinge, ein Schlüsselbund oder wichtige Dokumente. Die
meisten Menschen fangen dann ziemlich hektisch und chaotisch an, alles
abzusuchen und durchzuwühlen, ob sich das Verlorene irgendwo findet. Sie
stellen das ganze Haus oder den ganzen Schreibtisch auf den Kopf. Es ist kein
gutes Gefühl und ziemlich nervig, wenn man etwas wichtiges verloren hat.
Manche mögen
sich noch erinnern, wie sie einmal als kleine Kinder verloren gegangen sind.
Wer als kleines Kind plötzlich allein dasteht in einem großen Kaufhaus oder im
Gewühl der Straße, am Strand oder auf einem belebten Platz, der findet sich
mutterseelenallein auf weiter Flur. Das kann ganz schön brenzlig sein, an die
Nieren gehen oder Alpträume verursachen.
Ein ungarischer
Freund erzählte vor einiger Zeit, wie er sich einmal in einer Stadt völlig
verirrt hatte: „Da war Juri ganz verloren“.
Jesus sucht, was verloren ist
Die Bibel
berichtet von einem, der Verlorene sucht. Verlorene Menschen liegen ihm am
Herzen, Menschen, die sich selbst verloren haben – oder die Gott verloren
haben. „Der Menschensohn“ – so nennt er sich geheimnisvoll. Er erinnert damit
an eine verheißene Gestalt aus dem Buch des Propheten Daniel (7,14). Der
Menschensohn ist der Bote Gottes – für alle Menschen und alle Zeiten. Er ist
der Sohn Gottes, Jesus Christus selbst.
Jesus sucht und
in ihm sucht Gott die Verlorenen, alle, die sich verloren wähnen, die verloren
haben oder zu verlieren drohen, die Gott oder sich selbst verlieren.
Wir dürfen uns finden lassen
Scheinbar ganz
zufällig kommt Jesus durch Nazareth. Scheinbar ganz zufällig sieht er einen
kleinen Mann auf einem großen Baum: Zachäus. Zachäus war absolut nicht beliebt.
Er nahm die Leute aus und haute sie übers Ohr. Mit Ehrlichkeit konnte er sein
Brot kaum verdienen.
Gerade den
sieht Jesus. Gerade bei dem will er einkehren. Gerade ihm will Jesus Heil
bringen. Zachäus wurde gefunden und er ließ sich finden. Jesus sucht nicht nur
– er macht auch selig, d.h. glücklich, zufrieden und gerettet. Wie aus
Schiffsnot, wie aus tosenden Wasserfluten gerettet, kommt Zachäus sich vor. Er
will sein Leben umkrempeln – und noch einmal beginnen. Die Frommen aber murren.
Sie beklagen und beschweren sich. Wenn das Gottesreich so ist, dann können sie
als ehrliche Bürger gerne drauf verzichten. Dabei sind sie noch viel weiter von
Gott entfernt als Zachäus, sie sind noch einsamer und verlorener.
Zachäus erlebt
einen neuen Anfang, wie er auch heute möglich ist. Sein Glaube, sein
Gottvertrauen und seine Beziehungen zu den Menschen gewinnen eine völlig neue
Qualität.
Begegnungen
können uns verändern. Besonders die Begegnung mit Jesus Christus. Von ihm ist
morgen in allen Kirchen die Rede. Er sagt im Wochenspruch für die kommende
Woche in Lukas 19, 10: „Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu
machen, was verloren ist.“ Das gilt bis heute. Er sucht auch dich! Er möchte
dich glücklich machen für Zeit und Ewigkeit.