Niederländer eröffnen 2003
Synode in Emden
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Die Generalsynode der
Gereformeerde Kerken in Nederland hat am 20.04.2001 beschlossen, die nächste
Synode am 21. und 22.01.2003 in Emden zu eröffnen. Sie tagt in den Jahren 2003
und 2004 und nennt sich dann „Generalsynode von Emden“. Die Eröffnung wird in
Emden stattfinden, die weiteren Tagungen werden in einem Kongresszentrum „De
Blije Wereld“ in Lunteren im Herzen der Niederlande gehalten. Nach Emden
eingeladen haben die Ev.-altreformierte Gemeinde Emden und die Synode der
Evangelisch-altreformierten Kirche in Niedersachsen. Gemeindeältester Wiebe
Bergsma aus Emden ist seit fünf Jahren einer der altreformierten Abgeordneten
zur niederländischen Generalsynode.
Pastor Dr. Gerrit Jan Beuker aus Hoogstede, für den Zeitraum von 2000 bis 2006 Vorsitzender der Synode der Evangelisch-altreformierten Kirche in Niedersachsen und zugleich ihr Kirchengeschichtler erklärt die Zusammenhänge:
Die Evangelisch-altreformierte Kirche in Niedersachsen (EAK) ist seit 1923 als selbständige Kirche Teil der Gereformeerde Kerken in Nederland. Sie hat mehr oder weniger die Rechte einer Partikular- oder Provinzialsynode. „Gereformeerd“ ist das niederländische Wort für „altreformiert“, „hervormd“ ist im Deutschen „reformiert“. Das Verhältnis zu den deutschen Altreformierten wird in einem ausführlichen Artikel in einem Entwurf für die Verordnungen zur niederländischen Kirchenordnung der künftigen Vereinigten Protestantischen Kirche in den Niederlanden beschrieben. (Siehe Anlage am Schluss)
Jahreszahlen und Gliederzahlen
Die fünf altreformierten Gemeinden in Ostfriesland (Bunde, Ihrhove, Neermoor, Emden und Campen) sind alle zwischen 1854 und 1861 entstanden und zählen insgesamt etwas über 1000 Gemeindeglieder, die acht Gemeinden in der Grafschaft Bentheim (Laar, Emlichheim, Hoogstede, Wilsum, Uelsen, Veldhausen, Nordhorn und Bad Bentheim) zählen fast 6.000 Glieder. Seit 1983 pflegen die Altreformierten auch eine enge Zusammenarbeit mit der Niederländisch-reformierten Gemeinde Elberfeld, die 1847 von Hermann Friedrich Kohlbrügge gegründet wurde. Den rund 7.000 Altreformierten in Deutschland stehen rund 700.000 in den Niederlanden gegenüber. Zur reformierten Kirche in den Niederlanden, der „Nederlandse Hervormde Kerk“ gehören rund zwei Millionen Menschen.
Die Altreformierten in den Niederlanden sind aus zwei Austrittsbewegungen aus der hervormden Kirche hervorgegangen, 1834 unter dem Ulrumer Pastor Hendrick de Cock (1801-1842) und 1886 bis 1892 unter dem späteren Ministerpräsidenten Abraham Kuyper (1837-1920). Beide Strömungen zählten je etwa 100.000 Anhänger. Sie vereinigten sich 1892 zu den Gereformeerde Kerken in Nederland. Kuyper gründete 1880 die Freie Universität von Amsterdam, die bis heute international bekannt ist. Die altreformierten Gemeinden im Bentheimischen entstanden 1838 bis 1849, in Ostfriesland 1854 bis 1861. In Deutschland und den Niederlanden waren die Altreformierten jener Jahr unzufrieden über eine Verwässerung und Liberalisierung von Glauben und Leben in den reformierten Kirchen.
Aufruf der achtzehn Pastoren von
1961
1961 gaben 18 hervormde und gereformeerde Pastoren in den Niederlanden den ersten Anstoß zu einer Kirchenvereinigung von Reformierten und Altreformierten. Sie nannten die Trennung der beiden Kirchen eine Sünde vor Gott. Beide Kirchen haben identische Bekenntnisse. Den deutschen Unterschied zwischen Frei- und Landeskirche gibt es in den Niederlanden so nicht. Dort kommt keine Kirche in den Genuss von Kirchensteuer oder der Meldung von Gemeindegliedern über das Einwohnermeldeamt.
Der Aufruf der 18 mündete 1986 in eine Erklärung der beiden Kirchen, dass sie sich vereinigen wollen. 1994 entstand eine gemeinsame Kirchenordnung, weitere Kirchengesetze sind in Vorbereitung. Die kirchlichen Strukturen wurden einander angeglichen. Seit Mitte der achtziger Jahre beteiligen sich auch die wenigen Lutheraner in den Niederlanden an diesem Vereinigungsprozess. Er ist in den Niederlanden bekannt als „samen-op-weg“ übersetzt: „gemeinsam auf dem Weg“ oder „gemeinsam unterwegs“. Der Evangelisch-lutherischen Kirche im Königreich der Niederlande gehören rund 17.000 Menschen an.
Gemeinsames Dienstzentrum in
Utrecht
1999 haben Reformierte, Altreformierte und Lutheraner für über fünfzig Millionen DM ein neues kirchliches Dienstzentrum in Utrecht bezogen. Alle kirchlichen Büros und Geschäftsstellen verschiedenster Einrichtungen aus den drei Kirchen sind hier zusammengezogen. Sie waren vorher über mindestens zehn verschiedene Orte in den Niederlanden verteilt. Rund 500 Mitarbeiter zählt das neue Zentrum. Sie bilden eine Art Evangelisches Kirchenamt der Niederlande.
Generalsynode der Gereformeerden
Kerken in Nederland (GKN)
Die Synoden der drei Kirchen tagen noch die Hälfte ihrer Versammlungen jeweils für sich. Ungefähr die Hälfte aller Sitzungen werden gemeinsam gehalten. In wenigen Jahren soll es nur noch eine gemeinsame Synode geben. Zur Synode entsendet jeder Bezirk, der sich in den Niederlanden Klassis und in Deutschland Synodalverband nennt und in der Regel ungefähr zwanzig bis fünfzig Gemeinden umfasst, einen Abgeordneten. Dabei handelt es sich um Pastoren oder Pastorinnen, Älteste, Diakone oder Diakoninnen. Eine solche Generalsynode kommt jeweils für zwei Jahre zusammen. Sie wird von einer örtlichen Gemeinde einberufen und eröffnet ihre Tagungen vor Ort. Danach finden die Versammlungen, durchschnittlich einmal im Monat in einem Kongresszentrum in Lunteren statt.
In der Synode der GKN stellt die EAK zwei von siebzig Abgeordneten. Ältester Wiebe Bergsma aus Emden und Pastor Wilhelm Vennegeerts aus Bunde wurden von der Synode der Evangelisch-altreformierten Kirche, die jedes halbe Jahr einen Tag lang in Nordhorn zusammenkommt, für die Jahre 2001 und 2002 mit dieser Aufgabe betraut. Ungefähr einen Tag im Monat sind beide in unterschiedlichen Kommissionen der Generalsynode tätig, die die Sitzungen vorbereiten. Für Bergsma bedeutet dies, morgens früh 300 Kilometer Hinreise ins Dienstzentrum nach Utrecht und abends Rückreise mit dem PKW. Die Generalsynode selbst kommt meistens drei Tage im Vierteljahr am Stück zusammen. Bergsma war zusammen mit Pastor Hermann Teunis aus Ihrhove (Westoverledingen) auch schon auf der Generalsynode von Enkhuizen 1999/2000. Die jetzt laufende Synode ist die von Franeker. Es ist in den Niederlanden üblich, jede Synode mit dem Namen einer Stadt zu verbinden und zu benennen.
Die nächste Generalsynode der Gereformeerden Kerken wird in die Geschichte eingehen als die „Generalsynode von Emden 2003 – 2004“. Ein einziges Mal wurde in der bisherigen Geschichte die niederländische Generalsynode in Deutschland eröffnet, und zwar die Generalsynode von Bentheim 1981/2. Sie wurde im Kurhaus von Bad Bentheim gehalten. In Emden wird die Generalsynode von 2003/4 in der Johannes a Lasco Bibliothek zusammentreten. Hier tagt seit einigen Jahren auch regelmäßig die Synode der Evangelisch-reformierten Kirche (Synode ev.-ref. Kirchen in Bayern und Nordwestdeutschland). Pastor Dr. G.J. Beuker aus Hoogstede in der Grafschaft Bentheim, Vorsitzender der Synode der Evangelisch-altreformierten Kirche in Niedersachsen hofft, dass durch die Eröffnung der niederländischen Synode in Emden die Beziehungen zwischen den Reformierten in Deutschland und den Niederlanden verstärkt werden. In vielen Zeitungen und Reportagen wird über die Eröffnung und die kirchliche Umgebung der eröffnenden Stadt berichtet. Solche Informationen können das Verständnis füreinander fördern und Wege zueinander ebnen.
Die altreformierten Abgeordneten zur Generalsynode, Ältester Wiebe Bergsma und Pastor Wilhelm Vennegeerts nehmen wie alle anderen 68 Mitglieder der Generalsynode auch regelmäßig an den Versammlungen der sogenannten Triosynode teil. Dort sind zusätzlich zu den Genannten noch einmal insgesamt 90 Mitglieder der hervormden und der lutherischen Synode der Niederlande anwesend. Sie fassen gemeinsam alle Beschlüsse über die weitere Vereinigung der drei Kirchen.
Sprachrohr der Niederlande
Die Evangelisch-altreformierte Kirche in Niedersachsen ist darin auch ein wenig so etwas wie ein Sprachrohr nach Deutschland hin. Sie übersetzte (für ihr eigenes kirchliches Leben) schon verschiedene niederländische Kirchenordnungen in die deutsche Sprache. Besonders der neueste Entwurf für eine reformiert-altreformiert-lutherische Kirchenordnung fand auch in Deutschland Beachtung. Vor wenigen Wochen noch übersetzte Pastor Dr. Beuker eine Broschüre der drei Samen-op-weg-Kirchen. Es handelt sich dabei um die offizielle Stellungnahme der drei gemeinsamen Synoden zu den in den Niederlanden heiß diskutierten Fragen über Christus und die Versöhnung. Die Broschüre trägt den Titel „Jesus Christus, unser Herr und Erlöser“. Sie ist über die altreformierten Gemeinden zum Preis von 8,- DM zu beziehen und zählt 78 Seiten. Allgemein hofft man in den Niederlanden, dass diese Stellungnahme für die Gemeinden und ihre Glieder in diesen Fragen bestehende Gegensätze überwindet.
Synode von Emden – Gemeinde
unter dem Kreuz
Von Emden aus gab es schon Jahrhunderte lang Beziehungen in die Niederlande. 1571 trat hier die (niederländische) Synode von Emden zusammen, die grundsätzliche Regelungen traf für die Reformierten in den Niederlanden. Reformiertes Leben in ganz Nordwesteuropa ist ohne die Synode von Emden 1571 nicht denkbar.
Im 19. Jahrhundert erinnerten sich einige Emder an dieses Beziehungen als sie nach einer Reformation der reformierten Kirche verlangten. Sie knüpften Kontakte zu den Gemeinden unter dem Kreuz in den Niederlanden. Aus den Reihen dieser seit 1834 von der hervormden Kirche getrennten abgeschiedenen Altreformierten kamen die ersten Prediger der 1856 gegründeten altreformierten Gemeinde Emden. 1860 schloss sich ein Teil dieser Gemeinde den Altreformierten im Bentheimischen an, der andere Teil wollte die Verbindung zu den Niederlanden verstärken. Er trat 1866 zum Bund der Baptistengemeinden über.
Altreformierte Theologische
Schule Emden
1891 bis 1915 fanden deutsche altreformierte Theologen ihre Ausbildung an der Theologischen Schule in Emden, die vom Dozenten und Pastor der Gemeinde, Johannes Jäger (1850 – 1925) geleitet wurde. Zwischen 1891 bis 1915 haben hier mindestens 15 junge Männer eine theologische Ausbildung erhalten. Elf von ihnen wurden Pastor in der Evangelisch-altreformierten Kirche. Der gebürtige Emder Wiard Bronger (1870 – 1936) war 1898 bis 1935 altreformierter Pastor in Bentheim. Er führte in seinem Hause im Privatunterricht etwa fünfzehn junge Männer bis zum Abitur, die danach ihre theologische Ausbildung in Kampen in den Niederlanden erhielten.
Altreformiert Emden heute
Die erste altreformierte Kirche wurde 1860 in Emden errichtet. Nach verschiedenen Umbauten und Erweiterungen wurde sie ebenso wie das Pastorat ein Opfer der Bomben des Zweiten Weltkrieges.
Die heutige altreformierte Kirche an der Osterstraße wurde 1950/1 auf dem alten Grundstück neu errichtet wie auch das ebenfalls zerstörte Pastorat und die Gemeinderäume. Zeichnungen und Bilder zeigen vor dem Zweiten Weltkrieg stattliche Gebäude mit barocken Treppengiebeln. Nach dem Krieg wurde einfach und praktisch gebaut. Das jetzige Gemeindehaus wurde 1985??? mit Unterstützung aus allen altreformierten Gemeinden erbaut. Es bietet zu ebener Erde Platz für rund 80 Personen. Die Kirche zählt ca. 200 Sitzplätze. An den Gottesdiensten am Sonntag Vormittag nehmen durchschnittlich fünfzig bis sechzig Personen teil.
Die evangelisch-altreformierte Gemeinde Emden zählt heute 132 Glieder. Seit 1978 arbeitet Pastor Hindrik Heerspink in der Gemeinde. Er ist im Auftrag der Synode der Evangelisch-altreformierten Kirche in Niedersachsen auch stadtmissionarisch tätig. Er ist Mitbegründer und seit 1986 von Anfang an Vorsitzender des Arbeitskreises Leben in Ostfriesland. Im altreformierten Gemeindehaus an der Osterstraße ist auch die Kleiderkammer des Arbeitskreises Leben untergebracht.
Pastor Heerspink (Jahrgang 1944) hat seine Ausbildung 1970 – 1974 am Predigerseminar in St. Chrischona bei Basel in der Schweiz erhalten. Er stammt aus der Grafschaft Bentheim, woher er vorher als Landwirt tätig war. 1974 bis 1978 arbeitete er als CVJM Sekretär in der Nordost Gemeinde in Frankfurt. 1994 bis 1998 war er Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Niedersachsen. Darin arbeiten rund dreißig verschiedene Landes- und Freikirchen zusammen.
Die altreformierte Gemeinde Emden möchte über die eigenen Grenzen sehen und gehen. Gemeinsam mit anderen, z.B. der Landeskirchlichen Gemeinschaft werden seit 1978 regelmäßig sonntags abends um 19.00 Uhr im Gemeindehaus an der Osterstraße evangelische Abendgottesdienste angeboten, mit Ausnahme der Sommermonate Juni bis September. In der Adventszeit backen Jugendliche in der Fußgängerzone Waffeln für die Arbeit der Christoffel Blindenmission. Ein kleiner Posaunenchor und ein Singkreis sorgen für musikalische Vielfalt. Konfirmandenunterricht wird in der Gemeinde in zwei Gruppen bis drei für 12- bis 18-jährige erteilt. Die Gemeinde hofft auf Wachstum und Nachwuchs. Gelegentlich denkt man über eine engere Zusammenarbeit mit der ebenfalls kleinen evangelisch-altreformierten Gemeinde Campen oder mit der reformierten Gemeinde vor Ort nach. In den fünfziger Jahren bestand schon einmal eine gemeinsame Pfarrstelle für die beiden altreformierten Gemeinden Emden und Neermoor.
Mehr Informationen über die Evangelisch-altreformierte Kirche finden Sie
im Internet unter www.altreformiert.de
und auf der privaten homepage von Pastor Dr. Beuker
http://home.t-online.de/home/beuker,
die auch unten über die Seite www.altreformiert.de zu erreichen ist.
Den Text dieses Artikels finden Sie auf der angegebenen homepage unter AGSEmden
Anlage: Aus der ersten Lesung
der Verordnungen zur Kirchenordnung der
VPKN
Verordnung 4, Artikel 16
1. Die Synode der Evangelisch-altreformierten Kirche in Niedersachsen, in
der die Evangelisch-altreformierten Gemeinden Ostfrieslands und der Grafschaft
Bentheim sowie auch die Niederländisch-reformierte Gemeinde Wuppertal-Elberfeld
zusammenkommen, hat die Rechte einer Klassisversammlung.
2. Die Synode der Evangelisch-altreformierten Kirche arbeitet mit einigen
Klassisversammlungen in einer der Allgemeinen Klassisversammlungen zusammen.
3. Die Synode der Evangelisch-altreformierten Kirche ist befugt, für den
Gottesdienst in ihren Gemeinden eigene Regeln aufzustellen in Bezug auf
Bibelübersetzung, Psalm- und Gesangbuch sowie Gottesdienstordnungen.
4. Die Synode der Evangelisch-altreformierten Kirche ist befugt, in Bezug
auf die finanziellen Angelegenheiten ihrer Gemeinden eigene Maßnahmen zu
treffen, die von der Kirchenordnung und den Verordnungen abweichen.
5. Die Synode der Evangelisch-altreformierten Kirche entsendet zwei
Amtsträger zur Generalsynode.
6. Die Synode der Evangelisch-altreformierten Kirche ist berechtigt,
eigene ökumenische Beziehungen aufzubauen und zu unterhalten. Sie gibt diese
der Generalsynode bekannt.