Bavinck, Jan
geboren am 5. Februar 1826 in Bentheim, gestorben am
28. November 1909 in Amsterdam,
evangelisch-reformiert, schloß sich um 1842 den
Altreformierten an, Drechsler und Wagenmacher, Pastor
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Jan Bavinck war das Fünfte von sechs Kindern der
reformierten Eheleute Hermanus Bavinck (ca.1790-1829), einem Zimmermann, und
Fenne Niehaus (ca.1796-1850). Jan war der einzige Sohn des Ehepaares. Er
erlernte den Beruf des Drechslers und Wagenmachers. Durch seinen Onkel Harm
Niehaus kam er mit 16 Jahren in Kontakt mit ä Jan Berend Sundag, dem
altreformierten Prediger und einem Gründer der Grafschafter altreformierten
Kirche. Im April 1850 heiratete Bavinck in Vriezenveen in den Niederlanden
Gesina Magdalena Holland aus diesem Ort. Aus der Ehe wurden sieben Kinder
geboren; drei verstarben früh, ein vierter als Jugendlicher. Ein Sohn wurde
Arzt und zwei wurden Pastoren. Einer von ihnen war der weltberühmte
niederländische Dogmatiker Herman Bavinck (1854-1921). Verschiedene Enkel und
Urenkel von Jan Bavinck standen und stehen im Predigtamt in den „Gereformeerde
Kerken in Nederland“.
Die niederländische altreformierte Generalsynode von
1843, die in Amsterdam tagte, riet einigen Vertretern aus der Grafschaft
Bentheim, junge Männer aus der Grafschaft zur Ausbildung in die Niederlande zu
senden. Diese konnten bei ihrer Rückkehr als Einheimische nicht des Landes
verwiesen werden, wie es teilweise noch bis nach 1860 mit niederländischen
altreformierten Predigern üblich war. Auf einer Versammlung vermutlich aller
altreformierten Ältesten der Grafschaft aus Gildehaus, Bentheim, Brandlecht und
Uelsen, insgesamt 22 Personen, mußte am 17. Januar 1845 bei Stimmengleichheit
das Los zwischen Fredrik Huisken aus Itterbeck und Jan Bavinck entscheiden.
Bavinck wurde im Mai 1945 zur Ausbildung zu Pastor W. A. Kok nach Ruinerwold
geschickt. 1846 zog er mit Kok und anderen Studenten nach Hoogeveen. Anfang
1848 war er als theologischer Kandidat berufbar. Im August 1848 wurde er der
erste altreformierte Pastor für die gesamte Niedergrafschaft Bentheim. Jan
Berend Sundag wurde von W. A. Kok am 6. August 1848 in Gildehaus für die
Obergrafschaft als altreformierter Pastor eingesetzt, Bavinck drei Tage später
am 9. August 1848 in der Scheune des Zimmermanns Steffens in Tinholt für die
Niedergrafschaft. 1849 arbeitete er nur noch in Wilsum und Uelsen, von 1850 bis
zum Mai 1853 allein in Uelsen. Vor 1848 war es völlig unmöglich, eine eigene
Kirche zu gründen oder eigene Pastoren außerhalb der staatlich anerkannten
Kirchen in der Grafschaft Bentheim einzuführen. Auch nach dieser Zeit mußten
die Altreformierten vor allem bis zum Übergang des Königreiches Hannover an
Preußen viele Drangsalierungen erleiden. Taufen, Eheschließungen oder
Beerdigungen wurden ihnen von staatlichen und kirchlichen Stellen unmöglich
gemacht. Teilweise wurden sie bis kurz vor 1900 noch zu Zahlung von
Kirchensteuern für reformierte Gemeinden herangezogen.
Schon in Hoogeveen hatte Bavinck angehende
Theologiestudenten neben dem eigenen Studium in den alten Sprachen unterwiesen.
Diese Arbeit setzte er in Uelsen fort. Er leitete hier neben seiner
Gemeindearbeit als einzelner Dozent eine Art altsprachliches Gymnasium mit etwa
fünf bis zehn Schülern. Unter seiner Leitung entstanden die ersten
altreformierten Kirchengebäude von 1848 bis 1850 in Veldhausen, Uelsen und
Wilsum. 1853 wechselte Bavinck mit seinen Studenten nach Hoogeveen. Ein
gewisser staatlicher und polizeilicher Druck spielte dabei auch eine Rolle.
Wiederholt war sein Unterricht in Uelsen Gegenstand polizeilicher Ermittlungen
gewesen, die oft aufgrund kirchlicher Meldungen der Reformierten eingeleitet
wurden. Die Schule in Uelsen hatte und brauchte, wie sich später herausstellte,
keine staatliche Genehmigung. Es war eine freie private
Unterweisungsmöglichkeit. Sie bestand nach Bavincks Fortzug weiter. Andere
Pastoren unterwiesen nun den theologischen Nachwuchs, bis die Altreformierten
im Jahr 1880 ihre Theologische Schule in Veldhausen eröffneten. Hauptdozent war
dort Johannes Jäger. Diese Schule wurde später über Bentheim und Ihrhove nach
Emden verlegt, wo sie bis zum Ersten Weltkrieg existierte.
1854 ernannte man Bavinck als einer von vier
Dozenten an der neuen Theologischen Schule der Altreformierten in den
Niederlanden in Kampen bei Zwolle. Er ließ das Los entscheiden und lehnte den
Ruf ab. 1857 wurde er Pastor in Bunschoten, 1852 in Almkerk (hier dozierte er
auch wieder alte Sprachen am Institut Hasselman in Nieuwendijk) und 1873 in
Kampen. 1903 erfolgte schließlich seine Pensionierung. Jahrzehntelang war er
bis dahin als Kurator in der Leitung der Theologischen Schule Kampen und als
Abgeordneter der Provinzialsynode Overijssel in den niederländischen
Generalsynoden tätig gewesen. Zwei Ernennungen als Dozent an der Theologischen
Schule in Grand Rapids in den USA hatte er abgelehnt.
Quellen:
Protokolle der Theologischen Schule Emden 1880 - 1923 im Archiv der Evangelisch-altreformierten Kirche
Polizei- und Gerichtsakten als Kopien und in
maschinenschriftlicher Form im Archiv der Evangelisch-altreformierten Kirche in
Wilsum, Originale im Archiv der reformierten Klassis in Nordhorn.
Werke:
Insgesamt 12 Predigten aus verschiedenen Anlässen zu biblischen Texten wurden von Jan Bavinck veröffentlicht. Außerdem:
De Heidelbergsche Catechismus in 59 leerredenen verklaard, 2 Bde, Kampen 1903/04, 21914.
1869/70 gab er mit Hel. de Cock die Monatsschrift „De Getuigenis“ heraus, in der er viele Artikel verfaßte.
Nach 1905 erschien zuerst handschriftlich und seit einigen Jahrzehnten maschinenschriftlich:
Jan Bavinck, Korte Schets van mijn leven (76 A4 Seiten).
Literatur (Auswahl):
Gerrit Jan Beuker, Gemeinde unterwegs, Die
Evangelisch-altreformierte Kirchengemeinde Uelsen sein 1838, Bad Bentheim 1984,
S. 54-55
Gerrit Jan Beuker, Umkehr und Erneuerung, Aus der Geschichte der Evangelisch-altreformierten Kirche in Niedersachsen, Bad Bentheim 1988, insbesondere S. 249-252.
R.H. Bremmer, Herman Bavinck als dogmaticus, Kampen 1961.
R.H. Bremmer, Herman Bavinck en zijn tijdgenoten, Kampen 1966, S. 8-16.
Joh. de Haas, Gedenkt uw voorgangers. Haarlem 21982, S. 27-30. (Bd. 1)
V. Hepp,
Herman Bavinck, Amsterdam 1921, S. 8-29.
J. A. Wormser, Een schat in aarden vaten. Erste serie IV. Karakter en Genade. Het leven van Simon van Velzen,
Nijverdal 1916, S. 79-81.
Veröffentlicht in: Studiengesellschaft für Emsländische
Regionalgeschichte (hg.), Redaktion: Dr. Christof Haverkamp, Helmut Lensing,
Dr. Stefan Remme, Emsländische Geschichte 6, Meppen, 1997, S. 124 – 126.
Dr. Gerrit Jan Beuker,
Hoogstede