Bronger, Wiard
geboren am 9. April 1870 in Emden, gestorben am 5.
Januar 1936 in Bentheim, evangelisch-altreformiert, Pastor
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Bronger war ein Sohn der reformierten Eheleute
Hermann Bronger (1823-1896), Böttchermeister in Emden, und seiner Ehefrau
Johanna Waalkes. Hermann und Johanna Bronger gehörten der altreformierten
Gemeinde Emden seit ihrer Gründung 1856 an. Der Vater von Hermann Bronger,
Bronger Jansen Bronger, war Mitglied im ersten Kirchenrat der Gemeinde. Etwas
vom Zwiespalt aller ersten Altreformierten wurde in einer Antwort des
reformierten Pastoren Janssen aus Wolthusen vom 15. März 1858 an das Amt Emden
deutlich. Er schrieb: „Ich muß hier aber
bemerken, daß der E. zu seiner Anzeige meldete, daß er aus der nach seiner
Meinung verdorbenen reformirten Kirche Ostfrieslands austrete, um sich dahin zu
verfügen, wo die reine Lehre der reformirten Kirche noch gefunden werde; so daß
er nach seiner Aussage eigentlich nicht aus der reformirten Kirche ausgetreten
ist“.
Bis nach 1860 wurden unnachsichtig altreformierte
Prediger, die aus den Niederlanden kamen und in Ostfriesland oder der
Grafschaft Bentheim berufen waren und hier arbeiteten, von den staatlichen
Behörden des Landes verwiesen. Auf diese Weise hoffte man, den sogenannten
Separatismus einzudämmen. Ein Ergebnis dieser Repressalien war, daß immer mehr
Bürger des Königreichs Hannover aus dem Bentheimer oder ostfriesischen Gebiet
Theologie studierten und Pastoren der eigenen Kirche wurden. Sie konnten nicht
ausgewiesen werden. Die Gespräche in Brongers Elternhaus und Brongers
Erfahrungen selber waren von diesen Ausweisungsbefehlen geprägt. Die
Altreformierten setzten alles daran, Prediger aus den eigenen Reihen
auszubilden. Wiard Bronger war später selber maßgeblich an der Ausbildung
kommender Theologen beteiligt.
Wiard Bronger heiratete im September 1892 die
Pastorentochter Aleida Stroeven (1867-1950) aus Bunde. Aus der Ehe wurden drei
Söhne und eine Tochter geboren. Letztere, Johanna Hermanna (1897-1930), starb
im Alter von 33 Jahren. Nur zwei Söhne überlebten den Vater. Einer, Elfried,
studierte ab 1923 bei seinem Vater und leitete später einen eigenen Verlag.
Danach leitete er eine reformierte Bücherstube in Düsseldorf. Auf diese Art und
Weise war es 1925 bis 1935 möglich, verschiedene altreformierte Schriften
herauszubringen. Sein Vater Hermann Bronger (1823-1896) gehörte zu den ersten
Gliedern der altreformierten Gemeinde Emden. 27 Jahre lang war er Ältester
dieser Gemeinde. Wiard wurde schon am 30. März 1886 im Alter von fast 16 Jahren
konfirmiert. Das normale Konfirmationsalter war zu
der Zeit 20 Jahre oder älter! Bronger besuchte in Emden das Gymnasium. Darin
war er unter den Altreformierten seiner Zeit eine Besonderheit. Als
Klassenerster verließ er die Schule. 1888 bis 1891 studierte er bei dem
altreformierten Dozenten und Pastoren Johannes Jäger in Ihrhove. Geschichte und
alte Sprachen waren Brongers Vorliebe. Mit Jäger und zwei oder drei anderen
Studenten wechselte er 1891 nach Emden. 1892 legte er die kirchlichen Examina
ab und wurde im Alter von erst 22 Jahren für sechs Jahre Pastor der
altreformierten Gemeinde Wilsum in der Niedergrafschaft Bentheim. Von 1898 bis
1936 arbeitete er 32 Jahre lang in Bentheim. Sein Schwiegervater, Pastor
Lambert Stroeven aus Bunde, der früher jahrelang im Niedergrafschafter
Emlichheim tätig gewesen war, führte ihn hier in die Gemeinde ein. Bronger war
einer der ersten Altreformierten, der wesentlich besser und lieber Deutsch als
Niederländisch predigte.
Von 1912 bis 1932 unterrichtete Bronger in Bentheim
insgesamt mindestens 15 Jugendliche in einer Art Privatgymnasium. Er doziert
alte Sprachen, Geschichte, Deutsch und Niederländisch, womit er seine Studenten
damit auf ein theologisches Studium bei Johannes Jäger in Emden oder seit 1923
an der Theologischen Schule in Kampen in den Niederlanden vorbereitete.
Letztere kannte eine Zulassungsprüfung, die Jägers Schüler alle mit Bravour
bestanden. Seine Studenten waren in dieser Reihenfolge: Arnold Brunemeier, Gerd
Beekmann, Hermann Müller, Jacobus Boll, Elfried Bronger, Johannes Tammling so
wie die späteren Pastoren Berend Hindrik Lankamp, Wilhelm Lenderink, Albert
Brink, Gerrit Schrovenwever, Heinrich Vos, Bernhard Heetderks, Jan Kortmann,
Jan Köster und Harm Tien. Alle Genannten sind gebürtige Grafschafter und
Ostfriesen. Fünf der Genannten waren später lebenslang, drei weitere eine
Zeitlang als altreformierte Pastoren in der Grafschaft Bentheim und
Ostfriesland tätig. Bronger wirkte über seine Schüler prägend für die neun
altreformierten Gemeinden in der Grafschaft Bentheim und für die fünf in
Ostfriesland.
Der „Kampener Kerkbode“(31. Jg., Nr. 41) schrieb
1926 über Bronger: „Allen Respekt für die
wissenschaftliche Leistung dieses Mannes. Er bildet ganz allein Jugendliche aus
für das Zulassungsexamen unserer Theologischen Schule. Im Moment hat er sechs
Schüler, von denen fünf bei ihm im Hause wohnen. Er unterrichtet sie in Latein,
Griechisch, Französisch und Englisch, in Mathematik, Geschichte und Erkunde,
kurz in allen Fächern“.
Brongers Haus in Bentheim wurde zu einer Drehscheibe
internationaler Begegnungen. Er pflegte Kontakte in die Niederlande, die USA
und nach Südafrika und war Abgeordneter zu verschiedenen altreformierten Generalsynoden
in den Niederlanden (1896 und 1926). Ferner betätigte er sich jahrelang als
Vorsitzender des Deutschen Vereins für die Bibelverbreitung in Düsseldorf und
des Evangelischen Schulvereins in Bentheim. Er setzte sich stark ein für die
Einrichtung einer christlichen Schule und eines Kinderheimes in Gildehaus. Er
war einer der Begründer der Schulgemeindebewegung in der Grafschaft Bentheim
und langjähriger Vorsitzender im Kreisverband Evangelischer Schulvereine der
Grafschaft Bentheim. Das heutige Eylarduswerk in Gildehaus ist mit auf seine
Initiative hin entstanden. Es ist die älteste diakonische Einrichtung der
Grafschaft, in der Reformierte und Altreformierte zusammenarbeiten. Bronger war
jahrelang zweiter Vorsitzender dieser Einrichtung.
Literatur:
Gerrit Jan Beuker, Umkehr und Erneuerung. Aus der Geschichte der Evangelisch-altreformierten Kirche in Niedersachsen 1838 - 1988, Bad Bentheim (mit Foto).
Alfried Gülker, Gemeindechronik. 150 Jahre Evangelisch-altreformierte Kirchengemeinde Bad Bentheim 1840 - 1990, Bad Bentheim 1990, S. 62-65.
Joh. de Haas, Gedenkt uw voorgangers, Haarlem 21984, S. 41, (Bd. III).
De Bazuin vom 17. Januar 1936.
Egbert Kolthoff, Art. Wiard Bronger, in: Jaarboek van de Gereformeerde Kerken in Nederland, ohne Ort, 1937, S. 418-421.
Der Grenzbote 12.01.1936, Nr. 2036, E. Kolthoff, Pastor W. Bronger eingegangen in die Ruhe.
Der Grenzbote19.01.1936, Nr. 2037, E. Kolthoff, Die
Beerdigung Pastor Bronger’s.
Weitere Nachrufe in Rotterdamsch Nieuwsblad vom 7.1.1936, De Rotterdammer vom 6.1.1936, De Standaard (Amsterdam) vom 7.1.1936, Nieuwe Apeldoornsche Courant vom 7.1.1936, De Amsterdammer (Chr. Volksdagblad) vom 10.1.1936, Christelijk Sociaal Dagblad 8.1.1936, Friesch Dagblad (Sneek) 8.1.1936, Het Algemeen Handelsblad (Amsterdam) 6.1.1936, De Telegraaf (Amsterdam) 6.1.1936 und in vielen anderen Zeitungen.
Veröffentlicht in: Studiengesellschaft für Emsländische
Regionalgeschichte (hg.), Redaktion: Dr. Christof Haverkamp, Helmut Lensing,
Dr. Stefan Remme, Emsländische Geschichte 6, Meppen, 1997, S. 164 – 166.
Dr. Gerrit Jan Beuker,
Hoogstede