Cock,
Hendrik de
geboren am 12. April 1801 in
Wildervank, gestorben am 14. November 1842 in Groningen,
evangelisch-reformiert, seit 1834 evangelisch-altreformiert, Pastor
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Hendrik de Cock war ein Sohn des Landwirts Tjaarda
de Cock und seiner Gattin Jantje, geborne Kappen. Tjaarda war ein Sohn von
Pastor Regnerus Tjaarda de Cock. Hendrik de Cock studierte in Groningen. Er
heiratete 1824 Frouwe Helenius Venema (1803-1889). Aus der Ehe wurden sieben
Kinder geboren. Der älteste Sohn wurden ebenfalls Pastor und 1854 einer der
vier Dozenten an der in dem Jahr gegründeten Theologischen Schule in Kampen.
Hendrik de Cock wurde 1824 hervormder Pastor in
Eppenhuizen, 1827 in Noordlaren und 1829 in Ulrum. Ende 1833 wurde er wegen
seiner ersten Broschüre, in der er „die
Irrtümer und Abweichungen von der reformierten Lehre“ (De Haas) darlegte,
seines Amtes enthoben und am 29. Mai 1834 vollständig abgesetzt. Er trennte
sich mit seiner Gemeinde am 13. Oktober 1834 von der bestehenden Kirche (siehe Abscheidungsurkunde). Vom 28. November 1834 bis zum 24
Februar 1835 kam er wegen dieses „Aufruhrs“ ins Gefängnis. De Cocks
Anhängerschar wuchs bis Ostfriesland und in die Grafschaft Bentheim. Er wurde
zum Führer der in Ostfriesland und der Grafschaft nach ihm benannten „kokschen“
Abscheidungsbewegung, die 1838 in Uelsen und 1840 in Bentheim zu einer
Gemeindebildung von Altreformierten führte. Neben de Cock gab es noch vier
weitere Pastoren, die aus der hervormden Kirche austragen: H. P. Scholte in der
Provinz Nordbrabant, Anthony Brummelkamp aus Hattem bei Zwolle, 1835 Simon van
Velzen in Drogenham in der Provinz Friesland und 1839 T. F. de Haan ebenfalls in
der Provinz Friesland. Der Kandidat Albertus van Raalte wurde gar nicht erst
zum Predigtamt in der hervormden Kirche zugelassen. Van Raalte und Scholte
wanderten beide 1847 mit vielen ihrer Anhänger in den USA aus. Viele
Altreformierte aus der nördlichen Grafschaft Bentheim schlossen sich dem
Auswanderungszug an. Die ersten Ältesten der altreformierten Gemeinde Uelsen
wurden am 1. Januar 1838 in Itterbeck nahe der niederländischen Grenze von dem
abgeschiedenen Pastoren Albertus van Raalte aus Genemuiden und Mastenbroek in
ihr Amt eingeführt. Dieser wanderte 1847 in die USA aus und gründete dort im
Bundesstaat Michigan die Stadt Holland. Viele Niedergrafschafter Altreformierte
folgten ihm.
Die ersten Ältesten der heutigen altreformierten
Gemeinde Bad Bentheim wurden am 7. Mai 1840 von Hendrik de Cock beim Landwirt
Sandfort in Waldseite bei Gildehaus in ihr Amt eingeführt. Eine neue Gemeinde
gilt mit der Einsetzung von Ältesten (und Diakonen) als gegründet. Wenige Tage
vorher, am 28. April 1840, hatte de Cock im Hause Sandfort ein Kind mit Namen
Dirk Sandfort getauft.
Der spätere Pastor dieser Bentheimer Gemeinde, Jan
Berend Sundag (1810-1893) aus Samern, gehörte zu den ersten, die 1839 und 1840
bei Hendrik de Cock in Groningen Theologie studierten. Vom April 1839 bis zu
seinem Tod November 1842 waren 27 seiner Studenten schon als Pastoren
eingesetzt worden, weitere 35 waren „bei
ihm in der Lehre“.
Am 9. Mai 1840 taufte Hendrik de Cock in Itterbeck
die bis dahin ungetauft gebliebenen sechs Kinder der Gemeinde, die von März
1838 bis März 1840 geboren waren, in einem Schafstall in Itterbeck. Von, über
und gegen de Cock erschienen allein in 1833 und 1834 über 25 Broschüren.
Weitere 15 folgten 1835 bis 1838. Bis in unsere Zeit erscheint in den
Niederlanden immer neue Literatur über ihn und seine Abscheidung. Für den
deutschsprachigen Bereich findet sich über ihn vielfach etwas in der Literatur
über die evangelisch-altreformiert Kirche in Niedersachsen. Die älteste
deutsche Darstellung, „Die Unruhen in der Niederländisch-Reformirten Kirche
während der Jahre 1833 bis 1839“ aus der Feder von Dr. J. C. L. Gieseler stammt
bereits aus dem Jahr 1840.
Hendrik de Cock predigte 1837/38 wohl auch in
Wolthusen vor den Toren Emdens und vermutlich ebenfalls in Veenhusen bei Leer.
(M. Smid 1974,536). Das Amt Emden berichtet dem Konsistorium in Aurich am
22.04.1843, daß man die Teilnehmer bestimmter Versammlungen Kocsianer nennt.
(G.J. Beuker 1988,163). In Ostfriesland wurden schließlich fünf altreformierte
Gemeinden gegründet: Campen 1854, Emden 04.04.1856, Bunde 07.05.1858, Ihrhove
09.01.1860 und Neermoor 12.04.1861.
In den Niederlanden vereinigte sich die 1834 von de
Cock gegründete „Christelijke Gereformeerde Kerk“ 1892 mit einer erneuten
Bewegung, der sogenannten Doleantie, die seit 1886 aus der hervormden Kerk
austrat. Ihr bekannter Führer war der spätere niederländische Ministerpräsident
und der Gründer der Freien Universität von Amsterdam, Abraham Kuyper. Die 1892
entstandene neue Gemeinschaft nennt sich „Gereformeerde Kerken in Nederland“.
Sie zählt etwa 750.000 Gemeindeglieder und versucht mit der Hervormden Kirche
der Niederlande in jüngster Zeit wieder eine Kirche zu werden im sogenannten
„Samen-op-weg“- Prozeß. Beide Kirchen sind gemeinsam auf dem Weg.
„Gereformeerd“ in den Niederlanden entspricht dem deutschen „altreformiert“,
„hervormd“ dem deutschen „reformiert“.
Video mit Dr. Harry Veldman zugefügt 24.02.2010 (siehe weiter unten )
Werke:
39 Broschüren und Schriften von Hendrik de Cock wurden 1984 neu in zwei Sammelbänden herausgegeben:
D. Deddens u.a. , Hendrik de Cock, Verzamelde Geschriften, voorzien van inleidingen en aantekeningen, Houten 1984 und 1986, zwei Bände.
Literatur (Auswahl):
Artikel in allen größeren niederländischen Lexika.
Gerrit Jan Beuker, Gemeinde unterwegs, Die Evangelisch-altreformierte Kirchengemeinde Uelsen seit 1838, Bad Bentheim 1984.
Gerrit Jan Beuker, Umkehr und Erneuerung. Aus der Geschichte der Evangelisch-altreformierten Kirche in Niedersachsen 1838 - 1988, Bad Bentheim 1988.
J. C .L. Gieseler, Die Unruhen in der Niederländisch-Reformirten Kirche während der Jahre 1833 bis 1839, Hamburg 1840, S. 54-82.
P. L. de Jong, Die Bentheimer Kirche im 18. und 19. Jahrhundert, in: Heinrich Voort (Schriftleitung), Reformiertes Bekenntnis in der Grafschaft Bentheim 1588-1988 (= Das Bentheimer Land Bd. 114), Gildehaus/ Bad Bentheim 1988, 113-162, besonders S. 151-153.
Hel. de Cock, Hendrik de Cock, eerste afgescheiden predikant in Nederland. Beschouwd in Leven en Werkzsaamheid. Een Bijdrage tot recht verstand van de kerkelijke Afscheiding, Delfzijl, 21886.
J. A. Wormser, Een schat in aarden vaten, erste serie III.
„Werken zoolang het dag is“. Het
leven van Hendrik de Cock, Nijverdal 1915.
Joh. de Haas, Gedenkt uw voorgangers, Deel 1, Haarlem 21984, S. 70-70 (mit weiteren Literaturangaben).
Bild: Ein Foto von Hendrik de Cock findet sich in: Gerrit Jan Beuker, Gemeinde unterwegs, Die Evangelisch-altreformierte Kirchengemeinde Uelsen seit 1838, Bad Bentheim 1984, S. 28.
Veröffentlicht in: Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte
(hg.), Redaktion: Dr. Christof Haverkamp, Helmut Lensing, Dr. Stefan Remme,
Emsländische Geschichte 6, Meppen, 1997, S. 141 – 145.
Dr. Gerrit Jan Beuker, Hoogstede