Ekelhoff, Fritz

geboren am 1. Mai 1898 in Ratzel, gestorben am 19. März 1973 in Nordhorn, evangelisch-altreformiert, Landwirt, Jugendleiter und Kommunalpolitiker

Foto Fritz Ekelhof

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Fritz Ekelhoff wurde am 1. Mai 1898 im heutigen Wilsumer Ortsteil Ratzel als ältestes von acht Kindern des Landwirts Albert Ekelhoff (23.05.1870-03.09.1953) und seiner Ehefrau Geertken (Geertje), geborene Ekkel (18.11.1876-29.04.1970) aus Klosterhaar geboren. Er wurde in der evangelisch-altreformierten Kirche in Wilsum von Pastor E. Buurma getauft, der von 1898 bis 1912 in Wilsum tätig war.

Ekelhoff besuchte acht Jahre, von 1904 bis 1912, die Volksschule in Ratzel. Die Lehrer Bosmann und Blekker unterrichteten ihn dort. In seinem Zeugnisheft der Oberstufe sind Ostern 1908 als Zensuren ohne Ausnahme „Befriedigend“ eingetragen. Im Abschlusszeugnis Ostern 1912 sind bis auf eine Ausnahme nur „Sehr Gut“ verzeichnet, bei „Singen“ steht das einzige „Gut“. Während der gesamten Schulzeit durfte Ekelhoff „wegen eines Bruches … nicht mitturnen“. Auch später hat er sich nie operieren lassen.

Von 1912 bis 1914 half er auf dem elterlichen Hof. Er blieb lebenslang ledig. Ab August 1914 arbeitete er auf dem Hof Garbert in Wilsum, dann ab September 1915 bei D. Züter.

Ekelhoff besuchte von 1911 bis 1916 den altreformierten Konfirmandenunterricht bei den Pastoren Buurma, Schüürmann und Enserink. Er wurde kriegsbedingt am 22. November 1916 konfirmiert. Vier Tage später wurde er eingezogen. Er erhielt seine militärische Ausbildung in Jüterborg vom 26. November 1916 bis zum 14. April 1917. Anschließend kam er über Mainz nach Mühlhausen. Ekelhoff gehörte zur „Fußartillerie” und wurde sehr bald auch „Meldegänger” und „Kanonier”. In einer Art Kriegstagebuch hat er die Ereignisse dieser Zeit festgehalten. Später hat er seine Notizen in seinen Lebenslauf eingearbeitet. Ende des Jahres 1917 kämpfte er in der Nähe von Metz. Wiederholt genoss er Heimaturlaub. Im Laufe des Jahres 1918 fand er sich vor Verdun und in Sedan. Dort erlebte er am 11. November 1918 das Schweigen der Waffen. Am 26. Dezember 1918 kam er wieder in Ratzel an. Er hatte zwei Jahre und zwei Monate gedient.

 

Bereits am 1. Dezember 1914 war Ekelhoff Mitglied im altreformierten Jünglingsverein Wilsum geworden. Vom Frühjahr 1916 bis Herbst 1919 ruhten die Versammlungen. Von Oktober 1921 bis Oktober 1923 amtierte Ekelhoff als zweiter Vorsitzender des Vereins. Er war maßgeblich an der Gründung des altreformierten Jünglingsbundes am 25. August 1921 in Bentheim beteiligt. Zudem kümmerte er sich um die Herausgabe des monatlichen Jünglingsblattes, das seit dem Juni 1924 erscheint und heute als „Der Jugendbote” fortgeführt wird.

Im Oktober 1921 gründete sich in Ratzel zusätzlich ein gemischter Gesangverein, auch „Gesangverein Prediger 12:1” genannt. Ekelhoff wurde Anfang 1922 zweiter und Anfang 1923 erster Vorsitzender. Er übte dieses Amt bis zum Sommer 1940 aus. In dieser Zeit entwickelte sich aus dem ursprünglichen Gesangverein ein Jungmänner- und Jungfrauenverein, von dem der erste bis 1940 fortbestanden hat. Die Trennung des Vereins nach Geschlechtern sah der lebenslange Junggeselle Ekelhoff Mitte der dreißiger Jahre als eine Verarmung. Er notiert: „Möge es nur vorübergehend sein”.

Bilder aus dieser Zeit, wie sie etwa im Buch „Evangelisch-altreformierte Kirchengemeinde Wilsum 1848 – 1998“veröffentlicht sind, zeigen eine durchschnittliche Vereinsgröße von 30 bis 40 Personen. 1940 ging der Ratzeler Verein in den Wilsumer Jungmänner- oder Jünglingsverein über. Hier war Fritz Ekelhoff vom Oktober 1931 bis ins Jahr 1947 Vorsitzender. „Dann legte er, durch seine kommunalpolitische Arbeit im Kreistag zu sehr in Anspruch genommen, sein Amt nieder. Er stand noch viele Jahre als Ehrenmitglied mit Rat und Tat zu Verfügung”, heißt es im genannten Buch (S. 169).

 

Neben den beiden Sonntagsgottesdiensten standen Laienversammlungen, die im Sommer und im Winter in einzelnen Häusern gehalten wurden und unter ihrer niederländischen Bezeichnung bekannt wurden. Ekelhoff berichtet darüber: „An den Sonntagabenden finden regelmäßig Abendgottesdienste statt. Im Frühjahr und Herbst, in der Übergangsperiode von Natur und künstlichem Licht, ist immer eine kleine Pause. Diese Gottesdienste werden im Volksmund „Zamenkomsten“ genannt. Es werden Wochenpredigten gelesen aus Holland. Unter dem Titel „Menigerlei Genade“ erscheinen in Kampen unter der Redaktion von Dr. J.C. de Moor und Dr. R. Wielenga von niederländischen gereformeerden Pastoren immer neue zeitgemäße Predigten. Nach dem Vorlesen der Predigt ist noch eine halbe Stunde Gelegenheit zur freien Aussprache. Diese Zamenkomsten tragen hauptsächlich erbaulichen Charakter. Sie bestehen schon seit Anfang von Ratzel her. ... Im vergangenen Winter ist eine Stichprobe gemacht. Die Durchschnitts-Besucherzahl von drei Versammlungen war 44. Die Jugend füllt meistens die größte Hälfte. Am Schluss der Versammlung wird immer kollektiert für die Sumbamission. Durchschnittliches Ergebnis der Kollekte war 72 Pfennig. Leiter dieser Zamenkomsten ist der Kirchenälteste von Ratzel“.

Aus alten Erinnerungen wird erzählt, dass die Zamenkomsten immer in der Küche stattfanden. Neben den Predigten und dem Besprechen der Predigten wurde auch über Glaubenserfahrungen und persönliche Erlebnisse der Mitglieder berichtet. Wann diese Zamenkomsten aufhörten, ist nicht genau bekannt. Man wird hier die erste Hälfte der 40er Jahre annehmen dürfen” (Ev.-altref. Kirchengemeinde Wilsum 1848 – 1998, S. 180).

 

Ekelhoff war überdies Wilsumer Vertreter auf den jährlichen Bundeskonferenzen der altreformierten Jugend der Grafschaft Bentheim und Ostfriesland. Von Mai 1927 bis Mai 1948 gehörte er als Schriftführer dem Vorstand des evangelisch-altrefomierten Jünglingsbundes Grafschaft Bentheim/Ostfriesland an. Damit war er Ansprechpartner für 13 Vereine. Er führte einen regen Schriftverkehr mit den Vereinen und mit bekannten Persönlichkeiten im In- und Ausland, die oftmals als Redner für die Vorträge und Schulungen in der Grafschaft oder in Ostfriesland gewonnen wurden. In Wilsum lagern im Archiv der Evangelisch-altreformierten Synode einige Ordner Schriftverkehr des Jünglingsbundes aus jenen Jahren. Ekelhoffs Funktion in diesem Vorstand beinhaltete, dass er innerhalb weniger Jahre auf den sogenannten Bundesbesuchen alle Vereine des Jünglingsbundes besuchte und auch dort Kontakte knüpfte. Er verfasste aufgrund der Berichte über diese Bundesbesuche Jahresberichte über die Jugendarbeit. Darin benannte er deutlich die Schwächen der Arbeit und wirkte zielgerichtet auf eine Verbesserung hin. Er hat als Schriftführer des Jugendbundes viele Briefe geschrieben und noch mehr erhalten. Er schrieb freundschaftlich, aber bestimmt mit vielen Pastoren und Professoren.

Für die altreformierte Jugendarbeit war Fritz Ekelhoff in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen eine herausragende und prägende Persönlichkeit. Er hat in vieler Hinsicht auch die Basis gelegt für die altreformierte Jugendarbeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Er sorgte für Informations- und Diskussionsmaterial. Die Vereine erhielten schon in den dreißiger Jahren Skizzen und Stundenentwürfe. Ekelhoff beherrschte die deutsche Sprache überdurchschnittlich gut und konnte sich auch niederländisch verständigen. Er war geprägt von einer tiefen Frömmigkeit und einer großen Liebe zur Kirche. Jeden Sonntag feierte er vor- und nachmittags in seiner Gemeinde in Wilsum den Gottesdienst. Zum letzten Mal wurde er 1960 im Alter von 63 Jahren für vier Jahre in den Vorstand des Evangelisch-altreformierten Jünglingsbundes gewählt. Bis kurz vor seinem Tode hat er immer wieder Vorträge und Einleitungen in verschiedenen Jugendvereinen gehalten.

 

Vom 23. Oktober 1933 bis zum 15. Januar 1934 sind sieben niederländischsprachige Vorträge Ekelhoffs zum „Weltgeschehen“, die er in Ratzel vorgetragen hat, erhalten geblieben. Er übernahm darin vielfach niederländische Informationen und Zeitungsberichte. Schon im ersten Vortrag kommt er zur Sache: „Wie jetzt Handelsbriefe über eine Partie nicht mehr ganz frischen Stockfisch unterzeichnet werden mit ‚Heil Hitler‘, so werden vielleicht in wenigen Monaten keine Händler mehr ‚Oktober‘ über ihre Briefe schreiben, sondern ‚Gilbhard‘. … Hätte es immer ein Sterilisationsgesetz gegeben, wir hätten keinen Beethoven, sein Vater war dem Alkohol verfallen; keinen Friedrich den Großen, sein Vater war geisteskrank; keinen Karl V., sein Mutter war Johanne die Wahnsinnige“.

Am 6. November 1933 meinte er: „Wir leben in der Zeit des totalen Staates. Alles muss auf den Staat übergehen. Daher die Gleichschaltungen. Alles muss dem Staat dienen, dem höchsten Gut im Leben“. Ekelhoff informierte seine Zuhörer über das Geschehen in Deutschland. Er versteckte dabei seine Ablehnung der Ereignisse nicht und kritisierte heftig die Einheitswahlliste. „Man will den Einheitsstaat auf Kosten persönlicher Rechte und Freiheiten“. Kranke und Alte zählten nicht mehr. Sie seien „Ballastmenschen“. Vom Arierparagraph wollte Ekelhoff nichts wissen und von den „Deutschen Christen“ ebenso wenig. In Ratzel war er bestens informiert – und er informierte andere. Leider sind nach dem Januar 1934 keine Vorträge zum Weltgeschehen mehr erhalten oder sie sind nicht mehr niedergeschrieben worden. Es wurde gefährlich, solche Dinge zu schreiben.

Schon im Sommer 1934 wurde Ekelhoffs privater Bücherschrank vom Landjäger Schneider „durchwühlt”. Am 7. März 1936 kamen zwei Gendarmen, weil Ekelhoff die Zeitung „Für Jung und Alt” verteilt hatte, „die als kommunistisches Flugblatt angesehen wurde”, wie er schreibt. Er war der Meinung, jemand habe ihn „angeschwärzt”. Die Gendarmen nahmen verschiedene Zeitungen mit, so das altreformierte Blatt „Der Grenzbote”, die evangelische Wochenzeitung „Das Volk” und die niederländische Zeitung „De Standaard”. Ekelhoff meinte dazu: „Jedoch kam nichts dabei heraus”.

Kurz zuvor, am 9. Januar 1936, hatte der Bentheimer Landrat Hans Hermann Rosenhagen den Gebrauch des Niederländischen in altreformierten Gottesdiensten verboten. Anfang Februar überwachte die Polizei die Einhaltung des Verbots. In Wilsum und auch andern Orts stand eigens ein Polizist während des Gottesdienstes im Eingang der Kirche und notierte alles Auffällige.

Ekelhoff selbst war am 16. Februar 1936 bei einem Vortrag von Dr. Hermann Albert Hesse (1877-1957) aus Wuppertal, dem Generalsekretär des Reformierten Bundes und einem Vertreter der Bekennenden Kirche, anwesend. Ebenso hörte er ein Jahr später die Rede von Dr. Hellbach in Neuenhaus über die Lage der evangelischen Kirchen, am 7. März 1936 ein Referat von Dr. Abbers oder am 28. April die Predigt von Pastor Karl Immer (1888-1944). Nach dem letzten Vortrag sang man in Neuenhaus auf dem Marktplatz alle vier Strophen des Lutherliedes „Ein feste Burg ist unser Gott”. Die Teilnehmer waren mit Bussen aus der ganzen Niedergrafschaft angereist.

Nicht nur die Gottesdienste, selbst die Bibelstunden wurden in altreformierten Gemeinden von Polizisten und Mitarbeitern des Arbeitsdienstes überwacht, etwa am 26. April 1937 in Emlichheim eine Stunde mit Pastor Lenderink. Angesetzte Versammlungen mußten abgesagt, niederländische Redner ausgeladen werden. So erging es Pastor Idema aus Delden, der am 20. August 1937 in Uelsen referieren sollte. Ekelhoff wurde am 21. August 1937 von der Polizei vernommen, ob er den „Ernsten Bibelforschern”, wie seinerzeit die Zeugen Jehovas genannte wurden, angehöre. Die altreformierte Kirchenzeitung „Der Grenzbote” war von Mitte Juli bis Mitte Oktober 1937 verboten wegen eines Beitrags in der Nummer 2105. Darin hatte der Schriftleiter unter „Stimmen zur Schulfrage“ aus anderen Zeitungen zitiert, so u.a.: „Die ganze Schule muß entweder christlich oder deutschgläubig sein. Sie kann in keinem Fach beides vereinen“. Als eigenes Wort des Schriftleiters ì Egbert Kolthoff (1870-1954) heißt es im selben Artikel zum Schluß: „Und wenn es auch so bald nicht anders wird, so sei man sich doch darüber klar, dass die herrschende Geistesrichtung sich dem Evangelium vom gekreuzigten Christus widersetzt“.

Ekelhoffs Bruder Hindrik fiel am 10. August 1942 in Russland. Im November 1944 wurde Ekelhoff selbst als „Volksstürmer” im Saal Ridder in Wilsum vereidigt. Er musste „zum Schanzen nach Engden”. Die zweite Februarhälfte 1945 arbeitete er auf dem Isterberg und Anfang April an einer Panzersperre bei Overgünne. Mit dem 3. April 1945 hörte dieser Dienst auf, am 5. April 1945 zogen amerikanische Panzer durch Wilsum.

In den Kriegsjahren hatte Ekelhoff in seiner Gemeinde wiederholt als Vorleser Gottesdienste geleitet, weil keine Pastoren zur Verfügung standen. Am 3. Juni 1945 trafen sich Vertreter der altreformierten Kirchenräte der Niedergrafschaft. Sie beantragten bei den zuständigen niederländischen kirchlichen Stellen, sie wollten geschlossen mit ihren Gemeinden in die USA auswandern, wenn die Niederlande die Niedergrafschaft annektieren würden.

Von 1945 bis 1950 schrieb Ekelhoff eine ganze Reihe von „Leumundszeugnissen“, später auch „Persilschein“ genannt. Er bescheinigte damit verschiedenen Personen, Gegner der nationalsozialistischen Ideologien gewesen zu sein.

Am 28. Januar 1947 schrieb er der „Kreispartei der C.D.U.: „Mein Standpunkt zu dem Problem der Entnazifizierung ist, dass diese frei sein muss von Rache, Hass und Vergeltungsabsichten, doch muss jede menschlich nachweisbare Schuld bestraft werden. Übrigens wird meine Haltung gegenüber Volksgenossen, die Mitglied der N.S.D.A.P. waren, begrenzt und bestimmt durch Frage und Antwort 107 des Heidelberger Katechismus“. Er zitierte die ganze Antwort 107 und schlug „auf dieser Grundlage“ zwei Wilsumer für den Hauptentnazifizierungsausschuss vor.

 

Ekelhoff gehörte 15 Jahre, von 1942 bis 1952 und von 1954 bis 1958, dem Kirchenrat seiner altreformierten Gemeinde Wilsum an. In pastorenloser Zeit trat er auch als dessen Vorsitzender auf. Ekelhoff war maßgeblich daran beteiligt, dass Anfang 1952 L. G. Rozendal als Pastor nach Wilsum kam und 1957 K. G. Idema (1905-1974), der selbst im Konzentrationslager Dachau gefangen gewesen war.

Als Rozendal am 4. März 1956 von Hermann Ridderbos in Heeg in seine nächste Gemeinde eingeführt wurde, gehörte Ekelhoff zur Abordnung der Wilsumer Gemeinde. Er sprach nach der Einführung in der Kirche in Heeg ein freies Grußwort, an das man sich dort noch heute erinnert. Mit kräftiger Stimme und in fehlerlosem Niederländisch wünschte er Gemeinde und Prediger Gottes Segen.

Schon 1936 beantragte Ekelhoff im Kirchenrat die Einrichtung einer Gemeindebibliothek für die evangelisch-altreformierte Gemeinde Wilsum. Er sorgte auch für die Verwirklichung dieser Idee. Von 1947 bis 1952, in der Vakanzzeit zwischen den Pastoren Schrovenwever und Rozendal, gab er Konfirmandenunterricht für die altreformierte Schuljugend in Wilsum. Pastor Lankamp aus Uelsen unterrichtete die aus der Schule entlassenen Jahrgänge.

1947 bildete Ekelhoff zusammen mit J. Nyboer den Bau- und Finanzausschuss der altreformierten Gemeinde. Er war zuständig für die kirchlichen Gebäude und die Verhandlungen mit der Küsterin. 1948 war Ekelhoff einer von vier Mitgliedern einer Kommission für Evangelisation, die auf Veranlassung der Synode in allen altreformierten Gemeinde eingerichtet worden war. Die Kommission vor Ort sollte sich vielleicht auch besonders um die Neuzugezogenen aus den Ostgebieten kümmern (Synode 16.06.1948, Art. 23, S. 71).

Ekelhoff war während seiner Zeit im Kirchenrat oft und in der pastorenlosen Zeit von 1947 bis 1951 immer Vertreter seiner Gemeinde auf den halbjährlichen altreformierten Bezirks- (Klassis-) und Synodeversammlungen. Er nahm als einer von vier altreformierten Abgeordneten an der niederländischen Generalsynode teil, 1949 an der Generalsynode von Den Haag und 1952/3 an der Generalsynode von Rotterdam.

 

In der altreformierten Klassis Grafschaft Bentheim bildete er Anfang der 1950er Jahre mit den Pastoren Brink, Lankamp und Kortmann eine Kommission, um die Gründung der altreformierten Gemeinde Hoogstede voranzutreiben. 1950 gehört er mit den Pastoren B. Heetderks und J. Kortmann, dem Diakon Kolthoff und dem Ältester B. Heikens einer Kommission der Synode an, die sich mit personellen Fragen zu beschäftigen hatte. Unter anderem ging es um den Übergang eines Predigers in den Pastorenberuf. In einer anderen Kommission beriet er über finanzielle Fragen, u.a. über ein mögliches Kindergeld für die Gemeindepastoren.

Ein Herzensanliegen war ihm auch die Bekenntnisschule, deren Bestand durch die Politik der niedersächsische Landesregierung gefährdet war. Mit seiner Auffassung stand Ekelhoff auf einer Linie mit der altreformierten Synode. In ihrem Protokoll vom 18. August 1952 heißt es: „Die Instruktion des Kirchenrates zu Wilsum bringt die Schulfrage zur Sprache. Es wird nachdrücklich betont, dass wir die Bestrebungen nach einer Gemeinschaftsschule grundsätzlich ablehnen. Die Synode will vor allen Dingen, dass mit Bezug auf die Ernennung der Lehrer und auf den Geist der Schule das primäre Recht der Eltern gewährleistet sei. Kurzum, die Synode wünscht die Bekenntnisschule. Das Moderamen wird beauftragt, dem Herrn Kultusminister in diesem Sinne die grundsätzliche Stellungnahme unserer Synode schriftlich zu unterbreiten“. 1956 erhalten Vertreter der Synode, unter ihnen vermutlich auch der Kreistagsabgeordnete Fritz Ekelhoff, eine Audienz beim Staatssekretär des Kultusministeriums in Hannover. Ihr Anliegen können sie nicht durchsetzen, obwohl sie ihren Standpunkt auch in der Presse deutlich machen.

Dafür richten sich die Altreformierten noch im selben Jahr auf außerhalb ihrer Gemeinden lebende, sogenannte zerstreute Gemeindeglieder. Eine neue Kommission (die Pastoren A. Brink, B.H. Lankamp und J. Kortmann sowie die Ältesten Fritz Ekelhoff, Wilsum, und Sweer Sweers, Neermoor) soll „danach trachten, in den kommenden Monaten zur Anstellung einer Kraft für die Betreuung der Zerstreuten weitere Schritte“ zu unternehmen. Zu einer hauptamtlichen Kraft für diese Arbeit, die in Neermoor in Ostfriesland stationiert sein sollte, ist es dann doch nicht gekommen. Ekelhoff gehörte weiter bis ungefähr 1962 der synodalen Kommission für „Evangelisation und Zerstreutenbetreuung“ an. Dafür hatte eine andere Kommission mehr Erfolg. 1958 wurden die Pastoren A.M. v.d. Zanden und B. Heetderks sowie die Ältesten F. Ekelhof und G. Warsen in eine Kommission ernannt, die „sich über die Frage des Anschlusses unserer Jugendorganisation an den Jugendring und über die Frage der finanziellen Unterstützung beraten“ sollte. Der Anschluss wurde um 1960 vollzogen.

 

Der reformierte Wilsumer Pastor Muth soll von Ekelhoff gesagt haben, er sei der einzige Wilsumer, der einen deutschen Brief ohne Fehler schreiben konnte. Es gab sicher noch einige wenige andere, aber diese Aussage ist kennzeichnend für Ekelhoff. Er las viel und bildete sich selbst weiter. Er bezog z.B. die von Karl Barth herausgegebene Zeitschrift „Zwischen den Zeiten”. Er las auch das niederländische Blatt „Philosophia Reformata”, das er über Pastor Rozendal erhielt. In Ekelhoffs Nachlaß fanden sich neben verschiedenen deutschen Tages- und Kirchenzeitungen viele Nummern vom „Gereformeerd Kerkblad voor Drenthe en Overijssel” und vom „Gereformeerd Weekblad” oder von „De Standaard” und dem „Gereformeerd Jongelingsblad”. Besonders auch wohl während der nationalsozialistischen Zeit hat Ekelhoff sich offenkundig trotz Verbot mit niederländischen Zeitungen über die politische Situation informiert. Auch eine Vortragsreihe von Prof. Dr. Thielicke aus der zweiten Hälfte des Jahres 1943 aus der Stiftkirche in Stuttgart hat in losen Blättern seinen Weg nach Wilsum gefunden.

 

Ekelhoff hielt nach dem Zweiten Weltkrieg selber regelmäßig Vorträge in Männer-, Jugend- und später auch Seniorenkreisen. Ein Vortrag über die Geschichte der Kirche wurde posthum in Wilsum verlesen. Erhalten geblieben ist ein Heft mit sechs fehlerlosen Referaten in exzellentem Deutsch aus den Jahren 1954 bis 1960. Der Reihe nach referierte Ekelhoff über die „parteipolitische Lage” (1954), den „notwendigen Kampf für die Schule mit der Bibel” (1955), „weltanschauliche Grundlagen und Ziele der Parteien” (1957), „Einheit und Spaltung der Kirche“, „Gemeinschaft der Heiligen” und „Als Christ zwischen Ost und West im Westen” (1960).

Ekelhoff begrüßte die gemeinsame evangelisch-katholische Arbeit in der neu gegründeten CDU. „Ich finde diese Lösung nicht ideal; aber es war für Christen zweier Konfessionen die allein mögliche. … Im tiefsten Grunde gibt es nur zwei Parteien, eine liberale und eine christliche”. Immer wieder zeigt sich seine Angst vor dem Bolschewismus. „Seit Jahren lebt Europa in der Angst vor den Russen und von der Wohltätigkeit der Amerikaner, oder in Zahlen ausgedrückt: Seit Jahren leben 320 Mill. in der Angst vor 210 Mill. und von der Wohltätigkeit von 150 Mill.” (1954). Er sieht die Aufgabe der Kirchen in der Gesellschaft darin. „Ich hätte es gerne gesehen, dass von unseren acht Theologiestudenten sich die Hälfte für den Lehrerberuf entschieden hätte oder besser, dass wir auch acht Schüler anweisen könnten, die Lehrer werden möchten” (1955). Er plädierte schon in den fünfziger Jahren sehr modern für Europa. „Im übrigen wäre es an der Zeit, dass sich alle Schichten unseres Volkes darüber klar werden, wie sehr wir heute im Begriff stehen, in ein neues Vaterland hinein zu wachsen. Dieses größere Vaterland von morgen heißt Europa. Die Liebe zu diesem Europa schließt die Liebe zu Deutschland nicht aus, sondern ein” (1955). „Europa ist eine geistige Größe. Ohne Europa gäbe es keinen Bolschewismus und umgekehrt gäbe es ohne den Bolschewismus das Europaproblem in seiner merkwürdig bedrängenden Form heute nicht. Europa ist also auch eine Frage der Schuld. Damit tritt zu den geographischen, politischen, wirtschaftlichen und technischen Momenten auch ein theologisches Moment. Um das Kreuz versammelten sich die Völker des Abendlandes. Im Zeichen des Kreuzes entstand Europa” (1960).

Ekelhoff trat gegen Gustav Heinemann und Karl Barth gegen die Neutralität und für die Wiederbewaffnung Deutschlands ein. Heinemann war wegen Meinungsverschiedenheiten über diese Fragen aus der CDU ausgetreten und versuchte mit seiner „Gesamtdeutschen Volkspartei“, insbesondere im deutschen Protestantismus mit seiner neutralistischen Haltung Anhänger zu werben. „Wenn Barth die These aufstellt, dass sein kirchlicher und politischer Neutralismus das einzig Vernünftige sind, dann klingt das wirklichkeitsfremd; als ob die Vernunft und die Offenbarung Gottes allein in Basel und im Büro des Herrn Dr. Heinemann zu Hause wären” (1957). Er sah dies ganz wie Abraham Kuyper (1837-1920), dem niederländischen protestantischen Spitzenpolitiker, von dem er wohl viel gelernt hatte: „Die CDU/CSU will eine Rückführung aller Bereiche des Lebens in ein Beziehungsverhältnis zu dem Ursprung des Lebens: Gott. ... Es besteht für jeden Christen eine von Gott gegebene Pflicht, um sich auf dem politischen Kampffeld mit der Schrift in der Hand zu orientieren” (1957).

 

Ekelhoff war fast zwanzig Jahre Mitglied im Rat der politischen Gemeinde Wilsum. Im Herbst 1945 wurde er von den Alliierten dazu ernannt, am 15. September 1946 und danach immer wieder in dieses Amt gewählt, bis er 1964 nicht mehr kandidierte. In besonderer Weise setzte er sich für den Ausbau der Radewijker Becke und für die damalige Volksschule in Wielen ein.

Am 13. Oktober 1946 wurde Fritz Ekelhoff als Mitglied des Kreistages im Landkreises Grafschaft Bentheim gewählt, ebenso am 28. November 1948 und am 9. November 1952. Von insgesamt 42 Sitzen errang die CDU im Oktober 1946 31. Vier von diesen 31 Abgeordneten gehörten der altreformierten Kirche an, wobei Ekelhoff eine besonders wichtige Rolle bei der Bindung vieler Altreformierten an diese neue Partei spielte. Von den 37 Abgeordneten, die am 9. November 1952 gewählt wurden, stand Ekelhoff an achter Stelle, was die Anzahl der auf eine Person abgegebenen Stimmen betraf. Er gehörte der „Evangelisch-katholischen Wählergemeinschaft an“, die mit 23 Abgeordneten die absolute Mehrheit bildete. Dieser Wählergemeinschaft zerbrach und ihre Abgeordneten gingen größtenteils zur CDU, die zugunsten dieses parteiübergreifenden Wahlbündnisses nicht zum Urnengang angetreten war.

Ekelhoff wurde 1953 für den Bereich der Niedergrafschaft zum CDU-Vorsitzenden gewählt, einige Zeit war er auch stellvertretender CDU-Kreisvorsitzender.

Der Landwirt blieb bis 1956 im Kreistag. 1946 bis 1948 trat er als stellvertretender Landrat auf. In der ersten Wahlperiode gehörte er dem Arbeits- und Personalausschuss ebenso an wie dem Beschlussausschuss, und in allen drei Wahlperioden war er Mitglied im Ausschuss zur Auswahl von Schöffen und Geschworenen. In der zweiten und dritten Wahlperiode gehörte er dem Verwaltungsausschuss an, in der zweiten Periode zudem dem Haupt- und Personalausschuss. Zwölf Jahre lang trat er selbst als Schöffe auf, zuerst am Amtsgericht in Neuenhaus, später dann in Nordhorn. Auch im Evangelischen Arbeitskreis der CDU war er aktiv.

 

Bescheidenheit und Entschiedenheit prägten Fritz Ekelhoff, so hört man von allen, die ihn gekannt haben. Im Familienkreis gibt es das unbewiesene Gerücht, Ekelhoff habe gerne Pastor werden wollen, aber seine Eltern hätten ihm als ältesten Sohn dies nicht erlaubt. Die finanziellen Gründe hätten außerdem dagegen gesprochen.

Fritz Ekelhoff wusste, was er wollte. „Fritz Ekelhoff stand seinen Mann”, schildern ihn alle, die mit ihm zu tun hatten. Er war geehrt und geachtet in Kirche und Gesellschaft. Der spätere Landrat Richard Zahn war noch in den siebziger Jahren des Lobes voll über Ekelhoff, mit dem er gemeinsam im Kreistag gesessen hatte. Aus dieser Zeit stammt auch eine Besonderheit, die mir wiederholt erzählt wurde. „Ekelhoff wohnte am schlimmsten Dreckweg in ganz Wilsum” (Bert Rozendal). Er ging mit Holzschuhen bis zu Schuster Eilert in Wilsum, zog dort aus einer Samttasche seine Lederschuhe heraus und fuhr dann mit dem Bus nach Nordhorn zum Kreistag oder er wurde im PKW mitgenommen oder abgeholt.

 

Am 19. März 1973 verstarb Fritz Ekelhoff plötzlich und unerwartet im Kreiskrankenhaus in Nordhorn, wo er wegen einer Gelbsucht behandelt wurde, einen Tag, bevor er nach Hause entlassen werden sollte. Als diese Nachricht am Abend des Tages in eine gerade stattfindende Gemeindeversammlung seiner Kirchengemeinde platzte, waren alle Anwesenden sehr bewegt und traurig. Die Versammlung wurde abgebrochen und zu einem späteren Termin fortgesetzt.

Ekelhoffs Nachlass, sein Schriftverkehr und vor allem seine Bibliothek sind über Nichten und Neffen, Pastore, Antiquariate und Archive verstreut. Vieles ist auch endgültig verloren gegangen. Erhalten geblieben sind deutsche und niederländische Zeitungsausschnitte und ein rund 600 Bilder umfassendes Fotoarchiv, das vor allem niederländische Pastoren zeigt. Vielleicht regt dieser Beitrag dazu an, Unterlagen und Literatur von und über Fritz Ekelhoff wenigstens als Kopie dem Archiv der Evangelisch-altreformierten Synode zu übergeben. Er ist ein Mann, der viel bedeutet und getan hat in Jugendarbeit und Politik, in Kirche und Gesellschaft.

 

Nachlaß

Familie Albert Ekelhoff, Oeveringen

Klaas Lichtendonk, Ratzel

 

Quellen

Familie Albert Ekelhoff, Oeveringen

Klaas Lichtendonk, Ratzel

Archiv der Synode der Ev.-altref. Kirche in Niedersachsen in Wilsum

Pastor Bert Rozendal

Pastor Jan van der Schaft

Pastor Wilhelm Vennegeerts

Kreisverwaltung Grafschaft Bentheim, Nordhorn

Diesen allen sei gedankt für Ihre Unterstützung mit Materialien und Informationen.

 

Werke:

31 handschriftliche Vorträge in Kopie im Archiv der Synode der Ev.-altref. Kirche in Niedersachsen, Wilsum

 

Literatur

D. Averes, Kleine Chronik (Nachruf F. Ekelhoff), in: Der Grenzbote vom 08.04.1973.

Ev.-altreformierte Kirchengemeinde Wilsum (Hrsg.), Evangelisch-altreformierte Kirchengemeinde Wilsum 1848-1998, Wilsum 1999.

Aloys Schaefer/Erhard Müller/Klemens Tietmeyer, 40 Jahre CDU Grafschaft Bentheim. Hrsg. von der CDU Grafschaft Bentheim, Nordhorn 1986, S. 36, 122, 128.

 

Autor

Pastor Dr. Gerrit Jan Beuker, Hoogstede