Kolthoff, Egbert
geboren am 6. Januar 1870 in Bunde, gestorben am 16.
März 1954 in Veldhausen, evangelisch-altreformiert, Pastor
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Egbert Kolthoff stammt gebürtig aus einer
altreformierten Familie in Bunde in Ostfriesland. Er studierte dank einer
Initiative von ä Henricus Beuker
(1834-1900), der 1884 Sponsoren für angehende Theologiestudenten suchte, bei
Johannes Jäger in Bentheim und Ihrhove. Kolthoff wurde 1892 im Alter von 22 ½
Jahren Pastor in Ihrhove, 1893 in Laar und 1895 in Veldhausen. 1940 wurde er
pro forma emeritiert, arbeitete aber bis 1947 weiter in Veldhausen. Allein in
dieser Gemeinde stand er über 52 Jahre im aktiven Dienst. Kolthoff blieb
lebenslang Junggeselle. Er leistete sich 1925 wohl ziemlich als erster
Altreformierter eine Schreibmaschine. Er schrieb viel und Vielen. Zu
zahlreichen Generalsynoden in den Niederlanden delegierte man ihn als
Abgeordneter. Er predigte ohne schriftliche Unterlagen. So konnte er auch noch
predigen, als er im Alter blind wurde.
Kolthoff wirkte durch seine Artikel, Flugblätter und
Broschüren prägend für eine ganze Generation von Altreformierten. Von 1897 bis
1941 war er vierundvierzig Jahre lang Schriftleiter der vierzehntägig
erscheinenden altreformierten Kirchenzeitung „Der Grenzbote“, die zunächst noch
in Niederländisch verfaßt war. Kolthoff hat in all diesen Jahren sehr viele
Artikel über alle Bereiche des kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens
geschrieben und mehr als eine Generation Altreformierter dadurch geprägt, ohne
daß sich seine große Bedeutung bislang etwa in einer Bibliographie über ihn
niedergeschlagen hätte.
Seine erste Broschüre trug 1905 den Titel: „Wie
steht es um die reformierte Kirche der Grafschaft Bentheim? Ein Wort zur
Prüfung des kirchlichen Standpunktes. In Uebereinstimmung mit der Klassis der
altreformierten Gemeinden in der Grafschaft Bentheim“. Darin versuchte Kolthoff
eine Art Klärung der kirchlichen Standpunkte und eine Bestandsaufnahme der
verbleibenden Möglichkeiten. Er fürchtete eine Verflachung des reformierten
Lebens und sah kein Heil in der einige Jahrzehnte zuvor erfolgten Gründung
einer reformierten Landeskirche. Intensiv setzte er sich in verschiedenen
Broschüren mit dem Taufverständnis der Baptisten auseinander. Altreformierte
und Baptisten (evangelisch-freikirchliche Gemeinde) gründeten beide 1911 ihre
Gemeinde in Nordhorn. Zwischen 1880 und 1890 hatte es ähnliche Diskussionen
zwischen Altreformierten und Baptisten in Ostfriesland gegeben. Auch bei den
Altreformierten in den Niederlanden war die Taufe immer wieder eine Punkt
heftigster Meinungsverschiedenheiten. Dabei ging es um die Fragen, wer taufen
oder wer getauft werden dürfe, was die Taufe bewirke, welche Voraussetzungen dafür
nötig wären und natürlich auch, ob die Kindertaufe biblischer sei als die
Erwachsenentaufe. Einzelne altreformierte (gereformeerde) Verfechter der
Erwachsenentaufe in den Niederlanden traten auch zu den Baptisten oder der
Freien evangelischen Gemeinde über.
Kolthoff schaffte es nicht, den Graben zwischen
Reformierten und Altreformierten zu überbrücken. Sein Verdienst ist es, daß er
die altreformierten Standpunkte in der ersten Hälfte des zwanzigsten
Jahrhunderts publiziert und ins Gespräch gebracht hat. Er kritisiert an den
reformierten Gemeinden die Art und Weise der Einführung der Synodalordnung von
1882, die Unterordnung unter das Evangelische Konsistorium in Aurich und die
nach seiner Meinung zu geringe Befugnis für Älteste und Pastoren. Kennzeichnend
für die altreformierten Gemeinden nennt er ihr Festhalten an der
Verbalinspiration (wörtliche Eingebung der Heiligen Schrift), die Lehre vom
Gnadenbund und der darauf gründenden Kindertaufe, von Erbschuld und Erbsünde
und die kirchliche Zucht über Lehre und Leben.
Sein „Pech“ war, daß er in einer Zeit lebte, in der
die meisten Verbindungen zwischen den beiden reformierten Kirchen in der
Grafschaft Bentheim abgebrochen waren. Kolthoff war ein Wegbereiter für neue
Beziehungen. Sein Ton ist sehr gemäßigt und sachlich. Die hoch auflaufenden
Emotionen und die verächtlichen und beleidigenden Worte aus den ersten Jahren
der kirchlichen Trennung gehörten der Vergangenheit an. Die Wertschätzung und
Würdigung, der Schutz und die Hilfe, die den altreformierten Gemeinden zwischen
den beiden Weltkriegen von reformierter Seite erfahren durften, waren
maßgeblich Kolthoffs Werk. Zu offiziellen Beziehungen und zu einer Annäherung
von theologischen Standpunkten kam es in dieser Zeit noch nicht. Aber die
Grabenkämpfe hörten auf. Die Nebelschwaden zwischen beiden Kirchen lichteten
sich.
Ein „Weckruf an die reformierten Kirchen und
Gemeinschaften Deutschlands im Zeitalter der Revolution“ von seiner Hand aus
dem Jahr 1922 rief zur Bildung freier reformierter Gemeinden auf. Eine Vergrößerung
der altreformierten Kirche wurde dadurch nicht erreicht.
Große Beachtung fand auch seine „Kundgebung der
altreformierten Kirchen zur kirchlichen Lage der Gegenwart“ von 1934. Sie stellt
so etwas wie die „Barmer Erklärung“ der Altreformierten dar. Sie ist
vollständig abgedruckt bei G.J. Beuker, Umkehr und Erneuerung, Bad Bentheim
1988, S. 470-476. Der „Geist eines nationalen Erwachens“ muß „geistlich
gerichtet“ werden. Man möchte die Reformierten im Kampf gegen den Zeitgeist
unterstützen. Der oberste Platz in der Kirche ist nicht für einen Bischof, er
muß frei bleiben für Jesus Christus. Der Sonntag darf nicht „auf leibliche
Übungen und ferner auf Kundgebungen, Veranstaltungen und Feste des nationalen,
aber doch diesseitigen Lebens verwandt“ werden.
Alle Altreformierten wurden wenig später in 1936
gezwungen, von heute auf morgen das Niederländisch als Kirchensprache
aufzugeben und Deutsch zu singen, zu predigen und zu lehren. Sehr bald
unterstanden sie auch einer „planmäßigen Überwachung“. Die Beziehungen der
Altreformierten in die Niederlande verhinderten vermutlich über längere Zeit
ein härteres Zugreifen der staatlichen Stellen.
Kolthoff trug durch seine Broschüren und Artikel
viel bei zur Einheit der altreformierten Gemeinden. Jahrzehntelang war sein
Unterrichtswerk von 1937 über den Heidelberger Katechismus maßgebliches Werk im
altreformierten Konfirmandenunterricht.
Werke:
Wie steht es um die reformierte Kirche der Grafschaft Bentheim? Ein Wort zur Prüfung des kirchlichen Standpunktes. In Übereinstimmung mit der Klassis der altreformierten Gemeinden in der Grafschaft Bentheim, Neuenhaus 1905 (16 S.).
Der feste Grund. Sieben Predigten, Neuenhaus 1906 (115 S.).
Verstehst du deine Taufe und die deiner Kinder? Predigt über den 27. Sonntag des Heidelberger Katechismus, Neuenhaus (1910) (20 S.).
Zur Kindertaufe. Erwiderung an B. Bartels in Bakelde, Kampen (1912) (43 S.).
Liebet eure Feinde. Predigt über Matth. 5,44ff, Neuenhaus 1915 (16 S.).
Die Volksernährung im Reiche Jesu Christi, Predigt über Joh. 1,16, Emden 1916 (12 S.).
Weckruf an die reformierten Kirchen und Gemeinschaften im Zeitalter der Revolution Barmen (1922) (24 S.)
Kundgebung der altreformierten Kirchen Deutschlands zur kirchlichen Lage der Gegenwart Seifhennersdorf 1933 (4 A 4 Seiten, vergleichbar der Barmer Erklärung. (Text abgedruckt in: Gerrit Jan Beuker, Umkehr und Erneuerung. Aus der Geschichte der Evangelisch-altreformierten Kirche in Niedersachsen 1838 - 1988, Bad Bentheim 1988, S. 470).
Das heilige Abendmahl im Jünglingsleben, o.O., o.J., (1928)
(14 S.).
Artikel über „Wiard Bronger“, in: Jaarboek van de Gereformeerde Kerken in Nederland, o.O., 1937, S. 418-421.
Kurze Erklärung zum Heidelberger Katechismus zur Vorbereitung auf den Unterricht, Bentheim (1937) (284 S.).
Predigten in der Serie „Mancherlei Gaben und ein Geist“,
Emden 1928-1939
1928, Nr. 0, Ein gefährlicher Irrtum, Psalm 50,21a
1930, 2. Jg. Nr. 6, Jesu fortwährende Anwesenheit, Matth. 28,20b
1931, 3. Jg. Nr. 8, Werfet euer Vertrauen nicht weg, Hebr. 10, 35
1932, 4. Jg. Nr. 8, Eine vorwurfsvolle Frage, Jer. 2,31b
1934, 6. Jg., Nr. 4, Eine große Gefahr, Sprüche 19,3
1935, 7. Jg., Nr. 5, Predigt und Prediger, 2. Kor. 4,5 (Predigt zur 40. jähr. Dienstzeit in Veldhausen)
1936, 8. Jg., Nr. 4, Gottes große, freigebige Liebe, Röm. 8,32
1937, 9. Jg., Nr. 4, Jesu Verklärung, Matth. 17, 1 - 9
1938, 10. Jg., Nr. 1, Eine Gerechtigkeit besser als die der Schriftgelehrten, Matth. 5, 20
Nr. 8, Jauchzet; denn der Herr hat sein Volk getröstet, Jes. 49, 13
1939, 11. Jg., Nr. 2, Das Lamm Gottes, Joh. 1, 29.
1897 bis 1941: Schriftleiter der vierzehntägigen altreformierten Kirchenzeitung „Der Grenzbote“.
Literatur:
A. Brink, Art. Egbert Kolthoff, in: Jaarboekje van de
Gereformeerde Kerken in Nederland, o.O.,
1955, S. 431-432.
Gerrit Jan Beuker, Umkehr und Erneuerung. Aus der Geschichte der Evangelisch-altreformierten Kirche in Niedersachsen 1838 - 1988, Bad Bentheim 1988.
Alfried Gülker, Gemeindechronik. 150 Jahre
Evangelisch-altreformierte Kirchengemeinde Bad Bentheim 1840 - 1990, Bad
Bentheim 1990.
Joh. de Haas, Gedenkt uw voorgangers, Haarlem, 21984, S. 330. (Bd. IV)
Veröffentlicht in: Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte (hg.), Redaktion: Dr. Christof Haverkamp, Helmut Lensing, Dr. Stefan Remme, Emsländische Geschichte 6, Meppen, 1997, S. 231 – 233.
Dr. Gerrit Jan Beuker,
Hoogstede