Schoemaker, Harm Hindrik
geboren im Jahr 1800 in Haftenkamp, gestorben am 12.
November 1881 in Haftenkamp, evangelisch-reformiert, seit 1837
evangelisch-altreformiert, Landwirt, Kirchenältester und Laienprediger
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Harm Hindrik Schoemaker war das jüngste von fünf
Kindern von Harm Schoemaker, ein geborener Jacobs (1745-1813) aus der
Piccardie, und seiner Ehefrau Fenne Mensen, geboren in Berge, gestorben 1808 in
Haftenkamp. Sein Vater Harm hatte 1780 in Uelsen Zwaantje Schoemaker aus
Haftenkamp geheiratet und nahm dabei den Hofnamen Schoemaker an. Ein Sohn aus
dieser Ehe ist ebenso wie seine Mutter früh verstorben. In zweiter Ehe
heiratete Harm Schoemaker am 4. August 1782 mit Fenne Mensen aus Berge. Aus
dieser Ehe wurden vier Töchter und genannter Sohn Harm Hindrik geboren. Vater
Harm tritt schon als junger Mann als „Oefenaar“ oder „Katechizant“ auf: er hält
zu der Zeit noch unverbotene Versammlungsstunden. Diese Tätigkeit wird in
größeren reformierten Gemeinden der Grafschaft in jener Zeit von Laien
wahrgenommen. Sie halten meistens am Sonntag Abend, manchmal auch in der Woche,
in den Bauernschaften der Kirchspieldörfer erbauliche Vorträge über Bibel und
Katechismus. Sie bleiben bei der herkömmlichen Lehre und geraten leicht in
einen Gegensatz zu den Ortspastoren, wo diese versuchen, sich in ihren
Auslegungen der Zeit anzupassen. Ursprünglich waren die Katechisationen nach
der Bentheimer Kirchenordnung eine Aufgabe der Pastoren. Aber sie konnten zu
keiner Zeit nach einem Sonntagsgottesdienst am Vormittag und einen zweiten am
Nachmittag abends noch in den Bauernschaften anwesend sein.
Harm Hindriks Schwester Harmpjen, geboren 1782 oder
1783, heiratete Geerd Soerman aus Hohenkörben; Zwane, getauft in Uelsen 1783,
heiratete in erster Ehe Hindrik Beniermann aus Haftenkamp, in zweiter Ehe
Berend Benierman, geborerer Vrijen, ebenfalls aus Haftenkamp; Jenne heiratete
1807 Jan Hindrik Hinderink und Fenne ehelichte 1810 Lukas Laman (1793-1829) aus
Haftenkamp.
Nach dem Tod seiner Mutter im Jahr 1808 verbrachte
Harm Hindrik seine Jugendzeit bei seinen Schwestern Harmpjen Soerman und Fenne
Laman. Sein Vater wohnte bis zu seinem Tod 1813 bei seiner Tochter Jenne
Hinderink. Harm Hindrik Schoemaker übernahm später den elterlichen Hof.
Am 19. Juli 1822 heiratete der Vollwaise Harm
Hindrik Schoemaker Gese Grobben (1802-1879) aus Haftenkamp, Tochter von Jan
Grobben und Wübbe Masselink. Harm Hindrik Schoemaker ist der Begründer der
Evangelisch-altreformierten Kirchengemeinden der Niedergrafschaft Bentheim. Er
hielt Erbauungsstunden und predigte in der gesamten Niedergrafschaft wie auch
in den angrenzenden niederländischen Gebieten. Er wurde im Herbst 1837 zusammen
mit einem Jan Harm Deters, „Ackermann aus
Getelo“, und einem Albert Diek, Weber aus Uelsen, aus der reformierten
Gemeinde Uelsen ausgeschlossen. Dieks Tochter Fenna heiratete 1849 den
altreformierten Pastoren ä Jan Berend Sundag.
Schoemaker trat als eine treibende Kraft bei der Gründung der altreformierten
Gemeinde Uelsen am 1. Januar 1838 in Itterbeck hervor.
An frühen Morgen des neuen Jahres überreichte
Schoemaker dem ältesten Pastoren des Dorfes, Hermann Metelerkamp Cappenberg,
der seit 1795 Pastor in Uelsen war und am 16. Mai 1841 dort im Amt verstorben
ist, eine sogenannte Abscheidungsurkunde. Sie ist in niederländischer Sprache
verfaßt und lautet übersetzt in Auszügen: „Ihr
Kirchenrat der Gemeinde Uelsen. Es wird Euch hiermit bekannt gemacht und
angesagt als eine wohldurchdachte Wahl und ein fester Entschluß unseres
Herzens, daß wir uns von all der neuen Lehre, die in Schulen und Kirchen gesät
worden ist, abscheiden. ... Wir verbinden uns ... auf die alte Lehre der
reformierten Väter, wie sie verbunden und gebunden ist in der Dortrechter
Synode, euch dargestellt in 1618 und 1619. ... Wir nehmen uns also nicht nur
vor, dem Namen nach reformiert zu heißen, sondern auch die Lehre ganz und
allein zu erwählen“. Die holperige Sprache dieser Urkunde ist der Stil von
Harm Hindrik Schoemaker. Er gehörte zu den ersten Ältesten der altreformierten
Gemeinde Uelsen, die am 1. Januar 1838 in ihr Amt eingeführt wurden. Dieses Amt
behielt er lebenslang. In den wenig später gegründeten umliegenden
altreformierten Gemeinden Wilsum und Veldhausen versah er später in den
Vakanzzeiten ebenfalls die Predigtdienste und gab kirchlichen (Konfirmanden-)
Unterricht. Taufen hat er nicht vollzogen und das Abendmahl teilte er niemals
aus. Das blieb für ihn ordnungsgemäß eingesetzten Pastoren vorbehalten. Er war
von einer tiefen und opferbereiten Frömmigkeit geprägt. Zwischen 1838 und 1843
wurde er sechs Mal für kurze Zeit wegen seiner Predigttätigkeit inhaftiert.
Dreimal war er in Neunhaus und dreimal im Bentheim im Gefängnis. Er hatte gute
Verbindungen zu den niederländischen Abgeschiedenen. Schoemaker vertrat eine
praktische bekennende und bekenntnismäßige Frömmigkeit, die sich an den
sogenannten alten Schreibern orientierte. Zu nennen wären hier besonders:
Willem Teellinck (1579-1629), Gisbertus Voetius (1589-1676), Wilhelm à Brakel
(1635-1711), Johannes à Marck (1656-1731), Abraham Hellenbroek (1658-1731),
Campeius Vitringa (1659-1722), Johannes d’Outrein (1662-1722), Bernardus
Smytegelt (1665-1739), Conrad Mel (1666-1733), Gerhardus Outhof 1676-1733
(Outhof war kein Pastor, sondern arbeitete als Krankenbesucher in Emden und hat
viele von ihm verfaßte Werke hinterlassen) oder Friedrich Adolf Lampe
(1683-1729).
Viele dieser Schreiber geben Auslegungen in
Predigtform oder erbauliche Literatur. Sie betonen oft die persönliche
Frömmigkeit und drängen auf eine direkte Gottesbeziehung. Vielen haftet etwas
Mythisches und Gefühlvolles an. Die meisten gehören zur niederländischen
Richtung der „Nadere Reformatie“. Berühmte englische Schriftausleger des 17.
Jahrhunderts wie Simon Patrik (1626-1707), Mattheus Polus (1624-1679) und ein
gewisser Wels wurden in der niederländischen Übersetzung von Joan van den
Honert benutzt. Johannes Calvin (1509-1564) spielte eine wichtige Rolle im
Leben der ersten Altreformierten.
Diese Literatur war genau dieselbe, wie sie kurz
nach 1800 auch von den „Oefenaaren“ in den reformierten Gemeinden der
Grafschaft gebraucht wurde! Die „Oefenaaren“ nahmen ihre Literatur und ihre
geistliche Richtung mit in die neu entstehende altreformierte Kirche. Dort
waren sie allerdings ab etwa 1850 gar nicht immer sofort willkommen, weil die
altreformierten Gemeinden sehr bald einen kirchlichen Charakter bekamen und auf
die Einhaltung der Ämterordnung Wert legten. Seit 1900 gibt es bei ihr im
Gegensatz zur Evangelisch-reformierten Kirche gar keine Laien- oder Ältestenprediger
mehr.
Verschiedene Gesuche Schoemakers und der Seinen an
Minister, König und Kaiser sind erhalten geblieben, in denen sie ihr Anliegen
schildern. Immer geht es um die Erhaltung der reformierten Lehre, die rechte
Ausübung der Kirchenzucht und eine Rückkehr zu älteren Traditionen,
Gewohnheiten und Gottesdienstformen. Die ersten Altreformierten wollten z.B.
praktisch nur Psalmen und so gut wie gar keine Gesänge singen. Sie fanden in
der damals bestehenden Kirche keine geistliche Heimat mehr. Sie wurden zu
altmodischen Nörglern erklärt, die dem kirchlichen Fortschritt im Wege stünden.
So meinte der bekannte Pastor Wessel Friedrich Visch aus Wilsum am 1. November
1843: „Was über die falsche Lehre der
Prediger gefaselt wird, ist eine abgethane Sache“. Die Abgeschiedenen
hatten teilweise auch erhebliche Probleme mit den neuen Schulbüchern jener
Zeit. Sie selbst hatten noch mit der Bibel Lesen gelernt.
Aus der Ehe von Harm Hindrik Schoemaker und Gese
Grobben gingen vier Söhne und drei Töchter hervor. Zwei seiner Söhne wurden
altreformierte Pastoren. Der älteste, Jan Schoemaker (1838-1913), arbeitete
nacheinander in Bunde (1871), Veldhausen (1874) und Lutten (1894) und wurde
1912 pensioniert. Er schrieb 1887 eine Broschüre über das Leben seines Vaters Harm
Hindrik Schoemaker mit dem Titel „Iets uit de levensgeschiedenis van H. H.
Schoemaker te Haaftenkamp“. Gleichzeitig beschrieb er darin auch die
Entstehungsgeschichte der evangelisch-altreformierten Gemeinde Uelsen. Das Heft
wurde 1981 ins Deutsche übersetzt.
Ein weiterer Sohn, Jan Hindrik Schoemaker(s)
(1826-1885), war mit Pastor ä Jan Bavinck verschwägert.
Beider Ehefrauen kamen aus der Familie Holland in Vriezenveen in den
Niederlanden. Jan Hindrik wirkte nacheinander in Wilsum (1854), Apeldoorn (1857),
Katwijk aan Zee (1861), Pernis (1865) und Dedemsvaart (1870). Er starb auf
einer Versammlung der Generalsynode in Amsterdam.
Mindestens vier Enkelsöhne von Harm Hindrik
Schoemaker aus Haftenkamp traten in den Predigtdienst der Gereformeerden Kerken
in Nederland. Eine Familie hängte ein „s“ an den Familiennamen an. Pastoren der
Enkelgeneration waren: R. J. Schoemaker (1874-1927), H. H. Schoemaker
(1878-1950), C. B. Schoemaker (1865-1942) und H. H. Schoemakers (1873-1943).
Literatur
Gerrit Jan Beuker, Gemeinde unterwegs, Die
Evangelisch-altreformierte Kirchengemeinde Uelsen sein 1838, Bad Bentheim 1984,
S. 25-26.
Gerrit Jan Beuker, Umkehr und Erneuerung, Aus der Geschichte der Evangelisch-altreformierten Kirche in Niedersachsen, Bad Bentheim 1988.
J. Schoemaker, Iets uit de levensgeschiedenis van H. H. Schoemaker te Haaftenkamp ..., Nieuwenhuis 1887. (Deutsch in: H H. Schoemaker, J. B. Sundag, Dokumente, Veldhausen 1981).
J. Schoemaker, Geschiedenis der Oud-Gereformeerde Kerk,
Hardenberg 1900. (Deutsch von L. Rakers, hrsg. von der Synode der Ev.-altref.
Kirche in Niedersachsen, Geschichte der Altreformierten Kirche in der
Grafschaft Bentheim, Bad Bentheim 1988).
Jan Ringena, Emsländische und Bentheimer Ahnenlisten,. 13.
Beiheft des Mitteilungsblattes „Emsländische und Bentheimer Familienforschung“.
Herausgegeben vom Arbeitskreis Familienforschung der Emsländischen Landschaft,
Februar 1992, S. 293-294.
Veröffentlicht in: Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte
(hg.), Redaktion: Dr. Christof Haverkamp, Helmut Lensing, Dr. Stefan Remme,
Emsländische Geschichte 6, Meppen, 1997, S. 315– 318.
Dr. Gerrit Jan Beuker,
Hoogstede