Sundag, Jan Berend

geboren am 23. November 1810 in Samern bei Schüttorf, verstorben am 8. Dezember 1893 in Bentheim, evangelisch-reformiert, seit 1837 evangelisch-altreformiert, gelernter Faßbinder und Holzhändler, seit 1837 Mitbegründer und 1840 bis 1893 Pastor der evangelisch-altreformierten Kirche in Bentheim

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Jan Berend Sundag war ein Sohn der reformierten Eheleute Berend Sundag und Catrina Venhuis. 1849 heiratete Jan Berend Sundag Fenna Diek (1807-1883) aus Uelsen. Sie war die Tochter von Albert Diek, einem Leiter der Uelsener Altreformierten. Die Ehe blieb kinderlos.

Sundag absolvierte eine Lehre als Böttcher oder Faßbinder und Holzhändler u. a. in Neuenhaus. Von 1835 bis 1839 arbeitete er in seinem erlerntem Beruf. 1837 trat er in kirchlichen Zusammenkünften oder Konventikeln auf. Im selben Jahr erklärte er seinen Austritt aus der reformierten Gemeinde Schüttorf. Vom Sommer 1839 bis zum November 1840 besuchte er eine Art von Predigerschule bei dem Leiter der niederländischen Abscheidungsbewegung, Pastor ä Hendrik de Cock in Groningen. Nach ihm werden die Altreformierten im Volksmund bis heute die „Kokschen“ genannt. Sundag legte vor der Provinzialsynode Groningen am 6. Mai 1840 sein kirchliches Examen ab. Er war damit als altreformierter Pastor berufbar. Daraufhin leitete Sundag als ein Gründer der Grafschafter altreformierten Kirche von 1838 bis 1848 überall in der Grafschaft Bentheim heimliche und verbotene Gottesdienste und predigte auch ab und zu in den angrenzenden Niederlanden. Er verfaßte und unterstützte viele Bittschriften um Religions- und Glaubensfreiheit an den reformierten Oberkirchenrat und die reformierte Klassis der Grafschaft Bentheim, an den zuständigen Minister sowie an den König. Mit Klaas Ensink aus Laar, der später zu den führenden Altreformierten im niederländischen Emmen gehörte, machte Sundag „viele gemeinsame Reisen, um kirchliche Freiheit zu erlangen“, wie J. Schoemaker 1900 schrieb.

Am 7. Mai 1840 wurde als Frucht von Sundags Predigtdienste im Hause Sandfort in Waldseite von Hendrik de Cock eine altreformierte Gemeinde gegründet. Pastor W. A. Kok aus Hoogeveen in den Niederlanden setzte Sundag am 6. August 1848 bei Kleine Bardenhorst in Haar bei Gildehaus als Pastor ein, dem er drei Tage später ä Jan Bavinck in Tinholt als ersten altreformierten Pastoren für die nördliche Grafschaft Bentheim folgen ließ. Erst nach seiner Amtseinführung als Pastor begann Sundag, Kinder zu taufen. Im August und September 1848, als die Altreformierten infolge der politischen Veränderungen im Deutschen Bund gerade Versammlungsfreiheit erlangt hatten und Sundag als Pastor eingesetzt worden war, taufte er innerhalb von einem Monat in Brandlecht, Schüttorf und Gildehaus 25 Kinder, die zwischen 1842 und 1848 geboren und aus Glaubensgründen ungetauft geblieben waren!

Von 1840 bis 1848 wirkte Sundag als Prediger oder als Kandidat für das Pastorenamt in „seiner“ Gemeinde, 1848 bis zu seinem Tode 1893 als Pastor. Die Errichtung eines altreformierten Kirchengebäudes wurde in Bentheim bis 1898 hinausgezögert. Die Altreformierten hofften lange auf eine Wiedervereinigung mit der reformierten Mutterkirche. Anfangs versammelten sich die Bentheimer Altreformierten bei Sandfort in Waldseite, danach bei einem Kiwit. 1865 kauften sie als Kirche und Pastorat die frühere Gaststätte (Zum) Vijgenboom an der Heeresstraße.

Nach eigenen Angaben, die er im Alter machte, wurde Sundag wegen seiner Predigtdienste zwischen 1838 und 1848 insgesamt 32mal zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, von denen er 28 abgesessen habe. Nachweisbar sind heute dreizehn Gefängnisaufenthalte, einmal zwei, zweimal drei, einmal fünf, einmal sieben, einmal acht, zweimal 14, einmal 21, einmal 24 und einmal 28 Tage, hauptsächlich in den Jahren 1839 bis 1841.

Am 12. April 1861 instituierte Sundag die evangelisch-altreformierte Gemeinde Neermoor in Ostfriesland. Sie hatte derzeit gerade einmal acht Glieder und wählte an diesem Tag unter Sundags Leitung ihren ersten Ältesten R.O. Dreesman, der drei Tage später in Ihrhove in sein Amt eingeführt wurde.

Sundag war ein entschiedener Gegner der Auswanderungsbewegung. Er sah in der Emigration eine Flucht vor den Aufgaben und Lasten, die Gott den Menschen auferlegt habe. Aus Sundags Gemeinde, die die ganze Obergrafschaft, also den südlichen Teil des Kreises umfaßte, gab es daher kaum Gemeindeglieder, die sich in den USA „abgesetzt“ haben.

Sundag hat kaum schriftliche Aufzeichnungen hinterlassen. Er verfaßte einige wenige Artikel für die 1883 gegründete altreformierte Kirchenzeitung „DER GRENZBOTE“. Er schrieb in niederländischer Sprache eine „Kurze Geschichte vom Ursprung und Aufkommen der Altreformierten Gemeinden allhier in der Grafschaft Bentheim im Zeitraum der Jahre 1835 bis 1861“, die 1981 unter dem Titel „H. H. Schoemaker, J. B. Sundag. Dokumente aus der Frühgeschichte der Evangelisch-altreformierten Kirche in Niedersachsen“ vom „Synodeausschuß für kirchliches Schrifttum der Ev.-altreformierten Kirche in Niedersachsen“ herausgegeben wurde, nachdem Pastor Eko Alberts sie in Deutsch übersetzt hatte. Von Sundag ist keine Abbildung vorhanden. Er war strikt gegen jedes Fotografieren. Er hat keine schriftlichen Werke hinterlassen.

 

Quellen:

Protokolle des Kirchenrats der evangelisch-altreformierten Gemeinde Bentheim

Protokollbücher der Synode Evangelisch-altreformierten Kirche in Niedersachsen (ab 1849)

Werke:

Kurze Geschichte vom Ursprung und Aufkommen der Altreformierten Gemeinde allhier in der Grafschaft Bentheim von 1835 bis 1861 (ursprünglich niederländisch und handschriftlich in einem Protokollbuch der altreformierten Gemeinde Bad Bentheim; 1981 von der Synode der Ev.-altref. Kirche herausgegeben unter dem Titel „H. H. Schoemaker, J. B. Sundag, Dokumente aus der Frühgeschichte der Evangelisch-altreformierten Kirche in Niedersachsen“, S. 42-57).

 

 

Literatur:

Gerrit Jan Beuker, Umkehr und Erneuerung. Aus der Geschichte der Evangelisch-altreformierten Kirche in Niedersachsen 1838 - 1988, Bad Bentheim 1988.

F. L. Bos, Art. Sundag, Jan Berend, in: Christelijke Encyclopedie, Kampen 1961 bzw. 1977, S. 292, (Bd. VI).

Alfried Gülker, Gemeindechronik. 150 Jahre Evangelisch-altreformierte Kirchengemeinde Bad Bentheim 1840 - 1990, Bad Bentheim 1990, besonders S. 55-59.

Johannes de Haas, Gedenkt uw voorgangers, Haarlem 1984, S. 252-253, Bd. I.

P. L. de Jong, Die Bentheimer Kirche im 18. und 19. Jahrhundert, in: Heinrich Voort (Schriftleitung), Reformiertes Bekenntnis in der Grafschaft Bentheim 1588-1988 (= Das Bentheimer Land Bd. 114), Gildehaus/ Bad Bentheim 1988, 113-162, besonders S. 152-155.

Bernhard Krabbe, Eine altreformierte Familie in Gildehaus zur Zeit der Abscheidung, in: BenthJb 1989 (= Das Bentheimer Land Bd. 117), Bad Bentheim 1988, S. 211-216.

J. Schoemaker, Geschiedenis der Oud-Gereformeerde Kerk in het Graafschap Bentheim en het vorstendom Ostfriesland, Hardenberg 1900.

J.A. Wormser, Een schat in aarden vaten, Nijverdal 1916, S. 76-81, Bd. IV.

 

 

Veröffentlicht in: Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte (hg.), Redaktion: Dr. Christof Haverkamp, Helmut Lensing, Dr. Stefan Remme, Emsländische Geschichte 6, Meppen, 1997, S. 334 – 336.

 

 

Dr. Gerrit Jan Beuker, Hoogstede