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von Pastor Dr. Beuker
Stilles Gebet, Eingangswort,
Kleines Gloria, Gruß
Eingangslied: Lied 445 : 1 – 5 Gott de Himmels und der Erden
Gebet
Wochenpsalm
Ps. 703, S. 1511, aus Ps. 4
Weisung
Lukas 10, 25 - 37
Singen Psalm 4
Gebet
1. Lesung: 1. Mose 21, 9 – 21 Hagar
und Ismaels Vertreibung
Singen: Lied 289 : 1, 2 Nun
lob, mein Seel, den Herren, was in mir ist...
Singen Lied 12 (.1 -4) Gott
sei Dank, durch alle Welt
GBK
Singen
Gebet
Singen: Psalm 111 : 3 – 5 Ein
Denkmal seiner Wunder gibt
Segen
Liebe
Gemeinde, ausländische Frauen üben schon immer auf einheimische Männer einen
bestimmten Reiz aus. Das Fremdartige macht sie interessant. Gleich zweimal
betont die Bibel: Hagar ist eine Ägypterin. Sie ist Saras ägyptische Magd.
Hagar ist nicht Sarais einzige Magd, aber eine, die ihr nahe steht – und eine,
die durchaus einen Reiz auf Abraham ausübt.
Mit
Ausländerinnen ist das auch alles nicht so kompliziert, denken manche Männer
bis heute. Die fügen sich eher, die kuschen, die haben ja nicht so viele
Rechte. Das denken heute manche deutschen Männer – und bestellen sich eine Frau
aus dem Katalog oder aus dem Internet.
Ausländerinnen
leiden in deutschen Ehen unter ihrer Rechtlosigkeit. Drei Jahre lang müssen sie
auf Gedeih und Verderb verheiratet bleiben, ansonsten werden sie sofort wieder
in ihr Heimatland abgeschoben. In diesen ersten drei Jahren ihrer Ehe mit einem
Deutschen durchleben manche Ausländerinnen die Hölle, denn sie sind in unserem
Land ihrem Ehemann im Grunde schutzlos ausgeliefert.
Über die
Hälfte aller Gewaltverbrechen in Deutschland passiert nicht durch wildfremde
Verbrecher, sondern durch nächste Angehörige, im engsten Familienkreis. Und es
gibt viel Gewalt in Ehen und Familien – leider, bis heute.
Ausländerinnen
haben es schwer bei uns heute und bei Abraham hatten sie es auch schwer.
Das ist
eine bunte Gesellschaft um Abraham und Sarai herum. Das muss man sich einmal
vor Augen führen. Da sind viele Nationen
vertreten unter ihren engsten Mitarbeitern und Freunden. Die Bibel zeigt
Abraham als einen Weltbürger, der mit vielen Völkern seiner Zeit zu tun hat.
A. kam
ursprünglich aus Ur in Chalda. Danach wohnte er in Haran, in Syrien, nördlich
von Kanaan. Von dort hat er wohl seinen besten Knecht, den alten Elieser
mitgebracht. Elieser von Damaskus wird mein Haus besitzen. Er ist mein
Nachfolger, beschwert Abraham sich in Kap. 15,2 bei Gott. Ein Syrer, ein
Damaskener ist der engste Vertraute Abrahams und sein vorgesehener Erbe.
Abraham
selbst wohnte lange als Fremder unter den Philistern, so schließt Kap. 22.
Und seinen
Privatfriedhof, das einzige Stück Land, das er je besessen hat, kauft er im
Land der Hethiter., so schließt Kap. 23. Chaldäer, Hethiter, Philister, Ägypter
und Syrer sind Abrahams Weggenossen, Freunde und teils sogar Verwandte. Aber er
selbst bleibt ein Fremder unter ihnen, sei es wohl bei vielen ein guter Freund!
10 Jahre
wohnen Abraham und Sarai nun schon in Kanaan. Zehn Jahre, in denen sie einsam
geworden sind. Lot und seine Leute haben sich von A. getrennt. Die wohnen jetzt
weiter weg. Vielleicht besucht man sich ab und zu. Aber die enge familiäre
Bindung ist nicht mehr da. Lot – war wie ein Sohn gewesen für Abraham. Er ist
der Sohn von Abrahams verstorbenem Bruder, er ist Abrahams Neffe.
Aber nun
ist Lot fort. Die Leere und Einsamkeit sind groß bei Abraham und Sarai. Gott
hat ihnen einen Sohn versprochen, einen eigenen. Aber – all die Jahre sieht es
nicht danach aus.
Abraham
will wohl noch warten. Aber Sarai wird die Zeit zu lang.
Abraham, so
sagt die Bibel, gehorchte der Stimme Sarais. Er hört nicht mehr auf die Stimme
Gottes, sondern auf die Stimme seiner Frau. „Geh doch zu meiner Magd, ob ich
vielleicht durch sie zu seinem Sohn komme“ Vs 2. Sara sucht sich selbst. ICH
möchte einen Sohn. ICH möchte meinem Namen Ehre machen. Ich möchte etwas
gelten. Und wenn ich selber nicht schwanger werden kann, dann sollen mir andere
helfen. Dann soll meine Magd einen Sohn von dir bekommen, der als meiner gilt.
Sara geht
es um sich selbst, um ihr Ansehen bei Abraham und bei den anderen Menschen.
Dafür „missbraucht“ Sara ihre Magd Hagar. So war das damals wohl durchaus Sitte
und Gewohnheit – und doch, man hätte von Sara mehr Rücksicht erwartet. Sara
sucht sich – ganz modern – eine Leihmutter. Aber sie ahnt noch nicht, welche
Probleme das mit sich bringt.
Es dauert
nicht lange, da ist Hagar schwanger. Sie erwartet Mutterfreuden. Hagar ist nun
jemand. Hagar wird die Mutter des Erbfolgers sein. Abraham bekommt einen Sohn –
von der Ägypterin Hagar. Und – wen nimmt es wunder? Hagar achtete ihre Herrin
gering. Hagar verachtete Sara. Sara, die sich eine Leihmutter sucht, Sara, die
ihren Mann zu einer anderen Frau ins Bett schickt. Ja, wie soll man als direkt
Betroffene dann auch noch große Achtung haben vor so einer karrieresüchtigen,
herrischen und egoistischen Sara?
Sara zeigt
sehr bald ihr wahres Gesicht. Sie schimpft und zetert. „Abraham, Abraham, das Unrecht
komme über dich, das mir geschieht. .. Der Herr sei Richter zwischen dir und
mir.“ Vs. 5 Kurz gesagt: Abraham, du bist schuld an allem.
Dabei hatte
doch Sarai diese wahnwitzige Idee, ein Kind mit der Magd zu zeugen. Davon hatte
Sarai sich einen Vorteil versprochen. Aber Sarai wird nicht glücklich. Sarai
bleibt unzufrieden. – Obwohl Ismael als ihr Sohn gelten soll, ist und bleibt er
Hagars Sohn. Sara ist verzweifelt. „Das Unrecht, das mir geschieht, komme über
dich!“
Abraham
zieht sich aus der Affäre. Wenn es Krach gibt, ziehen die Männer sich gerne
zurück. Ob sie nun Schuld haben oder nicht. Ein Kind in die Welt setzen, das
ja, aber für die Folgen aufkommen – das ist nicht Abrahams Sache.
Zur Sara
sagt er: „Hagar ist deine Magd. Mach mit ihr, was du willst.“
Das braucht
er ihr nicht zweimal zu sagen. Sarai weiß schon, wie sie Hagar erniedrigen
kann. Alle Drecksarbeit ist für Hagar. Hagar bekommt den untersten Platz am
Tisch. Hagar soll erniedrigt werden, Hagar soll gedemütigt werden. Die in ihrem
Stolz verletzte Sara lässt keine Möglichkeit aus, Hagar zu demütigen.
Und für
Hagar wird das Leben in der Schwangerschaft zur Hölle. Sie denkt über
Selbstmord nach – wenn sie nicht schwanger wäre, wer weiß, was sie täte. Sie
hält es nicht aus. Sie ist schwanger – und Abrahams Frau Sara quält und trietzt
sie. Es geht Hagar nicht besser als vorher. Durch das ganze Theater von Frau
Abraham geht es Hagar nur schlecht. Hagar bereut ihren Weg. Hätte sie sich doch
nie, nie auf das Angebot Abrahams und Sarais eingelassen.
Hagar
beschließt, zu fliehen. Sie läuft weg. Darauf steht damals die Todesstrafe.
Eine entlaufende Magd hat ihr Leben verspielt. Aber das ist Hagar egal. Sie
will nur weg, weg von Sara, weg von dieser kinderlosen, giftigen Schlange, die
ihr das Leben zur Hölle macht.
Hagar will
nach Schur, Richtung Ägypten, Richtung Heimat und Familie. Dafür nimmt sie den
Weg durch die Wüste in Kauf. Sie rastet bei einer Wasserquelle.
Hagar ist
die einzige in der Geschichte, die das Unrecht des Geschehenen einsieht. Und
wenn sie mit ihrem Leben dafür bezahlen muss, so will und kann sie nicht mehr
weiterleben.
In der
Wüste findet sie schließlich der Engel Jahwes, der Engel Gottes, ihr
Schutzengel.
Dort findet
Gott selbst sie. Der Engel Gottes ist wiederholt Gott selber. Von Israel später
wird später gesagt: Der Engel Gottes zog in der Wolken- und Feuersäule mit
Israel. Der Engel Gottes findet später auch den Propheten Elia in der Wüste,
als der einmal auch sterben wollte, weil Isebell ihm das Leben zur Hölle
machte.
„Hagar,
Sarais Magd, wo kommst du her, und wo
willst du hin?
Hagar muss
selber ihre Lage erkennen.
Der Engel,
Gott selbst, betreibt Seelsorge allererster Klasse und Qualität.
Er weiß
natürlich alles – aber er fragt nur: „Woher, wohin, Hagar, Sarais Magd?“
So muss
Hagar nun selber ihre Situation schildern, ihre Lage erkennen: Ich bin
geflohen, ich konnte es bei Sarai nicht mehr aushalten.
Geh zurück,
und beuge dich unter Sarais Hand.
Deine
Nachkommen sollen so viele werden, dass sie wegen der großen Zahl nicht gezählt
werden können. Hagar, auch du sollst unzählige Nachkommen haben.
Nenne
deinen Sohn Ismael, denn Gott hat dein Elend erhört.
Ismael – er
wird ein wilder Krieger sein. Er ist gegen jeden – und jeder ist gegen ihn.
Einer gegen alle und alle gegen einen. Aber er wird seinen Brüdern zum Trotz im
Lande wohnen bleiben.
In Kap. 25
lesen wir von den Nachkommen Ismaels, von 12 Söhnen, 12 Fürsten, die zwischen
Ägypten und Assyrien wohnen, von Hawila an bis nach Schur, östlich von Ägypten
– seinen Brüdern, den Israeliten zum Trotz oder andere Übersetzung: seinen
Brüdern vor der Nase.
Ismael hat
später 12 Söhne, so wie Jakob auch, und eine Tochter, die r ihren Vetter Esau
geheiratet hat. (28,9). Sie leben im Osten, oder vor den Augen, im Angesicht
Israels. Das ist im Hebr. dasselbe Wort. im Osten – im Angesicht.
Hagar
erlebt und erfährt: Gott kennt und sieht mich. „Du bist mein Gott, der mich sieht“. So nennt sie Gott. Das ist
Hagars Gottesname. Das ist ihre Gottesvorstellung: Du bist mein Gott, --, der
mich sieht. Ich habe den gesehen, der mich angesehen hat, hinter dem
hergesehen, der mich angesehen hat.
Und sie
nennt das Kind, das geboren wird: Ismael, Ischmael – Gott wird hören. Gott
hört. Gott sieht.
Und der Ort
dieser Gottesbegegnung heißt: Brunnen des Lebendigen, der mich sieht. Er liegt
in der Sinaihalbinsel, zwischen Kadesch und Bered,
Gott hört
und Gott sieht.
Er
verändert nicht alle miesen Zustände und Verhältnisse sofort.
Aber er hört
und sieht – wo Menschen unterdrückt sind und ihres Lebens nicht froh werden.
Gott hört und sieht, trotz unerfüllter Träume, trotz Neid und Ungerechtigkeit.
Gott hört und sieht.
Und Hagar
kehrt um – und gehorcht dem Wort des Engels. Sie kehrt um – und sie denkt um.
Denn Gott ist ihr nachgegangen. Sie ist abgehauen. Sie wollte nur noch weg von
Sarai. Aber Gott geht ihr nach. Er sieht sie an, er versteht sie.
Gott schaut
voller Liebe – auf Hagar. Auch ihr werden 12 Söhne geschenkt. Auch sie soll
unzählige Nachkommen haben.
Gott sieht,
ohne Selbstmitleid, ohne Schmerz, mit klarem und wachem Blick. Gott sieht – und
sagt uns ehrlich, was los ist. Er holt uns in der Wüste ein –und er schickt uns
– ins Leben – und oft auch in die Probleme zurück. Er macht Mut – er verändert
unsere Sicht der Dinge, auch wenn die zuerst noch genauso bleiben wie vorher,
und sich scheinbar gar nicht ändern. Gott schenkt einen neuen Blick, eine neue
Wertung des Geschehenen.
Gott er
segnet auch Ismael – und die Ismaeliter. Er erwählt und beauftragt Israel. Aber
er segnet auch Ismael und die Ismaeliter, die Ägypterin Hagar und den Syrer
Elieser.
Vordergründig
ändert sich erst einmal nichts oder kaum etwas. – Und doch ist schon alles neu
geworden.
Denn am
„Brunnen des Lebendigen, der mich sieht“ – hat Gott die Hagar angesehen und
zurückgebracht.
Liebe
Gemeinde, gebe Gott uns solche Orte der Gottesbegegnung. Gebe er uns, dass wir
spüren, wo er uns ansieht, wie er uns sucht und anschaut – in Jesus Christus,
wie er uns zurück bringt.
Und dass
wir solche Orte seiner Nähe haben: Brunnen des Lebendigen, der mich sieht. Gott
sieht und hört, er sieht uns an und erhört uns um Christi willen.
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