Gottesdienst Evangelisch-altreformierte Gemeinde Hoogstede

27.01.2002,           10.00 Uhr

Zurück zur homepage von Pastor Dr. Beuker

 

Stilles Gebet, Eingangswort, Kleines Gloria, Gruß

Eingangslied:       Lied 445 : 1 – 5     Gott de Himmels und der Erden

Gebet

                Wochenpsalm Ps. 703, S. 1511, aus Ps. 4

                Weisung Lukas 10, 25 - 37

                Singen   Psalm 4

                Gebet

1. Lesung:             1. Mose 21, 9 – 21               Hagar und Ismaels Vertreibung

Singen:                  Lied 289 : 1, 2        Nun lob, mein Seel, den Herren, was in mir ist...

 Predigt: 1. Mose 16, 1- 16

Thema:                 Hagar läuft weg

Singen                   Lied 12 (.1 -4)        Gott sei Dank, durch alle Welt

 

                GBK

                Singen  

Gebet

Singen:                  Psalm 111 : 3 – 5   Ein Denkmal seiner Wunder gibt

Segen

 

 

Liebe Gemeinde, ausländische Frauen üben schon immer auf einheimische Männer einen bestimmten Reiz aus. Das Fremdartige macht sie interessant. Gleich zweimal betont die Bibel: Hagar ist eine Ägypterin. Sie ist Saras ägyptische Magd. Hagar ist nicht Sarais einzige Magd, aber eine, die ihr nahe steht – und eine, die durchaus einen Reiz auf Abraham ausübt.

Mit Ausländerinnen ist das auch alles nicht so kompliziert, denken manche Männer bis heute. Die fügen sich eher, die kuschen, die haben ja nicht so viele Rechte. Das denken heute manche deutschen Männer – und bestellen sich eine Frau aus dem Katalog oder aus dem Internet.

Ausländerinnen leiden in deutschen Ehen unter ihrer Rechtlosigkeit. Drei Jahre lang müssen sie auf Gedeih und Verderb verheiratet bleiben, ansonsten werden sie sofort wieder in ihr Heimatland abgeschoben. In diesen ersten drei Jahren ihrer Ehe mit einem Deutschen durchleben manche Ausländerinnen die Hölle, denn sie sind in unserem Land ihrem Ehemann im Grunde schutzlos ausgeliefert.

Über die Hälfte aller Gewaltverbrechen in Deutschland passiert nicht durch wildfremde Verbrecher, sondern durch nächste Angehörige, im engsten Familienkreis. Und es gibt viel Gewalt in Ehen und Familien – leider, bis heute.

Ausländerinnen haben es schwer bei uns heute und bei Abraham hatten sie es auch schwer.

 

Das ist eine bunte Gesellschaft um Abraham und Sarai herum. Das muss man sich einmal vor Augen führen.  Da sind viele Nationen vertreten unter ihren engsten Mitarbeitern und Freunden. Die Bibel zeigt Abraham als einen Weltbürger, der mit vielen Völkern seiner Zeit zu tun hat.

A. kam ursprünglich aus Ur in Chalda. Danach wohnte er in Haran, in Syrien, nördlich von Kanaan. Von dort hat er wohl seinen besten Knecht, den alten Elieser mitgebracht. Elieser von Damaskus wird mein Haus besitzen. Er ist mein Nachfolger, beschwert Abraham sich in Kap. 15,2 bei Gott. Ein Syrer, ein Damaskener ist der engste Vertraute Abrahams und sein vorgesehener Erbe.

Abraham selbst wohnte lange als Fremder unter den Philistern, so schließt Kap. 22.

Und seinen Privatfriedhof, das einzige Stück Land, das er je besessen hat, kauft er im Land der Hethiter., so schließt Kap. 23. Chaldäer, Hethiter, Philister, Ägypter und Syrer sind Abrahams Weggenossen, Freunde und teils sogar Verwandte. Aber er selbst bleibt ein Fremder unter ihnen, sei es wohl bei vielen ein guter Freund!

10 Jahre wohnen Abraham und Sarai nun schon in Kanaan. Zehn Jahre, in denen sie einsam geworden sind. Lot und seine Leute haben sich von A. getrennt. Die wohnen jetzt weiter weg. Vielleicht besucht man sich ab und zu. Aber die enge familiäre Bindung ist nicht mehr da. Lot – war wie ein Sohn gewesen für Abraham. Er ist der Sohn von Abrahams verstorbenem Bruder, er ist Abrahams Neffe.

Aber nun ist Lot fort. Die Leere und Einsamkeit sind groß bei Abraham und Sarai. Gott hat ihnen einen Sohn versprochen, einen eigenen. Aber – all die Jahre sieht es nicht danach aus.

Abraham will wohl noch warten. Aber Sarai wird die Zeit zu lang.

Abraham, so sagt die Bibel, gehorchte der Stimme Sarais. Er hört nicht mehr auf die Stimme Gottes, sondern auf die Stimme seiner Frau. „Geh doch zu meiner Magd, ob ich vielleicht durch sie zu seinem Sohn komme“ Vs 2. Sara sucht sich selbst. ICH möchte einen Sohn. ICH möchte meinem Namen Ehre machen. Ich möchte etwas gelten. Und wenn ich selber nicht schwanger werden kann, dann sollen mir andere helfen. Dann soll meine Magd einen Sohn von dir bekommen, der als meiner gilt.

Sara geht es um sich selbst, um ihr Ansehen bei Abraham und bei den anderen Menschen. Dafür „missbraucht“ Sara ihre Magd Hagar. So war das damals wohl durchaus Sitte und Gewohnheit – und doch, man hätte von Sara mehr Rücksicht erwartet. Sara sucht sich – ganz modern – eine Leihmutter. Aber sie ahnt noch nicht, welche Probleme das mit sich bringt.

 

Es dauert nicht lange, da ist Hagar schwanger. Sie erwartet Mutterfreuden. Hagar ist nun jemand. Hagar wird die Mutter des Erbfolgers sein. Abraham bekommt einen Sohn – von der Ägypterin Hagar. Und – wen nimmt es wunder? Hagar achtete ihre Herrin gering. Hagar verachtete Sara. Sara, die sich eine Leihmutter sucht, Sara, die ihren Mann zu einer anderen Frau ins Bett schickt. Ja, wie soll man als direkt Betroffene dann auch noch große Achtung haben vor so einer karrieresüchtigen, herrischen und egoistischen Sara?

 

Sara zeigt sehr bald ihr wahres Gesicht. Sie schimpft und zetert. „Abraham, Abraham, das Unrecht komme über dich, das mir geschieht. .. Der Herr sei Richter zwischen dir und mir.“ Vs. 5 Kurz gesagt: Abraham, du bist schuld an allem.

Dabei hatte doch Sarai diese wahnwitzige Idee, ein Kind mit der Magd zu zeugen. Davon hatte Sarai sich einen Vorteil versprochen. Aber Sarai wird nicht glücklich. Sarai bleibt unzufrieden. – Obwohl Ismael als ihr Sohn gelten soll, ist und bleibt er Hagars Sohn. Sara ist verzweifelt. „Das Unrecht, das mir geschieht, komme über dich!“

Abraham zieht sich aus der Affäre. Wenn es Krach gibt, ziehen die Männer sich gerne zurück. Ob sie nun Schuld haben oder nicht. Ein Kind in die Welt setzen, das ja, aber für die Folgen aufkommen – das ist nicht Abrahams Sache.

Zur Sara sagt er: „Hagar ist deine Magd. Mach mit ihr, was du willst.“

Das braucht er ihr nicht zweimal zu sagen. Sarai weiß schon, wie sie Hagar erniedrigen kann. Alle Drecksarbeit ist für Hagar. Hagar bekommt den untersten Platz am Tisch. Hagar soll erniedrigt werden, Hagar soll gedemütigt werden. Die in ihrem Stolz verletzte Sara lässt keine Möglichkeit aus, Hagar zu demütigen.

Und für Hagar wird das Leben in der Schwangerschaft zur Hölle. Sie denkt über Selbstmord nach – wenn sie nicht schwanger wäre, wer weiß, was sie täte. Sie hält es nicht aus. Sie ist schwanger – und Abrahams Frau Sara quält und trietzt sie. Es geht Hagar nicht besser als vorher. Durch das ganze Theater von Frau Abraham geht es Hagar nur schlecht. Hagar bereut ihren Weg. Hätte sie sich doch nie, nie auf das Angebot Abrahams und Sarais eingelassen.

Hagar beschließt, zu fliehen. Sie läuft weg. Darauf steht damals die Todesstrafe. Eine entlaufende Magd hat ihr Leben verspielt. Aber das ist Hagar egal. Sie will nur weg, weg von Sara, weg von dieser kinderlosen, giftigen Schlange, die ihr das Leben zur Hölle macht.

Hagar will nach Schur, Richtung Ägypten, Richtung Heimat und Familie. Dafür nimmt sie den Weg durch die Wüste in Kauf. Sie rastet bei einer Wasserquelle.

Hagar ist die einzige in der Geschichte, die das Unrecht des Geschehenen einsieht. Und wenn sie mit ihrem Leben dafür bezahlen muss, so will und kann sie nicht mehr weiterleben.

 

In der Wüste findet sie schließlich der Engel Jahwes, der Engel Gottes, ihr Schutzengel.

Dort findet Gott selbst sie. Der Engel Gottes ist wiederholt Gott selber. Von Israel später wird später gesagt: Der Engel Gottes zog in der Wolken- und Feuersäule mit Israel. Der Engel Gottes findet später auch den Propheten Elia in der Wüste, als der einmal auch sterben wollte, weil Isebell ihm das Leben zur Hölle machte.

„Hagar, Sarais Magd, wo kommst du her, und wo willst du hin?

Hagar muss selber ihre Lage erkennen.

Der Engel, Gott selbst, betreibt Seelsorge allererster Klasse und Qualität.

Er weiß natürlich alles – aber er fragt nur: „Woher, wohin, Hagar, Sarais Magd?“

So muss Hagar nun selber ihre Situation schildern, ihre Lage erkennen: Ich bin geflohen, ich konnte es bei Sarai nicht mehr aushalten.

Geh zurück, und beuge dich unter Sarais Hand.

Deine Nachkommen sollen so viele werden, dass sie wegen der großen Zahl nicht gezählt werden können. Hagar, auch du sollst unzählige Nachkommen haben.

Nenne deinen Sohn Ismael, denn Gott hat dein Elend erhört.

Ismael – er wird ein wilder Krieger sein. Er ist gegen jeden – und jeder ist gegen ihn. Einer gegen alle und alle gegen einen. Aber er wird seinen Brüdern zum Trotz im Lande wohnen bleiben.

In Kap. 25 lesen wir von den Nachkommen Ismaels, von 12 Söhnen, 12 Fürsten, die zwischen Ägypten und Assyrien wohnen, von Hawila an bis nach Schur, östlich von Ägypten – seinen Brüdern, den Israeliten zum Trotz oder andere Übersetzung: seinen Brüdern vor der Nase.

Ismael hat später 12 Söhne, so wie Jakob auch, und eine Tochter, die r ihren Vetter Esau geheiratet hat. (28,9). Sie leben im Osten, oder vor den Augen, im Angesicht Israels. Das ist im Hebr. dasselbe Wort. im Osten – im Angesicht.

 

 

Hagar erlebt und erfährt: Gott kennt und sieht mich. „Du bist mein Gott, der mich sieht“. So nennt sie Gott. Das ist Hagars Gottesname. Das ist ihre Gottesvorstellung: Du bist mein Gott, --, der mich sieht. Ich habe den gesehen, der mich angesehen hat, hinter dem hergesehen, der mich angesehen hat.

Und sie nennt das Kind, das geboren wird: Ismael, Ischmael – Gott wird hören. Gott hört. Gott sieht.

Und der Ort dieser Gottesbegegnung heißt: Brunnen des Lebendigen, der mich sieht. Er liegt in der Sinaihalbinsel, zwischen Kadesch und Bered,

Gott hört und Gott sieht.

Er verändert nicht alle miesen Zustände und Verhältnisse sofort.

Aber er hört und sieht – wo Menschen unterdrückt sind und ihres Lebens nicht froh werden. Gott hört und sieht, trotz unerfüllter Träume, trotz Neid und Ungerechtigkeit. Gott hört und sieht.

Und Hagar kehrt um – und gehorcht dem Wort des Engels. Sie kehrt um – und sie denkt um. Denn Gott ist ihr nachgegangen. Sie ist abgehauen. Sie wollte nur noch weg von Sarai. Aber Gott geht ihr nach. Er sieht sie an, er versteht sie.

Gott schaut voller Liebe – auf Hagar. Auch ihr werden 12 Söhne geschenkt. Auch sie soll unzählige Nachkommen haben.

Gott sieht, ohne Selbstmitleid, ohne Schmerz, mit klarem und wachem Blick. Gott sieht – und sagt uns ehrlich, was los ist. Er holt uns in der Wüste ein –und er schickt uns – ins Leben – und oft auch in die Probleme zurück. Er macht Mut – er verändert unsere Sicht der Dinge, auch wenn die zuerst noch genauso bleiben wie vorher, und sich scheinbar gar nicht ändern. Gott schenkt einen neuen Blick, eine neue Wertung des Geschehenen.

Gott er segnet auch Ismael – und die Ismaeliter. Er erwählt und beauftragt Israel. Aber er segnet auch Ismael und die Ismaeliter, die Ägypterin Hagar und den Syrer Elieser.

Vordergründig ändert sich erst einmal nichts oder kaum etwas. – Und doch ist schon alles neu geworden.

Denn am „Brunnen des Lebendigen, der mich sieht“ – hat Gott die Hagar angesehen und zurückgebracht.

Liebe Gemeinde, gebe Gott uns solche Orte der Gottesbegegnung. Gebe er uns, dass wir spüren, wo er uns ansieht, wie er uns sucht und anschaut – in Jesus Christus, wie er uns zurück bringt.

Und dass wir solche Orte seiner Nähe haben: Brunnen des Lebendigen, der mich sieht. Gott sieht und hört, er sieht uns an und erhört uns um Christi willen.

 

 

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