Gottesdienst 27.01.2002

Evangelisch-altreformierte Kirche Hoogstede, 14.00 Uhr

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Mitteilungen

Stilles Gebet, Eingangswort und Gruß

Eingangslied:       Lied 385 : 1 – 3                     Mir nach spricht Christus unser Held

Gebet    

Lesung:                 Johannes 10, 1 – 11             Jesus, der gute Hirte

Singen:                  Lied 123 : 1 – 5                     Jesus Christus herrscht alles König

 Predigt:   Barmen I + Joh. 14, 6

Thema:       Jesus Christus allein

Singen                   Lied 123 : 6, 11                     Jesus Christus ist der eine, der gegründet die Gemeine

                Apostolisches Glaubensbekenntnis

                Singen   Lied 204 (: 1 – 4)               Herr Christ, dein bin ich eigen

Gebet

Singen:                  Psalm 111 : 3, 5, 6                 Ein Denkmal seiner Wunder gibt ...

Segen

 

 "Text"

Die Theologische Erklärung

der Bekenntnissynode von Barmen

(vom 29. bis 31. Mai 1934)
Wir bekennen uns angesichts der die Kirche verwüstenden und damit auch die Einheit der Deutschen Evangelischen Kirche sprengenden Irrtümer der Deutschen Christen und der gegenwärtigen Reichskirchenregierung zu folgenden evangelischen Wahrheiten:
Thesen
1. Jesus Christus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben;

niemand kommt zum Vater denn durch mich. (Joh 14,6)
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und Räuber. Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden. (Joh 10,1.9)
Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.
Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.
 

Aus den (ausgeführten) Predigtnotizen:

Liebe Gemeinde, die Synode der Ev.-altreformierten Kirche in Niedersachsen hat im letzten November eine neue Verfassung verabschiedet. Das war und ist nötig, um die Stellung der Kirche und der Gemeinden im Staat zu sichern und zu klären. Körperschaftsrechte und ähnliche Dinge spielen da eine Rolle. Die Verfassung besteht aus 20 DIN A4 Seiten und ist beim Kirchenrat für zwei Euro zu erhalten. Die wichtigsten Artikel finden sich demnächst vielleicht auch im Grenzboten.

Im Artikel 2 dieser Verfassung heißt es unter der Überschrift „Grundlagen und Bekennen der Kirche“: „Die Kirche macht sich die Aussagen der Theologischen Erklärung von Barmen vom 31. Mai 1934 zu eigen.“

Genau das wollen wir in einigen Gottesdiensten versuchen.

Die Barmer Erklärung steht im Gesangbuch gleich nach dem Heidelberger Katechismus. Sie kommt auch in der Bedeutung für unser Christ-sein, für unser Leben als Gemeinde gleich nach dem Heidelberger. Die Barmer Erklärung ist für uns heute wichtiger als die Dordrechter Lehrsätze und wichtiger als das Niederländische Glaubensbekenntnis. Diese beiden Bekenntnisse prägen uns heute kaum noch. Sie reden nicht mehr so sehr von dem, was uns bewegt und von dem, was heute dran in der Welt und in der Kirche. Sie gehen z.B. noch aus von einer Monarchie, von einem politischen, kriegerischen Kampf zwischen Spaniern und Niederländern, zwischen Katholiken und Protestanten. Sie gehen noch aus von einer Zeit der Glaubensverfolgung und der Religionskriege. Der Verfasser des Niederl. GBK, Guido de Bres, wurde z.B. 1567, acht Jahre nachdem er das Bekenntnis verfasst hatte, in Frankreich für seinen evangelischen Glauben hingerichtet.

 

1934 und 2002 ist eine andere Zeit als 1559. 1934 und ganz bestimmt heute geht der Krieg nicht mehr zwischen den Konfessionen. Da geht der Streit zwischen Glauben und Unglauben, zwischen Christen und Atheisten. Es geht nicht mehr so sehr um die Frage, wie wir an Jesus Christus glauben, sondern ob wir überhaupt noch an Jesus Christus glauben. In vielen Ländern Europas gehören heute weniger als die Hälfte der Menschen überhaupt noch einer Kirche an. Das war im Mittelalter noch völlig unvorstellbar. Da waren „natürlich“ alle Christen.

Oder dass Millionen Menschen umgebracht wurden, weil sie Juden waren oder behindert oder homosexuell veranlagt, das war im Mittelalter unvorstellbar.

Oder dass die Stimme eines Diktators, Präsidenten oder Kanzlers über Radio oder Fernsehen in jedem Wohnzimmer erkling, war ebenso unvorstellbar. Dass jemand in einer berühmten Fernsehsendung eine ganze Nation damit unterhält, dass er Fliegen mit dem Mund aufschnappt – das konnte in den wildesten Träumen um 1550 niemand ahnen.

Im 15./16. Jahrhundert haben die Menschen nicht einmal im Traum an Autos, Supermärkte, Fernsehen oder Zentralheizung gedacht. Sie kannten kein Wahlrecht und keine Bürgerrechte. Sie waren zumeist den Fürsten oder König eigenhörig.
Sie kannten keine Kartoffeln und kein Weißbrot. Sie hatten keine Vorstellung, wo Amerika liegt und dass die Welt eine Kugel ist. Die Menschen lebten in einer völlig anderen Welt, so anders, dass wir es uns nicht vorstellen können. Es war auch eine völlig andere Kirche mit völlig anderen Fragen und Problemen als heute.

 

Doch springen wir herüber in unsere Zeit:

1934 schreibt Karl Barth:

Die Kirche wird verwüstet.

Die Einheit wird gesprengt.

Die Reichskirchenregierung irrt ebenso wie die Deutschen Christen.

 

IN allen Häusern, Zeitungen und Radioansprachen klingt es: „Rasse und Volk stehen höher als die Einheit des Glaubens und der Menschheit. Wir sind besser! Wir sind die Herrenmenschen – die anderen sind Untermenschen.“ So wird es den Menschen eingehämmert und in der Schule eingebläut. Wer die Schulchroniken jener Tage liest, erschrickt heute manchmal vor dem Fanatismus, mit dem Lehrer in den Volksschulen ihre Schüler und Schülerinnen beeinflussten.

Es war eine Art Gehirnwäsche. Man hörte nichts anderes, man sah nichts anderes – und wer widersprach, wurde sehr schnell mundtot gemacht und musste um sein Leben fürchten. Gefängnis und KZ warteten auf alle, die den Widerstand wagen.

 

Karl Barth musste für dieses Bekenntnis von Barmen 1934 Deutschland verlassen. Er verlor seinen Lehrstuhl in Bonn. Niemand, niemand konnte noch in Amt und Würden bleiben, der den Eid auf den Führer nicht leistete. Nichtarier, wie das damals hieß, Juden und Ausländer wurden ihrer Ämter enthoben und abgesetzt und vier Jahre nach Barmen, ab 1938 deportiert und vergast. Auch in den Kirchen sind Pastoren ihrer Ämter enthoben, weil sie den Ariernachweis nicht erbringen konnten. Ein Jochen Klepper hat sich und seiner Familie das Leben genommen, weil er den Druck nicht mehr aushalten konnte.

 

Barth ging in die Schweiz, nach Basel, wo er lebenslang geblieben ist.

Er ist dem KZ entgangen. Aber ein Dietrich Bonhoeffer, ein Jochen Klepper, ein Martin Niemöller, ein Pastor Dr. Berends in Uelsen, ein Lehrer Blekker ebenfalls in Uelsen, ein Pastor Middendorf in Schüttorf und viele andere haben ihr Leben gelassen, sind gefangen worden oder sind des Landes oder der Kanzel oder der Heimat verwiesen.

Der Staat wollte die Kirche mundtot machen. Er wollte sie dem Staat unterwerfen und dem Staat dienstbar machen.

Liebe Gemeinde, das war keine gute Zeit – die Jahre von 1930 bis 1945. Erst seit der Einheit Deutschlands 1989 werden die letzten Folgen dieser unseligen Diktatur nach und nach überwunden.

Barmen I sagt nur einen Namen, nur ein Wort: Jesus Christus!

Jesus Christus allein, und niemandem außer Jesus Christus. Jesus Christus allein haben wir zu vertrauen und zu gehorchen. Er ist das eine, das letzte und endgültige Wort Gottes. Es gibt keine anderen Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten, die wir als Offenbarung Gottes anerkennen. Gott offenbart sich nur in Jesus Christus und in seinem Wort.

Jesus Christus ist das eine Wort Gottes, das wir hören, dem wir vertrauen und gehorchen!

So deutlich hat das vorher in 2000 Jahren Kirchengeschichte niemand gesagt und niemand beschrieben. So konsequent hatte das noch niemand zu Ende gedacht. Alle Mächte und Gewalten, Könige und Fürsten, Staatgesetze und Kirchenleitungen, Christen und Gemeinden – müssen sich Jesus Christus unterordnen. Bis in die Weimarer Zeit hinein hatten eigentlich immer die Fürsten, Kaiser und Könige in die Kirchen hineinregiert. Oft waren die staatlichen Herrscher die obersten Bischöfe der Kirche. Barth sieht deutlicher als je zuvor:

Jesus Christus ist der Weg. ER ist die Wahrheit. ER ist das Leben! ER ist die Tür.

Nur durch ihn finden wir Weide und Leben.

Nur durch ihn – spricht und handelt Gott.

Es gibt keine Offenbarung Gottes gegen oder außerhalb von Jesus Christus oder unabhängig von Jesus Christus.

 

 Kirche und Christen müssen niemanden anerkennen, der sich nicht der Herrschaft Jesu Christi unterwirft. Von der Vorsehung oder von Gott zu reden, wie auch Adolf Hitler das ja durchaus tat, ist nicht genug. Christen reden nicht von der Vorsehung Gottes. Christen reden von Christus. Christen gehorchen und gehören Jesus Christus.

Jesus Christus ist ihnen ein und alles. Er ist ihre ganz große Liebe. Er ist ihre ganz große Hoffnung. Er ist ihr ganzes Glück. Er ist ihr Herr und Heiland, ihr Retter und Erlöser. Und im letzten versprechen sich die Christen Heil und Zukunft nur von ihm – und nicht von Menschen, Mächten oder Ideologien.

Das müssen wir auch heute hören: Die freie Marktwirtschaft bringt nicht das Heil, sondern Jesus Christus. Die Überwindung des Terrors allein schafft noch keinen Frieden, sondern Jesus Christus. Ungehemmter Konsum, Kaufrausch und Wohlstandsgesellschaft – schaffen keine heile Welt – sondern Jesus Christus, Jesus Christus allein und nur Jesus Christus.

Liebe Gemeinde, es gibt wohl auch heute vieles, was uns diesen Herrn und Heiland verdunkelt.

Da müssen wir Barmen I wieder lernen, auswendig lernen – und es uns sagen lassen: Er ist der eine und einzige, dem wir letztlich vertrauen und gehorchen.

Das ist ganz aktuell, das ist dran. Außer Jesus Christus und neben diesem einen Wort Gottes – gibt es keine Heil, keinen Frieden, keine Zukunft.

Ich weiß nicht, ob wir davon wirklich alle fest genug überzeugt sind.

Es reicht nicht, ein guter Mensch zu sein; Niemandem etwas zu leide zu tun oder sich nur um sich selbst zu kümmern. Es reicht nicht – angepasst zu leben.

Es reicht nicht: Haus und Auto, Familie oder Clique zu haben, gesund und stark zu sein. Es reicht nicht – was immer wir schaffen oder haben, was immer die Werbung uns verspricht oder Politiker oder Wissenschaftler uns vor Augen malen: Es reicht nicht. Es ist alles nicht genug – wenn wir Jesus Christus nicht kennen und haben.

Ihn anerkennen heißt ja mit ihm leben, ihm gehorchen, sein Wort hören und tun und das Leben und die Welt entsprechend einrichten. Dazu braucht Gott Theologen und Politiker, Wissenschaftler und Künstler, Arbeiter und Angestellte, Lehrer und Dozenten, Hausfrauen und Erzieherinnen, Väter und Mütter, Älteste und Diakone, Pflegekräfte und Ärzte. Gott braucht alle. Gott braucht dich und mich, damit wir hier und heute anfangen, sein Reich zu bauen und seine Herrschaft auszubreiten.

Jesus Christus ist der eine,

der gegründet die Gemeine,

die ihn ehrt als teures Haupt.

Er hat sie mit Blut erkaufet,

mit dem Geiste sie getaufet,

und sie lebet, ///

weil sie glaubt.

„Die Kirche macht sich die Theologische Erklärung von Barmen vom 31. Mai 1934 zu eigen.“ So steht es seit November 2001 in der altreformierten Verfassung. Darüber freue ich mich sehr. So wollen wir es halten und üben:

„Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das ein Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.“

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