Evangelisch-altreformierte Kirche
Hoogstede, 14.00 Uhr
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von Pastor Dr. Beuker
Mitteilungen
Stilles Gebet, Eingangswort und
Gruß
Eingangslied: Lied 385 : 1 – 3 Mir nach spricht Christus unser Held
Gebet
Lesung: Johannes 10, 1 – 11 Jesus,
der gute Hirte
Singen: Lied 123 : 1 – 5 Jesus
Christus herrscht alles König
Singen Lied 123 : 6, 11 Jesus
Christus ist der eine, der gegründet die Gemeine
Apostolisches
Glaubensbekenntnis
Singen Lied 204 (: 1 – 4) Herr Christ, dein bin ich eigen
Gebet
Singen: Psalm 111 : 3, 5, 6 Ein
Denkmal seiner Wunder gibt ...
Segen
Die Theologische Erklärung
der Bekenntnissynode von Barmen
(vom 29. bis 31. Mai 1934)
Wir bekennen uns angesichts der die Kirche verwüstenden und damit auch die
Einheit der Deutschen Evangelischen Kirche sprengenden Irrtümer der Deutschen
Christen und der gegenwärtigen Reichskirchenregierung zu folgenden evangelischen
Wahrheiten:
Thesen
1. Jesus Christus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben;
niemand kommt zum Vater denn durch mich. (Joh 14,6)
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den
Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und Räuber. Ich bin
die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden. (Joh 10,1.9)
Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine
Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und
zu gehorchen haben.
Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle
ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere
Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung
anerkennen.
Aus den (ausgeführten) Predigtnotizen:
Liebe
Gemeinde, die
Synode der Ev.-altreformierten Kirche in Niedersachsen hat im letzten November
eine neue Verfassung verabschiedet.
Das war und ist nötig, um die Stellung der Kirche und der Gemeinden im Staat zu
sichern und zu klären. Körperschaftsrechte und ähnliche Dinge spielen da eine
Rolle. Die Verfassung besteht aus 20 DIN A4 Seiten und ist beim Kirchenrat für
zwei Euro zu erhalten. Die wichtigsten Artikel finden sich demnächst vielleicht
auch im Grenzboten.
Im Artikel
2 dieser Verfassung heißt es unter der Überschrift „Grundlagen und Bekennen der
Kirche“: „Die Kirche macht sich die Aussagen der Theologischen Erklärung von
Barmen vom 31. Mai 1934 zu eigen.“
Genau das
wollen wir in einigen Gottesdiensten versuchen.
Die Barmer
Erklärung steht im Gesangbuch gleich nach dem Heidelberger Katechismus. Sie
kommt auch in der Bedeutung für unser Christ-sein, für unser Leben als Gemeinde
gleich nach dem Heidelberger. Die
Barmer Erklärung ist für uns heute wichtiger als die Dordrechter Lehrsätze und
wichtiger als das Niederländische Glaubensbekenntnis. Diese beiden Bekenntnisse
prägen uns heute kaum noch. Sie reden nicht mehr so sehr von dem, was uns
bewegt und von dem, was heute dran in der Welt und in der Kirche. Sie gehen
z.B. noch aus von einer Monarchie, von einem politischen, kriegerischen
Kampf zwischen Spaniern und Niederländern, zwischen Katholiken und
Protestanten. Sie gehen noch aus von einer Zeit der Glaubensverfolgung und
der Religionskriege. Der Verfasser des Niederl. GBK, Guido de Bres, wurde z.B.
1567, acht Jahre nachdem er das Bekenntnis verfasst hatte, in Frankreich für
seinen evangelischen Glauben hingerichtet.
1934 und 2002 ist eine andere Zeit als 1559.
1934 und ganz bestimmt heute geht der Krieg nicht mehr zwischen den
Konfessionen. Da geht der Streit zwischen
Glauben und Unglauben, zwischen Christen
und Atheisten. Es geht nicht mehr so sehr um die Frage, wie wir an Jesus
Christus glauben, sondern ob wir überhaupt noch an Jesus Christus glauben. In
vielen Ländern Europas gehören heute weniger als die Hälfte der Menschen
überhaupt noch einer Kirche an. Das war im Mittelalter noch völlig
unvorstellbar. Da waren „natürlich“ alle Christen.
Oder dass Millionen
Menschen umgebracht wurden, weil sie Juden waren oder behindert oder
homosexuell veranlagt, das war im Mittelalter unvorstellbar.
Oder dass
die Stimme eines Diktators, Präsidenten oder Kanzlers über Radio oder Fernsehen
in jedem Wohnzimmer erkling, war ebenso unvorstellbar. Dass jemand in einer
berühmten Fernsehsendung eine ganze Nation damit unterhält, dass er Fliegen mit
dem Mund aufschnappt – das konnte in den wildesten Träumen um 1550 niemand
ahnen.
Im 15./16.
Jahrhundert haben die Menschen nicht einmal im Traum an Autos, Supermärkte,
Fernsehen oder Zentralheizung gedacht. Sie kannten kein Wahlrecht und keine
Bürgerrechte. Sie waren zumeist den Fürsten oder König eigenhörig.
Sie kannten keine Kartoffeln und kein Weißbrot. Sie hatten keine Vorstellung,
wo Amerika liegt und dass die Welt eine Kugel ist. Die Menschen lebten in einer
völlig anderen Welt, so anders, dass wir es uns nicht vorstellen können. Es war
auch eine völlig andere Kirche mit völlig anderen Fragen und Problemen als
heute.
Doch springen
wir herüber in unsere Zeit:
1934
schreibt Karl Barth:
Die Kirche
wird verwüstet.
Die Einheit
wird gesprengt.
Die
Reichskirchenregierung irrt ebenso wie die Deutschen Christen.
IN allen
Häusern, Zeitungen und Radioansprachen klingt es: „Rasse und Volk stehen höher
als die Einheit des Glaubens und der Menschheit. Wir sind besser! Wir sind die
Herrenmenschen – die anderen sind Untermenschen.“ So wird es den Menschen
eingehämmert und in der Schule eingebläut. Wer die Schulchroniken jener Tage
liest, erschrickt heute manchmal vor dem Fanatismus, mit dem Lehrer in den
Volksschulen ihre Schüler und Schülerinnen beeinflussten.
Es war eine
Art Gehirnwäsche. Man hörte nichts anderes, man sah nichts anderes – und wer widersprach,
wurde sehr schnell mundtot gemacht und musste um sein Leben fürchten. Gefängnis
und KZ warteten auf alle, die den Widerstand wagen.
Karl Barth
musste für dieses Bekenntnis von Barmen 1934 Deutschland verlassen. Er verlor
seinen Lehrstuhl in Bonn. Niemand, niemand konnte noch in Amt und Würden
bleiben, der den Eid auf den Führer nicht leistete. Nichtarier, wie das damals
hieß, Juden und Ausländer wurden ihrer Ämter enthoben und abgesetzt und vier
Jahre nach Barmen, ab 1938 deportiert und vergast. Auch in den Kirchen sind
Pastoren ihrer Ämter enthoben, weil sie den Ariernachweis nicht erbringen
konnten. Ein Jochen Klepper hat sich und seiner Familie das Leben genommen,
weil er den Druck nicht mehr aushalten konnte.
Barth ging
in die Schweiz, nach Basel, wo er lebenslang geblieben ist.
Er ist dem
KZ entgangen. Aber ein Dietrich Bonhoeffer, ein Jochen Klepper, ein Martin
Niemöller, ein Pastor Dr. Berends in Uelsen, ein Lehrer Blekker ebenfalls in
Uelsen, ein Pastor Middendorf in Schüttorf und viele andere haben ihr Leben
gelassen, sind gefangen worden oder sind des Landes oder der Kanzel oder der
Heimat verwiesen.
Der Staat
wollte die Kirche mundtot machen. Er wollte sie dem Staat unterwerfen und dem
Staat dienstbar machen.
Liebe
Gemeinde, das war keine gute Zeit – die Jahre von 1930 bis 1945. Erst seit der
Einheit Deutschlands 1989 werden die letzten Folgen dieser unseligen Diktatur
nach und nach überwunden.
Barmen I
sagt nur einen Namen, nur ein Wort: Jesus Christus!
Jesus
Christus allein, und niemandem außer Jesus Christus. Jesus Christus allein
haben wir zu vertrauen und zu gehorchen. Er ist das eine, das letzte und
endgültige Wort Gottes. Es gibt keine anderen Ereignisse und Mächte, Gestalten
und Wahrheiten, die wir als Offenbarung Gottes anerkennen. Gott offenbart sich
nur in Jesus Christus und in seinem Wort.
Jesus
Christus ist das eine Wort Gottes, das wir hören, dem wir vertrauen und
gehorchen!
So deutlich
hat das vorher in 2000 Jahren Kirchengeschichte niemand gesagt und niemand
beschrieben. So konsequent hatte das noch niemand zu Ende gedacht. Alle Mächte
und Gewalten, Könige und Fürsten, Staatgesetze und Kirchenleitungen, Christen
und Gemeinden – müssen sich Jesus Christus unterordnen. Bis in die Weimarer
Zeit hinein hatten eigentlich immer die Fürsten, Kaiser und Könige in die
Kirchen hineinregiert. Oft waren die staatlichen Herrscher die obersten
Bischöfe der Kirche. Barth sieht deutlicher als je zuvor:
Jesus
Christus ist der Weg. ER ist die Wahrheit. ER ist das Leben! ER ist die Tür.
Nur durch
ihn finden wir Weide und Leben.
Nur durch
ihn – spricht und handelt Gott.
Es gibt
keine Offenbarung Gottes gegen oder außerhalb von Jesus Christus oder
unabhängig von Jesus Christus.
Kirche und Christen müssen niemanden
anerkennen, der sich nicht der Herrschaft Jesu Christi unterwirft. Von der
Vorsehung oder von Gott zu reden, wie auch Adolf Hitler das ja durchaus tat,
ist nicht genug. Christen reden nicht von der Vorsehung Gottes. Christen reden
von Christus. Christen gehorchen und gehören Jesus Christus.
Jesus
Christus ist ihnen ein und alles. Er ist ihre ganz große Liebe. Er ist ihre
ganz große Hoffnung. Er ist ihr ganzes Glück. Er ist ihr Herr und Heiland, ihr
Retter und Erlöser. Und im letzten versprechen sich die Christen Heil und
Zukunft nur von ihm – und nicht von Menschen, Mächten oder Ideologien.
Das müssen
wir auch heute hören: Die freie Marktwirtschaft bringt nicht das Heil, sondern
Jesus Christus. Die Überwindung des Terrors allein schafft noch keinen Frieden,
sondern Jesus Christus. Ungehemmter Konsum, Kaufrausch und
Wohlstandsgesellschaft – schaffen keine heile Welt – sondern Jesus Christus,
Jesus Christus allein und nur Jesus Christus.
Liebe
Gemeinde, es gibt wohl auch heute vieles, was uns diesen Herrn und Heiland
verdunkelt.
Da müssen
wir Barmen I wieder lernen, auswendig lernen – und es uns sagen lassen: Er ist
der eine und einzige, dem wir letztlich vertrauen und gehorchen.
Das ist
ganz aktuell, das ist dran. Außer Jesus Christus und neben diesem einen Wort
Gottes – gibt es keine Heil, keinen Frieden, keine Zukunft.
Ich weiß
nicht, ob wir davon wirklich alle fest genug überzeugt sind.
Es reicht
nicht, ein guter Mensch zu sein; Niemandem etwas zu leide zu tun oder sich nur
um sich selbst zu kümmern. Es reicht nicht – angepasst zu leben.
Es reicht
nicht: Haus und Auto, Familie oder Clique zu haben, gesund und stark zu sein.
Es reicht nicht – was immer wir schaffen oder haben, was immer die Werbung uns
verspricht oder Politiker oder Wissenschaftler uns vor Augen malen: Es reicht
nicht. Es ist alles nicht genug – wenn wir Jesus Christus nicht kennen und
haben.
Ihn
anerkennen heißt ja mit ihm leben, ihm gehorchen, sein Wort hören und tun und
das Leben und die Welt entsprechend einrichten. Dazu braucht Gott Theologen und
Politiker, Wissenschaftler und Künstler, Arbeiter und Angestellte, Lehrer und
Dozenten, Hausfrauen und Erzieherinnen, Väter und Mütter, Älteste und Diakone,
Pflegekräfte und Ärzte. Gott braucht alle. Gott braucht dich und mich, damit
wir hier und heute anfangen, sein Reich zu bauen und seine Herrschaft
auszubreiten.
Jesus
Christus ist der eine,
der
gegründet die Gemeine,
die ihn
ehrt als teures Haupt.
Er hat sie
mit Blut erkaufet,
mit dem
Geiste sie getaufet,
und sie
lebet, ///
weil sie
glaubt.
„Die Kirche
macht sich die Theologische Erklärung von Barmen vom 31. Mai 1934 zu eigen.“ So
steht es seit November 2001 in der altreformierten Verfassung. Darüber freue
ich mich sehr. So wollen wir es halten und üben:
„Jesus
Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das ein Wort
Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu
gehorchen haben.“
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