Offener Gottesdienst 30.09.2001

                Ort:                        Hoogstede

                Zeit:                       14.00 Uhr

                Besonderheit:      offener Gottesdienst zum Thema Gruppenarbeit

Stilles Gebet, Votum, Gruß

Eingangslied:       Lied 395 : 1 - 3

Die Gemeinde suchte folgende Lieder aus:

EG 409                   Gott liebt diese Welt, und wir sind sein eigen.

EG 666                   Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt. Selig seid ihr, wenn ihr Lasten tragt.

EG 196:1, 2            Herr, für dein Wort sei hoch gepreist, lass uns dabei verbleiben.

EG 496                   Laß dich, Herr Jesu Christ, durch mein Gebet bewegen

EG 644 : 1, 2, 4      Vergiß nicht zu danken dem ewigen Herrn.

Lesung:                1. Petrus 4, 1 - 11

58. Predigt:       1. Petrus 2, (1 - ) 5

Thema:                 Baut euch als lebendige Steine zum geistlichen Haus

 

Am Dank- und Fürbittengebet beteiligten sich zwei Älteste.

Schriftliche Gebetsanliegen waren in den vorhergehenden Gottesdiensten gesammelt worden (Stehtische beim Eingang!)

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Im Eingangsgespräch nach dem ersten Gebet haben wir uns in zwei Gruppen unterhalten über

Chancen und Gefahren der Hauskreisarbeit. Was spricht dafür, was dagegen?

Warum sollte man sich beteiligen, was hindert uns?

Eine Hälfte der Gemeinde sammelt Argumente pro, die andere contra.

Nach einiger Zeit wechseln die Gruppen. Die Ergebnisse erscheinen stichwortartig auf dem Tageslichtschreiber:

 

Pro                                                                                       Contra

Lehrreich                                                                            Angst vor Cliquenbildung

fördern Gemeinschaft                                                      Angst vor Unbekanntem
offene Gespräche                                                               man fühlt sich überfordert
man lernt sich besser kennen                                        keine Zeit
alle Altersgruppen sind im Gespräch                           fünf mal Gruppenabend ist zu wenig
Gespräche über den Glauben                                          das Ganze ist zu persönlich
Unterstützung in persönlichen Nöten                          
Besprechung konkreter Themen

.
vgl. hierzu: Heino Masemann - "Hauskreise", Brunnenverlag Giessen, 1992

Chancen der Hauskreisarbeit

· Hauskreise sind ein Gegengewicht zur wachsenden Anonymität in Gesellschaft und Gemeinde.

· In Hauskreisen kann Gemeinschaft ganzheitlich gelebt werden.

· In Hauskreisen wird die Wirklichkeit des Leibes Christi erfahrbar.

· In Hauskreisen wird der Glaube sprachfähig.

· Hauskreise vertiefen den Glauben.

· Hauskreise verfügen über ein großes "missionarisches Potential".

 

Gefahren der Hauskreisarbeit

· Hauskreise können zu exklusiven Cliquen verkommen.

· Hauskreise können in frommen Egoismus erstarren.

· Hauskreise können sich in Aktionismus verlieren.

· Hauskreise können pharisäisches Denken fördern.

· Hauskreise können zum Gemeindeersatz degenerieren.

· Hauskreise können zu Spaltungen in der Gemeinde führen.

 

Schaubild:

Je näher Gemeindeglieder oder Kreise bei Jesus Christus stehen,

desto näher stehen sie bei einander. (Hk = Hauskreis, X = Christus)

 

Hk                                                          Hk

 

 


                               X

 

 


Hk                                                          HK

 

 

 

Liebe Gemeinde, wie viele Maurer arbeiten auf einer Baustelle bei einem normalen Einfamilienhaus, wie sie hier hinter der Kirche an der Schulstraße gebaut werden. 50, 100, 200? Natürlich nicht, vielleicht fünf oder auch noch zehn. Da mögen 200 oder 2000 Leute zu derselben Firma gehören. Aber sie können nicht alle an einem einzigen Einfamilienhaus arbeiten. Sie würden sich nur im Wege laufen – sich behindern oder dumm rumstehen.

Es sind viele Maurer bei einer Firma beschäftigt. Das sind alles fähige und aktive Leute. Aber sie können nicht alle auf ein und derselben kleinen Baustelle anfangen. Da wird der Chef zusehen, dass er mehrere Baustellen hat und seine Mannschaften, seine Kolonnen auf verschiedene Baustellen schickt. Sie arbeiten alle für eine Firma, aber an unterschiedlicher Stelle.

 

„Baut euch als lebendige Steine“ bedeutet nicht, ihr müsst alle in dieselbe Ecke. Ihr müsst euch alle gleich verhalten und alle gleich aussehen, gleich denken und glauben. Lebendige Steine sind gerade nicht einförmige Steine, Null-Acht-Fünfzehn Nummern, sondern lebendige Steine im geistlichen Haus der Gemeinde, sind Christen mit unterschiedlichen Gaben und Fähigkeiten. Jeder Stein ist ganz einzigartig! Es sind Christen die alle für denselben Herrn arbeiten, aber es gibt unterschiedliche Baustellen – auch in unserer Gemeinde. Es gibt Hauskreise und Chöre und Vereine und Kirchenrat und Jungschar-, Kindergottesdienst- oder Jugendkreisleiter, Pastoren und Küster, Älteste und Diakone, Putzfrauen und Baubeauftragte, Rechnungsführer und Kinderhortleiter – und noch andere.

Lebendige Steine – in vielfältiger Form – baut euch zu einem geistlichen Haus! Über die Hauskreise und Vereine, und die Art und Weise, wie wir den Tempel Gottes, das Haus Gottes, das geistliche Haus in Hoogstede bauen, denken wir nach, nun die Neueinteilung der Gruppen vor der Tür steht. Am Mittwoch, dem 10. Oktober kommt Pastor T.J. Oldenhuis aus Coevorden, um etwas zu erzählen über seine Erfahrungen, über Chancen und Möglichkeiten der Gruppenarbeit.

Haben die Hauskreise, haben die Gruppen bei uns eine Chance?

Wir sind darin sehr zurückhaltend, zu sehr!

Ich muss euch einige Sätze sagen, die unsere Tochter in ihrer deutschen Andacht am Calvin College gesagt hat. Sie hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Sie meinte dort:

Als man mich gefragt hat, ob ich die Andacht heute leiten möchte, und ob ich nicht etwas Persönliches erzählen könne, da habe ich sofort gedacht: „Etwas Persönliches erzählen?? Ich?? Das möchte ich nicht! Da fühle ich mich unwohl! ...

Diese Reaktion war vielleicht typisch deutsch. ... Deutsche wollen nicht gern über persönliche Dinge sprechen, erst recht nicht über den Glauben. Ich war am Anfang ganz verdutzt, als mich hier jemand gefragt hat: „Was glaubst du denn eigentlich? Wie stellst du dir Gott vor? Was bedeutet Christsein für dich in deinem Leben?“ Diese Fragen stellt man in Deutschland nicht direkt. Na klar bin ich Christ – ich gehe doch jeden Sonntag in die Kirche und bete regelmäßig. Aber ist das alles?

Mit einem amerikanischen Freund habe ich hier über die Christen in Deutschland und über ihren Glauben gesprochen. Er meinte: „Vielleicht ist ihr Glaube ja tot, nur noch Schein.“ Das kann schnell passieren. Aber ich denke, das ist nicht bei allen Deutschen so. Viele haben es einfach nie gelernt oder es nie von anderen gehört, dass diese persönlich über den glauben gesprochen haben. Sie kennen es nicht anders.

Das Feuer ist da, aber es wärmt keinen anderen mehr außer dich. Der Funke ist zu klein, um überzuspringen. Aber dann besteht die Gefahr, dass das Feuer schnell verlischt und ausgeht. Um das zu verhindern, müssen wir immer wieder über den Glauben reden. Denn „wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“, sagt Jesus. .... Vielleicht kennt ihr das. Wenn man über Gott redet, dann fühlt man manchmal, dass er da ist.

Das schreibt eine Zwanzigjährige? Hat sie recht gesehen?

Das Feuer wärmt nur noch uns selbst.

Wir bauen unser eigenes geistliches Haus. Aber wo bauen wir das Haus Gottes?

Zu einer Freien evangelischen Gemeinde kann niemand gehören, wenn er oder sie nicht auch gleichzeitig einem Hauskreis angehört. Das ist dort eine grundsätzliche Regel, die (fast) alle einhalten. Und alle neuen Gemeindeglieder lernen das gleich von Anfang an: Du kannst nicht zur (großen) Gemeinde gehören, wenn du dich nicht auch am (kleinen) Hauskreis beteiligst. Offenbar ist das eine positive Strategie, denn diese Gemeinden wachsen.

 

Jesus Christus baut keine irdischen Häuser, keine Dome, keinen Tempel. Er braucht keine Häuser von toten Steinen, denn sein Tempel, seine Wohnung sind Menschen, sind wir.

Die Hauskreise und Vereine und Gruppen und Chöre sind sehr, sehr wichtig für den Umgang mit der Bibel, für unser Gebetsleben, für den Austausch über Glauben und Leben, für den Einsatz unserer Gaben und Fähigkeiten und für unser Wachsen im Glauben. Manche von uns sind so abgekapselt, so von sich selbst überzeugt: „Ich weiß, wo es lang geht. Ich brauche die anderen nicht! Das ist alles Quatsch mit den Hauskreisen.“

„Das Feuer ist da, aber es wärmt keinen anderen mehr, außer dich selbst!“

Liebe Gemeinde, Wärme, und Gemeinschaft, und Wachstum im Glauben, Toleranz und Gelassenheit und Zuversicht und Glaubenskraft, werden wir nicht finden, wenn wir in unseren Häusern für uns allein bleiben. Sondern nur, wenn wir unsere Häuser öffnen – und uns öffnen – und uns erbauen und erbauen lassen als lebendige Steine zu einem geistlichen Haus, zu einer Organisation, zu einer Versammlung von Menschen, wo Christus wohnt.  „Wenn man über Gott redet – oder sich mit ihm und seinem Wort beschäftigt, - dann spürt man manchmal, dass er da ist.“

Niemand baut sein Einfamilienhaus ganz allein mit eigener Hand. Da brauchst du andere, die dir helfen und du hilfst anderen auf dem Bau. Dein geistliches Lebenshaus kannst du auch nicht ganz allein bauen. Du benötigst die Unterstützung von anderen und andere brauchen deine Hilfe.

Einen Obstbaum kannst du nicht einfach auf Geradewohl wachsen lassen. Dann verwildert und verkümmert er – und er bringt am Ende nur noch ganz kleine und saure Früchte oder er trägt gar keine Frucht mehr, sondern nur noch Blätter. Der Baum muss beschnitten werden, damit er richtig wächst und schöne Früchte trägt.

Wir haben alle unsere Ecken und Kanten. Im Gottesdienst der Gemeinde sind wir nie so persönlich beteiligt und herausgefordert wie im Hauskreis. Im Gottesdienst sind wir recht passiv, auch wenn wir gut zuhören, mitsingen und mitbeten, (was ja nicht einmal selbstverständlich ist). Im Hauskreis finden Austausch und Gespräche statt. Da werden die wilden Zweige vielleicht beschnitten. Da schleifen unsere unchristlichen Ecken und Kanten ein wenig ab. Da lernen und üben wir Gemeinschaft mit anderen, unseren Glauben mitzuteilen und durch den Glauben anderer uns bereichern zu lassen, korrigieren zu lassen oder ermutigen zu lassen.

Unser Glaube wächst nicht, wenn wir ihn nicht teilen. Dann verkümmert er nur. Dann verfilzt er. Wie manche Pflanzen im Garten. Die muss man auch teilen und auseinander stellen. Die brauchen Luft – sonst ersticken sie.

Nur im Teilen und Mitteilen, nur in der Praxis, lebt der Glaube.

Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er oder sie empfangen hat – als treue Verwalter der vielfältigen Gnadengaben Gottes.

Die Gemeinde, diese Gemeinde, braucht dich und deinen Dienst.

Sie braucht dein Überlegen und Mitbeten. Wir dürfen auch unser Gebet und unsere Gebetsanliegen miteinander teilen. Es muss und kann nicht jeder für sich beten. Sondern wir teilen – auch beim Gebet – was wir auf dem Herzen haben. Wir teilen unseren Glauben miteinander – und mit vielen anderen, wie fremd sie uns anfangs auch sein mögen.

Ich bitte euch alle, bleibt nicht abseits stehen. Sondern nehmt euch Zeit – für diesen mächtigen Bau, für dieses geistliche Haus. Baut euch ein, bringt euch ein, als lebendige Steine, als lebendige Glieder Christi.

Lasst euch nicht lähmen, lasst euch nicht abhalten, sondern kommt, und lasst uns fröhlich tragen – unsere Steine aufs Baugerüst.

Nehmt eure persönliche Bibel, - und arbeitet in ihr und mit ihr – und mit anderen. Deine Bibel ist noch viel zu sauber. Da müssen viel mehr Striche und Ausrufezeichen, da muss viel mehr Leben hinein. Der Kreis, die Gruppe, der Verein, will dir darin behilflich sein. Das Feuer, das dich wärmt, soll auf andere überspringen.

Wir wollen es fröhlich wagen, der Faulheit und Lauheit abzusagen, und Steine zu tragen – auf Gottes Baugerüst.

 

 

 

 

Wir haben vor und nach dem großen Schlussgebet EG 496 gesungen:

Laß dich, Herr Jesu Christ,

durch mein Gebet bewegen,

komm in mein Haus und Herz,

und bringe mir den Segen.

All Arbeit, Müh und Kunst ohn dich nichts richtet aus;

wo du mit Gnaden bist, gesegnet wird das Haus.

 

Pastor und zwei Älteste haben u.a. gebetet mit folgenden Anliegen,
die schriftlich aus der Gemeinde zusammengetragen worden waren.

Nach jeden Gebetsteil sprechen alle: „Herr, wir preisen dich.“

Lieber Vater im Himmel,

wir danken dir für deine Liebe und Fürsorge,

für deine bewahrende Hand über uns,

zu Hause und auf der Straße.

Wir danken dir mit der Partnergemeinde in Budapest
für das neue Gemeindezentrum, das dort entstanden ist,
für die Begeisterung und Hingabe,
mit der Menschen, die bislang der Kirche fern standen,
in den verschiedenen Gruppen und Kreisen mitarbeiten.
Segne du sie. Stärke sie im Glauben.
Begleite sie mit deinem Geist und gib,
dass sie auch anderen zum Segensein mögen.
Wir bitten dich, gib auch uns Liebe, Begeisterung
und Hingabe in Gottesdiensten und Gemeindearbeit.

Wir tun Fürbitte für die Witwen und Alleinstehenden
in unserer Partnergemeinde und bei uns,
mit ihren stillen Nöten und Sorgen.
Schenke ihnen deine Nähe
und die Hilfe, die sie brauchen,
durch Jesus Christus unseren Herrn.

Wir beten gemeinsam: Herr wir preisen dich.

 

Wir beten für unsere Gemeinde und ihre Glieder,
dass der Gesang der Gemeinde und von allen ihren Gliedern
mehr aus dem Herzen spricht, freudiger und fröhlicher wird.
Wir beten, dass sich auch Jugendliche für die Gruppenarbeit
verantwortlich wissen und sich dort beteiligen möchten.

Wir beten, dass der Sonntag ein Ruhetag bleibe
und nicht für viele Aktivitäten in Anspruch genommen werde.

Wir beten gemeinsam: Herr wir preisen dich.

Wir beten um reine und vollmächtige Verkündigung

Deines Wortes weltweit. Schenke deinen Boten Mut und Stärke.

Wir beten gemeinsam: Herr wir preisen dich.

 

Wir beten für die Opfer der Terrorangriffe der letzten Tage und für ihre Angehörigen.
Wir beten um Frieden in der Welt und unserem Leben.

Wir beten für die Mitarbeiter von Shelter Now.
Herr, schenke Ihnen Freiheit und Heimkehr zu ihren Lieben.
Für die inhaftierten Christen in Afghanistan und aller Welt -
schenke ihnen Mut und Zuversicht und deine Kraft.

Wir beten gemeinsam: Herr wir preisen dich.

 

Wir beten, Herr hilf, dass auch jungen Menschen zu dir finden.

Wir beten um christliche Lehrer und Professoren.
Lass sie gute Vorbilder sein an den Schulen und Universitäten,
für unsere Kinder und Enkelkinder.
Bewahre sie vor Gewalt, Drogen und Kriminalität.
Wir danken dir für den schönen Schulgottesdienst
vom letzten Freitag Morgen.

Wir bitten dich um Liebe in Ehen und Familien,

um ein gutes und liebevolles Miteinander von Jung und Alt.
Wir beten gemeinsam: Herr wir preisen dich.

 

Für alle Mitarbeiter in dieser Gemeinde beten wir,
gib ihnen Weisheit, Mut und die Kraft deines Geistes.
Für alle, die ganz am Rande der Gemeinde leben,
und sich kaum noch oder gar nicht mehr beteiligen,
hilf dass sie wieder zur Mitte und zur dir hin finden.

Wir beten für alle älteren Gemeindeglieder,
die über Jahre hinweg den Gottesdienst
nicht mehr besuchen können,
und ihn  später über Kassetten hören.
Herr, sei du in den Krankenzimmern,
und wenn unsere Kräfte weniger werden,
dann sei mit deiner Kraft und Gnade uns besonders nahe.

Wir beten gemeinsam: Herr wir preisen dich.

 

Gemeinsam beten wir das Unser Vater