Gottesdienst 14.10.2001

                Ort:         Hoogstede                                              

                Zeit:        10.00 Uhr                              

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Stilles Gebet, Votum, Gloria, Gruß

Eingangslied:       Lied 290 : 1 – 3     Nun danket alle Gott …

Gebet

                Wochenpsalm EG 761,(Matthäus 5, 3 – 10),  S. 1556

                Weisung                ?

                Singen   Lied 670 : 1 –5    Hört, wen Jesus glücklich preist

                Gebet

Lesung: 2. Könige 14, 23 – 29           Jerobeam II.                                                         750 v. Chr.

                1. Könige 12, 28 – 32           Jerobeam I., der Israel sündigen machte         950 v. Chr.

Singen:                  Psalm 74:1-4, 8-9  Warum, o Gott …

61. Predigt:       Amos 4, 4 - 13

Thema:       Begegne deinem Gott

Zwischenspiel der Bläser

Singen                   Lied 644 : 1, 4        Vergiss nicht zu danken

Gebet

Singen:                  Psalm 73 : 6 – 8     Herrn, nun hang ich an dir allein, …

Segen

 

Liebe Gemeinde, „Geht in die Kirche und sündigt! Geht in den Dom und sündigt noch mehr! Bringt Opfer und Gebete, haltet Sammlungen und Aktionen! Das wollt ihr ja gern. Feiert doch eure Gottesdienste wie ihr wollt, aber ich bin nicht dabei!“, sagt Gott seinem Volk Israel. Gott hat sich aus dem Gottesdienst verabschiedet. Gott feiert nicht mehr mit. Gott spielt nicht mehr mit!

Und Israel merkt es nicht ………

Würden wir es merken, wenn Gott nicht mehr im Gottesdienst anwesend ist? Würden wir es mitbekommen, wenn Gott sich uns und unserem Land entzieht? Wie kann man das spüren und erkennen, wenn Gott sich verabschiedet?

 

Der Prophet Amos kommt aus Juda, aus Thekoa, zwischen Bethlehem und Hebron. Amos lebt zur Zeit des getrennten Reiches, zur Zeit von König Jerobeam II., rund 780 bis 750 vor Christus. Es ist eine Zeit der Blüte und des wirtschaftlichen Aufschwungs. Es geht gut mit Israel und Juda. Die Wirtschaft boomt. Die Leute kaufen und verkaufen – und bekommen etwas für ihr Geld.

König Jerobeam II. stellt noch einmal die alte Größe Israels wieder her. Von Hamat bis ans Salzmeer,  von Hamat ganz im Norden, fast an der Grenze zur heutigen Türkei bis ans Tote Meer, bis ans Reich Juda im Süden. Das Land blüht. Es ist groß und mächtig. Aber der Untergang ist nahe.

Rund 50 Jahre nach Jerobeam II kommt Assyrien um 700 vor Christus – und erobert das ganze Nordreich Israel. Die Einwohner werden verschleppt, die Übriggebliebenen vermischen sich mit der assyrischen Besatzung und bilden später die Samariter oder Samaritaner, von denen der barmherzige Samariter bei Jesus herkommt.

Politisch kann man die Situation gut erklären. Damaskus, das Königreich im Norden ist in diesen Jahren von Jerobeam II. schwach und unbedeutend. Jerobeam II feiert hier seine politischen Erfolge. Leider wissen wir von Jerobeam II. nicht allzu viel. Seine Geschichte ist aufgeschrieben, so hieß es in der Lesung, in der Chronik der Könige von Israel. Aber die kennen und haben wir nicht. In der Bibel gibt es die beiden Bücher Chronik, aber das ist die Chronik der König von Juda. Die „Chronik der König von Israel“ ist verloren.

Von Amos wissen wir ein wenig mehr. Er ist ein Bauernsohn, im Südreich Juda geboren, predigt er im Nordreich, bei Bethel und Dan, wo die goldenen Kälber stehen, wo Jerobeam I „Israel sündigen machte“, wie es immer wieder in der Bibel heißt.  Die Sünde Jerobeams ist, dass er Israel von Jerusalem fernhalten will und deshalb weiter nördlich in Bethel und Dan Altäre und Heiligtümer errichten ließ, mit eben diesen Stierbildern, um dort Gott zu dienen.

Amos ist ein Schafzüchter. Er kommt in den Norden, um dort zu predigen. Er predigt das Gericht Gottes – über die fett und selbstsicher gewordenen. Nicht nur über Israel predigt er Gottes Gericht, auch über Damaskus, Gaza, Tyrus, Edom, Moab und Juda in den Kapiteln 1 bis 2.

Amos predigt in einer Wohlstandsgesellschaft, die der unseren sehr verwandt ist. Den Leuten geht es gut, zu gut! Sie prassen, sie fressen und saufen, eine Party und eine Fete jagt die andere. Die Leute wollen Fete machen und ihren Spaß haben. Der Alkohol fließt in Strömen – und die Drogen finden reißenden Absatz.

„Eure elfenbeingeschmückten Häuser und Paläste sollen zerstört werden“, predigt Amos. „Ihr sammelt Schätze von Gottlosigkeit und Raub in euren Palästen. Ich will dich von deiner Macht herunterreißen und deine Häuser plündern“, predigt Gott in Amos 3,10f.

 

Amos erinnert in Kapitel 4 an frühere Gerichte Gottes über Israel, an Hunger und Dürre und Raupenplage, an die stinkende Pest und an eine Zerstörung wie bei Sodom und Gomorra, jene Städte die Gott dem Erdboden gleich gemacht hat.

Gott sagt: „Israel, ich habe so oft in deiner Geschichte mit dir gerungen und gekämpft. Ich habe so oft mich bei dir zu Wort gemeldet.“ „Dennoch bekehrt ihr euch nicht zu mir.“ Das ist das Wort, das Gott voller Klage und Schmerz immer wieder über Israel sagen muss. „Dennoch habt ihr euch nicht zu mir bekehrt“.

„Ihr habt so vieles erlebt, soviel Leid und Traurigkeit und Krieg und Gewalt –

und ihr habt euch nicht zu mir bekehrt.“

Könnte Gott ähnliches von uns sagen: Ihr Deutschen, ihr habt zwei Weltkriege erlebt, die totale Zerstörung. Ihr Menschen in Deutschland, ihr habt den Terror von New York gesehen und die Hungersnot in Afrika. Ihr lebt im Wohlstand, als ob nichts euch berühren und euch etwas anhaben könnte.

Weil ihr euch nicht bekehrt, sagt Gott zu Israel, deshalb will ich es weiter so mit euch machen. Weil ich weitermachen werde, sagt Gott, zieht euch warm an. „So bereite dich, Israel, und begegne deinem Gott! Er ist es ,der die Berge macht und den Wind schafft; er zeigt den Menschen, was er im Sinn hat. Er macht die Morgenröte und die Finsternis, er tritt einher auf den Höhen der Erde – er heißt „Herr, Gott Zebaoth.“

„Mach dich auf, bereit dich vor, begegne deinem Gott!“

Liebe Gemeinde, das ist ein Ruf, der uns schaudern macht.

Das klingt nicht nach Frieden und Liebe.

Das klingt nach Gericht. Das klingt, als ob Gottes Geduld zu Ende ist.

Viermal, fünfmal hat Gott gerufen, „doch ihr habt euch nicht zu mir bekehrt“, spricht Gott.

Schon im nächsten Kapitel stimmt Amos ein Klagelied an. Er sieht es schon als Realität: „Die Jungfrau Israel ist gefallen, sie wird nicht wieder aufstehen. Sie ist zu Boden gestoßen, und niemand ist da, der ihr aufhelfe.“

Doch in Israel, im Nordreich, unter Jerobeam II will man davon nichts hören. Das weisen die Menschen weit von sich. Gottes Gericht soll sich vollziehen? Es geht ihnen doch gut. Ihnen fehlt nichts. Der Prophet mag an früher erinnern, an Pest und Krankheit, an Dürre und Krieg – sie feiern doch ihre Gottesdienste. Und außenpolitisch sind sie wieder dabei. Israel zählt wieder mit in der Runde der Völker und der Mächtigen. Besser kann es doch gar nicht gehen. Alte Schmach und Schande, alte Niederlagen – das war früher.

Ihnen geht es gut. Sie feiern Partys und Feste.

Aber Gott im Himmel weint über soviel Sturheit und Starrsinn.

„Dennoch habt ihr euch nicht zu mir bekehrt.“

‚Israel, du musst deinem Gott begegnen.

Israel, du kannst ihm nicht ausweichen.

Du kannst dich nicht vor ihm verstecken.

Der Ewige hat Himmel und Erde in seiner Hand.

Über die Höhen der Berge kommt er.

Mit dem Sturmwind, mit der Morgenröte

und der Finsternis kommt er.

Denn er hat alles erschaffen,

er hält alles in seiner Hand.

Der Herr der Heerscharen.

Der Herr der Mächte und Gewalten.

Du musst dich warm anziehen,

wenn du dich gegen Gott stellen willst.

 

Liebe Gemeinde, haben wir uns bekehrt zum lebendigen Gott? Wenden wir uns ihm zu – oder wenden wir uns von ihm ab? Erkennen wir Gottes Handeln in den Katastrophen unserer Geschichte und unserer Welt? Wissen wir überhaupt noch, dass Gott auch mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Ersten, mit allen Kriegen und allen Katastrophen dieser Welt zu tun hat?

Oder glauben wir, wie viele in der Welt, das wäre alles nur rein zufällig so?

Haben wir Gott verbannt aus unserer Welt, trotz unserer Gottesdienste und unserer Frömmigkeit? Gott sagt uns heute: Ich stehe nicht am Rande. In allen Katastrophen und Nöten – erreicht euch mein Ruf: Bekehrt euch zu mir! Wendet euch zu mir! Sucht mich – und ihr werdet leben!

Und wir wissen heute: Menschen, die Gott suchen – die suchen auch ihren Nächsten. Menschen die Gott achten, die achten auch ihren Nächsten. Sie suchen das Heil und das Wohlergehen aller ihnen Anvertrauten und der ganzen Schöpfung.  Dann können Menschen aufatmen – und Frieden finden.

Israel – du musst deinem Gott begegnen. Es führt kein Weg an ihm vorbei!

Ob das eine Drohung oder eine Verheißung ist, das liegt bei uns.

Wer Gott in diesem Leben und in dieser Zeit sucht,

der hat nichts zu fürchten. Der darf sich freuen und ihn froh erwarten.

Aber wer Gottesdienst feiert ohne Gott

und sein Leben führt ohne Gott

und die Welt erklärt und regiert ohne Gott,

der muss sich warm anziehen.

Es ist nur, dass wir es wissen.