Ort:
Hoogstede
Zeit: 10.00 Uhr
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zur homepage von Pastor Dr. Beuker
Stilles Gebet, Votum, Gloria, Gruß
Eingangslied: Lied
290 : 1 – 3 Nun danket alle Gott …
Gebet
Wochenpsalm
EG 761,(Matthäus 5, 3 – 10), S. 1556
Weisung ?
Singen Lied 670 : 1 –5 Hört, wen Jesus glücklich preist
Gebet
Lesung: 2.
Könige 14, 23 – 29 Jerobeam II. 750 v. Chr.
1.
Könige 12, 28 – 32 Jerobeam I.,
der Israel sündigen machte 950 v.
Chr.
Singen: Psalm
74:1-4, 8-9 Warum, o Gott …
Zwischenspiel der Bläser
Singen Lied
644 : 1, 4 Vergiss nicht zu danken
Gebet
Singen: Psalm
73 : 6 – 8 Herrn, nun hang ich an dir
allein, …
Segen
Liebe Gemeinde, „Geht in die
Kirche und sündigt! Geht in den Dom und sündigt noch mehr! Bringt Opfer und
Gebete, haltet Sammlungen und Aktionen! Das wollt ihr ja gern. Feiert doch eure
Gottesdienste wie ihr wollt, aber ich bin nicht dabei!“, sagt Gott seinem Volk
Israel. Gott hat sich aus dem Gottesdienst verabschiedet. Gott feiert nicht
mehr mit. Gott spielt nicht mehr mit!
Und Israel merkt es nicht
………
Würden wir es merken, wenn
Gott nicht mehr im Gottesdienst anwesend ist? Würden wir es mitbekommen, wenn
Gott sich uns und unserem Land entzieht? Wie kann man das spüren und erkennen,
wenn Gott sich verabschiedet?
Der Prophet Amos kommt aus
Juda, aus Thekoa, zwischen Bethlehem und Hebron. Amos lebt zur Zeit des
getrennten Reiches, zur Zeit von König Jerobeam II., rund 780 bis 750 vor
Christus. Es ist eine Zeit der Blüte und des wirtschaftlichen Aufschwungs. Es
geht gut mit Israel und Juda. Die Wirtschaft boomt. Die Leute kaufen und
verkaufen – und bekommen etwas für ihr Geld.
König Jerobeam II. stellt
noch einmal die alte Größe Israels wieder her. Von Hamat bis ans Salzmeer, von Hamat ganz im Norden, fast an der Grenze
zur heutigen Türkei bis ans Tote Meer, bis ans Reich Juda im Süden. Das Land
blüht. Es ist groß und mächtig. Aber der Untergang ist nahe.
Rund 50 Jahre nach Jerobeam
II kommt Assyrien um 700 vor Christus – und erobert das ganze Nordreich Israel.
Die Einwohner werden verschleppt, die Übriggebliebenen vermischen sich mit der
assyrischen Besatzung und bilden später die Samariter oder Samaritaner, von
denen der barmherzige Samariter bei Jesus herkommt.
Politisch kann man die
Situation gut erklären. Damaskus, das Königreich im Norden ist in diesen Jahren
von Jerobeam II. schwach und unbedeutend. Jerobeam II feiert hier seine
politischen Erfolge. Leider wissen wir von Jerobeam II. nicht allzu viel. Seine
Geschichte ist aufgeschrieben, so hieß es in der Lesung, in der Chronik der
Könige von Israel. Aber die kennen und haben wir nicht. In der Bibel gibt es
die beiden Bücher Chronik, aber das ist die Chronik der König von Juda. Die
„Chronik der König von Israel“ ist verloren.
Von Amos wissen wir ein
wenig mehr. Er ist ein Bauernsohn, im Südreich Juda geboren, predigt er im
Nordreich, bei Bethel und Dan, wo die goldenen Kälber stehen, wo Jerobeam I
„Israel sündigen machte“, wie es immer wieder in der Bibel heißt. Die Sünde Jerobeams ist, dass er Israel von
Jerusalem fernhalten will und deshalb weiter nördlich in Bethel und Dan Altäre
und Heiligtümer errichten ließ, mit eben diesen Stierbildern, um dort Gott zu
dienen.
Amos ist ein Schafzüchter.
Er kommt in den Norden, um dort zu predigen. Er predigt das Gericht Gottes –
über die fett und selbstsicher gewordenen. Nicht nur über Israel predigt er
Gottes Gericht, auch über Damaskus, Gaza, Tyrus, Edom, Moab und Juda in den
Kapiteln 1 bis 2.
Amos predigt in einer
Wohlstandsgesellschaft, die der unseren sehr verwandt ist. Den Leuten geht es
gut, zu gut! Sie prassen, sie fressen und saufen, eine Party und eine Fete jagt
die andere. Die Leute wollen Fete machen und ihren Spaß haben. Der Alkohol
fließt in Strömen – und die Drogen finden reißenden Absatz.
„Eure elfenbeingeschmückten
Häuser und Paläste sollen zerstört werden“, predigt Amos. „Ihr sammelt Schätze
von Gottlosigkeit und Raub in euren Palästen. Ich will dich von deiner Macht
herunterreißen und deine Häuser plündern“, predigt Gott in Amos 3,10f.
Amos erinnert in Kapitel 4
an frühere Gerichte Gottes über Israel, an Hunger und Dürre und Raupenplage, an
die stinkende Pest und an eine Zerstörung wie bei Sodom und Gomorra, jene
Städte die Gott dem Erdboden gleich gemacht hat.
Gott sagt: „Israel, ich habe
so oft in deiner Geschichte mit dir gerungen und gekämpft. Ich habe so oft mich
bei dir zu Wort gemeldet.“ „Dennoch bekehrt ihr euch nicht zu mir.“ Das ist das
Wort, das Gott voller Klage und Schmerz immer wieder über Israel sagen muss.
„Dennoch habt ihr euch nicht zu mir bekehrt“.
„Ihr habt so vieles erlebt,
soviel Leid und Traurigkeit und Krieg und Gewalt –
und ihr habt euch nicht zu
mir bekehrt.“
Könnte Gott ähnliches von uns
sagen: Ihr Deutschen, ihr habt zwei Weltkriege erlebt, die totale Zerstörung.
Ihr Menschen in Deutschland, ihr habt den Terror von New York gesehen und die
Hungersnot in Afrika. Ihr lebt im Wohlstand, als ob nichts euch berühren und
euch etwas anhaben könnte.
Weil ihr euch nicht bekehrt,
sagt Gott zu Israel, deshalb will ich es weiter so mit euch machen. Weil ich
weitermachen werde, sagt Gott, zieht euch warm an. „So bereite dich, Israel,
und begegne deinem Gott! Er ist es ,der die Berge macht und den Wind schafft;
er zeigt den Menschen, was er im Sinn hat. Er macht die Morgenröte und die
Finsternis, er tritt einher auf den Höhen der Erde – er heißt „Herr, Gott
Zebaoth.“
„Mach dich auf, bereit dich
vor, begegne deinem Gott!“
Liebe Gemeinde, das ist ein
Ruf, der uns schaudern macht.
Das klingt nicht nach
Frieden und Liebe.
Das klingt nach Gericht. Das
klingt, als ob Gottes Geduld zu Ende ist.
Viermal, fünfmal hat Gott
gerufen, „doch ihr habt euch nicht zu mir bekehrt“, spricht Gott.
Schon im nächsten Kapitel
stimmt Amos ein Klagelied an. Er sieht es schon als Realität: „Die Jungfrau
Israel ist gefallen, sie wird nicht wieder aufstehen. Sie ist zu Boden
gestoßen, und niemand ist da, der ihr aufhelfe.“
Doch in Israel, im
Nordreich, unter Jerobeam II will man davon nichts hören. Das weisen die
Menschen weit von sich. Gottes Gericht soll sich vollziehen? Es geht ihnen doch
gut. Ihnen fehlt nichts. Der Prophet mag an früher erinnern, an Pest und
Krankheit, an Dürre und Krieg – sie feiern doch ihre Gottesdienste. Und
außenpolitisch sind sie wieder dabei. Israel zählt wieder mit in der Runde der
Völker und der Mächtigen. Besser kann es doch gar nicht gehen. Alte Schmach und
Schande, alte Niederlagen – das war früher.
Ihnen geht es gut. Sie
feiern Partys und Feste.
Aber Gott im Himmel weint
über soviel Sturheit und Starrsinn.
„Dennoch habt ihr euch nicht
zu mir bekehrt.“
‚Israel, du musst deinem
Gott begegnen.
Israel, du kannst ihm nicht
ausweichen.
Du kannst dich nicht vor ihm
verstecken.
Der Ewige hat Himmel und Erde
in seiner Hand.
Über die Höhen der Berge
kommt er.
Mit dem Sturmwind, mit der
Morgenröte
und der Finsternis kommt er.
Denn er hat alles
erschaffen,
er hält alles in seiner
Hand.
Der Herr der Heerscharen.
Der Herr der Mächte und
Gewalten.
Du musst dich warm anziehen,
wenn du dich gegen Gott
stellen willst.
Liebe Gemeinde, haben wir
uns bekehrt zum lebendigen Gott? Wenden wir uns ihm zu – oder wenden wir uns
von ihm ab? Erkennen wir Gottes Handeln in den Katastrophen unserer Geschichte und
unserer Welt? Wissen wir überhaupt noch, dass Gott auch mit dem Zweiten
Weltkrieg und dem Ersten, mit allen Kriegen und allen Katastrophen dieser Welt
zu tun hat?
Oder glauben wir, wie viele
in der Welt, das wäre alles nur rein zufällig so?
Haben wir Gott verbannt aus
unserer Welt, trotz unserer Gottesdienste und unserer Frömmigkeit? Gott sagt
uns heute: Ich stehe nicht am Rande. In allen Katastrophen und Nöten – erreicht
euch mein Ruf: Bekehrt euch zu mir! Wendet euch zu mir! Sucht mich – und ihr werdet
leben!
Und wir wissen heute:
Menschen, die Gott suchen – die suchen auch ihren Nächsten. Menschen die Gott
achten, die achten auch ihren Nächsten. Sie suchen das Heil und das Wohlergehen
aller ihnen Anvertrauten und der ganzen Schöpfung. Dann können Menschen aufatmen – und Frieden finden.
Israel – du musst deinem
Gott begegnen. Es führt kein Weg an ihm vorbei!
Ob das eine Drohung oder
eine Verheißung ist, das liegt bei uns.
Wer Gott in diesem Leben und
in dieser Zeit sucht,
der hat nichts zu fürchten.
Der darf sich freuen und ihn froh erwarten.
Aber wer Gottesdienst feiert
ohne Gott
und sein Leben führt ohne
Gott
und die Welt erklärt und
regiert ohne Gott,
der muss sich warm anziehen.
Es ist nur, dass wir es
wissen.