Gottesdienst 24.02.2002Ort: Hoogstede Zeit: 14.00 Uhr
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von Pastor Dr. Beuker
Liturgie Stilles Gebet, Votum, Gruß Eingangslied: Lied 555 : 1 – 8 Loben wollen wir und ehren, unsern Heiland Jesus Christ Gebet Lesung: Epheser 4, 1 - 16 Singen: Lied 423 : 2 – 4 Ach lass dein Wort uns allen … Predigt: Eph. 4, 15-16, Barmen 3 S.1662Thema: Ordnung und Botschaft der KircheSingen Lied 592 : 1 – 3 Wort, das lebt und spricht Glaubensbekenntnis Singen Psalm 118 : 1 Dankt, dankt dem Herrn Gebet Singen: Psalm 126 : 1 – 3 Wenn Gott einst unsre Bande bricht Segen
"Text" 3. Barmer These
Laßt uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in
allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus, von dem aus der ganze
Leib zusammengefügt ist. (Eph 4,15.16)
Aus den (ausgeführten) Predigtnotizen: Liebe Gemeinde, Wahrheit und Wahrhaftigkeit haben es schwer in unserer Welt. "Was ist Wahrheit?", fragt Pilatus Jesus in einem abschätzigen Ton und mit wegwerfender Handbewegung. Was ist schon Wahrheit? „Lasst uns wahrhaftig sein in der Liebe und zum Haupt Jesus Christus hin wachsen“, schreibt Paulus in Epheser 4. Von Jesus Christus aus hängt die ganze Gemeinde zusammen. Von ihm aus wird aller Glaube belebt. Jesus Christus steht sozusagen für die Muskeln und Sehnen der Gemeinde, die alle einzelnen Knochen zusammenhalten. Jesus Christus steht für die Adern, durch die alle einzelnen Glieder der Gemeinde mit Blut und Sauerstoff versorgt werden. Dieses Wort aus Epheser 4 ist das biblische Leitwort und Eingangssatz für die 3. These der Barmer Erklärung von 1934.
Es geht in Barmen 3 um die Botschaft und die Organisation der Gemeinde, um den Aufbau der Gemeinde. Wir reden heute auch von Gemeindeaufbau. Welche Gruppen, welche Kreise oder Chöre muss man anbieten, damit Gemeinde Spaß macht? Wie muss man Gottesdienste gestalten, wie müssen Pastoren predigen, welche Lieder und Gebete brauchen wir, damit die Kirche in Bewegung kommt? Wie bauen wir Gemeinde? Was ist dran in unserer Zeit? So fragen wir heute. Warum gibt es andere Länder und Kirchen, wo die Gemeinden wachsen? Warum strömen an einem Ort 30.000 Menschen in einen Gottesdienst – und an einem anderen Ort finden sich nicht einmal drei? Warum bauen manche Kirchen größer und größer, weil der Platz nicht reicht – und andere verkaufen ihre Gebäude, weil praktisch niemand mehr da ist? Wer hat es denn eigentlich in der Kirche zu sagen? Der Pastor, der Kirchenrat, die Finanzen? Wer oder was bestimmt eigentlich unser Bild von Gemeinde? Wem trauen wir letzte Autorität zu über die Gemeinde?
Das waren auch in den dreißiger Jahren, im Nationalsozialismus keine theoretischen Fragen. Da wurde mit Mann und Macht versucht, die Kirche und alle Kirchen dem Staat zu unterwerfen. Da wurden auch altreformierte Jünglingsvereine und Jugendvereine "gleichgeschaltet". Diese "Gleichschaltung" bedeutete eigentlich eine Verstaatlichung der Presse und der Jugendarbeit. Da wurde die Presse zensiert, auch der Grenzbote und der Jugendbote verboten. Alle sollten in einer Linie marschieren: "Führer befiehl – wir folgen" - das hätte Hitler gerne gehört. Er wollte den Einheitsstaat, die Einheitspresse, die Einheitskirche, die Einheitsjugend.
Karl Barth und die Bekenntnissynode von Barmen haben dagegen gehalten: Die christliche Kirche ist eine Gemeinschaft von Brüder (und Schwestern, würde man heute auch dazu sagen), in der Jesus Christus, handelt, in der Jesus Christus heute und jetzt gegenwärtig handelt. Jesus Christus handelt in dieser Gemeinde von Brüdern und Schwestern in Wort und Sakrament, durch den Heiligen Geist. Jesus Christus - als der Herr! Das ist das Entscheidende. Heute und hier handelt Jesus Christus als der Herr, in Wort und Sakrament, durch den Heiligen Geist. Wenn also jemand predigt oder jemand liest einen Bibelabschnitt (vor) oder jemand bringt einen Besuch oder tut einen diakonischen Dienst – dann handelt Jesus Christus als der Herr hier und heute.
Die Kirche Jesu hat mir ihrem Glauben wie mit ihrem Gehorsam, mit ihrer Botschaft wie mit ihrer Ordnung – zu bezeugen, dass sie allein von JC lebt.!!!! Da stehen bei mir vier Ausrufezeichen! Die Kirche lebt allein von Jesus Christus, von seinem Trost, von seiner Weisung, von der Erwartung seines Kommens. Die Kirche lebt nicht von ihren Professoren und nicht von ihrer sei es noch so guten Theologie, sondern von Jesus Christus. Die Kirche lebt nicht von ihren Spendern und Geldgebern, sondern von Jesus Christus. Die Kirche lebt nicht von unserer Frömmigkeit oder unserem Glauben, sondern von Jesus Christus. Die Kirche lebt nicht von unseren Aktivitäten, sondern von Jesus Christus. Ich möchte, dass wir das verstehen. Die Kirche – auch diese Gemeinde ist einig und allein das Christi Eigentum Jesu Christi. Sie lebt nur von Jesus Christus – und durch Jesus Christus – und auf Jesus Christus hin.
Gerade als Altreformierte haben wir oft das Gefühl, als müssten wir noch etwas dazu tun. Als müssten wir mithelfen. Als müssten wir die Dinge in die Hand nehmen. Wenn nicht wir, dann doch wenigstens der Kirchenrat oder die Synode. Da muss doch einer etwas tun, da muss doch einer eingreifen – und die Dinge in die Hand nehmen. Wir wollen als Altreformierte gerne die Dinge selbst in die Hand nehmen. Das ist ein Problem aller Freikirchen und aller getrennten Kirchen. Wir machen uns viel zu oft selbst zum Maßstab für andere. Aber wir sind nicht der Maßstab, sondern allein Jesus Christus. Wir leben als Gemeinde und als Christen nicht von unserer Kraft, sondern von seinem Trost, von seiner Weisung, von seiner Erwartung, als sein Eigentum.
Das kann uns Gelassenheit geben – für die Zukunft, für die Kirche unserer Enkel und Urenkel, wenn Christus dann noch nicht wieder gekommen ist. Wir sind Brüder und Schwestern. Und wir sind Kirche, weil Christus in uns und an uns handelt in Wort und Sakrament, durch seinen Heiligen Geist.
Mit Glauben und Gehorsam, mit Botschaft und Ordnung, bezeugen wir mitten in der Welt der Sünde, dass wir begnadigte Sünder sind. Begnadigte Sünder sind wir. Beides sind wir: Sünder und begnadigt. Manchmal müssen wir mehr vertrauen – und manchmal einfach nur gehorsam sein. Mal sind wir dran – aber dann wieder müssen wir auch auf Gott warten können. Glaube und Gehorsam, stehen auch für warten und zupacken, für vertrauen und nachfolgen, für abwarten und Dinge entscheiden. Genauso geht das auch bei der Botschaft und bei der Ordnung der Kirche. Die Botschaft ist das, was wir von Christus sagen und leben. Was wir zeigen in den Gottesdiensten, in der Diakonie, in den Besuchen und Fürbitten, was wir im Konfer rüberbringen oder im Kindergottesdienst oder sonst. Die Botschaft ist das eine – und die Ordnung der Kirche ist das andere. Das ist sozusagen ein Streiten und Kämpfen auf einer anderen Ebene. Die Ordnung der Kirche, ihre geistliche Einrichtung, ihre Gestaltung, ihr Aufbau der Kirche – auch da sind wir Eigentum Jesu. Mit Glauben und Gehorsam, mit Botschaft und Ordnung stehen wir mitten in der Welt – als Kirche voller begnadeter Sünder, Wir bezeugen, dass wir Jesus Christus gehören, und von seinem Trost, seiner Weisung und seinem Kommen leben. Wenn Jesus Christus nicht kommt, hier und heute. wenn Jesus Christus nicht da ist, wenn er nicht mitten unter uns – wenn er uns nicht vorangeht – dann ist die Sache schon verloren, bevor sie losgeht. Aber wenn Jesus Christus mitgeht, wenn er im Glauben und Gehorsam der Kirche anwesend ist, in ihrer Botschaft und ihrer Ordnung, wenn er dabei ist – warum sind wir dann immer wieder so ängstlich, so furchtsam? Wenn er im Boot ist, dann schläft er vielleicht. Dann ist unsere Angst noch nicht zu Ende. Aber sie ist wohl völlig unbegründet. "Warum seid ihr so furchtsam?", fragt Jesus seine Jünger nach dem tobenden Sturm? "Warum seid ihr so furchtsam?"
Ich wünsche mir für Kirche und Gemeinde vor Ort und weltweit mehr Zuversicht, mehr diese Gewissheit von Barmen 3. Wir überlassen die Kirche, ihre Botschaft und ihre Ordnung, nicht der Beliebigkeit, nicht Weltanschauungen oder politischen Überzeugungen. Wir bauen sie allein auf Jesus Christus. Wir trauen sie ihm allein zu. ER hält sie in guten Händen. Das gibt Gelassenheit. Wir dürfen aufatmen. Wir müssen nicht alles Mögliche machen und anfangen. Jesus Christus handelt für uns und an uns und durch uns - und wenn es sein müsste, auch gegen uns. Er baut sein Reich durch die Botschaft und die Ordnung seiner Kirche. Amen. |
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