Gottesdienst 03.03.2002Ort: Hoogstede Zeit: 10.00 Uhr
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von Pastor Dr. Beuker
"Text" 4. Barmer These Theologische Erklärung von Barmen, These 4 4. Jesus Christus spricht: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker niederhalten und die Mächtigen ihnen Gewalt antun. So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener. (Mt 20,25.26) Die verschiedenen Ämter in der Kirche begründen keine Herrschaft der einen über die anderen, sondern die Ausübung des der ganzen Gemeinde anvertrauten und befohlenen Dienstes. Wir
verwerfen die falsche Lehre, als könne und dürfe sich die Kirche abseits von
diesem Dienst besondere, mit Herrschaftsbefugnissen ausgestattete Führer geben
oder geben lassen. Aus den (ausgeführten) Predigtnotizen:
Liebe Gemeinde, Vom Dienst der Gemeinde spricht das Barmer Bekenntnis in These 4. Die ganze Gemeinde soll den ihr anvertrauten und befohlenen Dienst ausüben. Für Dienst sagen wir heute vielleicht Aufgabe. Die ganze Gemeinde soll also ihre Aufgabe wahrnehmen, sagt Barmen. Aber wir fragen: Was ist denn unsere Aufgabe, was ist unsere konkrete Aufgabe als altreformierte Gemeinde in Hoogstede. Was ist die Aufgabe der Kirche in der Welt? Das ist gar nicht so einfach für eine ganze Gemeinde. Unsere höchsten Ziele sind oft – gemeindeintern. Unsere Ziele sind z.B., ein reger Gottesdienstbesuch, gut funktionierende Kreise und Chöre, ein interessanter kirchlicher Unterricht, lebendige Jungschar und Jugendkreise, Gottesdienste, in denen Leben drin ist und ein kräftiger Gesang. Wir könnten viele Ziele nennen für die Arbeit in dieser Gemeinde. Die meisten würden zuerst an ihren eigenen Kreis, ihre eigenen Gruppe oder den eigenen Chor denken. Wir denken gemeindeintern. Wenn die Gemeinde funktioniert, meinen wir, dann ist schon (fast) alles in Ordnung. Das ist oft unser höchstes und unser letztes Ziel: Wenn die Finanzen der Gemeinde in Ordnung sind, die Gebäude gut unterhalten und mit Leben erfüllt, wenn alles eben gut läuft, müssen wir dann nicht zufrieden sein?
Barmen entlässt uns damit nicht und gibt sich damit nicht zufrieden. „Wer unter euch groß sein will, sei euer Diener“, zitiert Barmen 4 im biblischen Eingangswort aus Matth. 20. Vom Herrschen und Dienen hat Jesus da in Matth. 20 gesprochen. Eine Mutter bittet für ihre erwachsenen Söhne. Sie möchten einen guten Platz im Reich Gottes bekommen. Sie möchten im Kirchenrat sitzen, im himmlischen Rat Gottes. Sie möchten engste Mitarbeiter und Vertraute Jesu werden. Was ist schon dagegen zu sagen, wenn Menschen bitten: „Jesus, wir wollen dir dienen und ganz nahe bei dir sein“? Doch Jesus ist davon nicht erbaut: "Ihr wisst nicht, was ihr fragt. Ihr könnt die Reichweite eurer Bitte nicht ermessen. In meiner Nähe gibt es keine Ehrenplätze. Da gibt es Leiden und Schmerzen. Die Plätze in meiner Nähe vergebe ich nicht. Darüber bestimmt mein Vater. " Den anderen zehn Jüngern passt das Vorpreschen der zwei Zebedäussöhne und ihrer Mutter überhaupt nicht. Sie werden unwillig. Sie schlagen in dieselbe Kerbe wie die zwei. Die haben doch keine Sonderrechte! Wenn die beiden so etwas fragen dürfen, dann sie doch bestimmt auch. Da ist schnell die schönste Rivalität im Gange, eine Rangelei um die Ehrenplätze. Wer darf vorne sitzen? Wer darf Jesus am nächsten sein? Jesus macht dem Streit ein Ende. Er ruft die Zwölf zu sich und sagt: „Ihr wisst, wie die Herrscher und die Mächtigen der Welt regieren“, eben mit Gewalt und Druck. Sie regieren von oben nach unten. Sie regieren wie ein Radfahrer: Oben macht er den Rücken krumm, und unten muss er immer nur treten. Die Gemeinde Jesu ist kein Ort, um sich zu profilieren, um sich hervorzutun, um Ehre einzuheimsen. „So soll es unter euch nicht sein“ wie bei den Herrschern dieser Welt. Sondern – wer etwas gelten will, wer etwas sein will, wer der Erste sein will unter euch – der sei euer Knecht, euer aller Diener. „Denn der Menschensohn (Jesus selbst), ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.“ (Mt. 20,28)
Die Ordnung und Aufgabe der Gemeinde ist also ein Dienst, ein Dienst aneinander und ein Dienst an den Menschen! „Dienet einander“ heißt es immer wieder einmal im Neuen Testament. Übt den der ganzen Gemeinde anvertrauten und befohlenen Dienst aus, sagt Barmen 4. Ein Amt in der Kirche bedeutet keine Herrschaft. Ein Vorsitzender, ein Leiter, ein Präsident, ein Dirigent, - ist in der Kirche kein Leiter! Wir brauchen keine Leithammel in der Kirche Jesus. Herr der Kirche ist allein Jesus Christus. Und alle Glieder der Gemeinde sind seine Diener und Dienerinnen. Es kann in der Kirche keinen Führer oder Leiter oder Herrscher geben, außer und neben Jesus Christus. Noch nie vorher hatte das jemand so klar gesehen und so klar gesagt wie hier in dieser vierten Barmer These. Kein Fürst und kein Diktator, kein Kaiser und kein König, kein Präsident und kein Minister kann das Sagen haben in der Kirche. Auch kein Pastor und kein Bischof, kein Ältester und keine Diakonin. Wir haben nicht das Sagen in der Kirche. Und außerkirchliche Fürsten oder Präsidenten oder Kanzler schon gar nicht. Dass jemand von außen in die Kirche hinein regiert, ist auch nicht unser Problem. Aber innerhalb der Kirche wollen wir nur allzu gerne einen Bischof, einen Pastor, eine Älteste, die sagen, wo es lang geht. Die Synode muss doch sagen, was Sache ist. Sie muss Leitung geben, sie muss Führung geben. Sie muss Entscheidungen treffen – meinen viele. Aber dienen heißt nun gerade nicht, bestimmen und über andere verfügen. Dienen heißt nun gerade nicht, die Entscheidungen für andere fällen. Dienen heißt zurück stecken. Anderen den Vortritt lassen. Anderen ihre Eigenheit und Selbständigkeit lassen. Sie nicht entmündigen, sondern ihnen gerade zur Mündigkeit und zur Eigenständigkeit verhelfen. Im Abendmahl wird uns Brot und Traubensaft gereicht, damit wir Kraft empfangen für unser geistliches Leben. Damit wir Kraft empfangen zum Dienst und zur Hingabe. Wie Jesus Christus sein Leben gibt, so geben auch wir, was wir sind und haben – für andere, für Jesus Christus und sein Reich. Denn wir haben erkannt: Nicht im Herrschen, nicht im Machthaben und Macht ausüben liegt das Glück des Menschen. Sondern im Dienen, im Dasein für andere, im Helfen und Unterstützen anderer. Im Dienst, in der Hingabe findet ein Mensch das Leben, und nicht im Verdienst, im Geld, in Ehre oder Macht und Einfluss. Das ist die Stärke der Kirche. Sie braucht keine Menschenmacht und Menschengröße. Das Kreuz Jesu ist nicht eine Niederlage. Es ist der Sieg Gottes über alle Macht und Mächte und Mächtigen der Welt. Jesus Christus gibt sein Leben. So befreit er uns zur Hingabe und zum Dienst, zum Einsatz für die Schwachen und Entrechteten, für die Armen und Hilflosen, für die Kranken, Behinderten und Bedürftigen. „Die Armen sind der Schatz der Kirche“, heißt es in der ersten Christenheit. Die Bedürftigen, die Hungernden, die Hilflosen sind der Reichtum der Kirche. Denn an ihnen kann sie die Liebe Christi erweisen. Das ist der Dienst, der der ganzen Gemeinde und jedem einzelnen Gemeindeglied anvertraut und befohlen ist: Den Dienst Jesu fortzuführen – an den Ausgestoßenen und allen Bedürftigen. Liebesbedürftig sind nicht nur die Armen, sondern vielleicht auch ganz besonders diejenigen, die im Geld schwimmen. Liebesbedürftig sind auch Manager, Macher und Verantwortungsträger. Liebesbedürftig sind auch die Kinder der Wohlstandsgesellschaft. Wir dürfen den Dienst der Liebe und das Werk der Liebe Jesu fortführen und finden so Erfüllung und Leben. Es gibt keine Herrschaft in der Kirche. Da ist keiner, der es zu sagen hat. Da ist keiner, der mehr zu bestimmen hat als andere. Sondern alle miteinander und gemeinsam üben wir an einander und an anderen den Dienst aus, den Christus uns anvertraut und befohlen hat. Christus Jesus vertraut uns seine Welt und seine Menschen an, damit wir – sie bekannt machen mit dem großen Dienst, mit der Versöhnung, die er unter vollbracht hat. Davon zeugt das Abendmahl, das wir feiern. Davon zeugt jede Arbeit und jeder Dienst in Kirchenrat und ganzen Gemeinde, nach innen und nach außen. Wir diesen Dienst Christi annimmt, der kann anderen dienstbar und behilflich sein. Viele Menschen suchen Hilfe auf dem Weg zum Glauben und zum Vertrauen. Viele Menschen suchen das Fundament ihres Lebens. Helfen wir ihnen, dass sie es in Jesus Christus finden. Das ist der Dienst, zu dem die Kirche und jeder Christ und jede Christin berufen sind. |
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