Ort:
Hoogstede,
Emlichheim
Zeit: 14.00
Uhr
Stilles Gebet, Votum, Gruß
Eingangslied: Psalm
122 A : 1 – 3 Ich freu mich,
wenn man zu mir spricht: Laßt uns ...
Gebet
Lesung: Matth. 5, 21 – 26, Mt.7, 1 – 6,
Versöhnung und Richten
Singen: Lied
404 :1, 4, 8 Herr Jesu,
Gnadensonne, wahrhaftes Lebenslicht
Singen Psalm
105 : 1 – 3 Dank, dank dem HERRN, du
Jakobs Same
Glaubensbekenntnis
Singen Psalm 131: 1 – 3 Du weißt, Herr, dass mein Herz nicht prahlt
Gebet
Singen: Psalm
135 : 1 – 4, 6 Halleluja,
froh erhöht, unsers Königs Majestät
Segen
Zurück zur homepage von Pastor Dr. Beuker
Liebe Gemeinde, „Gott
schaute, dass er sähe, wie der Mensch die Tiere nennen würde, denn wie der
Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen.“ So lesen wir es in 1.
Mose 2, 19. „Und der Mensch gab einem jeden Vieh und Vogel unter dem Himmel und
Tier auf dem Felde seinen Namen;“ heißt es weiter, „aber für den Menschen ward
kein Gegenüber gefunden, die um ihn wäre.“
Der Mensch benennt die
Dinge, die Bäume, die Pflanzen, die Tiere, die Welt und ihre Verhältnisse. Und
wie er sie nennt, so sind sie. So stellen sich dem Menschen die Dinge und Beziehungen
dar.
Ein ganz wichtiger
Augenblick der Schöpfung ist, dass der Mensch Tiere und Bäume und alles
benennt. Es ist wichtig, dass wir Dinge und Verhältnisse beim Namen nennen
können.
Was wir benennen können, das
haben wir ein Stück weit begriffen. Das kennen wir – jedenfalls ein Stück weit,
und wir erkennen es wieder. Der Mensch gibt allem einen Namen. Was er benennen
kann, ist nicht mehr ganz so bedrohlich. Bei kleinen Kindern und auch bei Erwachsenen
ist das so: Was man beschreiben und benennen kann, ist nicht mehr ganz so
gefährlich.
Wenn ich etwa meine
Einsamkeit benennen und beschreiben kann, oder auch meine Krankheit: wenn ich
drüber reden kann; über die Probleme in meiner Beziehung, in meiner Ehe oder
mit meinen Kindern oder meinen Eltern – wenn ich sie benennen kann, wenn ich
darüber reden kann, dann bin ich ja schon dabei, das Geschehene zu verarbeiten,
es zu bewältigen und zu überwinden.
Der Mensch ist das einzige
Wesen, das den Dingen, den geistlichen und materiellen Dingen, einen Namen
gibt. Und in dem er sie benennt, übt er auch ein Stück Herrschaft über sie aus.
Indem er sie benennt, bekommt er sie in den Griff, - und sie werden ihm „untertan“.
Daraus folgt nun sehr deutlich:
Der Mensch kann Gott nicht benennen. Er kann keinen Namen finden für das
Höchste aller Wesen, für das Herrlichste allen Seins, für seinen Schöpfer. Der
Mensch kann sich Gott nicht zu eigen machen. Er kann Gott nicht beherrschen
Per Definition findet der
Mensch keinen angemessenen Namen für Gott. Alles, was der Mensch sagt, alles,
was er benennt und in Worte kleidet, das versteht er ein Stück weit. Aber der
Mensch kann Gott nicht beschreiben. Er kann Gott nicht mit Namen oder Worten
belegen.
Ich bin; der ewig ist und
war und bleibt, so stellt Gott sich dem Mose vor am brennenden Dornbusch. Ich
bin immer da. Ich übersteige alles Denken und Reden unendlich hoch.
Im orthodoxen Judentum weiß
man um diesen gewaltigen Abstand, diesen unüberbrückbaren Gegensatz – der Name
Gottes wird dort niemals ausgesprochen.
Er wird – auch bei Jesus –
in der Passivform versteckt, in der Leideform. So wie in den Seligpreisungen in
Matthäus 5: „Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.“
D.h. Gott selbst wird sie trösten. „Selig sind, die hungert und dürstet nach
der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden.“ D.h. Gott selbst wird sie satt
machen. Der Gottesname, Gott selbst, ist im Passiv, in der Leideform,
verborgen.
Bekannter ist, dass überall,
wo in den Psalmen und im ganzen AT, das ist auch in unserem Gesangbuch so, wo
da der Name „HERR“ steht, mit vier großen, großgeschriebenen Buchstaben, da
stehen in der Bibel die drei Buchstaben, JHW – Jahwe oder Jehova – Ich bin.
Jahwe und Jehova ist ja derselbe Name, er wird im Hebräischen mit den drei
Buchstaben JHW angedeutet, weil im Hebräischen die Selbstlaute nicht
geschrieben wurden.
Psalm 105:1 „Dankt, dankt
dem HERRN, du Jakobs Same“ – da steht der Name Gottes. Wenn auf
einem Liturgiezettel solche Psalmverse auftauchen, dann höre ich immer wieder
einmal: „Da ist ja ein Fehler. Herr ist groß geschrieben, und es muss doch
klein geschrieben werden.“
Nein – so ist es im Judentum
üblich, und so wollen wir es auch halten, bis in den gesungenen Psalter und in
die Liturgiezettel hinein: Wo Gottes Name steht, da reden wir vom HERRN – und
schreiben ihn mit großen Buchstaben. Entgegen allen Rechtschreibregeln, ganz
besonders herausgehoben – ganz besonders groß.
Der Mensch kann Gott nicht
benennen. Und „Gott“ selbst ist kein Name, sondern „Gott“, das ist die Einzahl
von „Götter“. „Gott“ ist sozusagen eine Art von Beschreibung. Gott ist nicht
der Name Gottes, sondern eine Artbeschreibung, so wie „Mensch“ nicht der Name
eines Menschen ist, sondern eine Wesensart, eine Gattung der Schöpfung.
Von Gott zu reden, ist noch
nichts christliches. Auch von der Erhabenheit und Größe Gottes zu reden, ist
nichts speziell Christliches. Das tun alle Religionen. Da müssen wir schon
genauer sagen, wer Gott ist, unser Gott.
In Jesus Christus macht Gott
sich an uns bekannt. Jesus Christus ist Gottes letzte und höchste und
endgültige Offenbarung. Jesus sagt: „Wer mich sieht, der sieht den Vater“.
Die Bitte um die Heiligung
des Gottesnamens ist nicht speziell christlich oder jüdisch. Auch andere
Religionen kennen heilige Namen und heilige Orte, die man nicht einfach so
betreten, oder einfach so aussprechen darf.
Im AT ist es durchaus so,
dass Menschen sich heiligen, sich reinigen und waschen müssen, bevor sie zum
Heiligtum kommen. Sie müssen sich vorbereiten auf die Begegnung mit Gott und
dem Göttlichen. Dafür fasten sie Tage vorher. Sie richten sich dann mit ihrem
ganzen Denken auf die kommende Begegnung. Sie reinigen nicht nur ihren Leib,
sondern auch ihre Gedanken. Sie versprühen und verbrennen nicht nur Parfum,
damals Weihrauch, zum lieblichen und schönen Geruch. Sie wollen sich selbst mit
ihrem Verhalten – Gott angenehm machen – und einen wohltuenden Geruch, Frieden
und Freude, Liebe und Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und Güte,
Gastfreundschaft und Achtung vor dem Fremden verströmen.
In Israel weiß man sehr
wohl, was wir so leicht vergessen. Dem lebendigen Gott kannst du nicht
gegenübertreten, und z.B. den Kopf auf die Bank legen oder schlafen. Ins Haus
des Herrn kannst du nicht gehen, wenn der Streit mit dem Bruder noch nicht bereinigt
ist. Geh hin, versöhne dich – und dann kommt und opfere deine Gabe. Dann komm
zurück – und leg dein Geld in den Klingelbeutel und singe Psalmen und Lieder
vor Gott.
Wenn dir nur einfällt, wenn
dir nur der Gedanke kommt in der Kirche, dein Bruder könnte etwas gegen dich
haben – dann lass den Gottesdienst – und eile und lauf, und versöhne dich,
bevor es zu spät ist.
Und ärger dich nicht über
das bisschen Unrecht bei deinem Nachbarn. Schau vielmehr dich selber an. Rede
nicht vom Splitter in deines Bruder Auge, wenn du den Balken bei dir selbst
übersiehst. Bringe erst deine Sache in Ordnung, bevor du dich mit deinem Bruder
bemühst.
Gib uns, dass wir dich recht
erkennen,
dich heiligen, rühmen und
preisen,
in allen deinen Werken,
in denen deine Allmacht,
Weisheit, Güte,
Gerechtigkeit,
Barmherzigkeit und Wahrheit leuchten.
Gib uns auch, ………
dass dein Name unseretwegen
nicht gelästert,
sondern geehrt und gepriesen
werde.“ (Heidelberger Katechismus, Antwort 122)
Das soll unser Streben sein.
So soll unser Leben sein.
Gott erkennen, heißt seinen
Namen heiligen, Gottes Weisheit und Güte, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und
Wahrheit erkennen und leben. Gott erkennen können wir nur, wo wir ihn preisen, ihm
Ehre und Anbetung und einen vielstimmigen Lobgesang bringen.
Unser ganzes Leben, alle
Gedanken, Worte und Werke, sollen mithelfen, dass Gott geehrt und gepriesen
werde.
Mit dem Gotteslob und der
Anbetung fängt die Gotteserkenntnis an.
Wo wir Gott begegnen, da
müssen die schmutzigen Stiefel aus. Die schmutzigen Schuhe und aller Dreck
unseres Lebens, auch Hass und Rachgedanken – sind nicht mit Gott vereinbar.
Mose, Mose, zieh deine Schuhe aus, denn der Ort darauf du stehst, ist heiliges
Land. Er ist Ort der Gegenwart Gottes und der Begegnung mit dem Ewigen.
In allen Moscheen ziehen die
islamische Beter die Schuhe aus. In allen Moscheen gehen die Beter auf die Knie
– solch eine Ehrfurcht stünde auch uns Christen gut an.
Du kannst nicht beten,
„geheiligt werde dein Name“, wenn du nicht durchdrungen bist von der Heiligkeit
und Herrlichkeit Gottes, von seiner Schönheit und Reinheit. Ich glaube, unsere
Gottesdienste wären überzeugender und kräftiger, wenn uns die Heiligkeit Gottes
mehr vor Augen stünde.
Du kannst nicht zu Gott
kommen – in deinen ältesten und schlechtesten Klamotten. Das Beste und Schönste
ist für Gott gerade gut genug! Die größte Aufmerksamkeit und völlige Hingabe
sind nötig. Denn hier geht es um alles!
Wenn wir beten, „geheiligt
werde dein Name“, beten wir: „Gott, greif uns ins Herz! Mach uns deutlich, wer
du bist, und wer wir sind vor dir! Hilf uns, dass wir alles darauf richten,
dass dein Name, dass du selbst, geehrt und gepriesen werdest. Gott, greif uns
ins Herz, und öffne unsere Augen ,die Augen des Herzens, damit wir dich recht
erkennen und preisen. Dafür leben wir, dafür arbeiten wir, für dich allein und
für dich zuallererst.“
Gott wird dich einmal eben
nicht fragen, wie viel du gearbeitet hast, und was du verdient hast, und was
deine Kumpel von dir gesagt haben. Sondern er wird dich fragen und mich auch,
wann wir und wo wir ihn gerühmt und gepriesen haben. Das ist das Kapital und
die einzige Währung, die für die Ewigkeit zählen. Mit dem Gotteslob fängt die
Gotteserkenntnis an.
Schaffen wir uns Schätze im
Himmel, denn aller irdische Reichtum verrottet und zerfällt. Glücklich ist der
Mensch, der diese Mitte, diesen Schatz, gefunden hat.
Amen
Aus den Gebeten:
Herr, unser Gott und Vater
im Himmel,
du sprichst ihn an,
den Menschen, dein Geschöpf.
Du suchst und rufst ihn,
wo er sich vor dir
versteckt:
„Adam, Eva, wo seid ihr?“
Guter Gott, du kommst in
Jesus Christus,
zu retten, zu heilen und zu
erlösen.
Du kannst es nicht mit
ansehen,
wie unsere Welt kaputt geht,
wie wir uns und unsere Welt
kaputt machen.
Du bist unsere Hoffnung.
Auf deine Zusage bauen und trauen
wir.
Herr, erbarme dich über uns
und unsere Welt. Amen