Gottesdienst 19.08.2001

                Ort:                         Hoogstede, Emlichheim

                Zeit:                        14.00 Uhr

Stilles Gebet, Votum, Gruß

Eingangslied:       Psalm 122 A : 1 – 3              Ich freu mich, wenn man zu mir spricht: Laßt uns ...

Gebet

Lesung:                 Matth. 5, 21 – 26, Mt.7, 1 – 6, Versöhnung und Richten

Singen:                  Lied 404 :1, 4, 8                    Herr Jesu, Gnadensonne, wahrhaftes Lebenslicht

51. Predigt:       Heidelberger Katechismus, Frage 122

Thema:                 Heilige den Namen!

Singen                   Psalm 105 : 1 – 3   Dank, dank dem HERRN, du Jakobs  Same

                Glaubensbekenntnis

                Singen   Psalm 131: 1 – 3                 Du weißt, Herr, dass mein Herz nicht prahlt

Gebet

Singen:                  Psalm 135 : 1 – 4, 6              Halleluja, froh erhöht, unsers Königs Majestät

Segen

                                                           Zurück zur homepage von Pastor Dr. Beuker

 

Liebe Gemeinde, „Gott schaute, dass er sähe, wie der Mensch die Tiere nennen würde, denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen.“ So lesen wir es in 1. Mose 2, 19. „Und der Mensch gab einem jeden Vieh und Vogel unter dem Himmel und Tier auf dem Felde seinen Namen;“ heißt es weiter, „aber für den Menschen ward kein Gegenüber gefunden, die um ihn wäre.“

Der Mensch benennt die Dinge, die Bäume, die Pflanzen, die Tiere, die Welt und ihre Verhältnisse. Und wie er sie nennt, so sind sie. So stellen sich dem Menschen die Dinge und Beziehungen dar.

Ein ganz wichtiger Augenblick der Schöpfung ist, dass der Mensch Tiere und Bäume und alles benennt. Es ist wichtig, dass wir Dinge und Verhältnisse beim Namen nennen können.

Was wir benennen können, das haben wir ein Stück weit begriffen. Das kennen wir – jedenfalls ein Stück weit, und wir erkennen es wieder. Der Mensch gibt allem einen Namen. Was er benennen kann, ist nicht mehr ganz so bedrohlich. Bei kleinen Kindern und auch bei Erwachsenen ist das so: Was man beschreiben und benennen kann, ist nicht mehr ganz so gefährlich.

Wenn ich etwa meine Einsamkeit benennen und beschreiben kann, oder auch meine Krankheit: wenn ich drüber reden kann; über die Probleme in meiner Beziehung, in meiner Ehe oder mit meinen Kindern oder meinen Eltern – wenn ich sie benennen kann, wenn ich darüber reden kann, dann bin ich ja schon dabei, das Geschehene zu verarbeiten, es zu bewältigen und zu überwinden.

Der Mensch ist das einzige Wesen, das den Dingen, den geistlichen und materiellen Dingen, einen Namen gibt. Und in dem er sie benennt, übt er auch ein Stück Herrschaft über sie aus. Indem er sie benennt, bekommt er sie in den Griff, - und sie werden ihm „untertan“.

 

Daraus folgt nun sehr deutlich: Der Mensch kann Gott nicht benennen. Er kann keinen Namen finden für das Höchste aller Wesen, für das Herrlichste allen Seins, für seinen Schöpfer. Der Mensch kann sich Gott nicht zu eigen machen. Er kann Gott nicht beherrschen

Per Definition findet der Mensch keinen angemessenen Namen für Gott. Alles, was der Mensch sagt, alles, was er benennt und in Worte kleidet, das versteht er ein Stück weit. Aber der Mensch kann Gott nicht beschreiben. Er kann Gott nicht mit Namen oder Worten belegen.

Ich bin; der ewig ist und war und bleibt, so stellt Gott sich dem Mose vor am brennenden Dornbusch. Ich bin immer da. Ich übersteige alles Denken und Reden unendlich hoch.

Im orthodoxen Judentum weiß man um diesen gewaltigen Abstand, diesen unüberbrückbaren Gegensatz – der Name Gottes wird dort niemals ausgesprochen.

Er wird – auch bei Jesus – in der Passivform versteckt, in der Leideform. So wie in den Seligpreisungen in Matthäus 5: „Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.“ D.h. Gott selbst wird sie trösten. „Selig sind, die hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden.“ D.h. Gott selbst wird sie satt machen. Der Gottesname, Gott selbst, ist im Passiv, in der Leideform, verborgen.

Bekannter ist, dass überall, wo in den Psalmen und im ganzen AT, das ist auch in unserem Gesangbuch so, wo da der Name „HERR“ steht, mit vier großen, großgeschriebenen Buchstaben, da stehen in der Bibel die drei Buchstaben, JHW – Jahwe oder Jehova – Ich bin. Jahwe und Jehova ist ja derselbe Name, er wird im Hebräischen mit den drei Buchstaben JHW angedeutet, weil im Hebräischen die Selbstlaute nicht geschrieben wurden.

Psalm 105:1 „Dankt, dankt dem HERRN, du Jakobs Same“ – da steht der Name Gottes. Wenn auf einem Liturgiezettel solche Psalmverse auftauchen, dann höre ich immer wieder einmal: „Da ist ja ein Fehler. Herr ist groß geschrieben, und es muss doch klein geschrieben werden.“

Nein – so ist es im Judentum üblich, und so wollen wir es auch halten, bis in den gesungenen Psalter und in die Liturgiezettel hinein: Wo Gottes Name steht, da reden wir vom HERRN – und schreiben ihn mit großen Buchstaben. Entgegen allen Rechtschreibregeln, ganz besonders herausgehoben – ganz besonders groß.

 

Der Mensch kann Gott nicht benennen. Und „Gott“ selbst ist kein Name, sondern „Gott“, das ist die Einzahl von „Götter“. „Gott“ ist sozusagen eine Art von Beschreibung. Gott ist nicht der Name Gottes, sondern eine Artbeschreibung, so wie „Mensch“ nicht der Name eines Menschen ist, sondern eine Wesensart, eine Gattung der Schöpfung.

Von Gott zu reden, ist noch nichts christliches. Auch von der Erhabenheit und Größe Gottes zu reden, ist nichts speziell Christliches. Das tun alle Religionen. Da müssen wir schon genauer sagen, wer Gott ist, unser Gott.

In Jesus Christus macht Gott sich an uns bekannt. Jesus Christus ist Gottes letzte und höchste und endgültige Offenbarung. Jesus sagt: „Wer mich sieht, der sieht den Vater“.

 

Die Bitte um die Heiligung des Gottesnamens ist nicht speziell christlich oder jüdisch. Auch andere Religionen kennen heilige Namen und heilige Orte, die man nicht einfach so betreten, oder einfach so aussprechen darf.

Im AT ist es durchaus so, dass Menschen sich heiligen, sich reinigen und waschen müssen, bevor sie zum Heiligtum kommen. Sie müssen sich vorbereiten auf die Begegnung mit Gott und dem Göttlichen. Dafür fasten sie Tage vorher. Sie richten sich dann mit ihrem ganzen Denken auf die kommende Begegnung. Sie reinigen nicht nur ihren Leib, sondern auch ihre Gedanken. Sie versprühen und verbrennen nicht nur Parfum, damals Weihrauch, zum lieblichen und schönen Geruch. Sie wollen sich selbst mit ihrem Verhalten – Gott angenehm machen – und einen wohltuenden Geruch, Frieden und Freude, Liebe und Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und Güte, Gastfreundschaft und Achtung vor dem Fremden verströmen.

In Israel weiß man sehr wohl, was wir so leicht vergessen. Dem lebendigen Gott kannst du nicht gegenübertreten, und z.B. den Kopf auf die Bank legen oder schlafen. Ins Haus des Herrn kannst du nicht gehen, wenn der Streit mit dem Bruder noch nicht bereinigt ist. Geh hin, versöhne dich – und dann kommt und opfere deine Gabe. Dann komm zurück – und leg dein Geld in den Klingelbeutel und singe Psalmen und Lieder vor Gott.

 

Wenn dir nur einfällt, wenn dir nur der Gedanke kommt in der Kirche, dein Bruder könnte etwas gegen dich haben – dann lass den Gottesdienst – und eile und lauf, und versöhne dich, bevor es zu spät ist.

Und ärger dich nicht über das bisschen Unrecht bei deinem Nachbarn. Schau vielmehr dich selber an. Rede nicht vom Splitter in deines Bruder Auge, wenn du den Balken bei dir selbst übersiehst. Bringe erst deine Sache in Ordnung, bevor du dich mit deinem Bruder bemühst.

 

Gib uns, dass wir dich recht erkennen,

dich heiligen, rühmen und preisen,

in allen deinen Werken,

in denen deine Allmacht, Weisheit, Güte,

Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Wahrheit leuchten.

Gib uns auch, ………

dass dein Name unseretwegen nicht gelästert,

sondern geehrt und gepriesen werde.“ (Heidelberger Katechismus, Antwort 122)

Das soll unser Streben sein. So soll unser Leben sein.

 

Gott erkennen, heißt seinen Namen heiligen, Gottes Weisheit und Güte, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Wahrheit erkennen und leben. Gott erkennen können wir nur, wo wir ihn preisen, ihm Ehre und Anbetung und einen vielstimmigen Lobgesang bringen.

Unser ganzes Leben, alle Gedanken, Worte und Werke, sollen mithelfen, dass Gott geehrt und gepriesen werde.

Mit dem Gotteslob und der Anbetung fängt die Gotteserkenntnis an.

Wo wir Gott begegnen, da müssen die schmutzigen Stiefel aus. Die schmutzigen Schuhe und aller Dreck unseres Lebens, auch Hass und Rachgedanken – sind nicht mit Gott vereinbar. Mose, Mose, zieh deine Schuhe aus, denn der Ort darauf du stehst, ist heiliges Land. Er ist Ort der Gegenwart Gottes und der Begegnung mit dem Ewigen.

In allen Moscheen ziehen die islamische Beter die Schuhe aus. In allen Moscheen gehen die Beter auf die Knie – solch eine Ehrfurcht stünde auch uns Christen gut an.

Du kannst nicht beten, „geheiligt werde dein Name“, wenn du nicht durchdrungen bist von der Heiligkeit und Herrlichkeit Gottes, von seiner Schönheit und Reinheit. Ich glaube, unsere Gottesdienste wären überzeugender und kräftiger, wenn uns die Heiligkeit Gottes mehr vor Augen stünde.

Du kannst nicht zu Gott kommen – in deinen ältesten und schlechtesten Klamotten. Das Beste und Schönste ist für Gott gerade gut genug! Die größte Aufmerksamkeit und völlige Hingabe sind nötig. Denn hier geht es um alles!

 

Wenn wir beten, „geheiligt werde dein Name“, beten wir: „Gott, greif uns ins Herz! Mach uns deutlich, wer du bist, und wer wir sind vor dir! Hilf uns, dass wir alles darauf richten, dass dein Name, dass du selbst, geehrt und gepriesen werdest. Gott, greif uns ins Herz, und öffne unsere Augen ,die Augen des Herzens, damit wir dich recht erkennen und preisen. Dafür leben wir, dafür arbeiten wir, für dich allein und für dich zuallererst.“

Gott wird dich einmal eben nicht fragen, wie viel du gearbeitet hast, und was du verdient hast, und was deine Kumpel von dir gesagt haben. Sondern er wird dich fragen und mich auch, wann wir und wo wir ihn gerühmt und gepriesen haben. Das ist das Kapital und die einzige Währung, die für die Ewigkeit zählen. Mit dem Gotteslob fängt die Gotteserkenntnis an.

Schaffen wir uns Schätze im Himmel, denn aller irdische Reichtum verrottet und zerfällt. Glücklich ist der Mensch, der diese Mitte, diesen Schatz, gefunden hat.

Amen

 

 

 

Aus den Gebeten:

Herr, unser Gott und Vater im Himmel,

du sprichst ihn an,

den Menschen, dein Geschöpf.

Du suchst und rufst ihn,

wo er sich vor dir versteckt:

„Adam, Eva, wo seid ihr?“

Guter Gott, du kommst in Jesus Christus,

zu retten, zu heilen und zu erlösen.

Du kannst es nicht mit ansehen,

wie unsere Welt kaputt geht,

wie wir uns und unsere Welt kaputt machen.

Du bist unsere Hoffnung.

Auf deine Zusage bauen und trauen wir.

Herr, erbarme dich über uns und unsere Welt.   Amen