Ort:
Hoogstede
Zeit: 14.00
Uhr
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zur homepage von Pastor Dr. Beuker
Stilles Gebet, Votum, Gruß
Eingangslied: Lied
388 : 1 – 2 O Durchbrecher aller Bande
Gebet
Lesung: 1.
Mose 3, 1 – 15 Der Sündenfall
Singen: Lied
166 : 4 – 6 Mache mich zum guten
Lande
Singen Lied
188 Vater unser, Vater im
Himmel
Glaubensbekenntnis
Singen Psalm 107 : 4, 13 Er führt in Dunkelheiten
Gebet
Singen: Psalm
33 : 3, 5, 9 Vollkommen heilig ist sein
Wille
Segen
Ausweichmöglichkeit: Lied 616,3 = Ps. 33
Vollkommen heilig ist sein Wille
Heidelberger 124
Was bedeutet die dritte Bitte:
„Dein Wille geschehe
wie im Himmel so auf Erden“?
Damit beten wir:
Hilf, dass wir und alle Menschen
unserm eigenen Willen absagen
und deinem allein guten Willen
ohne alles Widersprechen gehorchen,
so dass jeder seine irdischen Aufgaben
so willig und treu ausübt wie die Engel im
Himmel.
Liebe Gemeinde, wir wissen
oft selber nicht, was wir wollen, oder? Unser Wollen und unser Wille ist oft
hin und hergerissen zwischen Wunsch und Wirklichkeit, zwischen Gut und Böse.
Manche Menschen haben einen
starken Willen. Sie sind durchsetzungsfähig. Sie opfern sich und ihre Kräfte,
weil sie ihre Ziele und Wünsche verwirklichen wollen. Andere sind eher
willenlos. Sie lassen sich von jedem Wind hin- und hertreiben, versuchen es
allen recht zu machen – und werden dabei leicht unglücklich.
Antwort 124 des Heidelber
legt die Bitte „Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden“ ganz anders
aus, als wir es erwarten würden. Wir haben wohl einmal Probleme, Probleme mit
dem Willen Gottes; Probleme besonders bei Unfall, Mord, Totschlag oder Terror,
bei schlimmer Krankheit oder schrecklichen Erlebnissen. Dann diskutieren wir
und ringen wir um Gottes Willen. Dann ist es mühsam, einzustimmen und zu beten:
Dein Wille, Gott, geschehe wie im Himmel so auf Erden. Es gibt Momente in
unserem Leben, da ballen wir eher die Faust gegen den Himmel und gegen Gott. Es
gibt Momente in unserem Leben, da will es nicht über unsere Lippen: Dein Wille
geschehe. Von allen Bitten des Unser Vater
ist dies vielen Menschen die härteste und schwerste – gerade in schweren
Stunden.
Ich weiß nicht, ob das so
sein muss. Ob wir immer „Ja und Amen“ sagen müssen auf Gottes Wege mit uns
Menschen. Die Dichter der Psalmen, gläubige Männer wie Hiob und Jeremia, sie
haben eben nicht nur gebetet: Dein Wille geschehe. Sie haben mit Gott gerungen,
gerungen wie Abraham um Sodom.
Gott, lass mit dir reden.
Gott höre mich. Gott wo bist du? Gott wie kannst du nur dies geschehen lassen?
Gott hat nichts dagegen, dass wir mit ihm ringen, dass wir mit ihm kämpfen.
Gott hat nichts dagegen, dass wir nicht immer und überall seinen Willen
erkennen. Und nicht alles, was in dieser Welt geschieht, ist Gottes Wille und
Plan.
Das kann ich euch am
einfachsten verdeutlichen bei Adam und Eva. Gott will nicht, dass Adam und Eva
der Schlange gehorchen und der Eingebung zum Bösen folgen. Gott will nicht,
dass Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis oder vom Baum des Lebens essen. Sie
tun es trotzdem. Das ist gegen Gottes erklärten Willen. Hier geschieht nicht
Gottes Wille, hier setzt der Mensch seinen Kopf durch. Hier folgt der Mensch
der Versuchung und Verführung zum Bösen.
Und Gott – ist nur noch
darauf bedacht und damit beschäftigt, schlimmeres Unheil abzuwenden und das
Böse, das der Mensch begangen hat, wieder gut zu machen. Schlimmeres Unheil
abzuwenden: Der Mensch muss aus dem Paradies, sonst wird er bestimmt auch noch
vom Baum des ewigen Lebens essen – und als Gefallener, als Sünder ohne Ende,
ewig leben müssen. Gott will den Menschen bewahren vor einem ewigen Leben in
Elend und Not.
Gott will das Böse des
Menschen wieder gut machen: Es wird einer kommen, der wird dem Bösen den Kopf
zertreten. Aber das Böse, der Böse, wird dir in die Ferse stechen. D.h. Mensch,
du kannst nicht richtig laufen. Du kannst dich nicht entfalten. Du kannst nicht
deine volle Kraft und deine vollen Möglichkeiten ausschöpfen, denn das Böse,
der Böse trifft dich an empfindlicher Stelle, in die Ferse, in den Fuß.
Menschen, du humpelst, du hinkst, du braucht einen Stock, eine Gehhilfe. Das
und der Böse behindert den Menschen. Es zerstört ihn und seine Welt. Das und
der Böse entsprechen nicht dem Willen Gottes.
Gott lässt dem Menschen die
Wahl. Das ist das einzige, was man ihm vorwerfen kann: Gott, warum has du dem
Menschen die Wahl gelassen? Warum hast du ihm überhaupt die Möglichkeit
gegeben, gut und böse auszuprobieren?
Und Gott würde vielleicht
antworten: Das zeichnet ja gerade den Menschen und Gott selber aus: Sie können
gut und böse erkennen. Sie können wählen. Das Böse bekämpfen oder sich auf
seine Seite schlagen.
Das ist ganz wichtig und
wesentlich für das Bild Gottes, dass der Mensch wie Gott die freie Wahl und
Entscheidung hat. Der Mensch ist keine Puppe, er ist keine Marionette Gottes –
sondern selbst in die Entscheidung gestellt. Die Gottebenbildlichkeit des
Menschen liegt auch darin, dass der Mensch sich entscheiden muss zwischen Gut
und Böse, zwischen Gott und dem Chaosmacher.
Der Heidelberger stellt
keine Spekulationen an über den Willen Gottes, was Gott alles will und was nicht.
Er sagt: Wo wir beten: Dein Wille geschehe, - da beten wir – und das ist
merkwürdig im wahrsten Sinn, da beten wir: Gib und hilf, dass jeder Mensch
seine irdischen Aufgaben so willig und treu ausübe wie die Engel im Himmel.
Gib, dass die Menschen kleine
Engel werden, und wie himmlische Engel auf Erden ihr Werk verrichten. So willig und treu, in Übereinstimmung mit
Gott und seinen Gedanken und Plänen. Die Engel im Himmel suchen nichts anderes
und wollen nichts anderes, als die Ehre Gottes und das Heil und Wohlergehen der
Menschen und ihrer Welt. Die Menschen sollen handeln und werden wie die Engel
und wie die Engel im Himmel auf Erden sich einsetzen. Sie sollen den Engeln
gleich werden.
Ihr spürt, wie fremd dieser
Gedanke ist – und wie er uns zugleich verzaubert. „Der kleine Prinz“ könnte
auch der kleine Engel sein, der nur Gutes tut und nur Gutes sucht, der überall
Licht und Freude verbreitet, der Tränen trocknet und Trauernde tröstet, der
Gebeugte aufrichtet und Verirrte nach Hause geleitet. Die irdischen Aufgaben,
hier auf Erden, als Engel Gottes tun. Engel Gottes sein, Bote Gottes,
Mitarbeiter und Mitstreiter Gottes auf Erden, darum geht es in dieser Bitte.
Dass wir Gottes Willen
suchen und tun.
Unserm eigenen Willen
absagen
und deinem allein guten Willen
ohne alles Widersprechen
gehorchen.
Ein Engel sollst du sein,
Gottes Bote, Gottes Gesandter, Gottes Mitarbeiter.
Da ist nichts Schweres mehr
in dieser Bitte, sondern nur Sehnsucht und Verlangen, dass die ganze Welt
voller Engel wäre, und alle Bengel und bösen Buben, alle Gewalttäter und
Terroristen, alle Lügner und alles Unwahre und Unwahrhaftige ein Ende habe.
Dass die ganze Welt voller Engel wäre, und alle Dunkelheit und Nacht und
Traurigkeit überwunden. Dass die ganze
Welt voller Engel wäre – und alles Leid und alle Bedrohung und aller Hass in
Liebe und Lachen und Freude sich verwandle. Das beten wir, wo wir sagen. Dein
Wille geschehe.
Wie im Himmel, so auf Erden.
Lass den Himmel und die Engel ein Vorbild und ein Beispiel sein, für das, was
wir auf Erden tun.
Dein Wille geschehe, lässt
uns nicht passiv bleiben. Diese Bitte bezieht uns höchst aktiv mit hinein in
Gottes Welt und Zukunft, die heute bei uns schon Wirklichkeit werden wollen.
Dort, wo jeder und jede, seine und ihre irdischen Aufgaben so willig und treu
ausüben wie die Engel im Himmel.
Wir sind dran, nicht Gott.
Gott hat deutlich erklärt, dass er das Gute will. Er hat alles getan, um seinen
Willen durchzusetzen. Er hat einen so starken Willen, dass niemand am Ende ihm
widerstehen oder widersprechen kann. Das ist unsere Hoffnung. Das ist keine
Bedrohung für uns, sondern unser Glück.