Gottesdienst 14.10.2001

                Ort:                                         Hoogstede                                              

                Zeit:                                        14.00 Uhr                                              

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Stilles Gebet, Votum, Gruß

Eingangslied:       Lied 388 : 1 – 2     O Durchbrecher aller Bande

Gebet

Lesung:                 1. Mose 3, 1 – 15 Der Sündenfall

Singen:                  Lied 166 : 4 – 6     Mache mich zum guten Lande

60. Predigt:       Heidelberger Katechismus, Antwort 124

Thema:                 Gottes Wille

Singen                   Lied 188                 Vater unser, Vater im Himmel

                Glaubensbekenntnis

                Singen   Psalm 107 : 4, 13 Er führt in Dunkelheiten

Gebet

Singen:                  Psalm 33 : 3,  5, 9 Vollkommen heilig ist sein Wille

Segen

                         Ausweichmöglichkeit: Lied 616,3 = Ps. 33 Vollkommen  heilig ist sein Wille

 

Heidelberger 124

Was bedeutet die dritte Bitte:

„Dein Wille geschehe

wie im Himmel so auf Erden“?

Damit beten wir:

Hilf, dass wir und alle Menschen

unserm eigenen Willen absagen

und deinem allein guten Willen

ohne alles Widersprechen gehorchen,

so dass jeder seine irdischen Aufgaben

so willig und treu ausübt wie die Engel im Himmel.

 

Liebe Gemeinde, wir wissen oft selber nicht, was wir wollen, oder? Unser Wollen und unser Wille ist oft hin und hergerissen zwischen Wunsch und Wirklichkeit, zwischen Gut und Böse.

Manche Menschen haben einen starken Willen. Sie sind durchsetzungsfähig. Sie opfern sich und ihre Kräfte, weil sie ihre Ziele und Wünsche verwirklichen wollen. Andere sind eher willenlos. Sie lassen sich von jedem Wind hin- und hertreiben, versuchen es allen recht zu machen – und werden dabei leicht unglücklich.

 

Antwort 124 des Heidelber legt die Bitte „Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden“ ganz anders aus, als wir es erwarten würden. Wir haben wohl einmal Probleme, Probleme mit dem Willen Gottes; Probleme besonders bei Unfall, Mord, Totschlag oder Terror, bei schlimmer Krankheit oder schrecklichen Erlebnissen. Dann diskutieren wir und ringen wir um Gottes Willen. Dann ist es mühsam, einzustimmen und zu beten: Dein Wille, Gott, geschehe wie im Himmel so auf Erden. Es gibt Momente in unserem Leben, da ballen wir eher die Faust gegen den Himmel und gegen Gott. Es gibt Momente in unserem Leben, da will es nicht über unsere Lippen: Dein Wille geschehe. Von allen Bitten des Unser Vater  ist dies vielen Menschen die härteste und schwerste – gerade in schweren Stunden.

Ich weiß nicht, ob das so sein muss. Ob wir immer „Ja und Amen“ sagen müssen auf Gottes Wege mit uns Menschen. Die Dichter der Psalmen, gläubige Männer wie Hiob und Jeremia, sie haben eben nicht nur gebetet: Dein Wille geschehe. Sie haben mit Gott gerungen, gerungen wie Abraham um Sodom.

Gott, lass mit dir reden. Gott höre mich. Gott wo bist du? Gott wie kannst du nur dies geschehen lassen? Gott hat nichts dagegen, dass wir mit ihm ringen, dass wir mit ihm kämpfen. Gott hat nichts dagegen, dass wir nicht immer und überall seinen Willen erkennen. Und nicht alles, was in dieser Welt geschieht, ist Gottes Wille und Plan.

Das kann ich euch am einfachsten verdeutlichen bei Adam und Eva. Gott will nicht, dass Adam und Eva der Schlange gehorchen und der Eingebung zum Bösen folgen. Gott will nicht, dass Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis oder vom Baum des Lebens essen. Sie tun es trotzdem. Das ist gegen Gottes erklärten Willen. Hier geschieht nicht Gottes Wille, hier setzt der Mensch seinen Kopf durch. Hier folgt der Mensch der Versuchung und Verführung zum Bösen.

Und Gott – ist nur noch darauf bedacht und damit beschäftigt, schlimmeres Unheil abzuwenden und das Böse, das der Mensch begangen hat, wieder gut zu machen. Schlimmeres Unheil abzuwenden: Der Mensch muss aus dem Paradies, sonst wird er bestimmt auch noch vom Baum des ewigen Lebens essen – und als Gefallener, als Sünder ohne Ende, ewig leben müssen. Gott will den Menschen bewahren vor einem ewigen Leben in Elend und Not.

Gott will das Böse des Menschen wieder gut machen: Es wird einer kommen, der wird dem Bösen den Kopf zertreten. Aber das Böse, der Böse, wird dir in die Ferse stechen. D.h. Mensch, du kannst nicht richtig laufen. Du kannst dich nicht entfalten. Du kannst nicht deine volle Kraft und deine vollen Möglichkeiten ausschöpfen, denn das Böse, der Böse trifft dich an empfindlicher Stelle, in die Ferse, in den Fuß. Menschen, du humpelst, du hinkst, du braucht einen Stock, eine Gehhilfe. Das und der Böse behindert den Menschen. Es zerstört ihn und seine Welt. Das und der Böse entsprechen nicht dem Willen Gottes.

Gott lässt dem Menschen die Wahl. Das ist das einzige, was man ihm vorwerfen kann: Gott, warum has du dem Menschen die Wahl gelassen? Warum hast du ihm überhaupt die Möglichkeit gegeben, gut und böse auszuprobieren?

Und Gott würde vielleicht antworten: Das zeichnet ja gerade den Menschen und Gott selber aus: Sie können gut und böse erkennen. Sie können wählen. Das Böse bekämpfen oder sich auf seine Seite schlagen.

Das ist ganz wichtig und wesentlich für das Bild Gottes, dass der Mensch wie Gott die freie Wahl und Entscheidung hat. Der Mensch ist keine Puppe, er ist keine Marionette Gottes – sondern selbst in die Entscheidung gestellt. Die Gottebenbildlichkeit des Menschen liegt auch darin, dass der Mensch sich entscheiden muss zwischen Gut und Böse, zwischen Gott und dem Chaosmacher.

 

Der Heidelberger stellt keine Spekulationen an über den Willen Gottes, was Gott alles will und was nicht. Er sagt: Wo wir beten: Dein Wille geschehe, - da beten wir – und das ist merkwürdig im wahrsten Sinn, da beten wir: Gib und hilf, dass jeder Mensch seine irdischen Aufgaben so willig und treu ausübe wie die Engel im Himmel.

Gib, dass die Menschen kleine Engel werden, und wie himmlische Engel auf Erden ihr Werk verrichten.  So willig und treu, in Übereinstimmung mit Gott und seinen Gedanken und Plänen. Die Engel im Himmel suchen nichts anderes und wollen nichts anderes, als die Ehre Gottes und das Heil und Wohlergehen der Menschen und ihrer Welt. Die Menschen sollen handeln und werden wie die Engel und wie die Engel im Himmel auf Erden sich einsetzen. Sie sollen den Engeln gleich werden.

Ihr spürt, wie fremd dieser Gedanke ist – und wie er uns zugleich verzaubert. „Der kleine Prinz“ könnte auch der kleine Engel sein, der nur Gutes tut und nur Gutes sucht, der überall Licht und Freude verbreitet, der Tränen trocknet und Trauernde tröstet, der Gebeugte aufrichtet und Verirrte nach Hause geleitet. Die irdischen Aufgaben, hier auf Erden, als Engel Gottes tun. Engel Gottes sein, Bote Gottes, Mitarbeiter und Mitstreiter Gottes auf Erden, darum geht es in dieser Bitte.

Dass wir Gottes Willen suchen und tun.

Unserm eigenen Willen absagen

und deinem allein guten Willen

ohne alles Widersprechen gehorchen.

Ein Engel sollst du sein, Gottes Bote, Gottes Gesandter, Gottes Mitarbeiter.

Da ist nichts Schweres mehr in dieser Bitte, sondern nur Sehnsucht und Verlangen, dass die ganze Welt voller Engel wäre, und alle Bengel und bösen Buben, alle Gewalttäter und Terroristen, alle Lügner und alles Unwahre und Unwahrhaftige ein Ende habe. Dass die ganze Welt voller Engel wäre, und alle Dunkelheit und Nacht und Traurigkeit überwunden.  Dass die ganze Welt voller Engel wäre – und alles Leid und alle Bedrohung und aller Hass in Liebe und Lachen und Freude sich verwandle. Das beten wir, wo wir sagen. Dein Wille geschehe.

 

Wie im Himmel, so auf Erden. Lass den Himmel und die Engel ein Vorbild und ein Beispiel sein, für das, was wir auf Erden tun.

Dein Wille geschehe, lässt uns nicht passiv bleiben. Diese Bitte bezieht uns höchst aktiv mit hinein in Gottes Welt und Zukunft, die heute bei uns schon Wirklichkeit werden wollen. Dort, wo jeder und jede, seine und ihre irdischen Aufgaben so willig und treu ausüben wie die Engel im Himmel.

Wir sind dran, nicht Gott. Gott hat deutlich erklärt, dass er das Gute will. Er hat alles getan, um seinen Willen durchzusetzen. Er hat einen so starken Willen, dass niemand am Ende ihm widerstehen oder widersprechen kann. Das ist unsere Hoffnung. Das ist keine Bedrohung für uns, sondern unser Glück.