Zweiter Ref.-altreformierter Passionsgottesdienst

03.03.2005 Hoogstede

Stilles Gebet, Votum,  Gruß

Eingangslied:                Lied 79 : 1, 3, 4      Wir danken dir Herr Jesu Christ,

Gebet

Lesung:                 Matthäus 26, 17-29

Singen:                  Lied 87 : 3 – 7               Dein Kampf ist unser Sieg

14. Predigt:         Matth. 26,31-35

Thema:            Verrat Judas und Leugnung Petrus

Singen                   Psalm 118 : 5, 9           Der Herr ist m. Hilf und Stärke

Gebet

Singen:                  Psalm 118 : 11, 12      Gesegnet sei des Herrn Gemeinde

Segen


LG, der Hahn steht auf vielen Kirchtürmen. Der Hahn auf der Kirchturmsspitze
 ist nicht der Wetterhahn. Der Hahn steht nicht auf den Kirchtürmen, um uns das
Wetter oder die Windrichtung anzuzeigen. Auf den reformierten
Kirchengebäuden in Ungarn steht übrigens immer ein Hahn – und niemals Textfeld: Erstes Gebet vor der Predigt (nach einem Gebet von Kurt Wolff)
Herr, unser Gott, gibt uns dein Wort,
damit die Zweifel uns nicht verzehren,
damit die Traurigkeit uns nicht lähmt,
damit die Angst uns nicht das Herz zuschnürt.
Gib uns dein Wort,
damit die Tränen uns nicht blind machen,
damit die Gleichgültigkeit uns nicht hoffnungslos macht.
Gib uns deinen Geist der Hoffnung,
den Geist des Lebens und der Kraft,
damit wir von neuem geboren werden
und mit hellen Augen dich sehen.
Gib uns dein Wort, damit wir
mit wachen Ohren hören,
und unsere Füße in Bewegung setzen:
hin zu den Zweifelnden und zu den Selbstsicheren,
hin zu den Traurigen und zu den Fröhlichen,
hin zu den Kranken und zu den Gesunden,
hin zu den Jungen und zu den Alten
um die Botschaft von dem lebendigen Christus weiterzusagen,
der lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit,
und dem alle Macht gegeben ist
im Himmel und auf Erden.        AMEN
ein Kreuz. Eine Kirche mit einem Kreuz drauf ist in Ungarn immer
eine römisch-katholische.

Hier in Hoogstede halten wir es unterschiedlich zwischen den Kirchen.
Wisst ihr, was die einzelnen Türme ziert? Ihr seid alle oft genug durch
Hoogstede gefahren oder spaziert. Trotzdem schauen wir nur selten zu den
Kirchtürmen. Ich muss gestehen, ich bin auch heute Nachmittag noch einmal
durchs Dorf gegangen, damit ich nun nichts Falsches sage.

Die  reformierte Kirche von 1821 und die römisch-katholische von 1869 tragen in Hoogstede beide auf ihrer Kirchturmspitze  über der Weltkugel das Kreuz und oben auf dem Kreuz den Hahn. Die altreformierte Kirche kam  hier viel später, sie stammt aus 1953 und trägt nur die Weltkugel und darüber das Kreuz. Und die lutherische Kirche wurde 1960 gebaut und hat gar keinen Turm.

Der Hahn auf dem Turm ist der Hahn, der bei Petrus kräht. Der Hahnen erinnert Petrus an das Wort Jesu: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnet haben. Der Hahn auf dem Kirchturm erinnert uns daran, dass wir alle auch heute in der Gefahr stehen, Jesus zu verleugnen und uns von ihm zu distanzieren. 

LG, zwischen der Verleugnung des Petrus und dem Verrat des Judas liegt nur ein kleiner Schritt. Zwischen Petrus damals und uns heute – wie auch zwischen Judas damals und uns heute liegt nur ein ganz kleiner Schritt. Das ist den Jüngern viel bewusster als uns heute. Die Jünger wissen viel besser als wir – wie schnell und wie leicht sie Jesus verleugnen und verraten.

Einer von euch wird mich verraten, sagt Jesus. Einer wird mich verkaufen. Und jeder einzelne Jünger hält es für möglich, dass er es ist, dass er der Verräter ist. Jeder Einzelne fragt und bangt: Herr bin ich es?

LG, es ist nicht von vornherein ausgemacht, dass Judas der eine Böse ist und die andern sind alle die Guten. Ganz im Gegenteil. Jeder Jünger traut sich die Judasrolle zu. Pastor Magdanz hat uns ja im ersten Passionsgottesdienst dieses Jahres, den alle vier Gemeinden hier in dieser Kirche gefeiert haben,  gepredigt: Auch Judas ist heilsnotwendig. Ohne Judas wären die Jesusgeschichte und auch Gott selbst nicht zu ihrem Ziel gekommen. Jesus kennt seinen Verräter. Aber Jesus preist ihn nicht. „Es geschieht, wie es geschrieben steht", sagt Jesus. "Aber wehe dem, der mich verrät. Es wäre besser, er wäre nie geboren.“

Es muss zwar so sein. Einer muss Jesus "verkaufen". Einer muss Jesus an die Soldaten und HP verraten. Doch dieser Mensch wird nicht glücklich. Dieser Mensch – Judas – ist nach seinem Verrat todunglücklich. Er wurde seine Lebens nicht mehr froh und hat sich ein oder zwei Tage nach seinem Verrat das Leben genommen. Das berichtet Matthäus gleich im nächsten Kapitel. Die Gegenseite hat ihn nur benutzt - und lässt ihn danach fallen wie eine heiße Kartoffel. "Mit deinem Gewissen musst du selbst fertig werden!" Judas hat alles andere gewollt als das, was nach seinem Verrat passiert ist.

LG, ich sagte, es ist gar kein großer Abstand zwischen der Verleugnung des Petrus und dem Verrat des Judas. Wir haben zwar zwei schöne unterschiedliche Worte dafür: Verleugnung und Verrat. Aber damit wird der Abstand zwischen beiden zu groß. Auch Petrus verrät Jesus. Auch Judas verleugnet Jesus.

Beide schwören sie Jesus ab. Nein, Jesus ist nicht der Christus Gottes. Nein, Jesus ist nicht der Heiland der Welt. Mit diesem Jesus haben wir nichts zu tun. Vielleicht sind die Motive des Judas im Grunde noch ehrenwerter als die des Petrus.

Man hat von Judas gesagt, er habe das Reich Gottes herbeizwingen wollen. Judas ist drei Jahre mit Jesus über Land gezogen. Judas hat wie alle anderen Jünger selber gepredigt und Zeichen und Wunder getan im Namen Jesu. Judas hat sich gefreut, wo ihm die bösen Geister untertan waren. Judas hat in Mt .14  bei der Speisung der 5000 auch von den fünf Broten und den zwei Fischen ausgeteilt – und später 12 Körbe voller Reste eingesammelt.

Judas hat das Passahmahl und das Abendmahl mitgefeiert – obwohl Jesus weiß, dass er der Verräter sein wird. Jesus hat ihn nicht ausgeschlossen vom Abendmahl. Jesus hat ihn nicht hinaus geworfen. Das sollten alle gut bedenken, die immer wieder einmal jemanden vom Abendmahl ausschließen möchten. Jesus hat den Judas bis zuletzt getragen – und ihn dann doch seinen Gang gehen lassen. Jesus hat ihn seinen Gang gehen lassen.

 Und, l.G., den Petrus hat er eben nicht seinen Gang gehen lassen. Den Petrus hat Jesus angeschaut. Den Petrus hat Jesus vorgewarnt. Dem Petrus hat er den Hahn, den Hahnenschrei, in den Weg gestellt: Wenn der Hahn kräht, dann wirst du erkennen,  was du getan hast."

Aber mit dem Hahnenschrei begreift Petrus auch die Liebe Jesu, die ihn anschaut, die ihn vorwarnt hat, die ihn festhält – auch in und nach seiner Verleugnung. Petrus sagt: Ich kenne diesen Jesus nicht. So ähnlich mag uns das auch manchmal ergehen. Wir sagen mit unserem Leben und Verhalten, mit unseren Worten und Taten immer wieder einmal: Ich kenne diesen Jesus nicht.

 Jesus hat dem Petrus schon sehr deutlich gezeigt: Ich kenne dich wohl, Petrus und ich werde dich  immer kennen. Ich lasse dich nicht los! Jesus verleugnet den Petrus nicht! Jesus wendet sich nicht ab. Jesus tut nicht so, als ob er Petrus nicht kennt.

Jesus kennt sie alle, seine Jünger. Er weiß, wie berechtigt ihre Frage ist: "Herr, bin ich es? Werde ich dich verraten?" "Herr, ich kenne mich selber nicht! Ich kann die Hand nicht einmal für mich selbst ins Feuer legen. Herr, ich könnte es auch sein."

Einer verrät Jesus, einer verleugnet Jesus – und alle anderen flüchten und verstecken sich. Alle anderen sind vor allem um die eigene Haut besorgt – und wollen das eigene Leben retten. Sie verleugnen und verraten Jesus ebenso.

LG, so sind wir. Wenn es drauf ankommt, versagen wir. Dann lassen wir Jesus im Stich. Im Nachhinein wissen wir oft wohl, was wir hätten sagen sollen, wie wir uns hätten verhalten sollen. Nachher sind wir  immer klüger. Aber wenn es drauf ankommt? Dann geht es uns wie den Jüngern. Dann ist von einer tollen Predigt nichts übrig. Dann ist von unserem christlichen Leben so gut wie nichts zu sehen. Dann tun auch wir oft so, als würden wir Jesus nicht kennen. Als würden wir gar nicht zu ihm gehören.

 Doch LG, - und das ist nun die gute Nachricht, -  noch bevor Jesus Christus ans Kreuz geht, lädt er all diese fragenden und an sich selbst zweifelnden Jünger und auch uns ein in seine Vergebung. Er lädt selbst den Judas mit ein, den Petrus, die anderen Jünger und uns alle: Mein Blut wird vergossen – ich sterbe, ich gehe ans Kreuz – für viele zur Vergebung der Sünden! Zur Vergebung der Sünden!

Vergebung – für all die lauten und groß tönenden Jünger: Ich werde dich niemals verlassen. Wenn auch alle weggehen, ich niemals. Und wenn ich mit dir sterben müsste – ich stehe zu dir. „Das gleiche sagten alle Jünger.“ So reden sie alle. 

Aber keiner hat sein Wort gehalten. Wir auch nicht. Keiner hat die Kraft gehabt und den Mut. Alle sind geflohen. Alle haben geschwiegen. Alle haben sich distanziert. Alle versuchen, die eigene Haut zu retten. Alle sind sich selbst der Nächste. Keiner kann diesen Weg mit Jesus gehen!

Aber  Jesus geht seinen Weg gerade für diese Flüchtlinge, Verräter, Schweiger  und Verleugner. Er geht seinen Weg für uns! Er stirbt, für viele, zur Vergebung der Sünden.

LG, Gott sieht unsere Flucht, unseren Verrat und unsere Verleugnung nicht mehr an!
Gott sieht  unsere Gottlosigkeit, unsere Lüge, unsere Sünde nicht mehr an!
Gott behaftet den Petrus nicht bei seinem Verrat und die Jünger nicht bei ihrer Flucht!
Gott schaut bis heute auf Jesus Christus.
Jesus Christus sagt: Das tue ich für meine Jünger und Jüngerinnen, für meine Gemeinde, für die Kinder, für die Menschen Gottes.

Und er sagt: Ich werde am Ende mit euch feiern. Wir werden am Ende miteinander anstoßen. Wir werden am Ende gemeinsam den Wein trinken – in meines Vaters Reich.
Es wird am Ende – das Fest gefeiert.
Am Ende steht nicht das drohende Wort über Judas.
Am Ende steht der Lobgesang. Lobe den Herrn, meine Seele, Psalm 113 bis 118. Das große Halleluja: Lobt ihr Knechte des Herrn, lobt den Namen des Herrn. Gelobt sei der Herr von Ewigkeit zu Ewigkeit. Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang, Das ist der Anfang von Psalm 113. Damit wurde das Passahmahl und das Abendmahl beschlossen, mit dem Vorlesen von Ps. 113 bis 118. Und Psalm 118 schließt: Danket dem Herrn; denn er ist freundlich – und seine Güte währet ewiglich.

Dabei bleibt es. Dafür sorgt Jesus Christus mit seinem  Sterben und Auferstehen.

 Das letzte Zusammensein von Jesus und seinen Jüngern vor der Kreuzigung endet nicht in Niedergeschlagenheit und Bedrückung – sondern mit den Psalmen der Dankbarkeit. Seine Güte während ewiglich. Danket dem Herrn!"

An dieses Erbarmen und diese Treue Gottes will der Hahn auf den Kirchtürmen uns auch erinnern.

(Getippt nach den Predigtnotizen und aus der Erinnerung, 5.3.2005, GJB)

Erstes Gebet vor der Predigt (nach einem Gebet von Kurt Wolff)

Herr, unser Gott, gibt uns dein Wort,
damit die Zweifel uns nicht verzehren,
damit die Traurigkeit uns nicht lähmt,
damit die Angst uns nicht das Herz zuschnürt.

Gib uns dein Wort,
damit die Tränen uns nicht blind machen,
damit die Gleichgültigkeit uns nicht hoffnungslos macht.

Gib uns deinen Geist der Hoffnung,
den Geist des Lebens und der Kraft,
damit wir von neuem geboren werden
und mit hellen Augen dich sehen.

Gib uns dein Wort, damit wir
mit wachen Ohren hören,
und unsere Füße in Bewegung setzen:
hin zu den Zweifelnden und zu den Selbstsicheren,
hin zu den Traurigen und zu den Fröhlichen,
hin zu den Kranken und zu den Gesunden,
hin zu den Jungen und zu den Alten

um die Botschaft von dem lebendigen Christus weiterzusagen,
der lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit,
und dem alle Macht gegeben ist
im Himmel und auf Erden.        AMEN

 

 

Zurück zur homepage von Pastor Dr. Beuker