Predigtreihe

Evangelisch-altreformierte Kirche in Niedersachsen                 Jahrgang 1997, Nummer 7

 

Siehe, ich mache alles neu!

Predigt über Offenbarung 21, 1 – 5

von Pastor Dr. Gerrit Jan Beuker, Hoogstede

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Begrüßung, Mitteilungen

Stilles Gebet, Eingangswort,  Gloria, Gruß

Eingangslied:    Lied 432

Gebet (Schuldbekenntnis)

Wochenpsalm Nr.725 (im Wechsel von Pastor und Gemeinde)

Weisung           2. Mose 20

Singen              Psalm 87

Gebet um den Heiligen Geist

Lesung      :      Offenbarung 21, 6 - 27

Singen     :        Lied 147 : 3

Predigt:   Offenbarung 21, 1 - 5

Singen     :             Lied 151 : 1 + 7

Glaubensbekenntnis

Singen     :

Gebet

Singen              Lied 393 : 1, 2, 11

Segen

 

Eingangsgebet:

Lieber Herr und Gott, lieber Vater im Himmel, oft erwarten wir alles, nur dich nicht. Oft suchen wir alles, nur dich  nicht. Wir starren uns blind im Nebel der Zeit. Wir haben Probleme, dich und den Nächsten zu finden. Wir haben Angst, was wir haben, zu verlieren. Wir möchten das Alte und Vergehende festhalten – denn was kommt, ist uns noch so undeutlich. Wir kapseln uns ab, wir igeln uns ein. Angst und Druck bestimmen manches Menschenleben. Herr, schenke uns Hoffnung und Erwartung. Gib uns Kraft, deiner Zukunft entgegenzugehen – und schon hier und heute uns bestimmen zu lassen, von dem, was kommt.

Du kommst und machst alles Dunkel hell. Du kommst und schenkst Leben in Freude und Fülle. Du kommst und machst laut den Jubel. Du kommst – und nichts bleibt mehr beim  alten. Herr, wecke und mehre die Hoffnung in uns und unserer Welt.

Predigt:

Liebe Gemeinde,  der große und schreckliche Tag des Herrn (Maleachi) ist vorüber. Er war der Jüngste Tag. Die letzten Momente der irdischen Zeit sind vergangen. Mit ihr haben alle Zeiten, alle Jahrhunderte und Jahrtausende ihren Abschluss gefunden. Die Zeit ist vorüber, die Ewigkeit an ihre Stelle getreten. Der lange Strom der Zeit ist eingemündet und aufgenommen in das große Meer der Ewigkeit.

Die Geschichte der Welt ist in Offenbarung 21 abgeschlossen, das Buch der Zeit zugeklappt. Es ist nichts mehr hinzuzufügen. Und was wird nun am Ende aus der Welt? Macht Gott mit ihr auch Schluss, schreibt er sie ab? Nein, Gott ist nicht am Ende, sondern am Ziel. Er ist an der Vollendung seiner Schöpfung angelangt. “Das Alte ist vergangen; siehe es ist alles neu geworden.

Nun ist die Welt in Offenbarung 21, wie Gott sie haben wollte. Alle Siegel der Geschichte aus den vorigen Kapiteln der Offenbarung sind geöffnet, alle Rätsel gelöst. Alles, was bislang verhüllt und verborgen war, wird enthüllt. Es ist alles Wirklichkeit, was Gott wollte, als er Himmel und Erde schuf.

Die Zeit ist in Offenbarung 21  zu Ende. Wir schauen hinein in das, was danach kommt. Wir sehen, was nach dieser Zeit sein wird. “Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde.” Jesaja 65,17 malt es uns schon vor Augen. “Siehe ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken wird”, spricht Gott dort.  Und 2. Petrus 3,13 schreibt davon im Neuen Testament auch für uns heute: “Wir erwarten einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung”.

“Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.” Das ist der erste Satz der Bibel Und nun sieht Johannes noch einen Anfang, einen neuen Anfang, einen neuen Himmel und eine neue Erde. Es herrschen ganz neue Verhältnisse. Die Welt ist in ihrem Wesen und ihrer Substanz ganz neu geworden. In der Begegnung mit Jesus Christus erhalten wir heute ein neues Herz. Nach unserer Auferstehung  spricht 1. Kor. 15 von einen neuen, geistlichen Auferstehungsleib. – Und am Ende steht eine neue Welt, ein neues Universum! Römer 8,23 sagt: Auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.

Die Auferstehung Jesu zieht also immer größere Kreise. Zuerst erfasst sie seine Jünger, dann die Völker und zuletzt die ganze Schöpfung. “Ist jemand in Christus”, weiß schon Paulus, “dann ist er eine neue Kreatur”, also eine neue Schöpfung.

Gott spricht am Anfang – und die Welt entsteht aus dem Chaos, aus der Urflut. Übrigens sind sich Bibel und Naturwissenschaft darin ganz einig. Aus dem Wasser der Urflut entstehen das Leben und die Welt!

Gott spricht – und es geschieht. Aber dann stellt sich der Mensch gegen Gott. Der Mensch probt den Aufstand, die Revolution. Gott zieht sich zurück. Gott kündigt die Gemeinschaft wohl nicht ganz auf. Aber seither leiden wir unter dem Schweigen Gottes, unter Gottesferne und Gottesfinsternis.

“Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch seinen Sohn”, fängt der Hebräerbrief an. Und nachdem nun in Offenbarung 21 auch die Zeit der Christenheit vorbei ist, nachdem die Weltgeschichte geendet hat, redet Gott wieder. “Siehe, ich mache alles neu!” sagt der, der auf dem Thron sitzt, das ist Gott.

Das ist ein starkes und Mut machendes Wort. Darauf dürfen wir hoffen. “Siehe, ich mache alles neu!” Das ist das erste Wort von Gott, der auf dem Thron sitzt. Es liegt ihm auf der Zunge, es ist sein Programm! Engel, Geister, Mächte und Stimmen haben in der Offenbarung gerufen. Die Posaunen sind geblasen. Jetzt hören wir zum ersten die Stimme Gottes. Zum ersten Mal in der Offenbarung spricht Gott selbst. Was wird er sagen? So oft hat er geredet durch die Propheten und am Ende durch seinen Sohn.

Wenn man einmal Gott selber hören könnte, denkt mancher. Aber in dieser Zeit hörst du ihn nicht direkt vom Himmel her. Gott spricht im Alten Testament durch Visionen und Träume, durch Propheten und Priester. Er spricht heute durch sein Wort, durch seine Boten, durch Jesus Christus. Aber ganz am Schluss der Bibel spricht Gott wieder, wie er am Anfang gesprochen hat. Es ist die Stimme aus der tiefsten, fernsten Ewigkeit: Siehe, ich mache alles neu! Das ist Gottes Zukunft.  – Das ist unsere Zukunft!

 

Und dann schildert Offb. 21 eine unvorstellbare Welt! Offb. 21,2: “Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr.” Die neue Welt ist ohne Meer. Die neue Welt ist ganz und gar die Heimat der Menschen Gottes. Nichts ist mehr unbewohnbar und unbebaubar. Da ist eine Weite und eine Fülle an Raum, wie die vergangene Welt sie nicht hatte. Da gibt es eine Weite an Fläche und Ausdehnung, eine Weite auch an Betätigung und Entfaltung. Platz genug ist auf der neuen Erde.

Mit der alten Enge ist auch die Angst verschwunden. Wenn es kein Meer mehr gibt, dann kann es nicht mehr über die Ufer treten. Alle Gefahren und Bedrohungen, alle Unergründlichkeiten und Unheimlichkeiten sind fortgefallen. Die Naturgewalten, denen Menschen bis heute weitgehend hilflos gegenüberstehen, sind vollständig aufgehoben und aufgelöst. Die neue Welt ist eine angstfreie Welt.

Was Menschen, Völker und Länder einmal trennte, ist aufgehoben. Die ganze Erde ist ein einziges Land, die ganze Menschheit eine einzige Gemeinschaft. Was keine Friedensbewegung und keine Politiker je erreichen können, erreicht Jesus Christus. Die neue Welt ist eine Welt großer Einheit und Vollkommenheit. Alle sind sich dort einig. Und alle sind eins mit Gott.

 

Das Zentrum der neuen Welt, ihr Herzstück und ihren Herzschlag, die neue Hauptstadt beschreibt Offenbarung  21. Himmel und Erde schieben ineinander. Da ist keine Trennung mehr. Der neue Himmel und die neue Erde durchdringen einander. Sie sind deckungsgleich. Sie sind identisch. Der Himmel ist die Erde und die Erde ist der Himmel!

In der alten Welt war und ist für das Volk und die Stadt Gottes wenig Platz. Sie waren und sind wie Fremdkörper in einer Welt. Da waren sie nicht recht zu Hause. Das alte Jerusalem und der alte Tempel wurden immer wieder zerstört und dem Erdboden gleichgemacht. Sie waren nichts im Vergleich zur kommenden Stadt. Mose hat ein Zelt für Gott machen lassen, 10 Meter lang und drei Meter breit, die Stiftshütte. Salomo hat einen großen Tempel gebaut. Herodes errichtete einen zweiten, noch viel größer als der erste. – Aber nun baut Gott sein Jerusalem. Von zwölf Perlen sind die Tore und alle bekannten Edelsteine der Welt bilden die Fundamente. Die ganze Stadt ist aus reinem Gold oder Glas gemacht, Vers 18. Deswegen spricht man von der goldenen Stadt. Sie ist quadratisch, gleich lang und breit und hoch.

Sie ist also in der Vorstellung des Altertums vollkommen. Sie ist aus den allerschönsten, allerreinsten und allerteuersten Materialien gebaut. Glas und Gold spiegeln die Herrlichkeit Gottes. Mitten in dieser Stadt leuchten die Herrlichkeit Gottes und das Licht Jesu Christi. Die Völker leben im Lichtschein dieser Stadt. Es gibt keine Nach mehr. Die Tore werden nie verschlossen. Es gibt keine Unreinheit, keine Gottlosigkeit und keine Lüge mehr.

Alle Folgen der Gottesferne und Gottlosigkeit sind aufgehoben. Alle Folgen der Sünde und der Trennung von Gott verschwunden. Jeder und jede wird ein Original sein, jede und jede er oder sie selbst in völliger Übereinstimmung mit Gott. Es gibt keine Trauer mehr über verpaßte Chancen und vertane Möglichkeiten. Es gibt kein Leiden und keine Trauer mehr, keinen Krach und keinen Lärm. Modern gesagt: Es gibt keinen Streß mehr. Niemand wird überfordert oder übersehen. Das Erste ist vergangen. Vers 4.

“Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! Denn siehe, ich will ein Neues schaffen!” lässt der Herr schon durch Jesaja verkünden. Alle früheren und heutigen Erfahrungen werden überboten. Wir dürfen uns auf nie Dagewesenes gefasst machen. Überall sind neue Maßstäbe anzulegen. Alle bisherigen Maßstäbe und Denkkategorien reichen nicht aus, um das Kommende zu erfassen.

Diese Wissenschaft der neuen Schöpfung kann auf den Universitäten der alten Welt nicht gelehrt werden, so unvorstellbar ist noch alles. So groß und großartig.

Bilder malt uns Johannes in der Offenbarung, Bilder die mehr sagen als viele Worte, Bilder, denen wir nachdenken, die wir uns vorstellen. Aber aller Bilder auch von Offb. 21 fassen das Ewige und Himmlische und Kommende nur teilweise und bruchstückhaft. Deswegen hören wir Gottes Stimme, die das alles ankündigt: “Siehe, ich mache alles neu.” Neu, so wie Christus neu ist.

 

Damit geht der Film der Bibel und der Welt zu Ende. Eine Szene, ein Kapitel folgt noch über die Wiederkunft Jesu. Können wir nun das Buch zuklappen, die Bibel zur Seite legen und zur Tagesordnung übergehen? Ach, liebe Gemeinde, liebe Brüder und Schwestern, liebe Jungen und Mädchen, wenn ihr es recht in euch aufgenommen habt, dann könnt ihr diese Bilder und diese Zukunft nie wieder von euch abschütteln. Ihr könnt sie niemals vergessen. Ihr werdet immer eine Sehnsucht behalten nach dieser Vollendung und Vollkommenheit. Wir leben schon heute aus dieser Zukunft. Mit diesen Bildern vor Augen und im Herzen sind Menschen gestorben mit strahlenden Augen. Sie wussten schon, was kommt und wer kommt!

Vielleicht werden auch einige von uns anderswo ihr Glück suchen. Aber finden werden sie es  nicht. Nur durch Jesus Christus werden die große Hoffnung und die große Erwartung Wirklichkeit, der neue Himmel und die neue Erde. Jesus Christus ist der Weg zu diesem Ziel. Das ist nicht das Land Utopia. Das ist nicht Sciencefiction in rosigsten Farben. Das ist die gute Nachricht Jesu Christi. Das ist die Vollendung dessen, was wir schon heute feiern und besingen, was wir heute glauben und leben. Darauf läuft die Welt hinaus.

Und ich kann mir nicht vorstellen, dass du dann nicht dabei sein willst. Wir bekennen: Jesus Christus – gekreuzigt, gestorben – auferstanden. Aber seine Geschichte ist noch nicht zu Ende – und deswegen auch unsere nicht. Das Schönste, der Höhepunkt kommt noch. Jesus Christus kommt für jeden, der dabei sein möchte. Wer die Bilder der Offenbarung einmal recht gesehen hat, den lassen sie nie mehr los. Ich kann mir nicht vorstellen, dass du nicht dabei sein willst.