Predigtreihe

Ev.-altref. Kirche in Niedersachsen                                                                                                                                                                                                                                                                                     Jahrgang 2000, Nummer 1

 

 

Gott suchen und finden

 

Predigt zu Jeremia 29, 13-14 (Jahreslosung für 2000)

von Pastor Dr. Gerrit Jan Beuker, Hoogstede

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Begrüßung, Mitteilungen

Stilles Gebet, Eingangswort, (vorm.: Gloria), Gruß

Eingangslied: Lied 652 : 1, 2, 6 (Von guten Mächten)

Gebet Schuld

Wochenpsalm

Weisung

Singen

Gebet um den Heiligen Geist

Lesung: 1. Apostelgeschichte 17, 22-28 (Paulus auf dem Areopag)

2. Lukas 15, 18 – 24 (Gleichnis vom verl. Sohn)

3. Jeremia 29, 7 – 14 (Jeremias Brief an die Weggeführten)

Singen:       Psalm 63 : 1, 3, 5 (O HERR, mein Gott, mein Heil bist du.)

Predigt :Jeremia 29, 13-14 (Jahreslosung)

Thema: Gott lässt sich finden

Singen Lied 58,11-15 (Sprich deinen milden Segen)

Glaubensbekenntnis

Singen

Gebet

Singen: Psalm 73 : 6, 7 (HERR, nun hang ich an dir allein)

Segen

 

Weitere mögliche Lieder: 391, 62, 392, 407.

 

Eingangsgebet:

Mit dir, ewiger Gott, gehen wir in das neue Jahr hinein. Wirke du, dass deine Ewigkeit hineinkomme in unsere Jahre, in die Jahre, die so schnell verfliegen. Lass uns erkennen, dass du uns nahe kommen willst. Bewahre uns, dass wir dich nicht aus unserem Leben verbannen. Wecke in uns ein Verlangen nach dir und deinem Wort. Neues kann ja nur entstehen, wo du dein lebenschaffendes Wort sprichst und wo wir dich reden lassen. Lass uns Hörer und Täter deines Wortes sein, durch Jesus Christus unseren Herrn.

 

Alle sind Gottessucher

Liebe Gemeinde,

jeder Mensch ist tief in seinem Herzen ein Gottessucher. Jeder Mensch trägt in seinem Herzen eine Sehnsucht nach Ewigkeit, eine Sehnsucht nach Gott. Rauschende Feste, die wir feiern, Wohlstand, den wir uns leisten, ein Name, den wir uns machen – sie verraten nur unsere Sehnsucht nach dem, was bleibt und nach dem, was trägt. Das ist heute nicht anders als zur Zeit Jesu. Das ist im Jahr 2000 nicht anders als im Jahr 1000.

Bis in die moderne Literatur schlägt sich dieses Warten und diese Sehnsucht nieder. Samuel Becket hat ein Theaterstück geschrieben mit dem Titel „Warten auf Godot“. Da wartet jemand nach dem Krieg auf Godot, von dem man gehört hat, dass er bald kommen wolle. Das Stück zeichnet ein Bild unserer Gesellschaft. „Warten auf Godot“ ist ein Stück über die Verzweiflung und die Sinnlosigkeit der Existenz. Godot kommt nicht. Und Godot steht bei Becket durchaus auch für Gott. Gott kommt nicht. „Ich kann Gott nicht finden“, ist die heimliche Klage vieler Menschen heute. „Gott ist tot“, sagten manche Theologen. „Gott ist wie Godot, Gott kommt nicht“, sagt Berthold Brecht. Aber der Prophet Jesaja sagt in der Losung für das Jahr 2000 etwas ganz anderes.

„Ich will mich von euch finden lassen, spricht der HERR.“ Gottsucher können Gott finden. „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan“, sagt Jesus in der Bergpredigt in Mt. 7,7.


Jede Zeit ist Gottes Zeit, jeder Ort sein Ort

Dieser Satz aus Jeremia 29 wurde zuerst zwischen 600 und 500 vor Christus den Verbannten in Babel gesagt. Gott spricht in Babel! Scheinbar herrschen hier andere Götter und andere Gesetze. In Babel gibt es keine Tempel für Jahwe, den Gott Israels.

Waren nicht die Götter Babels mächtiger gewesen als der Gott Israels? War er den Göttern Babels nicht unterlegen? Gegen solche Resignation, wie sie sich damals und manchmal ja auch heute breit macht, schreibt der Prophet Jesaja: Auch die Zeit in der Verbannung ist Gottes Zeit. Gott ist auch im fremden und fernen Babel. Auch die fremde und feindliche Welt, in der ihr lebt, ist und bleibt Gottes Welt. Ihr braucht euch dieser Welt nicht anpassen und ihr braucht auch nicht zu resignieren.

Für uns heute ist es selbstverständlich. Aber für die Juden in Babel war das eine aufregende und neue Botschaft: Gott ist nicht nur an einem bestimmten Ort und in einem bestimmten Land zu finden. Gott ist nicht im zerstörten Tempel in Jerusalem zurückgeblieben. Gott geht mit seinen Menschen und mit seinem Volk, auch in die Verbannung nach Babel. Es gibt keine Stelle und keinen Ort der Welt, wo wir Gott nicht suchen und finden könnten.

Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, heißt es kurz vor der Jahreslosung. Das bedeutet doch, die „bösen“ Babylonier werden von der Liebe Gottes nicht ausgeklammert. Gott verbietet uns alle Feindbilder. Gott will sich auch von denen suchen und finden lassen, die wir nicht mögen oder vor denen wir uns fürchten.


Gott wartet, seine Einladung gilt

Solange die Welt sich dreht, will Gott sich finden lassen. Man kann ihn finden wie einen guten Freund. Wie einen rechten Gefährten fürs Leben. Gott wartet förmlich auf uns. Gott ermutigt sein Volk und uns: Sucht mich! Sucht mich von ganzem Herzen! Gottes Einladung steht! Sie gilt allen Menschen und allen Völkern. Wie der Vater im Gleichnis von den beiden Söhnen auf die Rückkehr des Jüngsten wartet, so wartet Gott auf uns.

Wenn Gott uns gleichgültig wäre, würden wir nicht hier im Gottesdienst sitzen. Gleichgültig ist Gott uns ganz sicher nicht. Wir möchten mit ihm leben und bei ihm bleiben. Aber wir leben auch in einer Gesellschaft, die Gott weithin verloren hat, wo der Himmel fremd ist und man mit dem Reich Gottes nichts anfangen kann. Die Bibel ist für die meisten Deutschen ein fremdes Buch. Wir suchen Gott  zwar – aber ist er nicht oft mehr so eine Art Notrufsäule für uns? Wir beten und fragen wohl viel von Gott, wenn wir in Ängsten sind – aber prägt er auch unser Leben, unseren Alltag, unseren Umgang mit Menschen und Geld?

Gott hat Gedanken des Friedens, er gibt Zukunft und Hoffnung seinem Volk in Babel. Er vergibt, er befreit aus allen falschen Bindungen.

Der unbekannte Gott ist nahe

Wer mit Gott verbunden ist, der lebt voller Hoffnung und Erwartung. Der freut sich auf dieses neue Jahr und jeden neuen Tag und jede Begegnung mit Gott und Menschen, mit seinem Wort und seiner Gemeinde. Wer bei Gott geborgen ist, der kann auch einmal getrost sterben.

Gottes Heil macht vor den Toren der gottlosen Stadt Babel nicht Halt. Gott lässt sich nicht aufhalten. Auch wenn sein Tempel und seine Stadt zerstört sind – Gott will Frieden geben und nicht Leid. Gott will sich finden lassen.

Gott ist so nahe, hat Paulus in Athen gepredigt. Athen war damals Zentrum von Wissenschaft, Politik und Kultur, Zentrum für alle gelehrten und klugen Leute. In Apg.17 wird erzählt, wie man in Athen einen Altar hat für einen unbekannten, fernen Gott. Ein unbekanntes Wesen, das man Gott nennt, haben die klugen Athener verehrt. Paulus predigt ihnen: „Die Menschen sollen Gott suchen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und Gott ist nicht ferne von jedem unter uns. In ihm leben und weben und sind wir; wie auch einige Dichter gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts.“ Gott will, dass Menschen ihn suchen, ihn ehren, ihn anbeten und ihm gehören.

Gott kommt auf uns zu

Wir stehen wohl etwas unsicher am Anfang des neuen Jahres. Niemand von uns weiß, was auf uns zukommt. Sicher ist nur, Gott kommt auf uns zu – und wir gehen auf ihn zu. Wir sind nicht Zuschauer im Lauf der Weltgeschichte, nicht Zuschauer und Zuhörer im Gottesdienst. Wir sollen und dürfen einsteigen, uns einklinken in die Schar derer, die bewusst mit Gott leben wollen. „Ihr werdet mich anrufen – und ich will euch erhören“, sagt Gott. „Ihr werdet mich suchen und finden“ (Vs 12f).

Das wird geschehen in diesem neuen Jahr. Gott hört unser Gebet. Wir werden Gott finden und ihm begegnen.

Gott geht sozusagen aufs Ganze. Eine vage Sehnsucht nach einem „höheren Wesen überm Sternenzelt“, nach irgend einer Macht, die größer und mächtiger ist als die Macht der Menschen, danach verlangen viele. Aber Gott will mehr. Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, will ich mich von euch finden lassen.

Wir bleiben auf der Suche

Und merken wir uns auch: Der Nachdruck liegt auf dem Suchen! Ihr werdet mich anrufen, ihr werdet hingehen und mich bitten, ihr werdet mich suchen“, sagt Gott, „und ich will euch erhören“, „ich will mich von euch finden lassen“.

Manche meinen, Christen sind erst dann echt und glaubwürdig, wenn sie eine Mischung aus Mutter Teresa und dem barmherzigen Samariter sind. Solche heiligen Figuren sind selten. Da geht es eher nach dem Psalm 63:

Gott, du bist mein Gott, den ich suche!

Es dürstet meine Seele nach dir,

mein ganzer Mensch verlangt nach dir

aus trockenem, dürren Land, wo kein Wasser ist.

So schaue ich aus nach dir!                   Ps. 63, 1 – 3




Gott schämt sich nicht, unser Gott zu sein

So suchen wir Gott – von ganzem Herzen, voller Durst, voller Verzweiflung oft über uns selbst, über unsere geistliche Armut, über so vieles Missratene und Misslungene. Aber Gott schämt sich nicht, unser Gott zu sein. Wo man ihn sucht, da lässt er sich finden. Da steht er mit offenen Vaterarmen und wartet schon lange auf uns.

Was wir alles planen und uns vornehmen für das neue Jahr ist gut und schön. Da gibt es großartige und herausragende Vorsätze. Aber mitten hinein in all unsere Planungen und all unser Vorhaben, platzt Gott herein mit seinem Vorhaben, mit seinem Plan, mit seiner Verheißung:

Ich, ich, Gott, der HERR, ich will mich von euch finden lassen.

Liebe Gemeinde, das ist dran im Jahr 2000 und in allen Jahren, die noch folgen werden. Das hat Zukunft.

Bleiben wir dabei und halten wir daran fest.

Gott spricht: Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen.

Amen