Ev.-altref. Kirche in Niedersachsen
Jahrgang 2000, Nummer 11
Glaubt
an das Licht, damit ihr Kinder des Lichtes werdet!
Predigt
zu Johannes 12, 34 - 36
von
Pastor Dr. Gerrit Jan Beuker, Hoogstede
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Liturgie:
Stilles Gebet, Votum,
(vorm. Gloria), Gruß
Eingangslied: EG
552,1-4 (Licht, das in die Welt gekommen)
vormittags:
Gebet
(Schuldbekenntnis)
Wochenpsalm EG 714 (aus Psalm 25)
Weisung Hebräer 10, 19 - 26
Singen Psalm 25, 4 + 5
Gebet um Gottes Geist
und Gegenwart
Lesung: Johannes 12,
20 - 26
Singen: EG 98,1-3
(Korn, das in die Erde (nach Joh 12,24))
Predigt: Johannes
12,34-36
Thema: Glaubt an das
Licht und werdet Lichtkinder
Singen: EG 72,1-6 (O
Jesu Christe, wahres Licht)
nachmittags oder
abends:
Glaubensbekenntnis
Singen
Gebet
Singen: EG 410,1-4
(Christus, das Licht der Welt)
Segen
„Da müsste man zulangen
dürfen“, seufzte Johann, der Kammerdiener des Botschafters, während er den
hohen Staatsgästen Kaviarhäppchen anbot. Das Fest war in vollem Gange. Johann
hoffte nur, von all den guten Sachen würde noch etwas für ihn übrig bleiben. Es
war ein rauschender Empfang und ein großes Fest.
Die Geigen erklangen,
Johann wollte gerade eine neue Flasche Champagner öffnen, da ändert sich
plötzlich das Bild. Die Gespräche werden immer leiser und verstummen
schließlich ganz: dicke Rauschschwaden ziehen vom Eingang in den Saal.
Ein Sicherheitsbeamter
erscheint und meldet dem Protokollchef, im unteren Stockwerk sei ein Feuer
ausgebrochen, das sich über das Treppenhaus ausbreite. Die Festgesellschaft
möge sich bitte schleunigst über die Feuerleiter in Sicherheit bringen.
Es wäre ja alles noch
gut gegangen, wenn nicht der persönliche Adjutant eines hohen Staatsgastes das
Gespräch mitbekommen hätte. Sofort forderte er, sein Chef müsse als erster
raus, er sei ja schließlich Staatsgast. Man möge die Verwicklungen bedenken,
die es mit sich bringen werden, wenn seinem Chef etwas passiere.
Der Protokollchef
widersprach: Die protokollarische Reihenfolge müsse eingehalten werden. Der
eigene Staatspräsident käme als erster dran. Sofort entbrannte ein heftiger
Streit um die Reihenfolge der Rettungsaktion.
Damit sich nun niemand
unvorschriftsmäßig und gegen alle Etikette vorschnell verdrücken würde, ließ
der leitende Sicherheitsoffizier erst einmal den Zugang zur Feuertreppe von
seinen Leuten abschirmen.
Argumente flogen hin
und her, ein Kompromiss war nicht in Sicht. Da machte der Staatspräsident den
Vorschlag, man möge einen Ausschuss einsetzen und die strittigen Fragen in Ruhe
klären. So geschah es. Aber während sie noch dabei waren, den
Ausschussvorsitzenden zu wählen, brach das Feuer durch die Wände und Türen und
töte sie alle.
Am nächsten Morgen
berichteten die Zeitungen von den vergeblichen Bemühungen der Rettungskräfte
und dem eigenartigen Sachverhalt, dass sich niemand der hohen Gäste über die
intakte Feuerleiter gerettet habe.
Zum Glück ist das eine
erfundene Geschichte. Aber sie zeigt wohl sehr deutlich und drastisch: Es gibt
eine Zeit, zu diskutieren. Es gibt eine Zeit, Ausschüsse einzusetzen und
Berichte zu schreiben. Aber es gibt auch eine Zeit, da muss man die Beine in
die Hand nehmen und laufen. Das Evangelium des Johannes beschreibt die Zeit
Jesu in seinem Volk als solch eine Zeit, in der die Menschen sich entscheiden
müssen. Im Johannesevangelium ist immer nur noch wenig Zeit. Bei Johannes
beantwortet Jesus manche Fragen der Menschen gar nicht mehr. Jetzt noch weiter
zu diskutieren, würde die Entscheidung nur noch weiter hinauszögern. „Jesus
ging weg und verbarg sich vor ihnen.“
Das Johannesevangelium
spricht sehr schnell davon, dass Jesus erhöht werden muss. Schon in Johannes 3,
im Gespräch mit Nikodemus, sagt Jesus das sehr deutlich und doch noch
rätselhaft: Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der
Menschensohn erhöht werden, damit alle die an ihn glauben ,das ewige Leben
haben.
Auch sonst macht Jesus
viele Andeutungen und redet er in Bildern. „Ich bin das Licht der Welt.“ (Joh
8,12) Wer zu mir kommt, wird nicht in der Finsternis wandeln.
Jesus ruft die
Menschen, er ruft uns zum Licht. „Glaubt an das Licht, solange ihr es habt,
damit ihr Kinder des Lichtes werdet!“ Joh 12,16.
Licht verbindet Jesus
mit Leben. Er meint damit das ewige Leben, Leben in ungetrübter Gemeinschaft
mit Gott. Nur Leben mit Gott ist für Jesus rechtes Leben. Alles andere ist kein
Leben, sondern ein Existieren im Machtbereich der Finsternis und ein
geistlicher Tod. Aus dem Machtbereich des Bösen, aus der Herrschaft des Todes
ruft und holt Jesus die Menschen zu sich. Er stellt uns ins Licht!
„Werdet Kinder des
Lichtes, solange ihr das Licht noch habt!“ Lasst euch retten! Es kann auch eine
Zeit geben, wo es zu spät ist. Man kann lange diskutieren, auch über
theologische Fragen, ohne dabei für seine Rettung zu sorgen. Manchmal muss man
sich sehr schnell entscheiden.
„Mach dir keine
Illusionen“, sagen wir, wenn jemand falsche Erwartungen hegt, die weit über die
Realität hinausgehen. Mach dir doch keine Illusionen.
Jesu Gesprächspartner
hatten falsche Illusionen, falsche Vorstellungen und Erwartungen von Jesus
Christus. Aber sie erwarteten nicht zu viel von ihm, sondern zu wenig! Sie dachten
an politische Befreiung von den verhassten heidnischen Römern! Das wäre schon
etwas! Das wäre schon sehr viel! Wenn der Christus käme, dann würde er das
Reich Davids wieder aufrichten und die Besatzungsmacht aus dem Land vertreiben.
Jesus biegt diese –
kleinen und falschen Illusionen – zurecht. Er spricht (noch) nicht von sich als
dem „Messias“. Bei Johannes nennt er sich oft der „Menschensohn“. Er spricht im
doppelten Sinn von seiner Erhöhung, von seiner Erhöhung am Kreuz und von seiner
Erhöhung bei seiner Himmelfahrt.
„Der Christus Gottes
muss ewig bleiben“, sagen die Juden. Sie berufen sich auf das Gesetz und die
Propheten. Mit der Bibel in der Hand – lassen sie den Retter Jesus Christus
stehen. Sie lesen Jesus aus der Bibel vor und sagen ihm: DU kannst es nicht
sein „Der Menschensohn muss erhöht werden“, sagt Jesus und geht weg und
verbirgt sich vor ihnen.
Wie oft wollen
Menschen gerne diskutieren über theologische Fragen, über existenzielle Fragen
wohl auch – aber sie weichen einer persönlichen Entscheidung aus.
„Glaubt an das Licht,
damit ihr Kinder des Lichtes werdet!“, sagt Jesus den Frommen seiner Zeit, die
sich mit ihm auseinandersetzen. Gerade ihnen, gerade uns, sagt er das. Und er sagt
darin: Glaubt an mich. Denn er erhebt den Anspruch, das Licht der Welt und das
Licht des Lebens zu sein, das wir nötig haben.
Bleibt nicht auf
halbem Wege stehen, ruft er den Menschen zu, damals und heute. Auf halben Wege
stehen bleiben, das ist über Jesus diskutieren, sich mit seinem Wort
beschäftigen, - und ihn doch nicht annehmen und seinem Wort doch nicht glauben!
Wie oft möchten auch
wir heute einem Menschen helfen in seinen Lebensproblemen – und er flüchtet
sich in theologische Streitereien. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Wenn es persönlich wird, flüchten viele in theologische Spitzfindigkeiten. Über
Den Heyer und Kuitert und viele andere kann man besser diskutieren, als über
das eigene geistliche Leben Rechenschaft abzulegen und darüber Auskunft zu
geben. Ich höre viele Menschen reden über andere und fast niemanden über sich
selbst und das eigene geistliche Leben. Was der Herr an uns und für uns getan
hat, war er uns bedeutet, wie er unser Leben verändert hat, darüber kommen wir
nur schwer ins Gespräch.
Mancher weist gerne
auf Unstimmigkeiten im Leben der Kirche und ihrer Glieder hin, wenn es um ihn
selbst und sein Heil geht. Dabei ist jetzt eine Entscheidung nötig! Es reicht
nicht, zu diskutieren, vielleicht sogar ganz viel über Jesus zu wissen, aber
persönlich außen vor zu bleiben und ihn auf Abstand zu halten.
Wenn es brennt, musst
du die Feuerleiter nutzen, ganz gleich wie, Hauptsache, du nimmst sie in
Anspruch! Wenn Jesus Christus Rettung anbietet, dann haben wir keine Zeit mehr
zu verlieren.
Wenn du im Dunkeln
bist, machen alle Diskussionen über das Licht es nicht heller. Sondern nur der
Schritt aus dem dunklen Keller in das helle Sonnenlicht. Wir Menschen brauchen
Gottes Licht, damit wir aufatmen und leben können. Wir brauchen es nötiger als
die Sonne.
Schon die natürliche
Sonne ist wohl weit weg von der Erde. Sie ist eine riesige Energiequelle. Trotz
der großen Entfernung schickt die Sonne soviel Wärme und Licht zu uns, dass die
Pflanzen wachsen und reifen. Wenn die Sonne am Himmel lacht, dann lacht auch
oft unser Herz schon von allein.
SO ein Licht, genauso
wie die Sonne, nur noch viel mehr, bietet Jesus an, sich selbst. Er will Licht
und Sonne sein für alle Menschen. Er will die Energiequelle sein, er gibt der
Seele, dem Menschen, neue Kraft. So können in unserem Leben gute Früchte,
Früchte des Glaubens, wachsen und reifen. So werden Dunkelheit und Angst
überwunden.
Mach dir keine
Illusionen! Denk nicht zu klein von Jesus Christus, als ob er dir nicht helfen
könnte. Bleib nicht auf halbem Wege stehen. Du musst heraus aus deinem Dunkel –
hinein in Gottes Licht. Wir müssen uns für ein Leben mit Jesus Christus
entscheiden, ihm vertrauen und ihm unsere Lasten übergeben. Er schenkt Wärme
und Fröhlichkeit. Er nimmt die letzten und tiefsten Ängste unseres Lebens. Er
schenkt ein Licht, das alle Finsternis vertreibt.
Jesus Christus ist der
wirkliche Star dieser Weltgeschichte, der einzige große Star und Dauerbrenner.
Alle anderen Stars und Sterne verblassen. Star ist ja das englische Wort für Stern.
Ein Star sollte eigentlich Licht verbreiten, das Leben hell und schön machen.
Jesus Christus ist der einzige Star, der einzige Stern der Weltgeschichte, der
hält, was er verspricht.
Wenn du dem Ruf Jesu
folgst, bekommst du etwas von einem Glühwürmchen. Ein Glühwürmchen strahlt im
Dunkeln, weil es das Sonnenlicht in sich trägt und gespeichert hat.
Du trägst das Licht
der Welt in dir, Jesus Christus. Wer Jesus Christus nachfolgt, der tritt nicht
nur in seine Fußstapfen, der geht nicht nur hinter Jesus Christus her. In einem
solchen Menschen lebt Jesus Christus selbst. Da ist eine Verbindung, die nie
mehr getrennt und nie mehr aufhören soll. Sie wird immer nur noch stärker
werden.
„An ihm dranbleiben“,
heißt nun die Losung, wie Jesus sie selbst in Joh 15 erklärt. „Ich bin der
Weinstock, ihr seid die Reben.“ Vom Weinstock abgeschnitten, haben die Reben
keine Kraft und keinen Saft. Dann vertrocknen und verdorren sie.
Nur die ständige und
lebendige Verbindung des Glaubens mit Jesus Christus hält das Licht am Leuchten
und den Glauben am Leben. Noch ein Bild: Wie eine Glühbirne ist der Glaube. Sie
kann nur leuchten, wenn der Kontakt mit der Stromquelle nicht unterbrochen
wird. Du darfst den Stecker nicht rausziehen und das Kabel nicht
durchschneiden.
Dranbleiben an Jesus
Christus bedeutet in gläubigem Vertrauen das Gebet zu pflegen. Ich erlebe immer
mehr Menschen, die außer am Sonntag in der Kirche kaum noch beten. Das Gebet in
der Familie und das persönliche Gebet zu pflegen ist ganz wichtig.
Dranbleiben an Jesus
Christus bedeutet, die Bibel zu lesen, auf Gottes Wort zu hören, seine Gebote
zu halten und in Verbindung mit seiner Gemeinde zu leben.
So wächst Jesus
Christus immer mehr mit uns zusammen, die Bindung wird immer stärker. Wenn du
entfernte Bekannte hast, die du höchstens einmal im Jahr triffst, mit denen du
dich nicht schreibst und die du nicht anrufst – dann wird das nie eine enge
Beziehung. Aber wenn du einen Menschen hast, mit dem du jeden Tag umgehst und
sprichst, dann wird er dir immer wichtiger.
Dies ist das wahre
Leben, zu dem Jesus uns ruft. Er und seine Kraft werden in unserem Leben immer
größer. „Glaubt an das Licht, solange ihr es habt, damit ihr Kinder des Lichtes
werdet.“
Amen