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Tonbandnachschrift:
Sylvestergottesdienst 31.12.2002
Evangelisch-altreformierte Gemeinde D-49846 Hoogstede
Stilles
Gebet, Eingangswort, Gruß
Eingangslied: Lied 610 : 1 -4 Jesus hat seine Herrschaft bestellt
Wechselpsalm Nr. 737, EG S. 1535, Aus Psalm 90
Singen
Psalm 90 : 1,
Gebet:
Herr, unser Gott, du warst und du bist und du bleibst derselbe: barmherzig und
gnädig, geduldig und gütig über alle, die dich anrufen. Am Abend dieses Tages,
am Abend dieses Jahres kommen wir zu dir mit unsrem Lachen und unserem Weinen.
Wir kommen zu dir mit unserem Lachen und unserer Freude, mit all den Tagen,
Stunden und Minuten dieses Jahres, mit allem, was gewesen. Wir schauen zurück,
Herr, und dann ist es alles, als ob es nur ein Augenblick gewesen wäre. Wo wir
zurückschauen, da ist es alles immer so schnell gegangen - viel zu schnell.
Wir bringen dir dieses Jahr mit allem was gewesen ist und legen es zurück in
deine Hände: Uns selbst und all die unsrigen, alles, was geschehen und alles was
gewesen, alles, was wir erlebt und erlitten haben bringen wir dir. Wir bitten
dich: Tritt du ein in unseren Kreis. Rühre du unsere Herzen und Lippen an, dass
wir Frieden finden vor dir mit allem, was gewesen. Wenn du es in die Hände
nimmst, jeden Tag und jede Sekunde, wenn du sie in deine Hände nimmst, dann
verändern sich auch die Lasten in Segen, dann wissen wir, dass wir allein bei
dir Zuversicht und Hilfe finden können. Dann spüren wir, dass die Lasten unseres
Lebens leicht werden. Dann spüren wir, dass unser Leben seinen Sinn und sein
Ziel bei dir hat.
Herr, lass uns an diesem Abend nicht bei uns selber bleiben. Lass uns nicht in
unseren Gedanken bleiben, sondern lass uns zu dir hingehen und alles vor deinen
Thron hinlegen zu deinen Füßen. So bitten wir dich, vergib uns unsere Schuld, wo
wir gefehlt haben, wo wir zu kurz geschossen sind, wo wir einander oder anderen
Leid angetan haben. Vergib uns unsere Schuld. Vergib die Schuld unseres Volkes,
die Schuld der Menschen in dieser Welt, wo Gewalt oder Unrecht geschehen ist:
Herr, erbarme dich.
Wir bringen dir das Glück dieser Erde und dieses Jahres: den Sonnenschein und
eine gute Ernte. Wir bringen dir all den Segen und all die Gnade, die wir erlebt
haben, und wollen dich dafür preisen.
Lass uns in deiner Nähe und in deiner Gnade leben und bleiben, heute und alle
Tage, die du uns schenkst.
Rühre Herzen, Lippen, Mund und Ohren an, dass auch dieser Abend enden möge im
Lobpreis deines Namens, in der Verherrlichung deiner Größe, in der Anbetung
deines Erbarmens, du ewiger Gott, unser Vater in Jesus Christus. AMEN
1.
Lesung: 1. Timotheus 6 : 1 - 21
Singen: Lied 379 : 1 – 3 Gott wohnt in e. Lichte, dem keiner
nahen kann (Jochen Klepper)
Predigt: 1. Timotheus
6,21 c
Siehe weiter unten
Thema: Die Gnade des Herrn sei
mit euch
Singen Lied 526 : 1, 2, 5 Jesus, meine Zuversicht
Statistik und Jahresrückblick
Singen Psalm 68 : 6 Anbetung, Ehre, Dank und Ruhm
Gebet
(fehlt leider auf meiner Kassette)
Singen: Lied 63 : 1, 3, 5 Das Jahr geht still zu Ende, nun
sei auch still mein Herz
Segen
Liebe
Schwestern und Brüder,
was sagt ihr zum Abschied? Wenn euer Besuch nach Hause geht, wenn ihr nach Hause
geht von der Party oder im Freundeskreis, was sagt ihr, wenn ihr an der Tür
steht. Wenn wir nach Hause gehen dann sagen wir meistens : Auf Wiedersehen. Das
ist der gängigste Gruß für uns alle: Auf Wiedersehen. Ich möchte dich gerne in
Gesundheit wieder sehen. Aber das ist auch ein bisschen ein etwas offizieller
Gruß. Es gibt intimere Grüße, in der Familie z.B.
Wenn unsere Kinder an ihren Studienort fahren, dann sagen wir etwas
anderes. Dann sagen wir vielleicht: "Tschüß, fahrt vorsichtig – Bis Freitag, bis
nächste Woche, bis zum nächsten Mal. Machs gut. Pass auf dich auf. Viel Erfolg."
So gibt es eine ganze Reihe vertrauter Abschiedsworte für jeden von uns, für
jung und alt. Jeder hat bestimmte Abschiedsworte, die wir in bestimmten
Situationen sagen.
Aber was aber sagen wir einem Menschen, den wir nicht wieder sehen, der
endgültig von uns geht? Was sagen wir, wenn es um einen endgültigen Abschied
geht? Wenn etwa ein Mensch im Sterben liegt, sagen wir dann auch: "Auf
Wiedersehen, bis morgen oder übermorgen"? Wenn einer fortgeht – ohne Wiederkehr,
was sagen wir dann?
In dem Moment des endgültigen Abschieds, wenn wir wissen, dass uns ein
endgültiger Abschied bevor steht, dann erinnern wir uns oft an die
Vergangenheit. Dann zieht das ganze Leben, dann ziehen vielleicht viele Jahre
und Jahrzehnte an uns vorbei. Wir überblicken einen längeren oder vielleicht
auch kürzeren gemeinsamen Abschnitt, – und dann irgendwann, irgendwo heißt
es doch: Nun müssen wir Abschied nehmen. Nun müssen wir einander loslassen. Wir
müssen dann den anderen ziehen lassen, wie vertraut er uns auch geworden ist.
Vielleicht haben wir wohl goldene Hochzeit gefeiert, sind Jahre oder Jahrzehnte
zusammen gewesen als Ehepaar und irgendwann heißt es doch: Abschied nehmen und
den anderen gehen lassen. Irgendwann muss jeder von uns endgültig Abschied
nehmen.
Das
fällt uns schwer. Dafür haben wir kein gängiges Wort, keine Floskel für
einen solchen endgültigen Abschied.
Das normale Wort, eines der normalen Worte zum Abschied in Frankreich heißt: Mit
Gott!" „Adieu“ sagen die Franzosen oft zum Abschied, das heißt: „Mit
Gott“. Adieu, geh mit Gott, unter Gottes Schutz und Segen.
„Geh unter der Gnade“ ist ein Lied, das wir manchmal hier im Gottesdienst von
einem Zettel gesungen haben, Gemeinschaftsliederbuch Nr .710.
"Geh unter der Gnade, geh mit Gottes Segen;
geh in seinem Frieden, was immer du tust.
Geht unter der Gnade, hör auf Gottes Worte;
bleib in seiner Nähe, ob du wachst oder ruhst.“ Das ist der Refrain. und dann
die Strophen:
"1. Alte Stunden, alte Tage, lässt du zögernd nur zurück.
Wohl vertraut wie alte Kleider sind sie dir durch Leid und Glück.
2. Neue Stunden, neue Tage, zögernd nur steigst du hinein.
Wird die neue Zeit dir passen? Ist sie dir zu groß, zu klein?
3. Gute Wünsche, gute Worte, wollen dir Begleiter sein.
Doch die besten Wünsche münden, alle in den einen ein: Geh unter der Gnade..."
Ein
gutes Wort zum Abschied. Der Abschied, jeder Abschied, macht uns immer ein wenig
sprachlos. Das ist wohl auch die Sprachlosigkeit am Ende eines Jahres. Da können
wir eben auch nicht sagen: "Auf Wiedersehen 2002, im nächsten Jahr sind wir
wieder dabei." Nein, wir wissen: Jedes Jahr ist etwas endgültiges und es kommt
nicht wieder. Was wir da erlebt haben und erlitten haben, das Lachen und das
Weinen, der Sonnenschein und der Regen, sie kommen nicht wieder. Wir werden im
nächsten Jahr alle anders sein. Wir können nicht sagen: Auf Wiedersehen 2002.
Da habe
ich mich erinnert und da dürfen wir alle uns auch erinnern: wie verabschiedet
Paulus sich? Wie beschließt er seine Briefe? Vielleicht ist es euch auch noch
nie aufgefallen: Jeden seiner 13 Briefe, 13 Brief von Paulus stehen im NT, jeden
seiner Briefe beendet er irgendwo in den letzten Versen mit einem Wort ähnlich
wie unseren Text:
Die Gnade sei mit euch!
1. Tim 6
Die Gnade unseres Herrn Jesus sei mit euch allen. 2. Thess. 3
Die Gnade unseres Herrn JC sei mit euch.
1. Thess. 5
Die Gnade sei mit euch!
Kolosser 4
Die Gnade des Herrn Jesus sei mit eurem Geist. Philipper 4
Die Gnade sei mit allen, die lieb haben unseren Herrn Jesus Christus in
Unvergänglichkeit. Epheser 5
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit eurem Geist. Galater
6
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und
die Gemeinschaft des Heiligen Geistes ist oder sei mit euch allen.
2. Kor. 13
Die Gnade des Herrn J sei mit euch
1. Kor. 16.
In jedem
einzelnen seiner Briefe, irgendwo am Ende findet sich immer dieses Wort.
Jeden einzelnen seiner Briefe beschließt er mit diesem Wort und was hat er dem
Timotheus nicht noch alles zu sagen an guten Hinweisen, an Ermahnungen und
Wünschen, an Zuspruch. Was muss er nicht alles im letzten Kapitel noch anreißen?
Und dann schließt er wie gewohnt: Die Gnade sei mit euch!
Paulus
wusste auch nicht, liebe Gemeinde, ob er den Adressaten dieses Briefes, die
Adressaten seiner anderen Briefe, jemals sehen oder wieder sehen würde. Auch
Paulus muss damit rechnen, dass er im Gefängnis in Rom sehr bald vor Gericht
gestellt wird und dass das Gerichtsurteil gesprochen wird, dann braucht er sich
keine falschen Hoffnungen zu machen. Was auf die Predigt von Jesus Christus
steht unter Kaiser Nero in Rom, diesem Christenfresser und Gotteshasser,
das ist überaus deutlich: Die Todesstrafe. Christen haben im Rom jener Tage
keine Lobby. Es gibt keine Menschenrechtsgruppen, die sich für sie einsetzen,
kein Amnesty International, keine Gefangenenhilfsorganisation, die Bittbriefe
schreibt für einen unschuldig gefangenen. Sie ist erst um 1960 entstanden. Es
gibt kein Schwarzes Kreuz, das sich um die Gefangenen kümmert und keine
Besucher, die jeden Montag treu in die Gefängnisse gehen. Das alles gibt es
damals nicht. Paulus hat nichts Gutes zu erwarten und kein faires Urteil. Er
steht in Rom unter Hausarrest, und muss warten, bis das Urteil gesprochen wird.
Was
schreibt er da seinen Gemeinden, was schreibt er da seinem Mitarbeiter
Timotheus. Wie sagt er „Auf Wiedersehen?“ Wie verabschiedet er sich von seinem
engsten Freund, von Pastor Timotheus?
Lieber
Timotheus, so schreibt Paulus, wir haben nichts in die Welt gebracht. Und wir
werden auch nichts mit hinaus nehmen. Vertausche nicht die Frömmigkeit
gegen Diskussionen und Wortgefechte, gegen die Seuche der Fragen und
Wortgefechte. Übe und halte die praktische Frömmigkeit. Dabei bleibe! Übe dich
in der praktischen Frömmigkeit, im Lobsingen, im Gutes tun, im Psalmen singen.
Dabei bleibe, in der Gemeinschaft der Gemeinde. Übe dich in der Frömmigkeit und
vertausche sie nicht gegen große Diskussionen und Wortgefechte. Und suche nicht
Reichtum zu gewinnen, denn dadurch wirst du gefährdet. Der ist gefährlich für
den Glauben.
Jage der Gerechtigkeit nach, der Frömmigkeit, dem Glauben, der Liebe, der
Geduld, der Sanftmut. Kämpfe den guten Kampf. Ergreife das ewige Leben. Denn
dazu bist du berufen. Verlass nicht, wozu du berufen bist. Halte das im Auge und
vergiss nicht, wohin du gehst, wohin du unterwegs bist.
Und ich gebiete dir auch, dass du bei dem Zeugnis von Jesus Christus, bei seinem
Gebot und Wort bleiben sollst. Ihm sei Ehre und Macht und Herrlichkeit! Dem
König aller Könige, der allein Unsterblichkeit hat.
Und noch einmal: Hoffe nicht auf Reichtum, Timotheus, sondern tue Gutes,
sammle dir Schätze im Himmel, einen Schatz für die Zukunft. Bewahre, bewahre,
was dir anvertraut und gegeben ist. Lass sich nicht irre machen und lass dich
nicht abbringen vom Glauben.
Die Gnade sei mit euch!
Punkt! Schluss!
Die
Gnade – das ist die Nähe Gottes: Gott sei und bleibe euch nahe. Die Gnade sei
mit euch: das sind die offenen Vaterarme Gottes, des Vaters im Himmel. Sie
wollen dir dein Leben lang, bis zum letzten Atemzug und darüber hinaus nahe
sein. Du sollst immer in diese offenen Vaterarme laufen.
Die Gnade – das sind Sterben und Auferstehen Jesu, seine Herrschaft und
Nähe, sein Wort und seine Verheißung, sein Reich, das er baut. Die Gnade, das
ist Gottes Nähe mit dir.
Gott selber schütze dich. Ich lege und befehle dich – in Gottes Hand. Gott
befohlen – das ist sozusagen Paulus Abschiedsgruß. Ich lege alles, was
gewesen ist, was ist und sein wird, in Gottes Vaterhände. Adieu, geh mit
Gott. Geh unter der Gnade – bleib in seiner Nähe, ob du wachst oder ruhst. Ob du
lachst oder weinst, was immer du tust, ob du arbeitest oder ruhst: Geh mit Gott!
Bleibe bei diesem Herrn Jesus Christus, bei seinem Wort, und sei und bleibe Gott
befohlen.
Denn sonst trägt dich nichts. Sonst hält dich nichts. Sonst kann niemand dir
vergeben. Sonst geht am Ende im Grunde keiner mit dir, nur er, der Herr. Er kann
die Lasten und Freuden, das Lachen und Weinen deines Lebens ertragen. ER wendet
sich nicht von dir ab. Er wendet sich dir zu. Und ohne ihn findest du keinen
festen Punkt im Vergehen der Zeiten. Alles, alles vergeht. Nur die Gnade Gottes
besteht. Die Gnade sei mit euch!
Ich höre
den einen oder andern in Gedanken schon sagen: Aber ist das denn nun nicht zu
billig, ist das nicht zu wenig? Muss nicht doch nun noch vom Gericht gesprochen
werden, muss nicht doch noch das Gericht angesagt werden, für die, die nicht
wollen?
Nun, Paulus hat nicht mehr am Ende seiner Briefe zu sagen als dies eine Wort und
das ist genug für ihn und seine Gemeinden und Mitarbeiter damals und für uns.
Und etwas anderes haben wir dann auch nicht zu sagen, als diese Bitte, dieses
Gebet: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus mit euch allen!
Und dann ergreift sie und bleibt dabei! Klammert euch daran und haltet euch an
ihn und sein Wort. Und alles was gewesen ist, und alles, was sein und werden
wird, liegt in den Händen unseres Gottes, unseres Vaters im Himmel.
Dann können wir getrosten, leichten und manchmal weniger leichten Herzens Adieu
sagen, Adieu 2002. Wir gehen mit Gott, jeden Tag, jedes Jahr, alle Tage, die er
uns gibt. Gott sei befohlen, was gewesen ist. In seine Hände sei alles gelegt.
Ihn bitten wir, dass er segne alles was gewesen. Dass er auch das Böse und
Traurige zum Segen und zum Guten wende, in seine Vollendung hinein verwandle.
Und das was morgen sein wird? Morgen ist wieder ein neues Jahr. Auch dann ist es
ein anno domini, wie die Alten im Lateinischen sagten: Das Jahr des Herrn, das
Jahr unseres Herrn Jesus Christus 2003.

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