Gottesdienst 13.05.2001

Einführung neuer Mitglieder in den Kirchenrat

Begrüßung

Stilles Gebet, Eingangswort, Gloria, Gruß

Eingangslied:       Lied 644 : 1 – 4     Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn

Gebet

Lesung:                 Römer 1, 1 – 7 und 13 - 17

Singen:                  Psalm 25 : 2           Zeige, Herr, mir deine Wege

 Predigt:   Römer 1, 8 - 12

Thema:       Man spricht von eurem Glauben!

Singen                   Lied 252 : 1, 2        Jesu, der du bist alleine

                Einführung Beiheft S. 49 - 56

                Singen   Psalm 134 : 1, 3 Lobt Gott, den HERRN der Herrlichkeit

Gebet des gesamten verbleibenden Kirchenrates

Singen:                  Lied 250 : 2, 5        Du rufest auch noch heutzutage

Singen Kindergottesdienst  zum Muttertag

Segen

                                                                       Zurück zur homepage von Pastor Dr. Beuker

 

Liebe Gemeinde, Dank, „zuerst danke ich meinem Gott … für euch alle“ schreibt Paulus, Dank ist die rechte Haltung für jedes Gemeindeglied und für jedes Kirchenratsmitglied: „Ich danke meinem Gott – für euch alle.“ Bei uns ist weniger dieser Dank und die Freude über die anderen Gemeindeglieder zu spüren. „Ich danke meinem Gott für euch alle“ – wann sagen wir das schon?

Bei uns sind eher Zurückhaltung oder sogar Ängste vorhanden. Angst voreinander, Angst vor der Arbeit, die auf uns zukommt, Angst vor der Verantwortung! Ob ich wohl Zeit genug finde? Ob ich wohl gläubig genug bin? Ob ich klug genug bin? Ob ich beredt genug bin? Das sind einige der Fragen, die uns persönlich bewegen beim Gemeindeaufbau, bei der Mitarbeit in der Gemeinde und insgesamt der Leitung der Gemeinde.

Dabei gehen wir dann von uns aus. Wir sehen auf uns selbst – und dann bleibt uns nur der Rückzug. Nein, ich habe nicht Zeit genug. Ich bin nicht gläubig genug. Ich weiß nicht genug. Ich kann nicht genug. Ich habe nicht genug! …

Wie oft habe ich das schon gehört, auch hier in der Gemeinde! Zum Glück bei dieser Kirchenratswahl nicht, dafür bin ich sehr dankbar. Wenn wir von uns ausgehen, dann sind wir zum Scheitern verurteilt. Dann finden wir keine Kraft und keine Freimütigkeit zum Dienst und keine Freude.

Wenn der Bauer das Pferd zum Acker tragen muss oder mit einem großen Karren zum Acker fahren muss, dann wird dieses Pferd den Pflug bestimmt nicht ziehen. Dann kann der Bauer besser selber den Pflug ziehen. Pferde, die man zur Arbeit tragen muss, sind ein Widerspruch in sich selbst. Sie sind für die Arbeit nicht viel wert.

Zur Kirchenratsarbeit und zur Gemeindearbeit muss man als Pastor viel zu viele Menschen tragen und schleppen. Da ist wenig Freimütigkeit und wenig Freudigkeit zum Dienst. Wenig Spannung und Kraft und Energie! Wenig Phantasie und Opferbereitschaft! Da findet sich viel Müdigkeit, Verzagtheit und Lauheit in vielen Diensten und Aufgaben der Gemeinde.

Es hat sicher nicht jeder die Gabe, eine Gruppe, einen Hauskreis oder einen Verein zu leiten. Aber es sind doch auch nicht nur Leitungsgaben und Vorstandsgaben gefragt. Wir benötigen in der Gemeinde Jesu alle Gaben, die es gibt – so vielfältig wie das Leben ist. Hier ist keiner völlig unbegabt und keine ganz und gar unfähig.

Aber was wir tun? Wir verstecken ängstlich unsere Gaben! Sonst könnte  ja jemand uns bitten, sie einzusetzen für die Gemeinde und für die Sache Jesu Christi. Wir wollen nicht auffallen – und uns nicht hervortun.

Wenn man bei uns ein Foto von der Gemeinde machen würde – dann glaube ich, wollten alle am liebsten hinten stehen. Ihr kennt das von Familienfotos: Alle wollen in der zweiten Reihe stehen. Von uns möchte schon gar keiner den anderen sagen: „Stell du dich bitte dort hin und du bitte da hin.“ Nur – auf einem Foto können nicht alle hinten stehen!

Kirche und Glauben – sind bei uns vielfach zur Privatsachegeworden.. Im Leben sind wir sonst schon genug gefordert. Da bremsen wir leicht, wenn es um Kirche und Glauben geht.

Aber so bremsen wir uns selbst aus. Der Motor unseres Lebens fängt an zu stottern, er setzt aus – und ehe wir uns versehen, stehen wir am Rand der Piste. Die anderen ziehen an uns vorbei – und drehen ihre Runden auf der Bahn des Lebens und der Bahn des Glaubens.

Christ sein „light“ – Christ sein ohne Verpflichtungen, ohne Aufgaben, ohne Mitarbeit in der Gemeinde, ohne Aktivitäten für Christus und sein Reich. Christ sein, sozusagen im Verborgenen, im Stillen, im Kämmerlein nur für uns selbst, das mögen viele.

Aber das kann nicht gut gehen. Wenn wir uns schämen für unseren Glauben, wenn wir uns schämen für Jesus Christus – dann schämt er sich für uns. Wenn wir uns von ihm zurückziehen, dann zieht er sich auch zurück. Wenn wir ihn ausklammern aus unserem Leben und unserer Welt, dann klammert er uns aus seinem Reich. Es gibt also kein Christsein auf Sparflamme oder im Energie-Sparmodus.

Wer sich viel einbringt und wer viel mitarbeitet, empfängt auch viel zurück. Wer sich wenig einbringt und wenig mitmacht, empfängt auch wenig.

 

Bei den Römern wird das ganz deutlich. „Ich danke meinem Gott für euch alle“, schreibt Paulus. Nicht weil ihr so zurückhaltend seid und so unauffällig. Auch nicht, weil ihr so nette Bürger und Menschen seid. „Ich danke meinem Gott für euch alle.“ Weswegen? Weil „man von eurem Glauben spricht in alle Welt“.

Also: Dankeschön, liebe Römer, weil ihr den Glauben nicht verschweigt, sondern ihn bezeugt und bekannt macht. Dankeschön, weil ihr nicht nur leere Worte macht, sondern weil ihr in der Hauptstadt des Reiches es wagt, eine christliche Gemeinde zu bauen. Weil ihr an die Öffentlichkeit geht. Weil man von eurem Glauben in aller Welt spricht. Weil ihr Phantasie entwickelt, Neues wagt und auf Menschen zugeht im Namen Jesu.

Phantasie brauchen wir für Gott und Gottes Sache. So wie ein kleiner Junge sie hatte. Ich las die Geschichte gerade heute morgen auf einem Kalenderblatt. Da führt ein kleiner Junger mit seinem Roller immer rund um den Altar oder den Abendmahlstisch vorne in der Kirche. Der Pastor kommt herein und weiß gar nicht, was das soll. Er fragt völlig erstaunt: „Junge, was machst du denn da?“ Und der kleine Knirps erwidert ganz fröhlich: „Ich drehe Ehrenrunden für Gott!“ Solche Liebe und solche Phantasie braucht die Gemeinde.

 

Ich möchte gerne zu euch kommen, fährt Paulus in Römer 1 fort, und ich möchte euch gerne stärken durch die Gaben, die Christus mir geschenkt hat. Wenn ich euch stärke, heißt das, „dass ich zusammen mit euch getröstet werde durch euren und meinen Glauben, den wir miteinander haben“.

Ein geteilter und mitgeteilter Glaube, ein gemeinsam erlebter Glaube, ein ausgesprochener und ausgedrückter Glaube, ein Glaube der Form und Gestalt gewinnt, der Amt und Aufgabe annimmt, so ein Glaube, der sich selbst gibt und einsetzt für andere, der wird gestärkt.

Es ist in der Kirche wie in der „Muckibude“, wie beim Fitnesstraining oder beim Sport. Wer sich da schont, wer dort alle Aufgaben den anderen überlässt, der wird niemals stark, sportlich oder fit. Du musst trainieren, die Bälle annehmen und schießen oder werfen. Du wirst beim Fußball manches Mal am Tor vorbeischießen. Aber je öfter du schießt, desto sicherer wirst du – und desto mehr Bälle gehen ins Tor.

Das ist in der Kirche nicht anders. So lange du am Spielfeld stehst und nur zuschaust und zuhörst, bekommst du keinen Ball ins Tor. Es müsste unser aller Verlangen sein, mitzuspielen, mitzukämpfen, auf dem Spielfeld zu stehen und nicht auf der Bank zu sitzen.

Hier geht es ja nicht nur um einen Ball, der ins Tor soll. Hier geht es um die Sache Jesu Christi, um sein Reich, seine Gnade, sein Heil, seine Vergebung, seinen Frieden, die Menschen erreichen und erfüllen wollen.

 

Wir sind alle gute Spieler – aber wir sitzen häufig auf der Bank – und da wollen wir gerne bleiben. Im Training gibt es wohl mal einen Bänderriss oder nachher einen  Muskelkater. Wer trainiert, ist wohl mal außer Atem. Aber er spürt auch, wie die Luft seine Lungen füllt, und wie seine Kräfte wachsen und wie seine Zielsicherheit zunimmt.

Du musst deine geistlichen Gaben einsetzen, um andere zu stärken. Jeder und jede von uns kann seine und ihre Gaben einsetzen für die anderen. Dann werden wir ihr durch den gemeinsamen Glauben an Jesus Christus und im Vertrauen auf ihn getröstet und gestärkt.

Um im Bild dieser Predigt zu bleiben: Der Kirchenrat ist ein wenig wie der Trainer der Gemeinde, damit wir alle als Mannschaft viele Tore schießen – für Jesus Christus und seine Sache. Damit wir Menschen gewinnen. Der Trainer kann das Spiel allein nicht gewinnen. Es nützt auch nicht, wenn er aufs Feld rennt und die Arbeit seiner Spieler übernimmt. Er muss die gesamte Mannschaft im Blick haben, sie kennen und ihre Stärken an der richtigen Stelle einsetzen.

Gott gebe uns viel Liebe und Freundlichkeit – und den Mut, unseren Mund aufzumachen und zuzupacken, wo er uns Gaben und Möglichkeiten gegeben hat. Ich würde mich freuen, wenn man vom Glauben der altreformierten Hoogsteder Gemeinde noch mehr sprechen würde in der Welt. Man spricht durchaus davon, von den vielen Besuchen bei den Gefangenen, die schon seit Jahrzehnten jedes Woche gebracht werden;  von den Hauskreisen und ihrer engen Gemeinschaft; von den Konfirmanden und ihrem Lerneifer; von den vielen Besuchern jeden Sonntag in den Gottesdiensten oder von den finanziellen Gaben und Opfern.

Es kann noch mehr und weiterhin deutlich werden: Das alles geschieht für Jesus Christus. Weil er uns berufen hat aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht, wollen wir als Kirchenrat und Gemeinde auch andere rufen und ziehen, und sehen, ob wir sie nicht für Christus gewinnen können.

Dazu sind auch die Diakone in der Gemeinde tätig. Dafür halten wir Sammlungen und Kollekten. Dafür bekommt hier oder da innerhalb und außerhalb der Gemeinde auch jemand Unterstützung von der Diakonie. Denn wir sind Glieder an dem einen Leib Christi.

 

„Ich schäme mich des Evangeliums von Jesus Christus nicht. Denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht, alle, die daran glauben“, schreibt Paulus. Ich wünsche euch allen und dem Kirchenrat in besonderer Weise diese Kraft Gottes.

Er überwindet unsere Zurückhaltung und unsere angeborene Ängstlichkeit. Er macht uns zu Zeugen und Boten des Auferstandenen – hier und heute. So wächst der Glaube. So blüht die Gemeinde, wo wir aus dem Glauben an Jesus Christus und aus seiner Kraft leben und die Gaben, die Gott uns gibt, nutzen und einsetzen. Ihr werdet merken: Es geht mit jedem Tag besser.

Ich danke meinem Gott für euch alle, dass man von eurem Glauben in aller Welt spricht. Ich bete für euch und möchte gerne diesen Glauben an Jesus Christus mit euch teilen. Ich schäme mich nicht für Jesus Christus. So ungefähr schreibt Paulus.

Er gibt uns darin eine gute Anleitung und gute Grundregeln für die Arbeit als Kirchenrat und Gemeinde.

Amen.