Der Missionsauftrag unserer Kirche

Erweiterter Vortrag

10.10.2002 in Laar

Auftakt der Männer- und Hauskreise

Die Teile mit kleinerer Schrift bilden den erweiterten Teil

 Zurück zur homepage von Pastor Dr. Beuker

Kirche ist Mission oder sie ist keine Kirche!

Die Kirche Jesu Christi betreibt keine Mission! Sie ist insgesamt eine Mission, eine Mission Gottes. Sie ist Mission, oder sie ist keine Kirche Christi. Mission und Evangelisation sind nicht  mehr oder weniger hauptsächliche oder nebensächliche Aufgaben der Kirche. Sie sind das Wesen der Kirche. Sie sind ihre Existenzform. Sie sind die einzige Art und Weise, in der die Kirche Christi existieren kann. Die Kirche Christi ist eine Mission und sie hat eine Mission.

Eberhard Jüngel hat vor der EKD-Synode im November 1999 den Satz gesagt: „Wenn Mission und Evangelisation nicht Sache der ganzen Kirche ist oder wieder wird, dann ist etwas mit dem Herzschlag der Kirche nicht in Ordnung.“ (Vortrag von Jüngel in diesem Heft, das hier ausliegt). Und Herzrhythmusstörungen oder Herzinfarkte können tödlich sein, wie wir wissen. Wie wir wissen, kann man die Gefahr eines Herzinfarkts nie ganz ausschließen. Aber man kann ihr entgegenwirken – indem man bestimmte Dinge bedenkt und beachtet. So verstehe ich diesen Abend. Wir suchen nach Möglichkeiten, um dem Herzinfarkt oder den Herzrhythmusstörungen in der Kirche vorzubeugen oder ihnen entgegen zu wirken.

Gesandte

Die Gemeinschaft der Jünger und Jüngerinnen Jesu ist gesandt. Die Kirche ist gesandt „Ich sende euch“, sagt Jesus. "Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch!“ (Jh. 20,21)
Die Gemeinschaft der Jesusanhänger und alle, zu Jesus gehören, können nicht absehen und abgehen von seinem Befehl: „Geht hin… macht… zu Jüngern… tauft… und lehrt… halten, was ich befohlen habe“ (Mt. 28). Wer also stehen bleibt oder gar sich zurück wendet, wer nicht mehr „hingeht“ zu den Menschen, der verleugnet den Herrn. Das gilt für alle Kirchen und alle ihre Glieder, die sich lieber rückwärts wenden als vorwärts zu den Menschen hin. „Geht hin“, sagt Jesus, „und wartet nicht, bis die Leute kommen.“ Das Evangelium ist eine Bringschuld der Kirche. Wir sind es den Menschen schuldig!
Die Kirche Christi ist selbst Mission. Sie ist Gottes Sendung, Gottes Weg zu den Menschen oder sie ist nicht seine Kirche.

Botschaft im Ausland

Die Kirche Christi ist wie die Botschaft oder das Konsulat eines fremden Staates im Ausland. Ihre Glieder sind wie Botschaftsangehörige, wie Diplomaten mit einem Sonderstatus. Botschafter oder Diplomaten bleiben ihrem Heimatland verpflichtet, auch in der Fremde – und nur ihrem Heimatland sind sie verantwortlich. Sie haben ein wenig Narrenfreiheit, denn sie unterliegen nicht der Gerichtsbarkeit jenes Landes, in das sie entsandt sind. Sie sind und bleiben nur ihrer eigenen Regierung verantwortlich.
So sind auch die Christen zuerst ihrem Herrn und seinem Reich verantwortlich.

Eine Botschaft eines fremden Landes oder Staates aber hat nicht an sich selbst genug. Sie ist nicht dafür da, um nur sich selber instand zu halten. Sie vertritt keine eigenen Interessen, sondern die vom Mutter- oder Vaterland. Botschaft und Botschaftsangehörige vertreten ihre Regierung, ihren Staat und ihr Land im Ausland.
Die Kirche Jesu Christi ist in dieser Welt kein Selbstzweck. Sie soll in dieser Welt Bescheid sagen, was die Stunde, die Rettungsstunde Gottes geschlagen hat. Sie soll dieser Welt sagen, zeigen und vorleben, wie Gottes Uhren ganz anders gehen als die Uhren dieser Weltzeit.
 So sind auch Gottesdienste und kirchliche Veranstaltungen nie ein Selbstzweck. Sie dienen nicht der Selbsterbauung, sondern der Ausrichtung dieser Botschaft des gekreuzigten und auferstandenen Christus an alle Welt.

 „So sind wir nun Botschafter, -  an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt (anstelle Christi): Lasst euch versöhnen mit Gott“, schreibt Paulus 2. Kor. 5,20. Dieses Anliegen, diese Bitte, durchzieht alle Regungen und Bewegungen der Kirche. Und zu Recht wird darauf hingewiesen: Wer bittet, übt keinen Zwang aus. Er drängt nicht, sondern versucht, durch die Kraft seiner Argumente und seines Zeugnisses dem anderen die Bedeutung Christi zu vermitteln.
 Die EKD Synode 1999 schreibt: „Jeder Christ ist an seinem Platz ein Botschafter Jesu Christi – ob Mann oder Frau, alt oder jung, im Berufsleben oder beim alltäglichen Gespräch auf der Straße, in öffentlichen Ämtern oder im persönlichen Kontakt. … Dabei soll niemand sagen: Ich bin mit meinem eigenen Glauben noch nicht so weit. … (Und jetzt kommt ein ganz wichtiger Satz:) Wir wachsen und werden im Glauben gewisser, wenn wir zu anderen und mit anderen von ihm reden.“
Missionsarbeit auf persönlicher Ebene stärkt mehr als alles andere den Glauben. Glaubensgewissheit findet nur, wer missionarisch tätig ist, wer über seinen Glauben redet und ihn mit anderen teilt.

Rettungsstation

Viele kennen sicher die Geschichte von der Rettungsstation, die irgendwo am Ozean gebaut wurde, um Schiffbrüchige vor der Küste zu retten. Diese Seenotrettungsstation wurde im Laufe der Jahre immer üppiger ausgestattet. Es wurden auch große Feste dort gefeiert – mit vielen Menschen, regelmäßig, jeden Sonntag. Nur das Rettungsboot kam immer weniger zum Einsatz. Es verstaubte und verrottete. Es war am Ende nur lästig und wurde ganz vergessen. Die Menschen in der Rettungsstation hatten an sich selbst genug. Sie kümmerten sich nicht mehr um die Schiffbrüchigen, die im Wasser ertranken.
Ist dies ein Bild für die Kirche, für unsere Kirche, wo sie ihren eigentlichen Auftrag verfehlt und vergisst, und an sich selbst, an der eigenen Erbauung und an der eigenen Rechtgläubigkeit genug hat.

Was ist unser Rettungsboot und wo ist es?
Wo gibt es unter uns Übungen zur Rettung Schiffbrüchiger?
Wo fahren wir aufs Meer der Zeit hinaus, um gestrandete, von den Wellen zerschlagene, kaputte Typen und Existenzen einzusammeln und einzuladen?
Vielleicht möchten wir zwei Minuten darüber mit unserem Nachbarn rechts oder links oder mit Vordermann oder Hinterfrau darüber diskutieren.
Und vielleicht können wir dazu auch  einmal kurz aufstehen, uns einmal umdrehen und schauen, wer hinter uns sitzt.
Sie können sich auch einfach fragen: Ist das richtig oder falsch, was wir gerade gehört haben? Sehe ich das auch so, oder möchte ich widersprechen oder nachfragen?
2 – 3 Min. Pause

Unsere“ Kirche hat keine Zukunft

„Der Missionsauftrag unserer Kirche“, lautet das Thema. Ich habe dabei leichte Bauchschmerzen und will das kurz erklären.
Wenn es bei uns immer wieder einmal um unsere Kirche, um unsere Arbeit oder unseren Auftrag und unsere Verantwortung geht, ist die Sache verloren. Denn was von uns ausgeht, was sich nach unseren Vorstellungen ausrichtet, hat selten eine Zukunft. Nicht wir machen oder bauen die Kirche. Jesus Christus „versammelt, schützt und erhält (seine Kirche,) seine Gemeinde (nicht unbedingt unsere!) … von Anbeginn der Welt bis ans Ende“ (HK 54).
Dieses Bekenntnis nimmt uns viel von der Furcht und Angst um die Zukunft der Kirche. Wir sind es nicht, die die Kirche machen oder bauen können. Sie ist ganz die Sache unseres Herrn. Darauf hat schon Martin Luther immer wieder gehämmert.
Das enthebt uns nicht von der Aufgabe, über die Zukunft, die Mission und den Auftrag der Kirche nachzudenken.
Aber die Evangelisch-altreformierte Kirche selbst an und für sich selbst hat keine Zukunft. Auch nicht in „größtmöglicher Eigenständigkeit“ wie wir heute gerne betonen. Sie hat nur Zukunft wenn sie Teil der Kirche Christi und des Reiches Gottes ist und sein will! So darf sie sich sehen und verstehen: als Werk Christi, als Teil der weltweiten Kirche und des Reiches Gottes. Das entlastet uns.

Kirche ist die Sache Jesu

Es gibt auch außerhalb und neben der Ev.-altreformierten Kirche eine große Kirche Jesu Christi. Die Verantwortung für Mission und Kirche ruht nicht nur und nicht einmal zuerst auf unseren Schultern. Es ist die Sache Jesu, an der wir stehen.
Das Wissen um Weite, Größe und auch Geschichte der Kirche Jesu Christi und des Volkes Gottes in aller Welt setzt unser Denken, Hoffen und Tun in die Weite. Wir kommen aus der Enge und Ängstlichkeit heraus, die viele Kirchenmenschen auch in altreformierten Kreisen bedroht. Wir dürfen aus der Enge in die Weite treten: Es ist die Kirche Christi. Es ist seine Sache, an der wir stehen – Es gibt ein Lied, das wir als Jugendliche gern gesungen haben. Leider ist es im EG nicht aufgenommen: „Die Sach ist dein, Herr Jesu Christ, die Sach, an der wir stehn, und weil es seine Sache ist, kann sie nicht untergehn“ (GL 535 oder rote Songs Nr. 102).
Wir können also aufatmen. Der Druck, den wir selber uns machen oder den andere uns machen, wird weniger, je mehr wir verstehen und glauben: Es ist nicht unsere Sache, sondern die unseres Herrn Jesus Christus. Da brauchen wir uns gar nicht schämen oder ängstigen.
Nur in der Gewissheit Christi und seiner Sache, im Vertrauen und Hoffen auf ihn, können wir uns auf die Mission Christi, auf Gottes Sendung, auf Gottes Werk und Zukunft besinnen – und auf unsere Aufgabe darin.

 Sollen wir dieses Lied jetzt einmal singen,
um dies auch zu behalten und uns einzuprägen?

Kirchenordnung

De künftige  Kirchenordnung der VPKN fängt an:
„1. Die VPKN (und damit auch die EAK) ist … eine Gestalt (oder eine Form) der einen heiligen … allgemeinen christlichen Kirche, die teilhat hat an der Israel geschenkten Erwartung, indem sie das Kommen des Reiches Gottes erwartet.
2. Indem die Kirche aus Gottes Gnade in Jesus Christus lebt, erfüllt sie den Auftrag ihres Herrn, das Wort zu hören und zu verkündigen.
3. Beteiligt an Gottes Zuwendung zur Welt, bekennt die Kirche … den dreieinigen Gott…“. 
 Die Kirche ist nur Kirche, indem sie Sache, Eigentum und Werk des Herrn ist – und das Kommen des Reiches Gottes erwartet, sich an Gottes Zuwendung zur Welt beteiligt und den dreieinigen Gott bekennt.


Kirche und Kirchentrennungen

Kirche, griechisch knriake, ist das, was des Herrn ist, was dem Herrn Jesus Christus gehört. Von ihr kann man sich nur zum eigenen Schaden trennen, mag die Kirche noch so verworren und noch so weit abgeirrt sein. Getrennte Kirchen sind immer auch Zeichen von Schuld und Versagen. Und wer will sagen: Kirchentrennung war immer nur die Schuld von anderen. Das Zeugnis der tausendfach getrennten Kirche und ihre Kraft werden leiser und geringer auch durch die Schuld der Trennung! Mit jeder Trennung geht auch ein Zeugnisverlust und ein Verlust von Missionskraft Hand in Hand. Das Zeugnis der Kirche, das Bekenntnis zu ihrem Herrn Jesus Christus, wird durch die vielen getrennten Kirchen nicht deutlicher und nicht eindeutiger! Ganz im Gegenteil!
 Es ist erschreckend: Während in den letzten Jahrhunderten Staaten und Völker immer mehr eins geworden sind und noch eins werden, etwa jetzt durch den Euro, wird gleichzeitig die Vielfalt und Vielzahl der Kirchen beängstigend groß und größer.
Aus vielen kleinen Fürstentümern und Königreichen ist ein Staat, eine Bundesrepublik entstanden. Aber im selben Zeitraum dieser politischen Geschichte sind aus einen großen allgemeinen christlichen Kirche in Deutschland zahllose kleine Konfessionen hervorgegangen.
 Mit der größeren Einheit in Staat und Politik gehen bis heute immer neue Kirchentrennungen und kirchliche Kleinstaaterei Hand in Hand. Es gibt in den Niederlanden mehr als zehn / verschiedene / altreformierte Kirchen, die zum Teil nichts voneinander wissen wollen. Und es gibt weltweit eine Entwicklung zu immer neuen getrennten, kleinen und kleinsten kirchlichen Gemeinden und Gemeinschaften, vor allem im pfingstkirchlichen und charismatischen Bereich, die sich völlig eigenständig entwickeln. Fast scheint es so, als ob jeder geistliche Leiter heute seine eigene Truppe bildet und seine eigene Kirche und das dann „Mission“ nennt. Diese Kleinstkirchen und –gruppen wirken missionarisch. Sie sind werbekräftig. Sie müssen sich wohl oder übel um Mitglieder und Nachwuchs kümmern, weil sie von vornherein nur eine kleine Zahl Anhänger haben

 Sie mögen sich (als Zuhörer) wieder einmal erheben, sich einmal um die eigene Achse drehen und ihren Nachbarn vor oder neben oder hinter Ihnen fragen: Was schätzt du, wie viele verschiedene Kirchen es in Deutschland heute gibt?
Einmal die Beine vertreten, das fördert die Aufnahmefähigkeit.

Es gibt in Deutschland neben den 24 Evangelischen Landeskirchen unter dem Dach der EKD, der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Römisch-katholischen Kirche mit ihren 27 Bistümern und Erzbistümern
mindestens zwanzig Freikirchen und Sondergemeinschaften, die größer sind als die EAK,
und noch einmal mindestens 20, die kleiner sind.
Fast alle diese Freikirchen sind im vorletzten und letzten Jahrhundert entstanden, viele sogar erst in den letzten Jahren. (EVTL: VORLESEN aus der REMID Liste)

Nachwuchskirchen

Missionarische Aktivitäten kann leider man in den Anfängen der EAK nicht finden. So ist es bis heute vielfach geblieben.
Ein Beispiel: Die altreformierte Synode möchte schon seit mehr als einem Jahr missionarische, evangelistische Projekte in den Gemeinden vor Ort finanziell unterstützen. Sie führt eine Evangelisationskasse, in der sich einige Tausend Euro befinden – aber es gibt keine Gemeinde mit einem erklärten missionarisch evangelistischen Konzept vor Ort. Das Geld wartet darauf, eingesetzt zu werden – in einem Projekt der Gemeinde vor Ort, nicht irgendwo weit weg.
Man muss es leider sagen: Die EAK ist keine missionarische Kirche. Sie ist eindeutig eine sog. Nachwuchskirche. Anders als z.B. die Baptisten um Johann Gerhard Oncken, haben Altreformierte keine (in Anführungszeichen) „Missionsinstrumente“ entwickelt. Es gibt also z.B. keine altreformierte Neulandmission, keine eigenen diakonischen Einrichtungen, Pflege- oder Altenheime, kein Gemeindegründungsprogramm oder was es sonst alles in den klassischen Freikirchen gibt.

 

(Die Baptistengemeinden in Deutschland wurden übrigens im selben Jahr 1834 gegründet, in dem Hendrik de Cock die Altreformierten oder Gereformeerden gründete, 1834 De Cock in Ulrum und Oncken in Hamburg. Die Evangelisch-freikirchliche Gemeinde, so der offizielle Name der Baptisten, zählen heute 100.000 erwachsene Getaufte plus eine große Zahl von Gästen und Freunden der Gemeinde in 550 Gemeinden und zusätzlichen 1800 Predigt- und Versammlungsorten. Die Altreformierten zählen rund 7000 Glieder in 14 Gemeinden. Das sagt alles!)

- - - Drei konfessionelle Freikirchen

Es gibt drei sog. konfessionellen Freikirchen in Deutschland. Alle drei sind aus bekenntnismäßigen Gründen entstanden und setzten typischerweise ursprünglich alle drei das „alt“ vor ihren Namen.
Die Altlutheraner, zwischen 1860 und 1870 entstanden, nennen sich heute SELK, Selbständig Evangelisch-lutherische Kirche, (40.000 Glieder in Deutschland und eigene Ausbildung in Oberursel);
 die Altkatholiken (um 1865 gegen die Unfehlbarkeit des Papstes und die leibliche Himmelfahrt Marias entstanden, heute mit 25.000 Gliedern in der Utrechter Union)
und eben die Altreformierten.
Alle drei sind bis heute Nachwuchskirchen und nur sehr eingeschränkt als „Freikirchen“ zu bezeichnen. (Die EAK gehört als einzige Freikirche nicht einmal zur VeF, der Vereinigung evangelischer Freikirchen“, die von dem methodistischen Bischof Klaiber geleitet wird, der vor einigen Jahren einmal über diesen Verein in Nordhorn berichtet hat und heute zudem Vorsitzender der ACK ist, der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen.)
Anders als die sog. klassischen Freikirchen wie Baptisten oder Freie Evangelische, Darbisten oder Brüdergemeinde haben die konfessionellen Freikirchen (also die mit dem „alt“ davor: Altlutheraner, Altkatholiken, Altreformierte) bei ihrer Gründung keine (Laien)Prediger ausgesandt, um immer wieder neue Gemeinden von Neubekehrten zu gründen.
Sie wollten vielmehr vor allem für sich und ihr Dorf oder ihre Stadt eine Rückkehr der Landes- oder Volkskirche zum alten Bekenntnis und oft auch zu älteren Traditionen und Gewohnheiten. Die Vollendung des Reiches Gottes, die Bekehrung von Menschen war und ist ihnen oft weniger ein Anliegen. 

Komm- oder Gehstruktur

Diese Kirchen, also auch die Altreformierten, waren und bleiben weithin der herkömmlichen Kommstruktur ihrer jeweiligen Mutterkirche verpflichtet. „Zur Kirche kann ja jeder kommen. Im Dorf stehen unübersehbar vier Kirchen, zum größten Teil sogar mit Glocken und Türmen – da kann jeder reingehen, der möchte. Warum sollten wir uns um Neubaugebiete und Neuzugezogene besonders kümmern?“ sagt bis heute  manche Leute! Viele Gemeindeglieder geben ihnen im Geheimen Recht. So bremsen sie jegliche missionarische Arbeit vor Ort aus!
Die Besinnung auf Mission und Evangelisation ist die Frage nach unserem Kirchenverständnis. Müssen wir zu den Leuten hin – oder müssen die zu uns kommen?
In einer volkskirchlichen Situation, wo eigentlich jeder der Kirche angehört, kann man sich kaum vorstellen, dass die Kirche zu den Menschen hingeht, sie aufsucht und einlädt. Die Frage ist: Müssen die Menschen zur Kirche kommen – oder muss die Kirche zu den Menschen kommen? Ich kann auch fragen: Hat Jesus gewartet, dass die Menschen zu ihm kamen oder ist er zu den Menschen hingegangen?
Die großen Kirchen gehen dabei davon aus, dass die allermeisten der neu Zugezogenen sowieso einer der großen Landeskirchen angehören. Und sie haben ja für unseren Bereich weithin Recht. Dem Namen und der Kirchensteuer nach gehören fast alle zu einer der drei großen Kirchen.
Die Vielfalt der Kirchen am Ort nicht unbedingt missionsförderlich. Sie bremst eher. Es kommt zu einer Einigung auf dem kleinsten gemeinsamen (missionarischen) Nenner aller Kirchen vor Ort. Wir wollen vielleicht irgendwann eine Zeltmission halten, aber dann müssen erst die anderen Kirchen vor Ort dafür gewonnen werden.
Dabei belebt die Vielfalt der Kirchen am Ort das innergemeindliche Leben  durchaus. „Ein wenig Konkurrenz belebt das Geschäft“, sagt der Handel. Aber das gilt in den Kirchen eben nur nach innen, nicht nach außen! Die Außenwirkung der Kirchen wird durch mehrere Kirchen am Ort nicht besser und einfacher, sondern schlechter und schwieriger. 

Entscheidungskirchen und Personalgemeinden

Alle typischen Freikirchen sind weltweit Entscheidungskirchen. Ihre Glieder gehören ihnen aus eigener, freier, persönlicher Entscheidung an. Jeder muss sich persönlich entscheiden, ob er oder sie zur Gemeinde gehören will oder nicht.
Konsequenterweise vertreten alle klassischen Freikirchen die Erwachsenentaufe oder Glaubenstaufe. Die drei genannten konfessionellen Kirchen dagegen halten an der Kindertaufe fest. Mit der Kindertaufe ist ein Dilemma vorgegeben:
Gehören unsere Kinder zur Gemeinde, in den Bund Gottes und in seine Gemeinde, wie der Heidelberger in Antwort 74 sagt: (Zitat)  „Sie gehören ebenso wie die Erwachsenen in den Bund Gottes und seine Gemeinde. Auch ihnen wird, nicht weniger als den Erwachsenen, … die Erlösung … und der Heilige Geist … zugesagt.“
Trotzdem fallen viele aus der Gemeinde und dem Glauben heraus. Müssen wir uns nicht mehr missionarisch und evangelistisch um Kinder und Jugendliche kümmern und um sie werben?
In den klassischen Freikirchen gibt es keine Konfirmation und kein Öffentliches Glaubensbekenntnis in Gruppen oder Jahrgängen. Man kennt dort keine Parochialgemeinden, sondern nur Personalgemeinden, d.h. es gibt keine festen Gemeindegrenzen, jeder schließt sich dort an, wo er sich geistlich beheimatet fühlt.  

Streit um Gemeindegrenzen, nicht um Gliederwerbung

Typisch für Altreformierte ist, dass sie von Anfang an bis heute über die Gemeindegrenzen auf der Landkarte manchmal heftig gestritten haben, aber nicht darüber, wie neue Gemeindeglieder zu gewinnen sind. Es ging nicht um die Gewinnung von neuen Gliedern, sondern um die Reformation der Reformierten Mutterkirche.
Diese Reformation hat übrigens in vielen Punkten so oder so ähnlich stattgefunden, wie die ersten Altreformierten sich das erhofften! Viele Altreformierte haben das in späteren Jahrzehnten gar nicht mehr gemerkt: Der Heidelberger Katechismus ist wieder da, überboten noch von den Barmer Thesen. Beide sind heute maßgebliche, verbindliche Bekenntnisse der ERK. Die meisten von den ersten Altreformierten beanstandeten Lieder sind längst gestrichen und vergessen – und andere singen wir heute selber gerne. Die Trennung von Staat und Kirche sind trotz der Kirchensteuer wie erwünscht vollzogen. Nirgends ist heute noch der Fürst oder der Ministerpräsident oder Kanzler leitender Bischof einer Kirche. Eigenständige reformierte Synoden sind eingerichtet – und die reformierte Verfassung kennt durchaus auch Grenzen der Gemeinde, die Altreformierte mit dem Begriff „Kirchenzucht“ umschreiben. 

Anfänge altreformierter Missionsarbeit

Typisch ist auch, dass die ersten altreformierten Missionskollekten ungefähr ein halbes Jahrhundert nach Gründung der Gemeinden gehalten wurden, ab etwa 1880. Bis dahin waren die Altreformierten voll und ganz damit beschäftigt und völlig ausgelastet, ihr eigenes kirchliches Leben instand zu halten und ihre Armen zu unterhalten! Es gab ja noch keine Sozialgesetzgebung – und wer von der Armenkasse abhängig war, in unserem Sinne Sozialhilfeempfänger, überlegte doppelt, ob man altreformiert werden sollten. Die altreformierte Armenversorgung ließ bis 1900 manches zu wünschen übrig.
Das  ist die Frage der Mission überhaupt: Arbeiten wir mehr nach innen oder mehr nach außen? Reicht es uns, im eigenen Saft zu schmoren, unter uns zu bleiben und ein blühendes Gemeindeleben zu erhalten – oder sehen wir unsere Aufgabe in der Welt unter den Mitmenschen? Sind wir zufrieden, wenn die Gemeinde ihre Gliederzahl behält, oder sind wir erst zufrieden, wenn sie neue Glieder gewinnt? In einer Zeit, die nicht mehr auf den jahrzehntelangen Geburtenüberschuss vertrauen kann, stellt sich diese Frage drängender denn je! Wie die BRD auf Ausländer angewiesen ist, damit die Deutschen nicht langsam aussterben, so ist auch die Kirche auf neue Glieder von außen angewiesen. In der Kirche kommt hinzu, dass dies ja ihr ureigenster Auftrag ist (mit einer kleinen Abänderung, nach Mt. 28: Gehet hin und machet alle zu Jüngern und lehrt sie halten, alles, was ich euch befohlen habe.  

EAK viel nach innen, wenig nach außen

Altreformierte arbeiten sehr viel nach innen in die Gemeinden hinein– und nur ganz wenig nach außen, in die Umgebung hinein.
Altreformierte Gemeinden kennen kaum eine eigenverantwortliche Außenwirkung, weder im missionarischen noch im diakonischen Bereich vor Ort! „Dafür sind wir zu klein, das können wir nicht bezahlen“, sind gängige Sätze und vermeintliche Entschuldigungen.
Und Minderwertigkeitsgefühle tun ein Übriges. Was haben wir schon zu berichten? Wenn wir Synoden halten: Lieber nicht in die Zeitung schreiben, das ist intern. Wenn wir Gemeindefeste feiern, besondere Gottesdienste anbieten, neue Kreise und Gruppen starten – das ist nichts für die Öffentlichkeit. Alles gemeindeintern. Ja ich frage euch, was ist denn für die Öffentlichkeit in Kirche und Gemeinde? Jeder Kaninchen- oder Vogelzuchtverein versteht das besser: Wer Menschen gewinnen will, muss an die Öffentlichkeit und öffentlich über seine Arbeit und Absicht informieren. Da haben gerade Altreformierte besonderen Nachholbedarf. Wer etwas zu sagen hat, muss es öffentlich und laut in allen Medien und auf allen Plätzen sagen!
Es gibt in Deutschland kaum noch eine öffentliche Diskussion auf dem Areopag, auf dem Marktplatz oder im Fernsehen! Da hat sich die Kirche zurückgezogen. Das liegt nicht an den Medien, es liegt an der Kirche. Sie verhält sich so, als wäre sie sich selbst ihrer Sache nicht mehr ganz so sicher! Und die, die öffentlich reden und auftreten, bleiben oft ohne Unterstützung im Regen stehen, ob das Peter Hahne in Zeitung Bild am Sonntag ist oder Pastor Fliege im Fernsehen – das ist nichts für uns, das sind keine von uns!

Nicht mehr sicher

Darin liegt ein großes Hindernis jeglicher Mission, dass wir uns unserer Sache nicht mehr sicher sind, ja, dass wir uns unseres Herrn nicht gewiss sind.
Dabei sind wir doch nicht die letzten Mohikaner, Hüter irgendwelcher Traditionen oder moralischer Werte – wir haben eine Botschaft und einen Heiland, der hilft und rettet.
Wir sind so unendlich müde und passiv, so wie Gemeinden in vierter, fünfter Generation das immer wieder werden. Es gibt da kaum irgendwelche Ausnahmen. Wir sind genügsam und anspruchslos. Die Passivität in den Gemeinden ist groß – trotz hervorragender finanzieller Beiträge, Kollekten und Unterstützung vieler Werke und Einrichtungen oder auch der Mission auf Sumba oder in Bangladesch oder von Menschen in Rumänien.

Passivität

1/3 der Altreformierten geht gar nicht oder weniger als einmal im Monat zum Gottesdienst. In großen Gemeinden fällt das weniger auf. Aber wenn man die Zahl der Gottesdienstbesucher einmal mit der Zahl der Gemeindeglieder vergleicht, ist das schon erschreckend. 1/3 kommt durch die Bank so gut wie gar nicht oder gar nicht. Kämen alle, die könnten, würden die Gottesdienste aus allen Nähten platzen.
Das zweite Drittel der Gemeindeglieder kommt „nur“ in den Gottesdienst, immer häufiger nur in einen, und beteiligt sich sonst überhaupt nicht an der Gemeinde.
Und ein Drittel, das letzte Drittel der Gemeindeglieder trägt das Gemeindeleben.
Damit ist die aktive Kerngemeinde an allen Orten in reformierten und altreformierten Gemeinden etwa gleich groß. Es sind in beiden Kirchen verhältnismäßig wenige, die Frauenkreise, Jugendarbeit, Chöre, Hauskreise oder Kirchenrat instand halten.

Es ist übrigens ein Trugschluss, zu meinen, es gäbe so viele Alte und Kranke in den Gemeinden. Der Anteil derer, die absolut nicht an Gottesdienst, Kindergottesdienst und Kinderhort teilnehmen können, beträgt höchstens zwei bis drei Prozent. 95% der Altreformierten könnten jeden Sonntag im Gottesdienst sein. Aber selbst an den Abendmahlsfeiern beteiligen sich in der Regel nur zwischen 50 und 75 Prozent der bekennenden Glieder, an den Kirchenrats- und Pastorenwahlen ebenso. Das heißt wieder: rund ein Drittel der bekennenden Glieder wählt nicht mit und nimmt auch nicht am Abendmahl teil.

Auf einer Folie sammeln wir Stärken und Schwächen der EAK

 stark                                      schwach

zuerst in der Versammlung genannt und auf Folie notiert:

Bibelkenntnis                           persönliches Zeugnis

Gebefreudigkeit                       Weitersagen des Glaubens

Gemeindegesang

                        Diskussionsfreudigkeit

Gemeinschaft

Beteiligung Jugendlicher

 

dann auf Folie vorgegeben:

Gottesdienstbesuch                  Gespräch mit Nichtchristen

Beteiligung                               Ansprechen Fremder im Gottesdienst

Mitarbeit                                 Feiern des Glaubens

Wissen             Singen d. Gemeinde (vierstimmig, fröhlich, kräftig)

Konfirmandenunterricht

Kindergottesdienstarbeit

Jugendarbeit

Orgel                                       andere Instrumente

Traditionen                              Weitergabe an Kinder u. Jgdl.

                                               Leitung von Godi o.a.

                                               Eintönigkeit, Langeweile,

                                               Presse- und Öffentlichkeitsarbeit!

                                               Medienarbeit!

Kollekten                                Diakonische Einrichtungen

Besuche vom Kirchenrat

und Pastoren                            Besuchs- und Hilfsdienste

 

  

Zuerst Auftrag nach innen

Mission ist also auch ein Auftrag in die Gemeinde hinein, ein Auftrag nicht nur für Pastoren und Kirchenräte, sondern für jedes einzelne Gemeindeglied. Wie finden wir zu Strukturen, in denen wir aus den festen und oft festgefahrenen Traditionen zu lebendigen Aktionen kommen, in denen wir vom Schweigen zum Reden, zum Mitreden und Zeugnisgeben kommen, in denen wir die wohl vertraute Theorie in die Praxis umsetzen und hier erproben? Unsere guten Gewohnheiten müssen von der Ebene der Gewohnheit ins Bewusstsein rücken, damit wir sie auch nach außen vertreten und bekannt machen. Was wir im Kopf gelernt haben, will in unser Herz hinein gelangen und im Leben sichtbar werden.
Dabei sind sehr wohl unsere Gefühle, unsere Empfindungen, unserer Herzlichkeit, das Feuer Gottes gefragt. Der Geist Gottes lässt keinen kalt. Herzlichkeit und Barmherzigkeit sind Dinge, die uns sehr fehlen. Offenheit für andere, auf Fremde zugehen.
Ich kann es nicht mehr hören, dass mir Gemeindeglieder sagen: Das ist unsere Art. Das sind wir nicht gewohnt, den Fremden in der Kirchenbank neben uns anzusprechen. In manchen Gottesdiensten bei uns geht ein Fremder wieder weg, ohne dass ihn jemand anspricht. Es wird höchste Zeit, diese schrecklich unchristliche kalte Art und Sturheit durch das Feuer des Geistes Gottes zu erwärmen.
Rudolf Westerheide schreibt in IDEA SPEKTRUM (9.10.2002, Nr. 41, S. 9) „Wir müssen nicht Bibelkurs an Bibelkurs reihen, wenn man nicht bereit ist, die gewonnenen Erkenntnisse anzuwenden.“
Tun wir, was wir wissen, erkannt und gelernt haben. Unser Wissen muss in die Praxis umgesetzt werden!

Früchte des Geistes, Gal. 5,22

Die Frucht aber des Geistes Gottes ist, so schreibt Paulus in Galater 5,22,
„Liebe, Freude, Friede,
Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit,
Glaube, Sanftmut und Selbstbeherrschung.“ (Keuschheit)
Finden wir diese Früchte des göttlichen Geistes in unseren Gemeinden und bei uns selbst und wachsen wir in ihnen? Da fängt Mission an, nach innen, bei uns selbst. Wenn wir diese Früchte vermissen, dann hilft nur, darum zu beten, zu bitten und zu betteln: Herr, schenke mir Liebe, dass ich mehr Liebe übe. Schenke mir Frieden, dass ich Frieden verbreite. Schenke mir Freude, dass ich freundlich werde. usw.
Das Werben, Aufsuchen und Nachgehen von denen, die ja schon zur Gemeinde gehören, ist der Anfang aller Mission und Evangelisation. Wenn wir schon im eigenen Hause niemanden überzeugen und kein geistliches Leben finden – wie soll es dann nach außen gelingen?

Mund aufmachen, Sprachlehre, nicht Intimsphäre

Mission fängt dort an, wo einer den Mund aufmacht, und das Gespräch über den Glauben und die Bedeutung Jesu in seinem Leben führt, wo wir Gottes Bewahrung oder Geleit bezeugen, wo wir Gottes Kraft nicht verstecken, sondern sie bekannt machen und Jesu Einladung weitergeben.
Das Gespräch mit Nichtüberzeugten, mit Nichtchristen oder der Kirche Fernstehenden, verändert jeden, der es führt. Wer das Gespräch über den Glauben wagt und anfängt, nur der gewinnt den Glauben.
Schweigend und stumm kann keiner glauben. „Ich will erzählen, was Gott an mir getan hat“, sagt Psalm 66, 16. Wer glaubt, bleibt nicht stumm, sondern hat etwas zu erzählen von der Güte Gottes.
Die Synode der EKD, das zweite Wunder von Leipzig hat man sie genannt, hat 1999 ausführlich über Mission und Evangelisation gesprochen. So wie übrigens überall im Lande dies ein ganz wichtiges Thema ist. 

EKD Synode 1999 in Leipzig

Sie schreibt in der ersten These: „Gott hat uns eine Botschaft anvertraut, die die Mühseligen und Beladenen erquickt und die Starken davor bewahrt, sich von Leistung und Erfolg ein erfülltes Leben zu versprechen. Diese Botschaft wollen wir weitersagen, mit dieser Botschaft werden wir gebraucht.“
Sie nennt in der zweiten These das Wort aus 1. Tim. 2, 4:
„Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Wir müssen die Ziele, die wir uns bei unserem missionarischen Handeln setzen, am Willen Gottes messen.“
Und dann schreibt sie, dass das Evangelium auf jeglichen Zwang verzichtet und auf freie Zustimmung zielt. Dass wir den Dialog, das Gespräch suchen, und Zeugnis von Christus geben.
Sie spricht von der Sprachlosigkeit, die uns überfallen hat:

„Vielen fällt es schwer, verständlich und überzeugend von ihrem Glauben zu reden. Das ruft Gefühle der Sprachlosigkeit, ja der Peinlichkeit hervor.“ Ich zitiere noch weiter: „Die Ursache ist insbesondere in einer mangelnden Bildung im Glauben zu suchen. Die in der Kindheit erworbene Gestalt des Glaubens trägt nicht mehr… Das Problem entsteht aber auch daraus, dass Glaubensfragen als eine höchst persönliche Angelegenheit betrachtet werden und aus dem privaten und öffentlichen Gespräch weithin verdrängt worden sind. Der Satz, dass Religion Privatsache sei, haben viele so sehr verinnerlicht, dass der Glaube zur ‚Intimsphäre’ geworden ist.  Über die Fragen des Glaubens schweigen wir verschämt. Das darf so nicht bleiben. Wir brauchen mehr Selbstbewusstsein und Mut, im privaten und öffentlichen Gespräch zu unserem Glauben zu stehen und von seiner Lebensdienlichkeit Rechenschaft zu geben… Eine neue Sprachlehre des Glaubens ist nötig.“ Ende Zitat (Reden von Gott, S. 41)

Kommt, ich will erzählen, Ps. 66

„Kommt her, hört zu; ich will erzählen, was Gott Großes an mir getan hat“, Psalm 66. Das gilt es neu zu entdecken. Wir dürfen den Glauben an Christus und unsere Gottesgewissheit mit unserer eigenen Lebensgeschichte verbinden. Was hat mich geprägt? Welche Namen stehen am Anfang meines Lebens als Christ? Welche sind im Lauf der Zeit hinzugekommen? Welche Gruppen, Gemeinden, Veranstaltungen oder Texte sind mir zu Schlüsselerlebnissen geworden? Was hat mir geholfen, meine eigene, eigenständige christliche Identität zu finden? Was sind die Wurzeln meiner heutigen kirchlichen Mitarbeit? Was will ich heute Abend hier? Was habe ich im Laufe der Jahre hinter mir gelassen – und wonach sehne ich mich?“ (Nach: Reden von Gott, S. 8f)
Wenn wir so fragen, stellen wir fest, dass wir alle Menschen gehabt haben, die uns von ihrem Glauben erzählt und ihren Glauben vorgelebt haben.

Wir wissen inzwischen, dass auf großen Evangelisationen oft nur wenige zum Glauben finden. Aber viele finden zum Heiland durch die persönliche Beziehung und Begleitung von einzelnen Menschen.
Mission und Evangelisation sind nicht so sehr Massengeschehen. Sie liegen eher auf der Ebene persönlicher Verbindungen und Beziehungen. 

Familie wichtig

Die EKD Synode weist zu Recht auf die Bedeutung der Familie hin: Reden von Gott, S. 44,4
„Ein wichtiger Ort, an dem der christliche Glaube weitergegeben und verständlich gemacht werden kann, ist die Familie. Hier kann zum ersten Mal und grundlegend erfahren werden, wie es aussieht, im eigenen Leben auf Gott zu vertrauen, von Gott zu erzählen und zu Gott im Gebet zu reden. Wir ermutigen vor allem Mütter, Väter und Großeltern, zu ihrem Glauben zu stehen und ihn nicht zu verstecken. Wir bitten sie, mit ihren Kindern und Enkelkindern zu beten, auch wo das von anderen zunächst als befremdlich empfunden werden mag: bei den gemeinsamen Mahlzeiten, am Anfang und am Ende des Tages, in den Situationen besonderen Glücks oder Unglücks. Kinder lernen am intensivsten aus dem, was ihnen selbstverständlich und unverkrampft vorgelebt wird.“

Ins Gebet nehmen

Diese persönlichen Beziehungen in der Familie und darüber hinaus können nicht gelingen ohne Gebet.
Ich könnte sagen: Genau da fängt Mission an, wo einer oder eine anfängt zu beten. Nicht wo der Pastor eine supergute Predigt hält, nicht wo wir ein Missionszelt aufbauen, nicht wo wir Artikel für die Zeitung schreiben – sondern wo wir anfangen zu beten.
Das nachlassende Gebet – ist der Hauptfeind jeder Mission. Was wir nicht ins Gebet nehmen, was wir nicht mit Gott besprochen haben, können wir auch nicht mit Menschen besprechen oder an andere weiter geben.

Nur Überzeugte können überzeugen, nur Gewonnene können andere gewinnen, nur persönlich Verantwortliche können andere in die Verantwortung rufen.
Ich schließe mich selber ein: Wenn wir nicht um Erweckung, um Neuorientierung unseres Landes und Kontinents, ja unserer Welt beten, wie soll Gott dann eine Erweckung schenken?
Es ist gut, dass die großen Kirchen 1999 ein Wort zu Mission gesagt haben – und die Kirchen und Gemeinden an den Missionsauftrag erinnern. Es liegt hier zum Mitnehmen und Nachlesen. 

Gott Großes zutrauen

Aber alles fängt damit an, dass wir Gott Großes zutrauen und Großes von ihm erbitten und erwarten. Wer keine Vision mehr hat von Gottes Zukunft und von der Bedeutung seiner eigenen Gemeinde, wer nicht mehr träumt, von dem, was sein und werden könnte, der gibt sich sehr schnell mit der Erhaltung des normalen Istzustandes zufrieden.
Wenn uns die Mission ein Anliegen ist, dann muss sie ins Gebet kommen.
Wenn uns die Bekehrung des Nachbarn ein Anliegen ist, dann muss sie ins Gebet hinein!

Gottesdienste

Und da müssen wir und wollen wir solche Gottesdienste feiern, mit solcher Freude und Überschwänglichkeit, dass wir gerne unseren unkirchlichen Nachbarn dazu einladen! Da muss meiner Meinung nach, mehr Leben und Bewegung kommen. Sehr viel mehr Betrieb und Beteiligung an den Sonntagen und während der Woche.
Gott will dich gebrauchen, um die Welt zu erneuern. Er fängt nicht anderswo an und nicht bei anderen, sondern bei dir. Und wenn er dich und mich verändert, dann ist schon ein Stück der Welt verändert. Wenn er dich und mich neu macht, dann ist ein Stück der Welt neu geworden.
Wir müssen üben, natürlich, einfach, mit normaler Stimmlage und eigener Sprache von dem zu reden, was unser Herz erfüllt und unser Leben ausmacht.
Dann öffnet sich unser Herz im Gespräch, im Dialog mit anderen. Wir werden sicherer in den Dingen des Glaubens und wagen wohl auch Neues. Neue Gottesdienst- oder Unterrichtsformen, neue Wege in der Gemeindearbeit sind eine Bereicherung.
Mission ist lebensnotwendig. Es ist die einzig mögliche Lebensform der Kirche.
Wir müssen einfach rausgehen und reden von dem, was wir im Raum der Kirche erleben und gefunden haben. Es ist Zeit zur Aussaat. Um die Ernte kümmert sich zu seiner Zeit der Herr der Kirche selber.

 

Beidseitiges Schild

Vermutlich kennt ihr die Erzählung aus einer englischen Gemeinde. Da hing am Ausgang ein Schild: Sie betreten jetzt das Missionsfeld.
Heute muss dieses Schild den Text auf beiden Seiten tragen: Das Missionsfeld befindet sich innerhalb und außerhalb der Kirche.
 Ich danke für die Aufmerksamkeit.

 

 

  

Nachfolgende Teile des Referats sind gestrichen und nicht ausgesprochen. Sie mögen für den Internetleser als Materialsammlung dienen. Teilweise wiederholen sich die Gedanken. GJB 11.10.02

 

Der Einzelne und die kleine Gruppe

Ich lege damit viel Nachdruck auf den Einzelnen und auf ein lebendiges Gemeindeleben.
Ein Einzelner, den Gott erwählt und beruft und befähigt, kann Großes ausrichten. Und große Gemeinden ohne persönliches Gebet und ohne Früchte des Geistes gehen armselig zu Grunde.
Mission nach innen fängt bei den Einzelnen an, die sich und ihre Gaben Christus und seiner Gemeinde zur Verfügung stellen.  

Zwei oder drei

Meinetwegen dürft ihr auch sagen: Die kleine Gruppe, die kleine Zelle, die zwei oder drei – die haben eine große Verheißung. Ich denke, die Zweier- oder Dreiergruppe, die sich einig wird, ist eine gute Bremse gegenüber allzu persönlichen Auswüchsen.
Es sind ja immer wieder Einzelne sehr überzeugt von ihrer persönlichen Berufung, von einem bestimmten Weg oder einer Sache. Wenn Gottes Weg nur für mich und nur mir deutlich ist und keinem anderen – dann ist das sehr gefährlich! Wenn ich ganz allein das Rezept habe zur Heilung allen Schadens in Kirche und Welt – dann ist das gefährlich.
Wenn Gott durch einen Menschen handeln oder reden will, dann stellt er ihm in aller Regel auch einen zweiten und dritten zur Seite.
Und wenn drei sich eins werden im Namen Jesu – dann gibt es kein Halten mehr und kein Hindernis, das nicht überwunden werden könnte.
Deswegen fängt Gottes Werk mit Einzelnen sowie Zweier- und Dreiergemeinschaften an, die Gott beim Wort nehmen – und ihn an seine Verheißung erinnern.
Rechtes Gebet heißt also nicht: Gott, tu dies und tue das, sondern: Gott an seine Verheißung, an sein Wort, an seine Zusage erinnern – und diese für sich in Anspruch zu nehmen. Das nennen wir normalerweise „glauben“. 

Auslandsmission nötig

Mission geschieht auch nach außen hin, natürlich auch in fremde Länder und Kulturen hinein. Jedenfalls so war es bislang bei der sog. Äußeren Mission. Ob das allerdings weiter so bleiben muss, ist die Frage.
Vorweg: Ich glaube, was im Sommer mit der Reise der sieben Jugendlichen nach Indonesien passiert ist, das ist Mission. Da wurde Deutschen und Indonesiern die Verbundenheit im Glauben an Jesus Christus deutlich. Da war echte Freude über diese Begegnung. Und sie hat Glauben geweckt und vertieft.
Da sind wir den Menschen in Indonesien nahe gekommen – und sie sind uns nahe gekommen.
Ob wir im 3. Jahrtausend noch Missionare ins Ausland entsenden müssen, weiß ich nicht. Der Austausch über die Dinge des Reiches Gottes und den Weg seiner Kirche bleibt notwendig. Aber es macht wenig Sinn, den Europäer nach Asien oder Afrika zu schicken zur Mission – und Asiaten und Afrikaner kommen gleichzeitig heute nach Europa, um diesen Kontinent wieder neu zu missionieren oder zu evangelisieren.
Wir haben genügend Anhänger anderer Religionen inzwischen im eigenen Land und genügend Atheisten. Deutschland ist heute mehr Missionsland als Sumba, viel mehr! Auch hier gilt eine Drittelung:
Je ein Drittel der Deutschen ist evangelisch, katholisch und konfessionslos bzw. Anhänger anderer Religionen.
Es hat keinen Zweck, Missionare auszubilden für den Einsatz in fremden Ländern, wenn wir nicht dieselbe Mission auch bei uns betreiben. Das Gespräch mit Muslimen z.B. müssen wir in Deutschland führen und nicht in Bangladesch oder Indonesien. Wir beten für Muslime, Buddhisten und andere hier bei uns. Wir sollten also für die Außenmission nicht zu weit in die Ferne schweifen. Es hieß früher einmal: „Wer in der Heimat keinen bekehrt, dem ist das auch in der Fremde nicht gegeben!“ Es könnte etwas Wahres dran sein. 

Übung fehlt

Das Gespräch mit Nichtchristen und nicht aktiven Christen ist ein ganz wichtiges Lehr- und Lernmoment. Wir sind auch deswegen so wenig kräftig in den Dingen des Glaubens, weil uns die Übung fehlt, die Gesprächsübung. Wir alle könnten und müssten viel mehr mit Nichtchristen über unser Vertrauen auf Christus reden. Dann würden unser Glaube und unser Reden verständlicher.
Viele glauben ja durchaus an Jesus Christus. Aber sie können ihren Glauben nicht ausdrücken. Sie können ihn nicht in Worte fassen – abgesehen davon, dass sie einen Bibelvers oder einen Liedvers zitieren. 

Privatsache, Intimsphäre

Und selbst das passiert nur selten und noch seltener öffentlich. Ich bin nun drei Monate krank gewesen und habe eine etwas größere Operation hinter mir. Aber es hat mich kaum einer auf die Kraft des Glaubens oder der Fürbitte, auf Gottvertrauen oder Gottes Verheißung angesprochen. Wir wagen es kaum, einander darauf anzusprechen – und natürlich sprechen wir darüber überhaupt nicht mit anderen oder gar Außerkirchlichen. Glaube ist Privatsache. Aber als Privatsache, als Tabuzone – stirbt der Glaube. Er kann nur überleben, wenn er öffentlich gemacht wird und in der Öffentlichkeit bleibt.
Das Gespräch in der Gesellschaft über Wert und Würde des Lebens, über die Bedeutung von Leiden und Sterben, über ethische und moralische Fragen, dieses Gespräch ist dran. Die Leute wollen darüber reden – das sind alles Fragen des Glaubens! Missionarische Ansatzpunkte.
Gott schenkt und viele Gelegenheiten und Möglichkeiten, die wir wahrnehmen und nutzen dürfen.

Aus der Geschichte

Die missionarische Stoßkraft der ersten christlichen Gemeinden, wie sie uns im NT noch begegnet, hat wohl ab 321 n.Chr. sehr nachgelassen. In diesem Jahr wurde das Christentum zur Staatsreligion des Römischen Reiches. Natürlich haben irische Mönche ab 700 unser Gebiet christianisiert. Aber schon zu dieser Zeit wurde das Christentum schon mit Gewalt verbreitet, und mit politischen, militärischen Siegen verbunden. Eine militärische Niederlage bedeutete oftmals auch einen Religionswechsel und später einen Konfessionswechsel.
„Willst du nicht mein Bruder sein, schlag ich dir den Schädel ein“, dieser Satz aus den Zeiten Kreuzfahrer um 11oo/12oo (??) ist typisch. Er galt damals den Juden. Die Kreuzritter wollten ja das Heilige Land von den Juden befreien. Aber er lässt sich auch die vielen späteren Konfessionskriege zwischen Katholiken und Lutheranern und Reformierten anwenden, die ja erst 1648 mit dem Westfälischen Frieden für unser Gebiet ihr Ende gefunden haben.
Bald danach, ab 1700 setzt dann etwa von Herrnhut aus unter Graf Zinsendorf  Missionsarbeit im heutigen Sinne ein. Sie war oft, etwa bei den Niederländern, verbunden mit der Ausbreitung des Handels. Als Folge von Entdeckungen und Eroberungen, neu erworbenen Kolonien und regen Handelsstationen breitet sich auch die Missionsarbeit aus, zuerst unter den Händlern und Handelsposten und dann auch unter den Einheimischen. Ob es dabei um eine Kolonisierung oder um Missionsarbeit ging, ist manchmal noch die Frage. Und wie schrecklich unvorbereitet einfache Handwerker und Arbeiter in weit entfernte Erdteile geschickt wurden, ist heute unvorstellbar. Das gilt übrigens bis ungefähr 1900.  

Europäische Kultur verbreitet?

Aber ich will nicht über die Außenmission, ich will über die Inlandsmission reden. Denn Außenmission war auch Pfennige sammeln für die Schwarzen, damit sie eine Hose bekommen. Es war und ist vielfach Geld einsammeln für die Mission, heute für die Ausbildung von Theologen oder auch für Hygiene und Gesundheitsarbeit. Mission hat vielfach die Menschen zu Nordeuropäern gemacht, unseren Kleidungsstil eingeführt, unsere Musik und unsere Art, Christen zu sein. Dabei wurde durchaus auch manche ursprüngliche Kultur zerstört. Jesus war für uns ein Weißer, aber in Afrika ist er ein Farbiger. Jesus trägt für uns Jacke und Hose – aber in Afrika trägt er den Kaftan und vielleicht sogar einen Turban. Es ist noch die Frage, welcher Kultur er näher steht, der europäischen, der afrikanischen oder asiatischen. Genug davon!  

Gottes Rettungs- und Liebeswerk

Gottes Werk ist immer Rettungswerk. Es ist das Werk seiner Liebe. Gott baut an seinem Reich, an der Vollendung von Himmel und Erde. Es ist mir wichtig, diese positive Streckung im Auge zu behalten. Es geht nicht darum, die Welt vor dem Untergang zu retten, die Kirche über die Runden zu bringen oder Seelen zu retten. Es geht um eine Aufbauarbeit, um Mitarbeit und Dienst bei Bau des Reiches Gottes. Wir verkünden, bringen und üben Gottes Liebe für diese Welt.
Selbst Gottes Zorn ist ja nur die Kehrseite seiner Liebe.  Wenn Eltern ihre Kinder erziehen, dabei vielleicht auch einmal zornig werden, dann heißt das ja nicht, sie lieben ihre Kinder nicht mehr. Im Gegenteil, wenn sie sich niemals aufregen und alles durchgehen lassen, das ist ein Zeichen von Lieblosigkeit, Vernachlässigung und Verwahrlosung. 

Reich Gottes und Kirche

Jemand hat einmal gesagt oder geschrieben:
“Jesus hat das Reich Gottes gepredigt. Gekommen ist die Kirche.“
In diesem Satz zeigt sich eine große Enttäuschung – nicht über das Reich Gottes, sondern über die Kirche. In eine ähnliche Richtung gehen Aussagen, die dem „Bodenpersonal“ nur wenig oder nichts zutrauen. Gott und Gottes Sache – das sei ja alles in Ordnung, aber sein Bodenpersonal würde doch sehr zu wünschen übrig lassen.  

Niederlande verweltlicht

Können wir einmal sammeln und zusammentragen, welche Länder in Europa am meisten säkularisiert sind, also verweltlicht und entchristlicht sind?  Antworten erbeten
Zu den am wenigsten christlichen Ländern Europas zählen sicher die östlichen Bundesländer. Sie sind viel weniger christlich geblieben als das katholische Polen oder das katholische Ungarn oder die orthodoxen Länder der ehemaligen Sowjetunion.
Der Protestantismus ist die jüngste christliche Landeskonfession – und sie ist die, die sich am leichtesten aufgibt.
Und noch merkwürdiger: Der Calvinismus ist am anfälligsten. Er ist am meisten bedroht von der Postmoderne, von der nachchristlichen Zeit. Die Niederlande gehören zu den am meisten säkularisierten Ländern Europas! Weniger als die Hälfte der Einwohner, manche sagen sogar nur noch ein Drittel gehört überhaupt noch einer Kirche an. Und das sind vor allem wieder Katholiken. Die Gliederzahlen der größeren und mehr und mehr auch der kleineren calvinistischen, also reformierten Kirchen in den Niederlanden nehmen jährlich mit fast zwei Prozent ab. Das heißt, wenn die Entwicklung nicht gestoppt würde, gäbe es sie in 50 Jahren fast nicht mehr. 

Gesamtgliederzahl EAK gesunken, Medien

Wir können gerne auch im altreformierten Bereich bleiben. Im letzten Jahr ist die Gesamtgliederzahl der EAK zum ersten Mal nicht mehr gestiegen, sondern um 0,16 % gesunken. Natürlich kann man sagen, alle anderen festen Institutionen wie Gewerkschaften oder Parteien verlieren auch in Massen ihre Mitglieder. Menschen heute wollen sich nicht binden. Das ist alles richtig. Verglichen mit politischen Parteien oder Gewerkschaften stehen die Kirchen nach wie vor glänzend da. Aber dieser Vergleich ist kein Ruhekissen.
Nach wie vor besuchen in Deutschland auch mehr Menschen jeden Sonntag die Gottesdienste als die Sportveranstaltungen. In der Öffentlichkeit und in den Medien aber wird genau der gegenteilige Eindruck verbreitet. Seitenweise berichten die Zeitungen montags über die Sportveranstaltungen des Wochenendes, die Gottesdienste sind ihnen nicht einmal eine Zeile wert. Stundenlang berichten alle Fernsehsender über den Sport. Die Kirchen sind in den Medien eine Randerscheinung. Sie finden kaum Beachtung.
Das ist nicht die Schuld der Medien! Es hat mit den Versäumnissen der Kirchen zu tun. Der erste Bibelkanal soll ja gerade in diesen Wochen sein Programm aufnehmen.  

Missionsgebiet liegt innerhalb und außerhalb der Kirche

In einer englischen Kirche soll über dem Ausgang ein Schild hängen mit der Aufschrift: „Sie betreten jetzt das Missionsgebiet“. Heute müsste dieses Schild von beiden Seiten beschriftet werden. Das Missionsgebiet liegt außerhalb der Kirchen. Aber es findet sich genauso gut innerhalb der Kirchen. Missionarisch erreicht werden müssen Getaufte und Ungetaufte gleichermaßen.
Die klassischen Freikirchen haben uns da etwas voraus. Sie sagen sehr deutlich: Wir bemühen missionarisch um die Kinder der Gemeinde, damit sie zur Gemeinde Jesu kommen.
Der Missionsauftrag der Kirche geht heute bei uns zuerst einmal nach innen.
Namenschristen, getaufte Unkirchliche, vom Glauben Abgewandte oder nie mit dem Glauben in Berührung Gekommene Kirchemitglieder müssen neu erreicht werden.
Sie lassen sich durchaus ansprechen, aber kaum mit den herkömmlichen Methoden von Predigt und Hausbesuch. Man kann nicht sagen: Das sind die missionarischen Mittel!

 

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