Notizen und Unterlagen für einen Vortrag in Emlichheim, Jg. Frauenkreis, am 18.04.2002

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Der Sonntag

Probleme

Alle haben wir den Sonntag. Alle feiern wir den Sonntag – mehr oder weniger verkrampft oder gelöst.
Unser Problem ist weniger unser eigenes Verhalten am Sonntag, als vielmehr das der anderen. Probleme machen uns unsere Kinder, die den ganzen Sonntag verschlafen und nicht aus dem Bett kommen.
Probleme machen uns unsere Kinder, die sonntags Mannschaftssport betreiben.
Probleme macht uns der Einzelhandel, wenn er sonntags Schautage anbietet oder sogar verkauft.

Keine Probleme

Keine Probleme macht uns die Tankstelle, die jeden Sonntag geöffnet hat, die Eisdiele oder der Pizza- und Dönerladen. Wir bestellen die Pizza am Sonntag wie in der Woche oder den Döner – auch wenn einige von uns sonntags vielleicht nicht gerne essen gehen – und das möglichst in die Woche verlegen.
Keine Probleme machen uns die Bundesliga und die nachgeholten Spiele am Sonntag.
Keine oder kaum Probleme machen uns die Schularbeiten am Sonntag oder die Vorbereitungen für eine Prüfung, Briefe schreiben, Bücher lesen oder telefonieren.
Keine Probleme machen uns ein Spaziergang oder eine Radtour, eine Autofahrt oder Zugfahrt. Wir fahren sonntags in Urlaub oder kommen aus dem Urlaub zurück, obwohl vielen das nicht sehr angenehm ist.
Wir haben keine Probleme, sonntags stundenlang vor dem Fernseher zu hocken.

Selektive Probleme

Ich will deutlich machen, wie selektiv, wie eingeschränkt, wie ausgewählt unser Problem ist.

Sonntag – Schautag: Wie gehen wir damit um?

 

Alte erzählen: spielen, Radfahren, rasieren, kochen,

Wie selektiv unser Problem ist, sieht man auch daran, wenn man hört, wie Ältere und Alte vom Umgang mit dem Sonntag berichten: Sie erzählen:
„Wir durften am Sonntag nicht mit den Nachbarskindern spielen.
Wir durften sonntags nicht Fahrrad fahren.
Mein Großvater hat sich jeden Samstagabend rasiert.
Rasieren war Arbeit – und am Sonntag für ihn verboten.
Unsere Großeltern haben am Samstag Essen für den Sonntag gekocht
Das war Arbeit – und am Sonntag verboten.
Jeden Samstag wurde der Hof geharkt und im voraus Futter für das Vieh geholt.
Die Holzschuhe wurden gescheuert und Lederschuhe geputzt.
Und Samstagabends war Badetag für die ganze Familie
Das war keine schlechte Zeit. Der Sonntag fing schon ein wenig am Samstag an. Der Samstag war der Tag der Vorbereitung: Da wurde aufgeräumt, geputzt und sauber gemacht, um den Sonntag würdig und in Ruhe zu begehen. Der Sonntag war sehr wertvoll und einzigartig.

Früher verboten: Handarbeiten, fahren

Stricken, Häkeln, Weben und allgemeine Handarbeiten waren den meisten von uns in unserer Kindheit noch verboten.

Bis zum Zweiten Weltkrieg durften Pastoren sonntags nicht reisen oder fahren. Sie kamen bei einem Tausch- oder Vertretungsdienst schon am Samstag und gingen am Montag wieder. Dann waren sie zwei Nächte auswärts für einen Tausch- oder Vertretungssonntag.

Es sind Pastoren abgesetzt, weil sie sonntags zum Predigen fuhren. Man kam samstags und ging montags. 1880 war einer der vier altreformierten Pastoren in Amsterdam gehbehindert. Er durfte nicht mit der Straßenbahn zu den entfernten Predigtstätten fahren. Er wurde mit der Pferdekutsche abgeholt.

Abraham Kuyper

Und A. Kuyper (1837 – 1920) schließlich, ging sonntags selten zur Kirche. Er schrieb jeden Sonntag seine Zeitungsartikel für die nächste Woche. Dabei ist er „der große Mann“, der große Führer der Altreformierten in den Niederlanden, 1880 Gründer der Freien Universität, Mitbegründer der Vereinigten Gereformeerden Kerken in 1892, Ministerpräsident der Niederlande – prägend wie kein anderer für die Gereformeerden, für die Altreformierten.

In den Gottesdiensten der Gemeinde traf man ihn nur höchst selten. Dabei war er von 1863 bis 1874 Gemeindepastor gewesen, bevor er an die Universität und in die Politik ging.

 

Sonntag feiern lernen

In vielen Bereichen haben wir keine Probleme. Da sind wir auch am Sonntag unterwegs. Und hier in diesem ungewohnten Bereich – spüren wir, wie der Sonntag durch unser und anderer Handeln bedroht ist. Wir möchten den Sonntag schützen – und lernen, ihn fröhlich und als Höhepunkt der Woche, als Erholung und stressfreien Tag feiern.

 

Wen fragen und hören wir

Es ist sehr unterschiedlich, wen ich frage.

Für Pastoren ist der Sonntag ein Stresstag, und für Landwirte mit Tieren oft auch. Für Krankenschwestern, Polizisten und alle, die Wochenenddienst haben – bedeutet das Wochenende und auch der Sonntag Stress. Da ist die Schicht plötzlich 12 Stunden lang oder da hat jemand 24 Stunden Bereitschaft. Das gibt es nur am Wochenende.

Wen soll ich fragen,
den Geschäftsmann, der sich der Konkurrenz anpasst,
den Angestellten und Mitarbeiter, der zur Messe muss, weil er sonst seine Arbeit verliert,
den Arbeiter, der am Wochenende doppelt und dreifach verdient,
den Schichtführer, der die Maschinen übers Wochenende nicht abstellen kann?

Wen soll ich fragen,
meine Kinder, die den Sonntag genießen, und ihn manchmal auch verwünschen,
meine Frau, die wohl gerne mal einen Sonntag Nachmittag gottesdienstfrei hätte?

Wen wollen wir hören?

Den Theologen, der die Sonntagsfrage theologisch und biblisch aufarbeitet?
Den Vater, der versucht, seinen Kindern die Bedeutung und den Wert des Sonntags vorzuleben?
Den Geschäftsinhaber, der es sich nicht leisten kann, sein Geschäft nicht zu öffnen, wenn die ganze Straße das macht?
Den Fabrikanten, der kurz vor dem Konkurs steht?

Und was machen wir mit dem Nachbarn, der von auswärts zugezogen ist, und sonntags an seinem Haus baut und arbeitet wie wir in der Woche? Sollten wir ihm vielleicht am Samstag auf seinem Bau helfen, damit er den Sonntag mit uns feiern kann?

 

Was machen wir mit unserer Zeit?

 Jeder Tag hat 24 Stunden, jede Woche 144. Wie verbringen wir unsere Zeit? Wie teilen wir sie ein? Womit verbringen wir sie? Wie gewichten und würdigen wir sie?

 Nicht jede Stunde hat dasselbe Gewicht. Es gibt wichtige Momente und weniger wichtige. Was ist für uns wichtig? Worauf können und wollen wir nicht verzichten?

 Wir tragen einmal zusammen, wie die Deutschen diese 144 Stunden pro Woche im Allgemeinen verbringen. (Tafel, Folie etc.).

 Die Deutschen verbringen im Durchschnitt
7 x 8 Stunden = 56 Stunden im Bett
5 x 8 Stunden = 40 Stunden ist die reguläre Arbeitszeit (oder auch nur 38.5 Stunden).
Selbst wenn jemand 7 x 8 Stunden = 56 Stunden arbeitet,
bleibt fast immer noch ein Drittel der Zeit zur anderweitigen Verfügung.

 Die Deutschen hocken im Durchschnitt jeden Tag 2 Stunden vor dem Fernseher, 7 x 2 = 14 Stunden
 Sie essen jeden Tag mindestens eine Stunde:  7 x 1 = 7 Stunden.
 Sie sitzen im Durchschnitt jeden Tag eine Stunde im Auto: 7 x 1 = 7 Stunden.

  Freisein vom Machen-Müssen

Wer den Sonntag noch (perfekt) gestalten will, widerspricht dem Anliegen des Sonntags. Er befreit nämlich vom Zwang des Machen-Müssens. Er unterbricht alles zweckgerichtete Denken. Leben und Gemeinschaft sind wichtiger als jeder andere Zweck. Der Jesuit Leo J. O`Donovan sagt:
“Der Sabbat übt die Abstinenz (also die Enthaltung) vom Machen-Müssen ein. Der Sabbat und der Sonntag, der ihn beerbt, entschleunigen (Gegenteil von beschleunigen). Als Zeitzeichen Gottes nehmen Sonntag und Sabbat den Gläubigen Zeitangst und Lebensangst. Der Mensch muss nicht der verantwortliche Besitzer aller Zeit sein und alles machen.“
 

 Einen Tag aus der Zeit herausheben

Der wöchentlich herausgehobene Tag unterbricht die Normalzeit, er ist die große Auszeit. Er nimmt der Zeit ihre (kraftlose) Gleichförmigkeit. Sabbat und Sonntag sind die Zeit der großen Fragen: Was ist geschehen? Wohin geht mein Leben? Es ist ein Tag, wo wir Abstand nehmen und einen freien Kopf gewinnen. Der eigentlich unnütze Tag wird dabei paradoxerweise nützlich. Wer aus dem Alltag zeitweise herausgehoben wird, kann umso kraftvoller wieder einsteigen.

 

Einmal in der Woche eine Utopie leben

Sabbat und Sonntag sind mehr als „Wellness-Tage“ für die Wohlstandsgesellschaft. An diesem Tag gewinnt Gott, der Freiheit schenkt, Gestalt in der Zeit. Der Mensch soll ganz er selbst sein dürfen, frei von fremden Zielen und Zwängen. Er soll sich an Gott erinnern und eine Beziehung mit ihm aufnehmen. Mensch und Tier sollen an diesem Tag die Freiheit genießen. Niemand soll ausgebeutet werden, niemand verpflichtet sein.

Der Sonntag gibt uns eine Vorstellung davon, wie ein wiederhergestelltes gerechtes Verhältnis zwischen den Menschen und zwischen Mensch und Natur aussehen kann. Der Sonntag bedeutet, wir leben schon ein wenig in Gottes kommender, perfekter und vollendeter Welt. Der Sonntag ist ein Zeichen des Heils und der Rettung. Jesus heilt auch am Sabbat. Er bezeugt damit Gottes Heil und Rettung, die geradezu Zeichen dieses Tages sind.

 

Die Gegenwelt des Sonntags

Der Sonntag hat eine kritische und utopische Funktion. Der Sonntag soll einen befreienden Geist und ein ganzheitliches Menschsein ausstrahlen, zu dem Freude, soziale Kontakte, Stille und Feier gehören. Alle sollen die Freiheit des Sonntags genießen können. Allerdings darf niemand dazu gezwungen werden. Der freie Sonntag darf kein Luxusgut sein.

 

(Grund)gesetz

Art. 140 GG übernimmt Art. 139 der Weimarer Verfassung: „Der S. und staatliche anerkannte Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung geschützt.“ Auch die Verfassungen der einzelnen Bundesländer mit Ausnahme von Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein enthalten Schutzbestimmungen für den Sonntag.

Nach § 105b der noch geltenden Gewerbeordnung von 1895 dürfen Arbeiter an Sonn- und Festtagen nicht beschäftigt werden. Die Abschnitte c. und d. lassen Ausnahmen zu. Daneben gilt die Arbeitsordnung von 1938, die in § 28 weitergehende Ausnahmen gestattet, „wenn sie im öffentlichen Interesse notwendig sind“, und das Ladenschlussgesetz von 1957.

Immer mehr Menschen leisten S.-arbeit. Dabei geht es nicht nur um Dienstleistungen (Bahn, Krankenhäuser, Polizei usw)., sondern oft auch darum, dass vorhandene Kapazitäten ausgenutzt werden sollen, z.B. im Druckgewerbe.

„Wenn wir es nicht machen, kommen die Japaner…“

 

Es geht um drei Punkte

  1. das Verständnis des Sonntags, 
  2. das Verhältnis des Menschen zu Arbeit und Ruhe,
  3. um den Beitrag der Kirchen.

Über soziale und humanitäre Begründungen hinaus, hat der Sonntag einen Zeichencharakter. Er ist nicht nur Zeit für Gemeinde, Gottes Wort und Sakrament, Gebet und Nächstenliebe, so Antwort 103 im Heidelberger. Der Heidelberger spricht übrigens überhaupt nicht von der Arbeitsruhe oder einem Verbot von Arbeit. Er erwähnt die Arbeit überhaupt nicht. Er kennt keine gesetzliche Enge oder Strenge, verbindet Sonntag u. Sabba.
Der Sonntag hat Zeichencharakter, Zeichen für Gottes Handeln an seinem Volk, Zeichen für unsere Heiligung. Mitten in der Welt ist ein Raum für Ruhe, Feier und Gottesdienst, von dem aus Licht auf die anderen Tage fällt.

b. Unser Verhältnis zu Arbeit und Ruhe
Arbeit dient biblisch nicht zur Selbstbestätigung, sondern vom Ruhetag aus gehen wir in die Welt. Das Ziel ist nicht Arbeit für alle, sondern Feiern, Ruhen, Aufatmen und Freude an Gottes Schöpfung.

c. Die Kirche muss deutlich machen, dass es ihr nicht nur um die Rettung des Gottesdienstes und ihre Glieder geht, sondern um alle Menschen, da ein gemeinsamer Feiertag, eine Auszeit, lebensnotwendig ist – und Gemeinschaft und Gesellschaft begründet.

  

Der Sonntag im NT

Wie heißt der Sonntag im NT?

Wo muss ich in der Konkordanz suchen?
Tag des Herrn
Tag der Auferstehung des Herrn (Jesus)
Erster Tag der Woche

Seit Kaiser Konstantin 321 gesetzlicher Feiertag, der Sonnen-tag. Muss noch nicht unbedingt christlich sein, kam den Christen entgegen.

 

Grundsätzlich:

  1.  Der Sonntag ist kein kultischer Tag, heilsnotwendig oder grundlegend biblisch gefordert.
  2. 7 Tage Woche hat sich bewährt, c. „Dekade“ – 1789 in Frankreich, „gleitende 5 Tage Woche“ nach 1917 in Russland.
  3. Ethisch wichtig: Christen sind verpflichtet, für Feierabend, Feiertag und Erholung zu sorgen. Niemand darf pausenlos arbeiten müssen („Wichtig heute: Mach mal Pause, = Colawerbung = Christliche Werbung)
  4. Gottesdienst hat Vorrang vor aller noch so sinnvollen Freizeitgestaltung.
    (Alle Mannschaftssportler haben Gelegenheit, den ersten oder zweiten oder Abendgottesdienst zu besuchen. Aber sie tun es fast nie. Dann ist der Sport ein Zeichen ihrer eigenen Gottesferne.)

 

Unsere Sprache verrät uns:

Wir „pilgern“ zu den Sportveranstaltungen, Fußballspielen
Die Fußballgötter verdienen zu viel.
Die „Götter in Weiß“ haben viel Einfluss
Die Tempel des Konsums, die Konsumtempel locken uns zum Konsumrausch, Kaufrausch.

  

Den Sonntag lernen und üben

Besonders Kinder, aber nicht nur sie, lernen Religion und Glauben nicht als Lehre, sondern dadurch, dass der Glaube sich darstellt, durch „Inszenierung“, wie jemand schreibt. Sie lernen von außen nach innen.

Was Weihnachten, Ostern, Pfingsten oder auch ein Sonntag ist, lernen sie durch das Erleben und Feiern solcher Tage und durch die Vorbereitung darauf. Sie lernen es dadurch, dass sie in den Rhythmus der Feiertage hinein genommen werden. Sie lernen es nicht durch Bücher oder Auswendiglernen.

Wenn der Vater am Sonntag das Auto putzt und die Mutter macht die Wäsche wie im Alltag, dann wird ein Kind trotz aller Lehren, Ermahnungen und Gebote nicht lernen, was ein Sonntag ist. Übrigens werden es auch solche Eltern verlernen. Sie können am Ende den Sonntag nur mit Alltäglichem füllen. Was ein heiliger Tag ist, lernt man nur durch die Heiligung des Tages. „Den Sabbat oder auch Sonntag heiligen“ – das ist biblische Sprache.

Wir wollen diesen Tag nicht in unsere Gleichgültigkeit und unsere Arbeit mit hinein nehmen, sondern ihm eine besondere Würde verleihen, indem wir ihn anders begehen als die anderen Tage.

In unserer Nachbarschaft gibt es eine Tankstelle, die ist 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche geöffnet. Wenn alles dem Profit, dem Gewinn unterworfen ist, - dann haben Glaube und Religion keine Chance. Dann sind Gewinn und Kapital unsere Götter, vielleicht auch Spaß und Berieselung, Geld einnehmen und ausgeben. Aber der Geist und das geistliche Leben sterben darunter.

Die Kirche und wir müssen neu und verstärkt für das eintreten, was keinen Gewinn bringt, keinen finanziellen Gewinn. Wenn wir alle Festtage und Sonntage gestrichen haben, wird eine nächste Generation irgendwann merken, dass man Geld nicht essen kann – und dass finanzieller Gewinn – geistlich nicht satt macht. Er macht nur Hunger auf mehr – Geld und Profit. 

 

Manna in der Wüste, am 6. Tag für 2 Tage, 2. Mose 16
Wer viel sammelt hat nicht mehr – und wer wenig sammelt, nicht weniger.
Und nur für das Fest bleibt das Gesammelte für zwei Tage gut, obwohl es sonst verschimmelt.

Und 2. Mose 34, 21 sagt:
Sechs Tage sollst du arbeiten: am siebenten Tag sollst du ruhen, auch in der Zeit des Pflügens und Erntens. Gerade bei viel Arbeit soll es gelten, nicht nur in flauen Zeiten, gerade wenn die Arbeit drängt. Schon damals gibt es den Gedanken: Der Sabbat bremst die wirtschaftliche Entwicklung. Er ist störend und hinderlich.

Der Reichtum und Gewinn des Sabbat o. Sonntags verblasst, wenn man ihn allein am wirtschaftlichen Gewinnstreben misst.

Dann vergleichen wir Gott mit dem Baal, dem Fruchtbarkeitsgott, oder mit dem Mammon – die Frage stellen, heißt schon, sich anderen Göttern zuwenden.

 Der Sabbat ist, so heißt es im Judentum, „ein Palast in der Zeit“ (A.J. Heschel), der durch seine Einhaltung geheiligt werden soll. Er verschafft den Sklaven und Rechtlosen fundamentale soziale Rechte, die damals völlig unerhört waren.

Und der jüdische Philosoph Hermann Cohen meint: „Der Sabbat wurde der wirksame Schutzpatron des jüdischen Volkes.“

  

Der Begriff Sonntag greift auf den 2. Tag der Planetenwoche zurück:
die sieben Tage wurden nach den 7 Planeten benannt, der Sonntag nach der Sonne,
der Samstag nach dem Saturn,
Vielleicht wollte Kaiser Konstantin die Verehrung der Sonne stärken.
Man spricht durchaus vom „verehrungswürdigen Tag der Sonne“.
Die Christen aber deuteten Jesus Christus als wahre Sonne.
Jahrhunderte lang wurden von Judenchristen und Heidenchristen Sabbat und Sonntag nebeneinander gefeiert, bis ins 4. Jahrhundert, also ca. 350.
Im 15./16. Jh. gab es die Sabbatarier, seit dem 19. Jh. gibt es die Siebenten-Tages-Adventisten.
Erst seit 321 ist der Sonntag staatlich verordneter Feiertag.

  

Nachfolgendes Wort der Bischöfe und der EKD, Unterstrichenes

 Menschen brauchen den Sonntag
Gemeinsame Erklärung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz, 1999

Der Sonntag wird geschätzt

(1) Der Sonntag gehört zu den wichtigen Beiträgen des Christentums zur Kultur unserer Gesellschaft. Vielen ist bewußt, daß er maßgeblich zur Qualität menschlichen Zusammenlebens beiträgt. Weithin wird der Sonntag als gemeinsamer Ruhetag, als Schutz der Arbeitenden, als Symbol der Freiheit und als Tag des christlichen Gottesdienstes anerkannt und geachtet. Das Grundgesetz schützt den Sonntag als Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung. Sonntagsarbeit ist deshalb nur in ausdrücklich festgelegten und begründeten Ausnahmefällen möglich.

(2) Über die Notwendigkeit, den Sonntag zu schützen, herrscht in weiten Teilen der Bevölkerung Übereinstimmung. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung lehnen eine Ausweitung der Ladenöffnungszeiten am Sonntag ab. Nur eine Minderheit will am Sonntag einkaufen. Die Behauptung, die Bevölkerung hätte den Sonntag zum großen Teil abgeschrieben, ist ebenso falsch wie die Annahme, eine Mehrheit wolle am Sonntag einkaufen oder gar arbeiten. Es ist verantwortungslos, wenn auf diese Weise das Bild einer Gesellschaft gezeichnet wird, die mit dem Sonntag als einem Tag der Arbeitsruhe und der Besinnung nichts mehr anzufangen weiß.

(3) Es gehört zu den besonderen Aufgaben der Kirchen, sich für die Kultur des Sonntags zu engagieren. Die Wahrung des gemeinsamen Ruhetags ist in den Zehn Geboten fest verankert. Der Sonntag hat für Christen seine herausragende Bedeutung als Tag der Auferstehung Christi gewonnen. Beides zusammen prägt das Verhältnis der Christen zu diesem Tag. Die bewußte Gestaltung des Sonntags durch den Gottesdienst, in den Gemeinden, im persönlichen Leben, in den Familien ist deshalb das erste, was sie zur Sonntagskultur beizutragen haben. Die Christen und die Kirchen tragen zugleich Mitverantwortung für das gesellschaftliche Zusammenleben. Es dient der Gesellschaft im ganzen, wenn die Kirchen nachdrücklich für den Schutz des Sonntags eintreten.

Der Sonntag ist gefährdet

(4) Übergreifende wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen haben Auswirkungen auf den Sonntag. Der Wandel von der Industriegesellschaft zur Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft verändert die Gestalt und die Organisationsform der Arbeit. Das Angebot an personenbezogenen Dienstleistungen wächst. Hiermit unmittelbar verbunden ist eine Veränderung im Nachfrageverhalten, und mit dem Nachfrageverhalten ändern sich auch Lebensstile, das Freizeitverhalten und damit das Zueinander von Arbeit und Freizeit. Diese übergreifenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen sind durch ein Mehr an Mobilität und Flexibilität gekennzeichnet. Sie bewirken eine "Beschleunigung des Lebens". Die Auflösung der Zeitstrukturen wird auch erlebbar auf der gesellschaftlichen Ebene - durch die Auflösung der tradierten Regel, einen Tag als Ruhetag herauszuheben. Es ist ein Weg in Richtung auf die Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft mit dem Prinzip "alles zu jeder Zeit".

(5) Problematisch ist diese Entwicklung, wenn das ökonomische Kalkül alle Lebensbereiche bestimmt, soziale Beziehungen belastet und persönliche Zeitgestaltung immer mehr einengt. Dann geraten auch die persönliche Zeit und das Miteinander in Familie und Freundschaft in den Sog der Wirkungen, die von Angebot und Nachfrage ausgehen. Auch die Einstellungen in der Bevölkerung ändern sich. Die Unterschiede zwischen Sonntag und Werktag werden zunehmend verwischt. All dies gefährdet den Sonntag und seine humanisierende Funktion. Ohne Sonntag gibt es nur Werktage. Ein verantwortlicher Umgang mit diesen Entwicklungen ist nur dann gewährleistet, wenn die Frage gestellt und beantwortet wird, wo die Grenzen liegen und welche Freiräume bewahrt werden sollen. Dabei muß bewußt sein: Der Sonntag ist nicht ein Überbleibsel einer vergangenen Epoche, sondern eine Chance für eine Gesellschaft im Wandel.

(6) Seit längerer Zeit ist eine schleichende Aushöhlung des Sonntagsschutzes in Deutschland zu beobachten. Immer wieder wurden Einschnitte in den Schutzbereich dieses Tages vorgenommen. Für sich genommen waren sie jeweils so bemessen, daß sie von vielen Bürgerinnen und Bürgern als "geringfügig" oder "hinnehmbar" eingeschätzt wurden. Tatsächlich aber führen das Ausmaß und die Qualität der Eingriffe zu einer substantiellen Beeinträchtigung des Charakters des Sonntages und seiner in Familie und Gesellschaft ausgeprägten Kultur.

(7) Schon die bisherigen Eingriffe haben insgesamt einen besorgniserregenden Umfang. Über viele einzelne Stationen wurde der Sonntag fortschreitend ausgehöhlt. Zu diesen Stationen zählen:

  • die Neuregelung des Arbeitszeitrechts im Jahr 1994;     
  • die Neuregelung des Ladenschlußgesetzes im Jahr 1996;
         
  • die Erhöhung der Zahl der Sonntage, an denen die Geschäfte in Kur- und Erholungsorten geöffnet sein dürfen;
         
  • die überzogene Anerkennung von Orten als Erholungsorten und Tourismuszielen einzig zu dem Zweck, in ihnen erweiterte Ladenöffnungszeiten zu ermöglichen (Bäder- und Tourismusverordnungen);
         
  • die Ausweitung der Sonntagsarbeit durch die sog. Bedürfnisgewerbeordnungen der Länder, beispielsweise im Beratungs- und Dienstleistungsbereich;
         
  • die Erteilung von Ausnahmegenehmigungen vom Sonntagsarbeitsverbot auch in sehr zweifelhaften Fällen.

(8) Durch die ausgiebige Inanspruchnahme von Ausnahmegenehmigungen ist in den Bereichen von Handel und Dienstleistungen die Sonntagsarbeit innerhalb von nur sieben Jahren um die Hälfte angestiegen. Forderungen nach weiteren Ausnahmen verbunden mit Gesetzesübertretungen lassen einen "Flächenbrand" befürchten, der zu Lasten der Menschen und der Gesellschaft geht. Die Auswirkungen auf die betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie ihre Familien werden dabei in unvertretbarer Weise verharmlost. Die Arbeit anderer wird zur Verschönerung des eigenen Sonntags bereitwillig in Anspruch genommen, ohne daß die Nutznießer sich eingestehen, welcher soziale Preis dafür zu zahlen ist. Sonntagsarbeit zählt zu den unbeliebtesten Arbeitsformen. Wenn den beschriebenen Tendenzen nicht Einhalt geboten wird, droht eine Teilung der Gesellschaft in Sonntagsverlierer und Sonntagsgewinner.

(9) Der gesellschaftliche Wandel, den wir erleben, hat Auswirkungen auf den Umgang mit dem Sonntag. Die Individualisierung der Lebensformen verändert den Stellenwert der gemeinsamen freien Zeit. Das zeigt sich auch im Umgang vieler Christen mit dem Sonntag. Auch unter ihnen ist bisweilen das Interesse an der religiösen und kulturellen Bedeutung dieses Tages zu schwach ausgeprägt. Es gibt bei vielen eine Verlegenheit, wie sie den Sonntag feiern und gestalten sollen. Wenn Christen dem Sonntag eine hohe Bedeutung für die Gesellschaft zusprechen wollen, ist es wichtig, daß sie auch selbst diesen Tag auf neue Weise heiligen. Die gottesdienstliche Feier des Sonntags und seine gemeinsame Gestaltung in der Gemeinde, in der Familie oder im Freundeskreis muß mit neuem Leben erfüllt werden.

 

Menschen brauchen den Sonntag

(10) Menschen brauchen den Sonntag. Der Wechsel von Arbeit und Ruhe gehört zum Leben und Dasein des Menschen. Der Sonntag unterbricht den Kreislauf von Arbeit und Konsum. Auch der Umgang mit der Freizeit soll nicht nur von Markt und Geschäft bestimmt sein. Der Grundsatz "Zeit ist Geld" soll nicht alle Tage beherrschen. Menschen müssen Zeit haben für das, was sich ökonomisch nicht rechnet. Dafür steht der Sonntag. Die Christen, die ihn als ersten Tag der Woche feiern, berufen sich für ihn zugleich auf die Tradition des Sabbats im Alten Testament: "Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun", heißt es dort. "Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht" (5. Mose/Deuteronomium 5,13-14).

(11) Der Sonntag gibt dem Zeitempfinden einen wiederkehrenden Rhythmus und gewährt einen regelmäßigen Freiraum. Er verhilft zu dem notwendigen Abstand von dem sich beschleunigenden Wandel, von dem Anpassungsdruck des Erwerbslebens wie des Freizeitverhaltens. In der Leistungsgesellschaft bietet er eine Zone der Freiheit vom Leistungsdruck. Zum verantwortlichen Umgang mit der Zeit gehört die regelmäßige Unterbrechung. "Zeitbrachen", also unbewirtschaftete Zeit, sind für die Wahrnehmung menschlicher Freiheit unentbehrlich. Wer seine Zeit bis zum Äußersten auskaufen will und den Rhythmus der Zeit mißachtet, untergräbt die natürlichen Lebensbedingungen ebenso wie die Bedingungen der Freiheit.

(12) Menschen leben in Beziehungen: der Familie, der Gemeinschaft von Freunden, der Nachbarschaft, dem sozialen Umfeld. Diese Beziehungen können nur gelingen, wenn gemeinsame freie Zeit für sie eingesetzt werden kann. Der Sonntag ist ein Tag der Arbeitsruhe, an dem möglichst viele Menschen zur gleichen Zeit "frei" haben sollen. Der Zusammenhalt in überschaubaren Gemeinschaften wie in der Gesellschaft im ganzen wird nicht allein durch wirtschaftliche Güter gewährleistet; dazu gehört auch die gemeinsame Teilhabe an kulturellen Gütern, das gemeinsame Erleben, Wahrnehmen und Gestalten der Zeit. Gerade in einer mobilen Gesellschaft, in der viele durch ihre Arbeit angespannt sind oder ohne gesicherte Erwerbsarbeit sich um ihr Leben sorgen müssen, ist der Sonntag für die Erneuerung des gemeinsamen Lebens unersetzlich. Wo diese Quelle der Erneuerung fehlt, verstärken sich die Zerreißproben. Wenn der Vater seinen "Sonntag" am Montag hat, die Mutter am Mittwoch und die Kinder am Sonntag, belastet dies die Familie und trägt zur Entstehung von Konflikten bei.

 

Christen feiern den Sonntag

(13) Weil Jesus Christus am ersten Tag nach dem Sabbat (Markus 16,2) von den Toten auferweckt wurde, feiern Christen den Sonntag als den Tag des Herrn. Der Sinn des Sabbats wurde in die Feier des Sonntags aufgenommen. Der erste der sieben Schöpfungstage ist der Anfang der Schöpfung. Die Auferstehung Jesu Christi ist der Anfang der neuen Schöpfung. So umgreift der Sonntag alte und neue Schöpfung. Wer den Sonntag feiert, bekennt: Christus ist auferstanden, er lebt. Der Sonntag als der erste Tag der Woche drückt die Freude an der alten wie an der neuen Schöpfung aus. Den Dank für die Schöpfung und den Lobpreis für die Auferstehung Christi haben die Christen von Anfang an im Gottesdienst zum Ausdruck gebracht. "Indem Christen sich zum Gottesdienst versammeln, verdeutlichen sie, daß die Unterscheidung des Sonntags vom Alltag dem Leben dient. Die Feier des Sonntags ist die Antwort der Christen auf das, was Gott getan hat. (...) Es ist wichtig, an diesem Tag uns zu besinnen und zur Ruhe zu kommen, damit wir entdecken, wofür wir zu danken haben." (Gemeinsames Wort der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der EKD "Den Sonntag feiern", 1984)

(14) Schon in der Zeit der Apostel begann der "erste Tag nach dem Sabbat" den Lebensrhythmus der ersten Christen zu bestimmen. Diesen Tag wählten sie, um sich zu versammeln und "das Brot zu brechen" (Apostelgeschichte 20,7-12), sie feierten Gottesdienst. Wo immer sich seitdem Menschen zum Gottesdienst versammeln, gewinnt die Versöhnung in Jesus Christus konkrete Gestalt. Im Gottesdienst sammelt und erhält Gott seine Kirche.

(15) Mit dem Gebot der Heiligung des Sonntags beansprucht Gott das ganze Leben und die ganze Zeit des Menschen. Sein Tun soll ein besonderes Tun und seine Zeit eine besondere Zeit sein. Der Sonntag ist Hinweis und Verheißung auf die erlösende Ruhe und Freude im Reich Gottes. Der Sonntag muß deshalb ein besonderer Tag bleiben. Der Sinn des Sonntags auch in seinen Auswirkungen auf die Gesellschaft bleibt an diesen besonderen Tag gebunden. Der Sinn des Sonntags läßt sich nicht von dem besonderen Tag ablösen; er ginge dadurch im ganzen verloren. Die Sonntagsruhe läßt sich nicht durch irgendeine Ruhepause zwischen den Zeiten der Arbeit ersetzen.

 

Eintreten für den Sonntag

(16) Der Sonntag als Tag der Arbeitsruhe und der Besinnung ist gerade in einer Zeit des gesellschaftlichen Wandels für die humane Qualität menschlichen Lebens und Zusammenlebens unentbehrlich. Deshalb setzen die Kirchen sich für den Schutz des Sonntags und die Pflege der Sonntagskultur ein. Es ist wichtig, daß die lebensdienliche Bedeutung und die künftige Gestaltung des Sonntags in allen Bereichen der Gesellschaft neu diskutiert werden.

(17) Zu den Aufgaben der gesetzgebenden Organe gehört es, den Schutz des Sonntags im Sinne der Verfassung entschieden zu sichern. Dies gilt für die Kommunen und Länder, aber auch für den Bund und zunehmend auch für die europäische Ebene. Nur großflächige Regelungen zum Sonntagsschutz werden der kulturprägenden Bedeutung des Sonntags gerecht. Die Ladenöffnungszeiten sind so zu gestalten, daß der Schutz des Sonntags durch das Grundgesetz gewährleistet bleibt. Der Mißachtung der rechtlichen Regelungen zum Schutz des Sonntags muß energisch entgegengetreten werden. Wer die geltenden Regelungen zu umgehen versucht oder offen zu ihrem Bruch aufruft, untergräbt die Grundlagen der gesamten Rechtsordnung.

(18) Wir rufen die politisch Verantwortlichen auf, einer weiteren Ausweitung der Sonntagsarbeit und einer schleichenden Aushöhlung des Sonntagsschutzes Einhalt zu gebieten. Die Ausnahmen vom Verbot der Sonntagsarbeit müssen sich auf das beschränken, was an Diensten und Angeboten im Interesse des Allgemeinwohls, zugunsten hilfsbedürftiger Menschen und im Blick auf eine sinnvolle Gestaltung der freien Zeit wirklich nötig ist. Zu den notwendigen Ausnahmen vom Verbot der Sonntagsarbeit zählen nicht diejenigen Dienstleistungen, die aufschiebbar sind und damit auch an Werktagen erbracht werden können. In Kommunen und Städten muß dem Vordringen kommerzieller Veranstaltungen und Verkaufsschauen Grenzen gesetzt werden. Der Weg in die Dienstleistungsgesellschaft mit seinen Folgen für die Sonntagsarbeit muß verantwortlich gestaltet werden. Gerade wegen der unabweisbaren Veränderungen in einer Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft muß die Politik den Beitrag, den der Sonntag für die humane Gestaltung der Gesellschaft leistet, erkennen und bewahren.

(19) Die Wirtschaft trägt im Blick auf die Erhaltung des Sonntags eine große Verantwortung. Ein Teil der Wirtschaft erkennt diese Verantwortung an und leistet den notwendigen Beitrag zum Schutz des Sonntags. Ein anderer Teil will die Sonntagsarbeit insbesondere im Handel und in den Dienstleistungen ermöglichen und beruft sich dafür auf die veränderten Sonntagsgewohnheiten in der Bevölkerung. Wer das fordert, sollte die Folgen für die Arbeitenden und ihre Familien bedenken. Aber ebenso müssen die Auswirkungen auf kleinere Unternehmen im Blick sein, die bei einer solchen Entwicklung nicht mithalten können. Die regelmäßige Unterbrechung der Arbeitswoche darf nicht einfach als wirtschaftlicher Nachteil gesehen werden. Wenn den Erwerbstätigen eine zeitlich uneingeschränkte Flexibilität abverlangt wird, dann geraten Gesundheit, persönliche Stabilität und Sicherheit in Gefahr; am Ende wird dadurch gerade die Leistungsfähigkeit untergraben, auf welche die Wirtschaft angewiesen ist. Die Verantwortung der Wirtschaft darf sich nicht auf ein kurzfristiges betriebswirtschaftliches Kalkül beschränken. Auch die Wirtschaft trägt Mitverantwortung für Mensch, Gesellschaft und Kultur.

(20) Wir laden die Partner in anderen gesellschaftlichen Bereichen ein, sich am konstruktiven Gespräch über den Sonntag und seine Bedeutung für die Menschen zu beteiligen. Es ist eine gemeinsame Aufgabe in der Zivilgesellschaft, den grundsätzlichen Konsens über den Schutz des Sonntags zu wahren. Auch beim Eintreten für den Sonntag ist der Kirche das Zusammenwirken mit anderen gesellschaftlichen Kräften wichtig. Es geht nicht nur um den Schutz, sondern auch um die Gestaltung eines besonderen Tages für den Menschen, für die Familie, für die Gemeinschaft und für Gott. Die Gesellschaft insgesamt hat hier eine wichtige Gestaltungsaufgabe.

(21) Der Sonntag ist für alle Menschen - gleich welcher religiösen oder weltanschaulichen Überzeugung - ein Angebot zur Besinnung und zum Innehalten. Er bietet einen Raum, sich die wichtigen und entscheidenden Fragen bewußt zu machen: Wer bin ich? Wohin gehe ich? Aus welcher Quelle lebe ich? Wofür lohnt es sich zu leben? Er bietet ebenso Raum für herausgehobene, festlich gestaltete Begegnungen mit anderen. Durch ihr eigenes Tun und Lassen entscheiden die Menschen darüber, welchen Wert und welche Qualität der Sonntag für sie hat.

(22) Wir bitten die Christen, öffentlich für den Wert des Sonntags einzutreten und durch ihr Verhalten die Bedeutung von gewährter Zeit, von gemeinsamer Freizeit, von Besinnung und Ruhe bewußt zu machen. Kirchen und Christen stehen vor der Aufgabe, den christlichen und humanen Sinn des Sonntags verständlich zu machen und ihm neue Anziehungskraft zu verleihen. Sie können sich nicht damit begnügen, den Schutz des Sonntags politisch zu fordern; entscheidend ist, wie sie selbst mit ihm umgehen. Für Christen gehört zu den Begegnungen, die der Sonntag ermöglicht, auch die Versammlung vor Gott. Damit weist der Sonntag über sich hinaus. Er zeigt, daß alle Zeit in der Hand Gottes liegt. Menschen dürfen nicht unbegrenzt durch die von ihnen selbst geschaffenen Zwänge beansprucht werden. Die Bewahrung und zukunftsorientierte Gestaltung des Sonntags ist möglich, wenn sich die Christen gemeinsam mit anderen mutig zu ihm bekennen, ihn als eine bereichernde Gabe Gottes annehmen und mit ihm für ein menschlicheres Gemeinwesen eintreten. Der Sonntag muß von jeder Generation lebendig gehalten und erneuert werden.

16. September 1999

 

 

Nachtrag

Gedanken und Möglichkeiten zum ursprünglichen Thema:
 Sonntag – Schautag. Wie gehen wir damit um?

Eine Minute Stille – kann sehr lang sein. Ausprobieren.
Wir können die Stille nur schwer aushalten.
das ist unser Problem. Das ist auch ein Problem der Sonntagsgestaltung.
Wir müssen immer etwas (los)machen.

  

Sonntag – Geburtstag. Wie gehen wir damit um?         ab 70. Geburtstag, So – Mittag in Kneipe
Sonntag – Sporttag. Wie gehen wir damit um? Fußball, Handball, Volleyball Emlichheim

Was ist das Problem?
Der Sonntag? Oder die Sonntagsveranstaltungen?
Was wir tun –  oder was andere tun?

Was ist das Problem?
Der Rückgang des (2.) Gottesdienstes?
Die Mobilität der Gesellschaft? Sonntags am Ijsselmeer, im eigenen Ferienhaus?
Die Sonntagsarbeit? 5 Schichten System – jeden 4. Sonntag Freitag

 

Zettel schreiben lassen?

Mein Problem, meine Frage, meine Bemerkung

 

Biblischer Befund:

Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht,
nicht der Mensch um des Sabbats willen. (Jesus)
Ähren ausraufen am Sabbat
Wunder tun am Sabbat: Heilung der Hand, der Gebeugten etc.
Esel am Sabbat zu fressen, in Brunnen Gefallenes herausholen

 

Der „Ist – Sonntag“

Jeder einen Satz: Wie erleben und erfahren wir (u. Dorf, u. Welt) heute den Sonntag?

 

Der ideale Sonntag – mein Traumsonntag

Jeder einen Satz (evtl. 2. Runde machen)

 

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