Meldung in

Evangelische Zeitung (EZ) Nr. 30, S. 1

29.07.01

links außen

Die niederländischen altreformierten Gemeinden haben ihren rund 18.000 Mitgliedern den Gebrauch des Internets verboten. Auch Mobiltelefone und Videos seien untersagt, berichteten niederländische Zeitungen unter Berufung auf ein Hirtenschreiben der Kirche. Bei Zuwiderhandlungen drohten Kirchenstrafen. Die Mitglieder der altreformierten Gemeinden solltensich nicht den Versuchungen der Welt aussetzen. Internet-Gebrauch zu Studienzwecken sei unter Aufsicht gestattet; dabei sollten nur die gefilterten Zugangsseiten einer altreformierten Tageszeigung genutzt werden. KNA

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Leserbriefe in

Evangelische Zeitung Nr. 32, S. 14

12.08.2001

Leserbriefe zu EZ Nr. 29, S. 1 (vom 29.7.01)

„links außen“

In ihrem Kurzbeitrag „links außen“ beschreiben sie „die niederländischen altreformierten Gemeinden“, die „ihren rund 18.000 Mitgliedern den Gebrauch des Internets verboten“ haben. Dabei ist ein bedauernswerter Kurzschluss in der Übersetzung passiert. Die „Oud Gereformeerde Gemeenten“ in den Niederlanden haben keinerlei Beziehung mit der „Evangelisch-altreformierte Kirche in Niedersachsen“ und sind in keinerlei Weise vergleichbar mit den 14 altreformierten Gemeinden dieser Kirche in der Grafschaft Bentheim und in Ostfriesland, wie man nach „links außen“ annehmen muss. Ein Blick auf die Internetseite der Evangelisch-altreformierten Kirche unter www.altreformiert.de könnte jeden Interessierten davon überzeugen.

Dr. Otto J. de Jong aus Utrecht, einer der profundesten Kenner der niederländischen Kirchengeschichte beschreibt in seinem Standardwerk “Nederlandse Kerkgeschiedenis”, dass die „Oud Gereformeerde Gemeenten in Nederland“ auf Pastor L.G.C. Ledeboer (1808-1863) in Benthuizen zurückgehen, der eigene Gemeinden gründete, die einen sehr strengen Lebenswandel führten und sich stark nach persönlichen „Eingebungen“ richteten.

Bei einer Vereinigung verschiedener freier Gemeinden in 1907 zu den Gereformeerde Gemeenten in Nederland en Noord-Amerika sind die genannten „Oud Gereformeerde Gemeenten“ zurückgeblieben, weil sie an der alten Psalmenbereimung von vor 1773 und der alten Pastorentracht festhalten wollten.

Eine einfache Übersetzung niederländischer Kirchennamen in die deutsche Sprache gibt leicht ein falsches Bild. Es gibt in den Niederlanden mindestens zehn verschiedene reformierte Kirchen. Die größte ist die „Hervormde Kerk in het Koninkrijk der Nederlanden“ mit rund zwei Millionen Gemeindegliedern.

Pastor Dr. Gerrit Jan Beuker

Präses der Synode der Evangelisch-altreformierten Kirche in Niedersachsen

 

Der Leserbrief hatte ursprünglich folgende Fortsetzung:

Sie entspricht einer reformierten Volkskirche und versteht sich auch als „vaterländische Kirche“. Aus ihr sind durch zwei Trennungen in 1834 und 1886 (Hendrik de Cock und Abrham Kuyper, Afscheiding und Doleantie) die „Gereformeerde Kerken in Nederland“ hervorgegangen. Die beiden gerade genannten getrennten Ströme vereinigten sich in 1892 und zählen heute rund 700.000 Gemeindeglieder. Selbständig und gleichzeitig Teil dieser Gereformeerde Kerken in Nederland ist die Evangelisch-altreformierte Kirche in Niedersachsen. Hervormde, Gereformeerde und die rund 20.000 Lutheraner in den Niederlanden sind im sogenannten „Samen-op-weg Prozess“ zur Zeit dabei, eine unierte Kirche zu bilden. Sie arbeiten seit Ende 1999 von einem gemeinsamen Dienstzentrum in Utrecht aus und haben vor einigen Jahren eine gemeinsame reformiert-altreformierte-lutherische Kirchenordnung verabschiedet.

Die kleineren reformierten Kirchen der Niederlande (Entstehungsjahr in Klammern) wie z.B. Gereformeerde Kerken (Vrijgemaakt) (1944), Nederlands Gereformeerde Kerken (1966), Christelijke Gereformeerde Kerken (1892), Gereformeerde Gemeenten in Nederland (1953), Gereformeerde Gemeenten in Nederland en Nordamerika (1838), Oudgereformeerde Gemeenten (1907) oder Vrije Evangelische Gemeenten (1881) beteiligen sich nicht an diesem Prozess. Die in der EZ in „links außen“ beschriebenen „Oudgereformeerde Gemeenten“ nehmen in diesem Spektrum eine deutliche Außenseiterrolle ein.

 

Zweiter Leserbrief

in derselben Ausgabe von EZ (12.08.01., S. 14)

„Wer über Kirchen in den Niederlanden schreibt, muss genau hinsehen und wissen, welche Kirche im Blick ist. In den Niederlanden gibt es verschiedene Kirchen reformierter Tradition: „hervormd“, „gereformeerd“, „christelijk-gereformeerd“, „oud-gereformeerd“ und andere. „Hervormde“ sind Reformierte, „Gereformeerde“ ebenfalls. Die „gereformeerden“ Kirchen, die aus der 1834 begonnenen „Afscheiding“ hervorgegangen sind, werden hier zu Lande „altreformiert“ genannt. Wer sie etwa mit den „oud-gereformeerden“ Gemeinden in den Niederlanden verwechselt, hat eine andere Kirche im Blick.

Jan Alberts, Nordhorn

 

 

 

Meldung: in

Idea Spektrum Nr. 31 / 32 vom 08.08.2001, S. 26

„18.000 Niederländer ohne Handys, Internet und Videofilme

Altreformierte Kirchenleitung gegen „Versuchungen der Welt“

Rund 18.000 evangelische Niederländer müssen auf Handys, Internet und Videofilme verzichten. Sie gehören zur Altreformierten Kirche, die Pressemeldungen zufolge ihren Mitgliedern den Gebrauch der modernen Kommunikationsmedien untersagt hat. In einem Hirtenschreiben begründet die Kirchenleitung das Verbot damit, dass Christen sich nicht den Versuchungen der Welt aussetzen sollten. Als Ausnahme sei die Benutzung des Internets nur zu Studienzwecken gestattet.“

 

Leserbrief in

Idea Spektrum Nr. 33 vom 15.08.2001, S. 5

Keine Verbindung zur altreformierten Kirche

Zur Meldung „Altreformierte Kirchenleitung gegen Versuchungen der Welt“ (Nr. 31/32, S. 26).

Leider ist bei der obiger Meldung zugrundeliegenden Information aus kirchlichen Presseorganen ein bedauerlicher Kurzschluß bei der Übersetzung vom Niederländischen ins Deutsche passiert. Denn die genannten „Oud Gereformeerde Gemeenten“ haben nichts mit der „Evangelisch-altreformierten Kirche in Niedersachsen“ zu tun, wie man nach der Lektüre annehmen könnte. Die Evangelisch-altreformierte Kirche ist selbständig und gleichzeitig Teil der „Gereformeerde Kerken in Nederland“, die nicht mit den „Oud Gereformeerde Gemeenten zu verwechseln ist.

Pastor Dr. Gerrit Jan Beuker,

Präses der Synode der Ev.-altreformierten Kirche in Niedersachsen, 49846 Hoogstede