Grafschafter Nachrichten vom 16.10.01, S. 19
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Chancen für ein „gemeinsames
Dach“?
Generalsekretär
des Reformierten Bundes zum Weg der altreformierten Kirche
Von Gerrit Jan Beuker
Nordhorn. Der Generalsekretär des Reformierten Bundes, Pastor Hermann Schaefer aus Wuppertal, sieht die Chance, dass verschiedene reformierte Landes- und Freikirchen in Deutschland unter einem Dach zusammenwohnen, ohne ihre Selbständigkeit aufzugeben und ihr Selbstverständnis zu verlieren.
Schaefer referierte während einer Tagung des Gemeinsamen Ausschusses der Evangelisch-reformierten und der Evangelische-altreformierten Kirche vor kurzem im Kloster Frenswegen in Nordhorn über die Möglichkeiten, die er für den „weiteren Weg der Evangelisch-altreformierten Kirche in Niedersachsen“ sieht.
Schaefer war 1970 bis 1979 Pastor in Wilsum, ab 1979 reformierter Moderator im Kloster Frenswegen und ist seit 1990 als Nachfolger von Pastor Joachim Guhrt Generalsekretär des Reformierten Bundes in Deutschland. Zum Reformierten Bund gehören rund 730 Einzelpersonen, etwa 400 reformiert geprägte Gemeinden sowie die Evangelisch-reformierte Kirche (ERK), die (überwiegend reformierte) Lippische Landeskirche, der (freikirchlich strukturierte) Bund evangelisch-reformierter Kirchen und die Evangelisch-altreformierte Kirche (EAK).
Schaefer berät den Bund Evangelisch-reformierter Kirchen Deutschlands und die Evangelisch-altreformierte Kirche in Niedersachsen bei den Überlegungen über ihren künftigen Weg.
Zum Bund evangelisch-reformierter Gemeinden gehören heute sechs reformierte Gemeinden (Hamburg, Bückeburg, Stadthagen, Braunschweig, Göttingen und Dresden) mit elf Pastorinnen und Pastoren und rund dreizehntausend Gemeindegliedern. Die meisten Gemeinden sind einige Jahrhunderte alt und als selbständige reformierte Gemeinden entstanden.
Zur Evangelisch-altreformierten Kirche in Niedersachsen gehören heute 14 Gemeinden mit 15 Pastoren und rund siebentausend Gemeindegliedern. Diese Gemeinden stammen vor allem aus der Zeit zwischen 1840 und 1860.
Schaefer meint, die EAK könne „wegen des Vereinigungsprozesses der protestantischen Kirchen in den Niederlanden nicht umhin, sich organisatorisch und kirchenpolitisch neu zu orientieren.“ Durch die Eingliederung der kleinen lutherischen Kirche der Niederlande biete die kommende Vereinigte Kirche „kein echtes ‚reformiertes’ Dach mehr“. Die Wahrung der Eigenständigkeit der Gemeinden werde in der kommenden Vereinigten Kirche erschwert.
Nach Schaefer ist „die EAK ist ja auch längst dabei, zu einer reformierten Kirche in Deutschland zu werden.“. Er teilte die Sichtweise, die Pastor i.R. Diddo Wiarda in der Brschüre „Gemeinsam unterwegs 2 – Reformiert-altreformierte Gespräche 1994-2000“ beschrieb: „Die Opfer, die die EAK bei einer Fusion mit der ERK bringen müsste, wären zu groß. Sie würde ihren besonderen Charakter einbüßen. Der ERK würde es kaum möglich sein, sich auf die guten Besonderheiten der EAK zuzubewegen, weil sie mehrheitlich an ihrem volkskirchlichen Verständnis festhalten möchte und dafür auch gute Gründe hat.“
Aber Schaefer zieht daraus nicht die Konsequenz für das Miteinander der Kirchen „gemeinsam unterwegs, aber rechtlich getrennt“. Er sucht nach einem neuen rechtlich geordneten Verhältnis zwischen den Kirchen, das die eigenständige und freikirchliche Struktur der EAK nicht antastet.
Der Gemeinsame Ausschuss erörterte verschiedene Möglichkeiten, wie ein gemeinsames Dach der reformierten Kirchen aussehen könnte. Es werde nicht morgen fertig sein, sondern müsse auf lange Sicht geplant werden. Das letzte Wort hätten die Kirchenräte und die Synoden.
Der Ausschuss war sich darin einig, dass diese Arbeit eine geistliche Herausforderung darstellt. Er schlägt für seine Arbeit der nächsten Jahre folgende Auftrag vor:
„Die
Evangelisch-reformierte und die Evangelisch-altreformierte Kirche wissen um den
Auftrag Jesu, nach Einheit zu streben. Sie bedauern ihre Trennung. Der
Gemeinsame Ausschuss soll die Gemeinden unterstützen, ihre Beziehungen zu
festigen und auszubauen. Der Ausschuss soll weitere Schritte auf dem gemeinsamen
Weg beider Kirchen aufzeigen und ebnen.“
Der Ausschuss möchte ein „Perspektivpapier“ erarbeiten und in seiner nächsten Versammlung Ende Mai 2002 besprechen.
Dem Gemeinsamen Ausschuss gehören für die nächsten Jahre von reformierter Seite Walter Herrenbrück, Norbert Nordholt, Ernst-Joachim Pagenstecher, Siek Postma, Silke Rath und Bernhard Roth an, von altreformierter Seite: Hermann Assink, Gerrit Jan Beuker, Lothar Heetderks, Heinrich Lüchtenborg, Gerhard Schrader und Jan Wortelen.
Grafschafter Nachrichten vom 16.10.01, S. 13
Neues
Moderamen für Synodalverband
GN Hoogstede. Der Synodalverband Grafschaft Bentheim der Evangelisch-altreformierten Kirche in Niedersachsen hat vor kurzem auf seiner Versammlung in Hoogstede für drei Jahre einen neuen Vorstand gewählt. Vorsitzender wurde Pastor Habbo Heikens aus Emlichheim, Schriftführer Pastor Dieter Bouws aus Uelsen und Beisitzern Älteste Elvira Schulthindrik aus Bad Bentheim. Die Amtsdauer des Sekretärs darf beliebig verlängert werden. Albert Arends aus Laar nimmt diese Aufgabe seit 1992 wahr. Er erklärte sich für eine weitere Periode von drei Jahren bereit, seine Arbeit fortzuführen. In seiner Person liegt auch ein Stück Fortgang und Kontinuität der Arbeit.
Das bisherige Moderamen war sechs Jahre tätig. Laut Geschäftsordnung darf die dreijährige Amtszeit nur einmal verlängert werden. Der Hoogsteder Kirchenrat dankte stellvertretend für alle Gemeinden den ausscheidenden Pastor Jan Alberts aus Nordhorn und Dr. Gerrit Jan Beuker aus Hoogstede sowie der bisherigen Beisitzerin Hindrike Stegemann aus Nordhorn.
In der Regel tagt der Synodalverband zweimal im Jahr. Zu seinen Hauptaufgaben gehören die Informationen der Gemeinden sowie übergemeindliche Dinge.