Herbstsynode 2009

    22. November 2009

    Kindersegnung und Kindertaufe

    Dieses Thema stand im Mittelpunkt der Tagung der Synode am 25. November in Nordhorn. Landessuperintendent i.R. W. Herrenbrück aus Nordhorn war eingeladen worden, um mit einem Referat ins Gespräch darüber einzuleiten.

    Andacht

    Für die einberufende Gemeinde Hoogstede hielt Pastor Christoph Heikens eine Andacht anhand folgender Worte aus Sprüche 15, 22: "Die Pläne werden zunichte, wo man nicht miteinander berät!" Er begann mit einer kleine Anekdote, um dann dieses Bibelwort auf die Situation des Tages zu beziehen. Ein Ehepaar arbeitete gern in seinem großen Gemüsegarten. In einem Jahr beschloss es, ein Beet brach liegen zu lassen. Der Mann und die Frau wollten einander eine Freude machen und säten heimlich das Lieblingsgemüse des jeweils Anderen aus. Aber der aufkeimende Salat und die ebenfalls aufkeimenden Bohnen hatte keine Chance. Mann und Frau jäteten unabhängig voneinander alles aus, was sie für Unkraut hielten. Der Mann die aufkeimenden Bohnen, die Frau den Salat. Das Feld blieb brach liegen. Sie hatten einander die Saat zunichte gemacht. Es gibt viele Gärten im übertragenen Sinne, in denen es so zugeht, führt C. Heikens aus, und nennt als Beispiele die Familie, Politik und Gesellschaft, das Missionsfeld und überhaupt die kirchliche Arbeit. Wenn gemeinschaftliche Saat aufgehen soll, müsse es gute Vereinbarungen und Beratungen geben. Deshalb sei es gut und wertvoll, wenn es dafür Austauschmöglichkeiten gibt. Und dazu gehöre auch eine Synodeversammlung.
    Nach der Bitte um den Segen des Herrn über die Beratungen und Entscheidungen dieser Tagung wurden passend zur Andacht die Strophen 1 + 2 des Liedes "Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land..." (EG 508) gesungen.

    Kindersegnung und Kindertaufe

    In seinem Referat erläuterte Landessuperintendent i.R. W. Herrenbrück zunächst, was die "Reformierte Liturgie" (die auch auf allen altreformierten Kanzeln liegt) meint, wenn sie von "Dank und Fürbitte anlässlich der Geburt eines Kindes" spricht. Dieser Dank, diese Fürbitte könne erfolgen, wenn ein Kind nicht wenige Tage oder Wochen nach seiner Geburt getauft, sondern wenn seine Taufe aufgeschoben wird und zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt. Der Referent betonte, dass Kindertaufe und Erwachsenentaufe beide im Einklang mit dem Zeugnis der Bibel stehen, wenn auch in unseren Gemeinden die Kindertaufe die Regel ist. Die reformierte Gesamtsynode habe 1999 den Gemeinden empfohlen, eine Fürbitthandlung durchzuführen, wenn Eltern die Taufe ihres Kindes aufschieben möchten.
    Es gibt Kirchen, die eine feierliche Kleinkindersegnung kennen und dafür eine Zeremonie entwickelt haben - mit Liedversen, mit persönlichen Wünschen für das Kind, mit Denksprüchen und Dankgebeten und Fürbitten, mit Handauflegung und Segnung.
    Bei allem Respekt vor Segensfeiern warnte W. Herrenbrück vor einer möglichen Verwechslung von Kindersegnung und Kindertaufe. Die Kindersegnung dürfe nicht zu einer Ersatzhandlung für die Taufe werden. Denn die Taufe sei das Wahrzeichen und Siegel, das Jesus Christus eingesetzt hat. Durch die Taufe erfolge die Aufnahme in die christliche Gemeinde. Die Segnung aber sei keine Taufe.
    W. Herrenbrück empfiehlt eine Entscheidung in Sachen ‚Taufaufschub' auf der Basis der "Reformierten Liturgie", denn das wahre den Konsens unter den Reformierten und auch mit der "Gemeinschaft Evangelischer Kirche in Europa (GEKE)" (früher: Leuenberger Kirchengemeinschaft). Die Taufe sei immerhin das einigende Band der verschiedenen Kirchen.
    In mehreren Gruppen wurde das Thema anschließend besprochen. Einen Beschluss zur Frage der Kindersegnung plant die Synode im nächsten Jahr. In dieser Sitzung beschloss sie lediglich folgenden Weg zur Weiterarbeit:
    Der Ausschuss "Kirche und Theologie" wird beauftragt, die Überlegungen dieses Tages zusammenzufassen und eine Beschlussvorlage zu erarbeiten. Spätestens im Herbst 2010 sollen die Ergebnisse vorgelegt werden.

    Muster für einen Rufbrief

    Der VPA legte gemeinsam mit dem Moderamen der Synode in Absprache mit der Pastorenkonferenz ein Muster für künftige Rufbriefe vor, um für alle Gemeinden eine einheitliche Fassung zu schaffen.
    Beschluss:

    • Der vorliegende Rufbrief ist ein verbindliches Muster für alle zukünftigen Berufungen. Abweichungen von diesem Rufbrief bedürfen der Zustimmung des VPA. Wenn ein Versorgungsanspruch an die Gesamtkirche besteht, soll dieser Punkt noch eigenständig in den Rufbrief aufgenommen werden.

    Standards für das Öffentliche Glaubensbekenntnis?

    Der Ausschuss für Kindergottesdienst und Jugendarbeit legt der Synode einen umfangreichen Bericht vor. Darin geht es unter anderem um mögliche "Standards" für das Ablegen des Öffentlichen Glaubensbekenntnisses. Auch eine "Ideenbörse für die Vor- und Nachsorge der Glaubensbekenntnis-Gruppe" gehört dazu sowie der Arbeitsbericht des Jugendpastors Dieter Wiggers. Dessen Arbeit würdigte die Synode ausdrücklich und sprach ihm für seinen Einsatz einen herzlichen Dank aus.
    Viele Kirchenräte befürworten die vorgeschlagenen Mindest-Standards für das Öffentliche Glaubensbekenntnis, wie eine Gesprächrunde dazu ergibt. Dazu gehören etwa die Pflichtteilnahme an einer bestimmten Anzahl von Gottesdiensten, die Teilnahme an einem Gemeindepraktikum in Form von Mitarbeit in Gruppen und Kreisen sowie Grundkenntnisse bezüglich Bibel und Bekenntnis. Es wurde zu bedenken gegeben, dass eine Synode nicht für alle Gemeinden das Mindestmaß festsetzen kann, da die Situation von Gemeinde zu Gemeinde und auch von Unterrichtsgruppe zu Untergruppe unterschiedlich ist.

    Anbindung des Jugendbundes an die Synode?

    Im Bericht des Ausschusses für Kindergottesdienst und Jugendarbeit wird auch die Frage nach den Möglichkeiten einer engeren Anbindung des Jugendbundes an die Synode behandelt. Aus dem Jugendbund, der früher Organ der Jugendvereine aller Gemeinden war, sei mehr und mehr ein Interessenverband geworden, dem eine offizielle kirchliche Anbindung fehlt. Diese hält der Ausschuss aber für wichtig.
    Beschluss:

    • Die Synode nimmt die Hinweise und Anregungen des Jugendausschusses dankbar entgegen. Sie beauftragt den Ausschuss, sich weiter mit Leitlinien oder Standards für das Öffentliche Glaubensbekenntnis zu beschäftigen. (20 Jastimmen und fünf Neinstimmen)

    • Die Synode bittet den Jugendausschuss in Absprache mit Dr. Weusmann zu prüfen, welche Möglichkeiten es für eine Anbindung des Jugendbundes an die Synode gibt und welche Konsequenzen damit verbunden sind.

    • Der Jugendausschuss wird gebeten, im nächsten Sommer ein Amtsträgertreffen einzuberufen, das die Ausführungen aus dem Bericht des Jugendpastors über "Jugend und Kirche" vertieft.

    Mission und missionarischer Gemeindeaufbau

    In seinem Bericht geht der Missionsausschuss ausführlich auf den Besuch der Frauendelegation von Sumba im Mai 2009 in der Grafschaft und Ostfriesland ein und schlägt einen Gegenbesuch für 2011 vor.
    Beschluss:

    • Die Synode würdigt die regelmäßigen Besuche, welche die Verbundenheit zwischen der Evangelisch-altreformierten Kirche und der Christlichen Kirche auf Sumba (GKS) fördern.

    • Die Synode beschließt, möglichst für 2011 eine Frauendelegation mit ca. fünf Personen nach Sumba zu entsenden und beauftragt den Ausschuss, entsprechende Vorbereitungen zu treffen.

    • Die Synode übernimmt die Flugkosten für die Delegationsleiterin sowie einen Zuschuss in Höhe von je 500 € für die weiteren Delegationsteilnehmer. Diese Beträge werden je zur Hälfte der Synodekasse und der Missionskasse entnommen.

    Diakonie

    Der Diakonieausschuss berichtet über die dritte Altreformierte Diakonische Konferenz in Ihrhove am 26.09.2009 und kündigt die vierte an, die am 28. August 2010 in Bad Bentheim mit einem Vertreter der Kindernothilfe geplant ist.
    Für 2010 schlägt der Ausschuss vor, ein "Heim für ledige Mütter" in Bergszasz/Berehowe, einer Stadt mit 100.000 Einwohnern in der westlichen Ukraine nahe der ungarischen Grenze zu fördern. Das Diakonische Werk der Ev.-reformierten Kirche begleitet und betreut das Projekt.
    Beschluss:

    • Die Synode beschließt, mit dem nächsten Jahresprojekt (2010) unserer Gemeinden eine Aktion der Reformierten Kirche in der Ukraine für ledige Mütter zu unterstützen und dieses Projekt den Gemeinden zu empfehlen.

    • Sie beschließt ferner, aus dem Kollektenaufkommen "Reformierte Kirchen in Osteuropa" einen Betrag von 5.000,00 Euro für dieses Projekt zur Verfügung zu stellen.

    Kollektenplan 2010

    • Die Synode beschließt den synodalen Kollektenplan und spricht drei Kollektenempfehlungen aus.
      Januar - Gesamtkirchliche Diakonie
      Februar - Jugendpastor
      April - Osterkollekte für die ‚Innere Mission'
      Mai - Pfingstkollekte für die ‚Äußere Mission'
      Juni - Jugendbund und Freizeiten
      Juli - Kirchenmusik
      August - Reformierte Kirchen in Osteuropa
      September - Aus- und Fortbildung
      November - Äußere Mission
      Dezember - Weihnachtskollekte für ‚Brot für die Welt'
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      Empfohlen: - Kollekte für "Aktionsbündnis gegen Aids"
      Empfohlen: - Spenden / Kollekten für die "Rumänienhilfe"
      Empfohlen: - Jahresprojekt der Diakonien der EAK für eine Aktion der ref. Kirche für ledige Mütter in der Ukraine

    Den Armen Gerechtigkeit - 50 Jahre Brot für die Welt
    So lautet der Titel einer gemeinsamen Erklärung der Gesamtsynode der Ev.-reformierten Kirche und der Synode der Ev.-altreformierten Kirche in Niedersachsen, welche die Synode einstimmig verabschiedete. Ihr Wortlaut wurde bereits im Grenzboten vom 06.12.2009 veröffentlicht.

    Umlagen und Haushaltansätze 2010

    • Die Synode beschließt auf Vorschlag des VPA folgende Umlagen und Haushaltsansätze:
      Synodekasse 45.000,- €
      Kasse Gegenseitige Hilfe 40.000,- €
      Pensionskasse 270.000,- €

    Zweite Lesung der (erweiterten) Verfassung

    Nach einer Aussprache über noch ausstehende Veränderungen in den Artikeln wurde die Verfassung in zweiter Lesung beschlossen. Außerdem beschließt die Synode:

    • Die neue Verfassung tritt mit 01.01.2010 in Kraft.

    Sie wird den Kirchenräten in gedruckter Fassung zugehen und in geeigneter Form u.a. über das Internet veröffentlicht. Es sollen 500 Exemplare im Kirchenamt in Leer gedruckt werden.

    • Die Synode beschließt, das in Art. 48-2 und 49-1 der neuen Verfassung genannte Pfarrerdienstgesetz nicht anzuwenden, bis sie ein eigenes Anwendungsgesetz verabschiedet hat.

    Wahlen und Ernennungen

    Da Pastor Dr. Gerrit Jan Beuker inzwischen Pastor der ev.- altreformierten und der ev.- reformierten Gemeinde in Laar ist, wird eine Arbeitsentlastung notwenig.
    Deshalb beschließt die Synode:

    • Pastor Christoph Heikens wird in den Synodeausschuss KLMÖ (Kirchenordnung, Liturgie, Musik und Öffentlichkeitsarbeit) ernannt, Pastor Dr. Beuker wird aus dieser Arbeit verabschiedet.

    Der VPA berichtet, dass Hildegard Vette aus Emlichheim sich auf Anfrage bereit erklärt hat, Hermann Breukelman in seiner Arbeit als Pensionsbeauftragter zu unterstützen.

    • Die Synode beruft Hildegard Vette, Emlichheim, als zusätzliche Pensionsbeauftragte.

    GEMA

    Alle Abgeordneten erhalten ein Informationsheft der GEMA. Sämtliche Abrechungen mit der GEMA in Bezug auf musikalische Veranstaltungen in den Gemeinden sollten grundsätzlich über die Ev.- reformierte Kirche erfolgen. Möglicherweise notwendige Zahlungen werden im Landeskirchenamt in Leer geprüft und von dort auch für ev.- altreformierte Gemeinden geleistet und mit diesen abgerechnet. Ansprechpartner ist Herr Lüken (Tel. 0491 9198 216 ).

    Nächste Versammlung der Synode

    Die Frühjahrsversammlung 2010 wird am 5. Mai in Ihrhove stattfinden. Die dortige Gemeinde ist für die Einladung und Eröffnung zuständig. Eingaben und Anträge sind bis zum 15. März 2010 an den Synodesekretär zu richten.

    Habbo Heikens, Wilsum
    (Schriftführer)

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