Frühjahrssynode 2010

    5. Mai 2010

    Klimagerechtigkeit Schwerpunktthema der Synode in Ihrhove

    Am 5. Mai 2010 tagte die Synode der Ev.-altreformierten Kirche in Ihrhove. Zu den Schwerpunktthemen gehörten die Klimagerechtigkeit und die Standards für den kirchlichen Unterricht.

    Andacht Pastor H. Teunis hielt für die einladende Gemeinde Ihrhove eine Andacht über Apg. 2,4ff., bevor der Vorsitzende Pastor F. Baarlink die Versammlung eröffnete und deren Leitung übernahm. In seiner Andacht verglich H. Teunis die beein druckende Gemeinschaft, das enorme Wachstum und die Ausstrahlungskraft der ersten christlichen Gemeinde in Jerusalem mit der gegenwärtigen kirchlichen Situation. Da könnte man neidisch werden, denn wir erleben das ganz anders.

    Im weiteren Verlauf der Apostelgeschichte erfahren wir aber auch von manchen Problemen und Spannungen, die deutlich machen, dass es eine heile kirchliche Welt zu keiner Zeit gab. Das mit großen Verheißungen verbundene Geheimnis der Gemeinde wird - so H. Teunis - aus Apg. 2,42 deutlich: "Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet." Daraus ließ der Herr Gutes wachsen. Machbar ist das nicht; es ist Geschenk Gottes durch Wirkung des Heiligen Geistes. Wo am Wort, am Gebet und an der Gemeinschaft festgehalten wird, da will der Herr auch heute noch Gutes wachsen lassen.

    Mitarbeit im Generalkollegium für die Zulassung zum Amt

    Das Moderamen der Synode hatte Pastor G. Klompmaker vorbehaltlich der Zustimmung der Synode als zusätzliches Mitglied im niederländischen Generalkollegium für die Zulassung zum Amt ernannt. Die Synode bestätigte nun diese Ernennung. G. Klompmaker vertritt in diesem Gremium die Ev.-altreformierte Kirche, wenn es künftige Pastoren unserer Kirche examiniert.

    Unter dem Vorsitz von F.Baarlink (am Pult) tagte die Synode in Ihrhove.

    Kontakte zum Aktionsbündnis gegen Aids

    Seit November 2003 ist die Ev.-altreformierte Kirche Mitglied im Aktionsbündnis gegen Aids. Zwar hat sie bisher finanzielle Unterstützung geleistet, aber es fehlt ein geregelter Kontakt. Auch sollte das Anliegen dieses Bündnisses mehr in den Gemeinden verbreitet werden.
    Beschluss:

    • Die Synode bittet den Diakonieausschuss, der Synode bis zum Herbst 2010 Vorschläge zu unterbreiten, wie die Kontakte zum Aktionsbündnis verstärkt gepflegt und seine Anliegen in den Gemeinden verbreitet werden können. Geeignete Kontaktpersonen können dem Diakonieausschuss vorgeschlagen werden.

    Das Apostolikum im Gottesdienst

    Das apostolische Glaubensbekenntnis hat in unseren Gemeinden seinen festen liturgischen Ort im zweiten sonntäglichen Gottesdienst. Der Synodalverband Grafschaft Bentheim hatte die Synode gebeten, zu prüfen, ob das Apostolikum nicht besser im Vormittagsgottesdienst aufgehoben und eine entsprechende Änderung der liturgischen Ordnung angebracht wäre. Als Grund wurde genannt, dass dieses Bekenntnis aus dem Bewusstsein der Gemeindeglieder schwinden könnte, die nur die Vormittagsgottesdienste mitfeiern. Die Diskussion ließ viel Verständnis für dieses Anliegen erkennen. Eine grundsätzliche Änderung der Liturgie hielt die Synode jedoch nicht für erforderlich, weil sie ein Leitfaden ist, der den Gemeinden auch Freiheit in der Gottesdienstgestaltung lässt.
    In einigen Voten wurde allerdings zu bedenken gegeben, dass der zweite sonntägliche Gottesdienst entwertet werden könnte, wenn ihm wichtige Elemente entzogen werden. Wann immer dieser als Lehrgottesdienst genutzt wird, habe zudem die Antwort der Gemeinde mit dem Glaubensbekenntnis dort ihren liturgisch sinnvollen Ort. Die Synode beauftragte ihren zuständigen Ausschuss, sich mit diesem Thema zu beschäftigen und die geäußerten Voten zu bedenken. Es soll dem Ausschuss überlassen bleiben, ob er der Synode einen Beschluss empfehlen möchte.

    Ordnung für die Kassenführung in den Gemeinden

    Der VPA legte der Synode eine Ordnung für die Kassenführung und Kassenprüfung vor, die für die offiziellen Kassen der Gemeinden (Kirchenkasse und Diakoniekasse) gilt. Die Kassen von Gemeindegruppen, Kreisen, Chören etc. unterliegen dieser Ordnung nicht. Bestandteile dieser Ordnung sind allgemeine Vorschriften zum Haushaltsplan, für die Kassenführung und für die Kassenprüfungen. Dieser Ordnung ist auch ein Kontenrahmen für die Erstellung von Haushaltsplänen angefügt.
    Beschluss:

    • Die Synode verabschiedet die vorliegende Ordnung für die Kassenführung der Evangelisch-altreformierten Kirchengemeinden. Sie empfiehlt den Kassenführern, den beiliegenden Kontenrahmen möglichst zu verwenden. Die vorliegende Ordnung tritt zum 1. Januar 2011 in Kraft.

    Jugendarbeit/Kirchlicher Unterricht

    Der Ausschuss für Kindergottesdienst und Jugendarbeit brachte zwei Beschlussvorlagen ein. Die erste betrifft die rechtliche Anbindung des Jugendbundes. Diese ist wichtig geworden, seitdem der Vorstand des Jugendbundes organisatorisch von den örtlichen Jugendvereinen gelöst wurde, die seitdem im Bund altreformierter Jugendvereine (BAJU) mit einem eigenen Vorstand zusammengeschlossen sind. Der Jugendbund versteht sich als übergemeindliche Jugendorganisation der Ev.-altreformierten Kirche. Sein Aufgabenbereich verändert sich nicht. Es bedarf lediglich einer rechtlichen Regelung der gängigen Praxis.
    Beschluss:

    • Die Synode begrüßt das Vorhaben des Jugendbundes einer rechtlichen Anbindung an die Synode.
    • Die Synode begrüßt die Einrichtung des Jugendbundes als Unterausschuss der Synode mit Anbindung an den Ausschuss für Kindergottesdienst und Jugendarbeit.
    • Die Synode beauftragt den Ausschuss für Kindergottesdienst und Jugendarbeit, in Zusammenarbeit mit dem Jugendbund und einem rechtlichen Beistand (Ausschuss für Kirchenordnung und Formulare und/oder Dr. Weusmann) entsprechende Regelungen vorzubereiten und der kommenden Synode als Beschlussvorlage vorzulegen.

    Die zweite Vorlage betrifft Standards für den kirchlichen Unterricht. Sie resultieren aus früheren Synodeberatungen im Zusammenhang mit dem Öffentlichen Glaubensbekenntnis. Die Jugendlichen sollen besser darauf vorbereitet und intensiver begleitet werden. Die Standards sollen die Kirchenräte und die Unterrichtenden dabei unterstützen.
    Beschluss:

    • Die Synode verständigt sich für den Kirchlichen Unterricht in den Gemeinden auf folgende Rahmenrichtlinien:
      - Der KU umfasst 7 bis 9 Halbjahre; die Inhalte und Lernstoffe werden in geeigneter Weise veröffentlicht (Gemeindeheft, Internet, …)
      - In vorbereitenden bzw. begleitenden Elternabenden werden die gegenseitigen Erwartungen vorgestellt und geklärt, sowie das Gespräch über die gemeinsame Verantwortung zur christlichen Erziehung der Kinder und Jugendlichen geführt.
      - Die regelmäßige Anwesenheit im KU ist für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Pflicht. Ein Fehlen kann nur bei begründeten Verhinderungen (Krankheit o.ä.) als entschuldigt anerkannt werden. Bei unentschuldigtem Fehlen muss der Unterricht in geeigneter Weise nachgeholt werden.
      - Zum Ende des vorletzten Unterrichtsjahres wird in geeigneter Form grundlegendes Wissen abgefragt: biblische Geschichte, Bekenntnis und Kirche (Wesen und Aufgabe von Kirche sowie grundlegendes Wissen zur EAK).
      - Zur Förderung der Teilnahme am kirchlichen Leben werden im KU unter anderem Freizeitmaßnahmen durchgeführt.
      - Im Laufe des KU (möglichst in den Schuljahren 9-11) haben die Teilnehmer und Teilnehmerinnen (evtl. anstelle des KU) ein Gemeindepraktikum zu absolvieren (Mitwirkung in einer bestehenden Gemeindegruppe bzw. sonstige gemeindliche Aufgabe).
      - Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben im Rahmen des KU von 12 Gemeindegottesdiensten ihre Erfahrungen in angemessener Weise zu beschreiben. Die Erfahrungen werden (z. B. durch einen Fragebogen) ermittelt und im Unterricht besprochen. (Ziel dieser Besprechungen ist, Jugend bewusster in das Gottesdienstgeschehen hineinzunehmen, wie auch Gottesdienste für Jugendliche ansprechender zu gestalten sodass durch die Besprechung ein gegenseitiges Lernen ermöglicht wird.)
      - Der Kirchenrat sorgt für ein verstärktes und regelmäßiges Angebot spezifisch jugendgemäßer Gottesdienste, in denen Kinder und Jugendliche nach Möglichkeit mitwirken (einmal im Monat). Außerdem achtet der Kirchenrat darauf, dass in den weiteren Gottesdiensten alle Altersgruppen der Gemeinde angesprochen werden.
      - Der Kontakt zu KU-Teilnehmer/-innen anderer Gemeinden (ökumenisch vor Ort bzw. mit anderen ev.-altref. Gemeinden) soll gesucht werden (z.B. über gemeinsame Freizeiten, "Konfirmandentage ", Treffen, gemeinsame Gottesdienste und Kulturveranstaltungen).
      -Mindestens einmal im Jahr soll der kirchliche Unterricht einen eigenen Tagesordnungspunkt einer Kirchenratssitzung bilden.
    • Aufgrund von örtlichen Gegebenheiten kann mit Beschluss des Kirchenrates von diesen Rahmenrichtlinien abgewichen werden.
    • Die Synode beauftragt den Ausschuss, bis zum Herbst 2012 die Erfahrungen mit den Rahmenrichtlinien zu sammeln und auszuwerten.

    F.Baarlink mit K.Breyer und M.Goebel

    Klimagerechtigkeit - Der grüne Hahn

    Der Synodevorsitzende Pastor F. Baarlink begrüßte zur Einführung in dieses Schwerpunktthema Frau Katja Breyer aus Schwerte und Pastor Martin Goebel aus Hannover. Frau Breyer ist Bildungsreferentin beim Evangelischen Entwicklungsdienst (EED), Martin Goebel ist neben seinem Dienst als Gemeindepastor in Hannover zugleich Beauftragter der Ev.-reformierten Kirche für Globalisierung und Klimawandel. Zunächst verdeutlichte Frau Breyer anhand von Grafiken die problematischen Auswirkungen des Klimawandels auf die Agrarproduktion, die Trinkwasserversorgung und die Energiesicherheit. Da sind auch die Kirchen zu eindeutigen Aussagen und klarem Handeln im eigenen Bereich herausgefordert. Als Beispiel für kirchliches Engagement stellte die Referentin die Aktion "Der grüne Hahn" vor, an der sich gegenwärtig etwa 700 Gemeinden in Deutschland beteiligen. Diese Aktion ist bemüht, gewonnene Einsichten im Zusammenhang mit dem Klimawandel und der damit verbundenen Ungerechtigkeit nutzbar zu machen.

    Es dient ihrer Glaubwürdigkeit, wenn Kirchen auf diesem Gebiet verantwortlich handeln. Die Aktion "Der grüne Hahn" ist ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess, bei dem nach gründlicher Bestandsaufnahme vor Ort Möglichkeiten zum besseren Schutz der Umwelt entwickelt, erprobt und ausgeführt werden. Kommunikation, Information und Bildungsarbeit sind dabei wichtige Elemente. Externe Gutachter überprüfen die Fortschritte und vergeben Zertifikate.
    Pastor Martin Goebel berichtete, dass sich die Ev.-reformierte Kirche inzwischen der Aktion "Der grüne Hahn" angeschlossen hat. Sie versteht diesen Schritt als Fortführung des Konziliaren Prozesses für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Ziel dabei ist es, die Verkündigung und das Handeln der Kirche in Einklang zu bringen. Als standardisiertes Verfahren sei dabei die Aktion "Der grüne Hahn" ein gutes Werkzeug - so der Referent. Er lud die ev.-altreformierten Gemeinden zur Teilnahme an dieser Aktion und damit auch zu den dazugehörenden Schulungen und zum Gedankenaustausch im Bereich der Ev.-reformierten Kirche ein.
    Ein Gruppengespräch mit jeweils einem der Referenten bot den Synodalen die Gelegenheit, sich eingehender mit diesem Thema zu befassen.
    Beschluss:

    • Die Synode stellt fest: Gott hat uns als seine Ebenbilder seine Schöpfung anvertraut. In guter Haushalterschaft tragen wir als Christen und christliche Gemeinden eine große Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung und haben uns dafür einzusetzen, dass allen Menschen heute und in Zukunft Gerechtigkeit widerfährt.
    • Die Synode begrüßt alle Initiativen, die - vor dem Hintergrund der durch uns Menschen und unsere Lebensweise verursachten Klimaveränderungen - zu einem achtsamen Umgang mit der Schöpfung führen und den Erhalt der Lebensmöglichkeit aller Geschöpfe zum Ziel haben.
    • Die Synode unterstützt die altreformierten Kirchengemeinden, die sich mit dem Umweltmanagementsystem "Der grüne Hahn" zu einem verstärkten Engagement in Fragen der Klimagerechtigkeit engagieren wollen. Dazu bietet das Moderamen der Synode im Frühjahr 2011 eine Informationsveranstaltung für alle Gemeinden an, zu der interessierte Gemeindeglieder und Abordnungen der Kirchenräte eingeladen werden.
    • Die Synode bittet die Evangelisch-reformierte Kirche, im Rahmen ihrer Möglichkeiten jene altreformierten Gemeinden zu begleiten, die das Umweltmanagementsystem "Der grüne Hahn" einführen. Damit verbundene Kosten tragen die betreffenden Gemeinden.

    Die nächste Synode

    Die Synode wird am Mittwoch, dem 3. November 2010, zu ihrer nächsten Tagung in Veldhausen zusammenkommen. Für die Einladung bleibt die Gemeinde Ihrhove zuständig. Eingaben sind bis zum 29. September 2010 an den Synodesekretär Dr. G.J. Beuker (Laar) zu richten.

    Habbo Heikens, Wilsum
    (Schriftführer)

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