... stand unter dem Leitwort: "Gott - Lebensbuch". Die Vorsitzende des Frauenbundes, Ina Wortelen, konnte viele Frauen aus Ostfriesland und der Grafschaft Bentheim in Emlichheim begrüßen. Die Referentin, Annette Benscheidt, kam aus dem Emsländischen Gersten. Sie ist Diakoniereferentin und Supervisorin im Synodalverband Emsland der Ev.-reformierten Kirche. Ihr Thema: "In der eigenen Lebensgeschichte blättern? Gott in meiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft".
Annette Benscheidt führte aus: Viele von uns wurden vor der Entwicklung des Fernsehens, Penizillins und der Schluckimpfung geboren… Wir lebten alle, als die ersten Menschen auf dem Mond landeten, kauften Mehl und Zucker in Tüten, Lakritz gab es für fünf und eine Kugel Eis für zehn Pfennige. Als wir heirateten, gab es keine Geschirrspülmaschine und keinen Wäschetrockener. Wir haben auch erst geheiratet und dann zusammengelebt. Wie lange ist das alles schon her? Was haben wir nicht alles erlebt und überlebt!
Wenn wir auf unsere Lebensgeschichte zurückblicken, stellen wir uns Fragen wie: "Wer bin ich? Was macht mich als Mensch aus?" Als Christinnen fragen wir: "Wo war Gott in meiner Lebensgeschichte, wo ist er in meiner Gegenwart und in meiner Zukunft?" Wenn wir älter werden, bedeutet uns die eigene Lebensgeschichte mehr als in jüngeren Jahren. Erinnerungen an Vergangenes werden zu einem wertvollen Schatz. Sich zu erinnern bedeutet nicht, sich in Vergangenem zu verlieren. Die Erinnerung hat auch unsere Gegenwart und Zukunft im Blick. Im Spiegelbild der Vergangenheit stellen wir Fragen wie: "Was ist für mich wichtig? Wie soll es weiter gehen, wie lassen sich meine Träume realisieren?"
Sich der eigenen Biographie zu vergewissern, hat heute einen neuen Stellenwert erhalten. Mit Hilfe von Erinnerungen an bereits durchlebte Situationen und eigene frühere Verhaltensweisen können Handlungsmöglichkeiten für die Gegenwart und für die zukünftigen Situationen entwickelt und positiv beeinflusst werden. Von großer Bedeutung ist, ob und wie wir Gottes Gegenwart erlebt und gespürt haben. So wie ER in der Vergangenheit gegenwärtig war, wird Er es auch in Zukunft sein.
Sich der eigenen Lebensgeschichte zu erinnern, ist im Prozess des Älterwerdens wichtig. So können negative und krankmachende Erfahrungen geheilt und dunkle Kapitel abgeschlossen werden. Wir sollten uns nicht scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es ist gut, dass die Entwicklung unserer Persönlichkeit zu keinem Zeitpunkt unseres Lebens abgeschlossen ist. Wir können sie selber positiv beeinflussen. Wenn wir konkret mit Gottes Hilfe rechnen, kann sich alles zum Guten wenden.
Alt werden bedeutet, dass wir uns von Vertrautem verabschieden und Liebgewordenes loslassen. Das gilt es rechtzeitig einzuüben. So können wir friedvoller und älter werden und leichter sterben. Für ChristInnen bedeutet Sterben nicht Ende, sondern Aufbruch und Neubeginn. Es schmerzt trotz der Gewissheit des ewigen Lebens, einen lieben Menschen zu verlieren. Wir brauchen Zeit, bis wir die Erinnerung an ihn als wertvolle Erinnerung schätzen lernen.
Sich der eigenen Biographie zu erinnern, kann auch belastend sein. Es gibt Ereignisse, die nach Jahren noch schmerzen. Gut ist es, wenn es über Erinnerungen möglich ist, eigene und fremde Schuld zu bereinigen und zu vergeben. Belastungen aus der Vergangenheit können uns verfolgen und zu Alpträumen werden. Wir können negative Erlebnisse ausschalten und in das Unterbewusstsein verbannen. Dabei ist es gut, seelsorgerliche und auch therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sonst besteht mit zunehmendem Alter die Gefahr von Bitterkeit, Zynismus, Hass oder Selbstmitleid. Dann werden wir für uns selbst und andere zur Belastung.
Die Erinnerungsarbeit schwimmt nicht auf einer Nostalgiewelle. Sie ist Ersatz für das Leben heute und keine Flucht aus dem Alltag. Unrecht wird auch nicht klein geredet, und früher war es ganz sicher nicht besser als heute. Ziel der Erinnerungsarbeit ist es, jedem gelebten Leben mit allen wichtigen und weniger bedeutsamen Ereignissen seinen Stellenwert einzuräumen. Jeder Mensch ist ohne Ausnahme ganz einzigartig, wertvoll und kostbar. Es ist gut, dass wir uns gegenseitig unsere Lebensgeschichten erzählen. Es gibt nichts Spannenderes als das Leben.
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Veränderung im Vorstand:
Dina Heerspink, Emden, Schriftführerin |
(von links) Antje Schrader (Schriftführerin, Emlichheim), Dina Heerspink (Schriftführerin, Emden), Gesine Wortelen (Kassenführerin d. Missionskasse, Schüttorf), Henni Wortel (2. Vorsitzende, Emlichheim), Ina Wortelen (1. Vorsitzende, Nordhorn), Anneliese Kolthoff (Kassenführerin d. Frauenbundkasse, Bunde) |