Die Herbstversammlung des Frauenbundes war am Samstag, 27. September. In einer guten Tradition, die gepflegt werden muss, machten sich Frauen aus Ostfriesland und der Grafschaft Bentheim auf den Weg nach Emlichheim. Die Leitung lag in den bewährten Händen von Ina Wortelen aus Nordhorn, der Vorsitzenden des Frauenbundes. Mit einem Lied, einer Andacht und einem Gebet wurde das Treffen eröffnet.
Referentin war Pfarrerin Annette Kurschus. Sie ist Superintendentin im Kirchenkreis Siegen der Evangelischen Kirche in Westfalen und Mitglied im Moderamen des Reformierten Bundes. Sie sprach über ein hochaktuelles Thema für Frauen und Männer: "Nur" Worte - von der Macht dessen, was wir (nicht) sagen.
Am Anfang ihres Referates stand ein Zitat aus Goethes Faust: "Ge schrieben steht, im Anfang war das Wort. Hier stock ich schon, wer hilft mir weiter fort, ich kann das Wort so hoch nicht schätzen ..., mir hilft der Geist, mit einmal seh' ich Rat und schreib getrost: Im Anfang war die Tat."
Im Anfang das Wort
Die Bibel jedoch sagt: Im Anfang war das Wort. Durch das Wort ist die Erde entstanden. "Gott sprach ... und es wurde Licht. Und Gott sprach ... und es geschah." (1. Mose 1) Das Wort Gottes ist schöpferisch. Es trägt die Kraft, die Tat, den Sinn in sich. In Jesus gewann das Wort Gottes Gestalt. "Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes, vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. " (Joh. 1) Vom Wort des Sohnes Gottes ging Kraft aus: Trost, Wegweisung, Heilung, Leben. Worte sind nicht nur "Worte". Worte sind mit Energie geladen. Das gilt nicht nur für Gottes Wort, für die Worte Jesu.
Das gilt auch für menschliche Worte. Sie üben Macht aus und haben Wirkung. Es gibt Worte der Achtung, der Liebe, der Gleichgültigkeit, der Ge - walt und des Hasses. Aber: die Vermeidung von Worten bewirkt oft noch mehr. Menschen warten nicht selten ein ganzes Leben auf ein erlösendes Wort.
In einem Exkurs führte die Referentin in die sprachliche Kommunikationslehre ein. Es ging um "Worte zwischen den Worten", um das Beziehungsgeflecht zwischen "Sender und Empfänger". Zum Umgang mit Menschen können wir viel bei Jesus lernen. Drei Grundregeln entdecken wir in den Evangelien:
Annahme: Der Mensch, mit dem ich rede, soll sich von mir angenommen fühlen. Ich begegne ihm mit Respekt. Dann darf ich auch kritische Worte sagen. Auch das bedeutet Annahme. Weil Jesus die Menschen an - nahm und sie liebte, veränderten sie sich durch seine Worte.
Echtheit: Echtheit bedeutet, mit mir in Übereinstimmung zu sein. Dieses ist zu unterscheiden von dem "platt heraussagen", was ich denke und will. Zur Echtheit gehört die ganze Situation. "Echtheit, Wahrheit und Liebe gehören eng zusammen." (Bonhoeffer) Genau hinhören, nicht nur mit dem Ohr, sondern mit dem Herzen.
Einfühlung: Den anderen Menschen dort wahrnehmen, wo er ist. Das ist keine einfache Regel. Nicht meinen zu wissen, was für den anderen gut ist. Einfühlung meint, zu sehen: was braucht der andere wirklich? Nicht: was meine ich, was der andere braucht. Jesus fragte die Menschen, was er für sie tun sollte. Dann redeten sie über ihre Sorgen und Wünsche.
Sonderfälle der Seelsorge - Trost
Wir möchten Menschen trösten, werden um Trost gebeten. Ein Lehrbuch über den Trost ist das Buch Hiob. Hiob - und das hat er mit vielen leidenden Menschen gemeinsam - er - lebt Gott als den fernen Gott. Gerade als gläubiger Mensch kann er Gottes Handeln nicht verstehen. Seine "Seelsorger " (Freunde) erklären ihm Gottes Absichten. Nötig ist, die Ferne Gottes mit ihm auszuhalten, Herz und Hände aufzuheben zum Gebet. Gott um Zuwendung und Nähe bitten. Gott nicht erklären, sondern vor Gott an der Seite des Leidenden zu bleiben.
Übereinander reden
Es ist das Gesellschaftsspiel Nummer Eins. Doch über andere zu reden gibt nie ein gutes Gefühl. Der "Klatsch" dient nie zum Segen, sondern richtet nur Unheil an. Vieles lässt sich nicht wieder gutmachen, was durch uns in die Welt gesetzt wurde. Die Bibel fordert uns auf, miteinander zu reden, statt übereinander zu reden. Mit dem Reden übereinander schaden wir uns selber und dem Nächsten. Originalton zweier Frauen: "Wenn wir uns besuchen, spielen wir oft Halma. Dann reden wir nicht so viel über andere Leute."
Streiten
Streiten gehört zum Leben. Auch unter Christen. Meinungsverschiedenheiten wird es immer geben. Sie müssen ausgetragen werden. Auch Christen brauchen nicht immer einer Meinung zu sein. Streiten, sich auseinandersetzen kann man lernen. Wer sich auseinandersetzt, kann sich auch wieder zusammensetzen. Nur: "Lasst die Sonne nicht über euren Zorn untergehen."
Vergebung
Wir singen "Jesus nimmt die Sünder an" und können es doch nicht so recht glauben. Vergebung muss ausgesprochen werden. Jesus hat seinen Jüngern ausdrücklich aufgetragen: "Vergebt ihnen in meinem Namen die Sünden." Die meisten Seelsorgegespräche sind Beichtgespräche. Menschen wollen Schuld loswerden. Sie sehnen sich danach, dass einer sagt: Es ist dir alles vergeben. Es ist nicht genug, das zu glauben und dessen gewiss zu sein. Es ist wichtig, Vergebung zuzusprechen: Ich vergebe dir. Im Namen Gottes, es ist dir vergeben.
Gebet
Das Gebet macht unsere Würde als Gottes Gegenüber aus. Er redet zu uns und wir zu ihm. Im Gebet wirken wir - nach Karl Barths Ansicht - mit am Weltregiment Gottes. Er hört jedes Gebet und bewegt es in seinem Herzen. Und wenn wir nicht wissen, was wir beten sollen, vertritt uns der Geist vor Gottes Angesicht.
Zum Schluss noch eine Empfehlung: "Wenn euch die Worte fehlen, dann leiht euch die Worte der Psalmen und der Gesangbuchlieder. Ihr müsst nicht die Erfinder eurer Gebete sein. Lasst euer Herz sprechen, kleidet es in Worte, die andere schon gefunden ha - ben. Es kommt nicht auf eure Gesprächigkeit an, sondern darauf, dass es von Herzen kommt und dass es Gott dazu nutzt, diese Welt zu regieren."
Wer den Vortrag von Pfarrerin Annette Kurschus hören möchte, kann sich eine Kassette bei den örtlichen Frauenkreisen ausleihen. Die Kollekte für die "Wycliff Bibelübersetzer " erbrachte 854,05 Euro. Ganz herzlichen Dank!
Dina Heerspink