Mit diesem Thema hatte der Ev.-altref. Frauenbund Grafschaft Bentheim und Ostfriesland zur diesjährigen Herbstversammlung am 26. September in Emlichheim eingeladen und viele waren der Einladung gefolgt.
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Die 1. Vorsitzende Ina Wortelen begrüßte die Anwesenden, die Referentin Ilona Karin (Bensheim) sowie Gäste aus der Ökumene. In ihrer Andacht zu Markus 8, 22-26 ging sie auf das Blindsein trotz Sehvermögens ein. Dies machte sie anschaulich an einem 3D-Bild, auf dem man auf dem ersten Blick nur Rosen erkennen kann, bei genauem Hinsehen aber ein Herz erblickt - eine optische Täuschung. Das Gleichnis erzählt auch von Blindheit. Der Blinde muss mehrere Schritte über sich ergehen lassen, bevor er wieder sehen kann. Und die Jünger sind eigentlich die ganze Zeit bei Jesus, aber auch sie brauchen mehrere Schritte, um Jesus als den Christus zu erkennen. Wenn wir in unserem Leben genau hinschauen, Geduld haben, kann unser Glaube wachsen, können wir Christus erkennen. Wir erleben Augenblicke, wo wir uns (wie der Blinde im Gleichnis) von Jesus berührt fühlen, ihm nahe. Wir werden glaubend sehend. Aber wie die Jünger erleben wir ebenso immer wieder Momente, wo wir Jesus in unserem Leben nicht zu sehen vermögen. Dann dürfen wir uns daran erinnern, dass die Jünger nach Ostern, nach der Auferstehung wirklich sahen und verstanden. So dürfen auch wir einmal unseren Herrn von Angesicht zu Angesicht sehen. Die Referentin Ilona Karin gab einen kurzen Überblick über ihren Lebenslauf und erzählte, wie sie von ihrer Arbeit in der Justiz zur Bibelschule gewechselt war und nach einer Zeit in der Mission auf Bali im Januar 1992 zur Christoffel Blindenmission kam. Anschließend vermittelte sie den Zuhörerinnen einen geschichtlichen Überblick über den Werdegang dieser Mission. Die CBM blickt auf eine über 100-jährige Geschichte zurück. Eine Geschichte, in der sich aus dem Engagement Ernst Jakob Christoffels (1876 bis 1955) in der Türkei und dem Iran ein weltumspannendes Hilfswerk mit Tausenden von Mitarbeitern entwickelte.
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4. September 1876: E. J. Christoffel wird in Rheydt (heute Stadtteil von Mönchengladbach) im Rheinland geboren; seine Mutter Christine Maria geb. Cremers wird nur 54 Jahre alt; sein Vater Louis ist Klempnermeister; Christoffel wächst mit vier Schwestern und vier Brüdern auf; die Familie findet in der Erweckungsbewegung, die sich von Wuppertal aus verbreitete, ihre geistliche Heimat.
vor 1898: Ernst Jakob besucht ein Lehrerseminar in seiner rheinischen Heimat; seine Militärzeit absolviert er in Potsdam; im "Rettungshaus" (dem späteren Johannesstift) in Schildesche (Bielefeld) und Neukirchen bei Moers arbeitet er als Erziehungshelfer.
März 1900: Christoffel wird, nachdem er ab Herbst 1898 eine Vorschule besucht hatte, Student der Ev. Predigerschule in Basel.
1904: Er beendet an Ostern seine Ausbildung; nach kurzer Tätigkeit als "Hauslehrer in einer Züricher Patrizierfamilie" geht Christoffel zusammen mit seiner jüngsten Schwester, der vier Jahre jüngeren Hedwig, im September für das "Schweizerische Hilfskomitee für Armenien" nach Siwas in Kleinasien (heute: Türkei), um dort zwei Waisenhäuser zu leiten, die jedoch innerhalb von drei Jahren geschlossen werden sollen; hier in Siwas wird er mit der "Not der Blinden des Orients" konfrontiert.
Frühjahr 1908: Nach Rückkehr in seine Heimatstadt Rheydt kommt Christoffel zu der Überzeugung, dass es seine Berufung ist, sich in den Dienst blinder Menschen zu stellen. Er und seine Schwester Hedwig bauen einen Freundeskreis in Deutschland, der Schweiz und Holland auf, der ihre künftige Arbeit unterstützen will; Christoffel absolviert einen Kurs bei dem Leiter einer Blindenanstalt in Zürich.
27.11.1908: Ordination in Basel; danach reist Christoffel mit seiner Schwester nach Kleinasien aus; rechtzeitig zu Weihnachten ist man im alten Heim in Siwas, wo das Fest mit den Waisenkindern gefeiert wird.
Erste Januarhälfte 1909: Ankunft in Malatia (in der heutigen Osttürkei), dem Reiseziel; in dem gemieteten Haus zählt die Heimfamilie nach wenigen Wochen bereits fast sechzig Personen, darunter blinde und körperbehinderte Menschen und Waisenkinder. Später kann ein größeres Grundstück mit Gebäude gekauft werden, neue Mitbewohner und weitere Mitarbeiter kommen hinzu; Christoffel macht mehrere Reisen durch das Land.
1914: Christoffel reist nach Deutschland. Er hat Pläne für weitere Projekte und möchte dafür die Hilfe seiner Missionsfreunde in Europa erbitten; doch während der Reise erreicht ihn in Beirut die Nachricht vom Kriegsausbruch; in Deutschland wird er als Militärpfarrer und Lazarettseelsorger eingesetzt.
Ende 1915: Die Armenierpogrome veranlassen Christoffel, beim Kriegsministerium die Ausreiseerlaubnis in die Türkei zu erbitten.
Ende Januar 1916: Er reist mit dem Balkanzug nach Konstantinopel, dort muss er vier Wochen warten und erhält dann ein Empfehlungsschreiben des türkischen Kriegsministers, mit dem er weiterreisen kann. Das Haus in Malatia steht noch, aber mehr als die Hälfte der Bewohner ist durch die Armenierverfolgungen ums Leben gekommen.
Februar 1919: Nach dem militärischen Zusammenbruch Deutschlands werden alle Deutschen aus der Türkei ausgewiesen. Auch Christoffel erhält einen Ausweisungsbefehl und reist nach Siwas, wo er versucht, eine Aufenthaltsgenehmigung zu erwirken, die er jedoch nicht erhält; er reist nach Samsun und von dort weiter in einem überfüllten türkischen Frachtdampfer nach Konstantinopel; er entkommt nur knapp einer Internierung; am 27. Juni 1919 betritt er in Bremerhaven mit seiner kurdischen Pflegetochter Liesel heimatlichen Boden; seine beiden armenischen Pflegesöhne Otto und Heinz musste er in der Türkei zurücklassen.
1920: Eine schwere Malaria wirft Christoffel darnieder; in der Schweiz kann er genesen und sich erholen; dort besucht er auch Freundeskreise; in einem Werk Bodelschwinghs ("Hoffnungstal") bei Berlin findet er eine Anstellung, hilft als Geistlicher mit und leitet eine Baracke, in der "gescheiterte Existenzen" leben.
um 1922: Christoffel widmet sich wieder mehr dem Vortragsdienst.
1924: Durch geänderte politische Verhältnisse in der Türkei wird es Christoffel möglich, wieder auszureisen. In Konstantinopel will er, da er nicht nach Malatia weiterreisen darf, eine neue Blindenarbeit beginnen, für die er eine Erlaubnis erhält, die dann aber nach einer Kabinettsneubildung zurückgezogen wird. Christoffel sieht nach fünf Jahren der Trennung seinen Pflegesohn Otto wieder.
November 1925: Christoffel reist nach Persien, als klar wird, dass er keine Möglichkeit hat, die Arbeit in Malatia wiederaufzunehmen. In Täbris, der Hauptstadt der Provinz Aserbaidschan, macht er Station - und baut ein neues Heim für Blinde und Waisenkinder auf. Christoffels Traum ist es jedoch, auch weiter im Inneren des Landes tätig zu werden.
1927/28: Er reist im Winter nach Deutschland, um dort Unterstützung für seine neuen Pläne zu gewinnen.
1928: Christoffel reist mit seinem Mitarbeiter Ludwig Melzl nach Isfahan. Dort fangen sie sofort an, intensiv persisch zu lernen und führen Blindenspeisungen durch; später nimmt Christoffel blinde, körperbehinderte und erstmals gehörlose Kinder in seine Obhut. Auch einigen Kinder, die vorher auf der Straße lebten, bietet er ein Zuhause. Christoffel entwickelt die persische Braille-Schrift. Die Kinder und Jugendlichen werden umfassend unterrichtet: Neben Lesen und Schreiben stehen auch Gesang, Sport und handwerkliche Fertigkeiten auf dem Lernprogramm; am 1. Mai 1933 zieht man aus dem in der Stadt gelegenen Gebäude in ein geräumigeres außerhalb der Stadt.
1933: Christoffel reist auf Bitten seines Mitarbeiterkreises nach Deutschland; hier hält er Gottesdienste und Vorträge über seine Arbeit.
1934: Im Sommer kehrt Christoffel nach Isfahan zurück.
1937: Christoffel besucht das Heim in Täbris, das tausend Kilometer von Isfahan entfernt liegt.
1940: Einige deutsche Mitarbeiter verlassen Täbris. Die Arbeit dort geht weiter unter der Leitung der mutigen Hanni Harms - bis zu ihrer Verschleppung durch Russen im Jahr 1941, was das Ende des Blindenheims bedeutet; Christoffel kann vorläufig weiter in Isfahan tätig sein.
30./31.08.1943: Verhaftung Christoffels durch die Engländer; er wird für drei Jahre interniert und durchläuft in den kommenden Jahren acht Lager im Iran, im Irak, in Ägypten und Deutschland.
5. Juni 1946: Entlassung aus dem Gefangenenlager Neuengamme bei Hamburg; Christoffel besitzt nur noch das, was er auf dem Leib trägt; er lebt zunächst bei seiner Schwester in Bad Sachsa, wo er noch eineinhalb Jahre auf Veranlassung der britischen Besatzungsbehörde unter Polizeiaufsicht steht und die Stadt nicht verlassen darf.
1. Oktober 1947: Der nun 71-jährige Christoffel hat wieder volle Bewegungsfreiheit; ob er in den Orient zurück kann, ist zu diesem Zeitpunkt ungewiss; Christoffel und seine Mitarbeiter erkennen die Not der während des Krieges erblindeten Menschen und planen ein Blindenheim in Deutschland.
22. Mai 1949: Christoffel legt den Grundstein des Blindenheims in Nümbrecht, das am 1. August 1951 eröffnet wird.
20. Oktober 1950: Die bereits 1948 begonnenen Bemühungen haben endlich Erfolg: Christoffel erhält eine Ausreiseerlaubnis.
16. Januar 1951: Christoffel ist wieder im Iran und fängt nochmals von vorne an; im April mietet er ein Haus und gründet ein Blindenheim.
3. September 1954: Bundespräsident Theodor Heuss verleiht Christoffel - in dessen Abwesenheit - als Anerkennung für seine Verdienste um das Blindenwesen das Bundesverdienstkreuz. Christoffel ist der erste deutsche evangelische Missionar, der mit dieser Auszeichnung geehrt wird; am 4. Januar 1955 wird ihm in Isfahan der Orden durch einen Mitarbeiter der deutschen Botschaft überreicht.
23. April 1955: Nach kurzer Krankheit stirbt Ernst Jakob Christoffel in Isfahan und wird am folgenden Tag nach einer Trauerfeier in der persischen christlichen Kirche auf dem armenischen Friedhof beigesetzt.
1956: ändert die "Christliche Blindenmission im Orient" ihren Namen und heißt zu Ehren ihres Gründers "Christoffel-Blindenmission".
1961: Das Ehepaar Magdalena und Siegfried Wiesinger übernimmt die Leitung der Mission.
1966: wird die weltweit erste Star-Operation der CBM in einer Klinik in Kabul/Afghanistan durchgeführt.
1968: wird Bensheim der Sitz der CBM.
1986: erfolgt die millionste Operation am Grauen Star durch CBM-geförderte Projekte.
1989: erkennt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die CBM offiziell als Fachorganisation an; das CBM-Fachberaterkonzept ist verwirklicht: ein Netz augenmedizinischer Fachberater umspannt die Welt.
1990: Siegfried Wiesinger gerät unter den Verdacht, Gelder veruntreut zu haben und nimmt sich das Leben. Der Verdacht stellt sich als falsch heraus.
Es werden Regionalbüros eingerichtet, wo Berater die Projekte und Gelder überprüfen. Dadurch entstehen allerdings hohe Verwaltungskosten.
1999: rufen CBM und andere Organisationen "VISION 2020: Das Recht auf Augenlicht", eine weltweite Kampagne zur Verhütung vermeidbarer Blindheit bis zum Jahr 2020, aus.
2002: beschließt die Mitgliederversammlung von CBM Deutschland, die Überseearbeit unter eine gemeinsame Trägerschaft von allen CBMI-Vereinen zu stellen und dafür einen eigenen Verein mit Sitz in Bensheim zu gründen.
2003: wurde die fünfmillionste von CBM geförderte Operation am Grauen Star durchgeführt.
2007: startet die Jubiläumskampagne "100 Jahre CBM" mit Eva Luise Köhler als Schirmherrin.
2008: feiert die CBM am 27. November ihren 100. Gründungstag.
Seit dem Tsunami ist die Christoffel Blindenmission auch in der Traumabewältigung tätig und arbeitet außerdem mit vielen anderen Organisationen, wie z.B. "Ärzte ohne Grenzen" zusammen. Die weltweite Zusammenarbeit der Hilfsorganisationen ist sehr sinnvoll, da durch das gemeinsame Nutzen bereits aufgebauter Infrastruktur Geld und Personal eingespart werden kann. Es gibt wenige ehrenamtliche HelferInnen, obwohl durchaus Bedarf an diesen als verlässliche Stützpunkte in den Gemeinden vorhanden ist.
Wer Interesse hat an weiteren Informationen, kann diese im Internet unter http://www.christoffel-blindenmission.de/index.html finden.
Ina Wortelen, Henni Wortel und Dina Heerspink
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Nach der Kaffeepause und einem kurzen Film zum Thema verabschiedete die 2. Vorsitzende Henni Wortel mit bewegten Worten, herzlichem Dank und einem Geschenk sowohl die 1. Vorsitzende Ina Wortelen als auch die Schriftführerin Dina Heerspink. Beide haben ihren Dienst acht Jahre mit großem Engagement, Kreativität und Sorgfalt verrichtet und dabei eindrucksvolle Spuren ihres Wirkens hinterlassen, nicht zuletzt auf den Freizeiten des Frauenbundes. Anschließend begrüßte Henni Wortel als neue 1. Vorsitzende Gesine Wesselink aus Emlichheim sowie als Schriftführerin Gre Oosterhuis aus Jemgum und schloss nach Lied und Gebet mit Dankesworten und guten Wünschen die Herbstversammlung. Antje-Gertraude Schrader (Schriftführerin) |