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Scientology - die große Gefahr

Seminar am 26.04.2008 in Bad Bentheim

Mit diesem Thema hatte der Frauenbund zu seinem jährlich stattfindenden Fortbildungsseminar am 26. April 2008 ins evangelisch - altreformierte Gemeindezentrum Bad Bentheim eingeladen. Pastor H. H. Nordholt, Leiter der Grafschafter Arbeitsstelle Religionspädagogik (GAR-Küche) in Nordhorn und Lehrer am Lise-Meitner-Gymnasium in Neuenhaus hielt dazu einen Vortrag.

 

Die Vorsitzende Ina Wortelen, Nordhorn, freute sich, mehr als neunzig Teilnehmerinnen an diesem Nachmittag begrüßen zu können. Sie las Psalm 146 und hob daraus den fünften Vers: "Wohl dem, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist, der seine Hoffnung setzt auf den Herrn, seinen Gott." hervor, den wir als tragfähige Basis für unser Leben den leeren Versprechungen von Scientology entgegenhalten sollten. Nach einem Gebet und dem Singen dieses Psalms begann Pastor Nordholt mit seinem Vortrag.

In seiner Einleitung machte er mittels einer fiktiven Person die Art der Mitgliederwerbung durch die MitarbeiterInnen von Scientology deutlich. So werden Passanten z. B. in Fußgängerzonen auf freundliche, zugewandte Weise mit unverfänglichen interessanten Fragen angesprochen. Die Antworten werden mit Neugier erweckenden Bemerkungen und Hinweisen bedacht, um schließlich zu einem Persönlichkeitstest ("Oxford Capacies Analysis") einzuladen. Dieser Test findet dann im Schulungszentrum der Organisation statt. Der Teilnehmer füllt die Fragebögen aus, gibt Name, Adresse und Beruf an und kann sich im Zentrum umschauen, denn die Auswertung erfolge sofort. Eine Fehlermittlung sei, so wird gesagt, ausgeschlossen, da sie per Computer erfolge. Dass dies natürlich mit einem von Scientology entwickelten Computerprogramm geschieht und Computer nur so unfehlbar sind wie die Menschen, die sie programmiert haben, wird nicht erwähnt. Das Zentrum erscheint modern und interessant, die Leute wirken alle sowohl sehr nett und zugewandt als auch bestimmt in ihrem Auftreten. Das Ergebnis des Tests fällt dann grundsätzlich erst mal niederschmetternd aus: so viele Möglichkeiten liegen brach, so vieles könnte besser laufen, angeblich sei man selbstmordgefährdet, habe mangelnde Kommunikationsfähigkeiten. Aber - gute Anlagen seien vorhanden. Hilfe sei möglich. Scientology habe die Mittel dazu. Sogleich wird man an einen neuen Mitarbeiter weitergereicht, der noch überzeugender spricht und die angeblichen Möglichkeiten bei Scientology darstellt. Es liefe "zufällig" gerade der passende Kommunikationskurs zum Sonderpreis, man könne so einsteigen - es folgt die Anmeldung, der Kurs wird sofort bezahlt, der Teilnehmer erhält gleich die folgenden Termine (mehrere Stunden pro Woche). Und wieder wird er oder sie an einen weiteren Mitarbeiter weitergereicht, zu noch einem Test, wo nun offen alles Persönliche aufgedeckt wird. Mit der Zeit kommen weitere Kurse hinzu, die viel Geld kosten. Aber man kann auch bei Scientology mitarbeiten und das nötige Geld dazu verdienen. Allmählich kommt es zu einem Verlust anderer sozialer Beziehungen, man ist in diesem "Psychonetz" gefangen.

 
Mit der Veröffentlichung des Buches "Dianetik - Die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit" im Jahr 1950 beginnt der amerikanische Science-Fiction-Autor Lafayette Ron Hubbard (1911 -1986) seine Scientology - Organisation aufzubauen. Das Wort "Dianetik" ist ein künstliches Wort aus den griechischen Worten "dia nous", die "durch den Geist bedeuten". Ihr Ziel ist der perfekte Mensch ("perfect analytic mind"). Der menschliche Verstand ("mind")bestehe aus zwei Teilen, dem "analytic mind", der für Problemlösungen zuständig sei, und dem "reactive mind". Im "reactive mind" seien alle jemals gemachten schmerzlichen Erfahrungen filmartig gespeichert, so genannte Engramme. Diese behinderen die Problemlösungen. Aufgabe der "Dianetik" sei es deshalb, die Engramme zu löschen. Am Ende dieses schritt weisen Löschens stehe dann ein Mensch, der frei von körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen sei, der "Clear" (Reine).

 

 

 
Die Dianetik, die sich ausschließlich mit Körper und Verstand befasst, wurde 1952 von Hubbard weiter entwickelt zur "Lehre vom Wissen", der er den künstlichen Namen Scientology gab. Hier kommt zum Körper und zum Verstand der "Thetan" hinzu. Dieser soll das eigentliche Ich des Menschen, seinen innersten Kern (eine Art "Geist-Seele") bezeichnen. Er sei allmächtig, also Gott gleich, und könne, so Hubbard, seinen Körper und Verstand verlassen. Er sei der Materie, der Energie, dem Raum und der Zeit (Hubbards Abkürzung dafür: MEST) nicht unterworfen. Zum einen vertritt Hubbard hier die These der Reinkarnation (Wiedergeburt), da der "Thetan" in einen neuen Körper eingehen kann. Zum anderen sei es seiner Meinung nach durch Schulungskurse möglich, den Menschen zu befähigen, seinen "Thetan" gewissermaßen zu kontrollieren. Damit würde er aus dem Zustand des "Clear" heraus zum "Operierenden Thetan (OT), dem nichts mehr unmöglich sei (MEST). Der OT könne unabhängig von allem Körperlichen existieren, er sei wie Gott. Der Mensch steige auf acht so genannten "OT - Stufen" zur Ewigkeit auf, zur eigenen Vergottung.

 
Die hierfür nötigen Schulungskurse heißen "Auditing" (jem. zuhören). Der Teilnehmer wird von einem entsprechend geschulten Scientologen während seines Interviews an ein elektrisches Gerät, dem "Hubbard-E-Meter" angeschlossen. In dem Interview soll der Teilnehmer über alle schlimmen Erfahrungen in seinem Leben reden. Immer wieder soll er davon reden, um gewissermaßen abzustumpfen, um so die entsprechende "Datei im Gehirn" ("reactive mind") zu löschen. Der H-E-Meter funktioniert dabei so, dass geringe Mengen Elektrizität über die Haut der Hände geleitet werden. Je nach Schweißbildung während des Berichtens wird die Elektrizität besser oder schlechter geleitet, was am Ausschlag der Nadel an der Geräteskala abzulesen ist. Die Schweißbildung ist abhängig davon, wie stark der Teilnehmer vom Berichteten berührt ist. Somit meint der Scientologe ablesen zu können, inwieweit die entsprechende "Schmerz-Datei" im Gehirn des Teilnehmer schon gelöscht ist oder nicht.

Am 18.2.1954 gründet Hubbard in diesem Sinne die erste offizielle "Scientology-Kirche in Los Angeles. Diese wird in den USA als Kirche anerkannt, in Deutschland nicht. Nach Hubbards Tod hat David Miscavige die Führung der Organisation übernommen. Ein enger Freund von diesem ist der bekannte Schauspieler Tom Cruise, der offen und aggressiv für Scientology wirbt.

Diese Sekte, die man nach Meinung Pastor Nordholts vielleicht besser als psycho-religiöse Gruppe bezeichnen sollte, ist von ihrem Wesen her die gefährlichste, weil sie die Weltherrschaft anstrebt, indem sie die Wirtschaftssysteme der verschiedenen Nationen unterminiert, um wirtschaftliche und politische Macht zu gewinnen. Ist sie z. B. erst im Besitz eines Unternehmens, ist es ein leichtes, die Mitarbeiter zu Scientology-Schulungen zu verpflichten. Dafür hat die Organisation eigens die Abteilung "World Institute of Scientology Enterprises (WISE)" gegründet. Auch für Deutschland gibt es den Slogan: "Clear Germany".

Ziel der Organisation sind ausschließlich Menschen scientologischer Prägung und eine ausschließlich nach scientologischen Richtlinien funktionierende Welt.

 

 
Ihre "Ethik" entspricht absolut nicht der christlichen Ethik, sondern ist inhaltlich dem Ziel des Überlebens von Scientology untergeordnet. Das bedeutet im Klartext: Wer nicht dazu gehört, interessiert nicht; dessen Belange und Wohlergehen sind unwichtig, dürfen sogar geschädigt werden. Es kommen deutlich faschistische Züge zum Vorschein. Leistungsdenken steht im Vordergrund: die Fähigen müssen noch mehr befähigt werden. Diese gegen Unkluge, Hilflose, Bedürftige oder Alte gerichtete Einstellung steht absolut der christlichen Auffassung von Diakonie entgegen. Zur Umsetzung dieser "Ethik" hat Scientology auch hier eine eigene Abteilung eingerichtet. Sie soll alle "feindlichen", also andersartigen Gesinnungen beseitigen.

Da sind zum einen die "Suppressive Persons" (unterdrückerische Personen). Das soll Menschen bezeichnen, die öffentlich Stellung gegen Scientology beziehen, und Menschen, die zur Organisation gehörten, sich aber abgewandt haben und Stellung beziehen. Diese dürfen und werden mit allen Mitteln bekämpft, sie gelten als "vogelfrei".

Zum anderen gibt es die "Potential Trouble Source" (mögliche Quelle von Schwierigkeiten). Das soll Menschen innerhalb von Scientology bezeichnen, bei denen die volle Unterstützung der Organisation noch nicht oder nicht mehr sicher scheint. Ein kritisches Bewusstsein ist nicht gewünscht, ein deutliches Zeichen von Totalitarismus.

Verstöße werden hart geahndet durch die "Rehabilitation Project Force" (Arbeitsgruppe zur Wiedereingliederung, Scientology-Straflager).

 
Als Gründe dafür, dass sich Menschen auf Scientologen einlassen, nannte Pastor Nordholt unter anderem die Undurchschaubarkeit unserer pluralistischen Gesellschaft, in der alles erlaubt ist, und der daraus resultierenden Suche nach eindeutigen Antworten für viele Sinnfragen des Lebens und Leitfäden bzw. Führung. Viele suchen nach einem erfüllten Leben, nach Wertschätzung, nach verbindlichen Kontakten, nach dem Gefühl von Sicherheit und jemandem, der sie zu gewähren scheint. Andere wollen Neues kennen lernen, überhaupt lernen, suchen eine"moderne" Religion unserer technisierten Welt.

Hilfe zum Ausstieg ist möglich. So sollten Kontakte aufrecht erhalten bleiben. Die alten Beziehungen und kritische Stimmen sind sehr wichtig. Aber wenn jemand in die Organisation hineingerutscht ist, ist schon sehr viel schief gelaufen. Viel Geduld ist notwendig und nach dem Ausstieg noch lange eine gute Betreuung. Doch auch hier ist Beratung durch Fachleute möglich.

Dass dieses intensive und anschaulich vorgetragene Referat tiefen Eindruck bei den Zuhörerinnen hinterließ, zeigte die lebhafte Gesprächsrunde nach der Kaffeepause. Es wurden noch viele Fragen gestellt und viele eigene Erfahrungen beigesteuert. Auch in der Grafschaft Bentheim begegnet man Menschen, die zu Scientology gehören, obwohl die nächsten Niederlassungen in Bremen und Hamburg sind, und entsteht deshalb die Frage, wie wir als Christen mit ihnen umgehen.

Im Anschluss übte Pastor Nordholt mit den Anwesenden noch mehrere neuere geistliche Lieder ein. Mit einem herzlichen Dank an ihn und an die gastgebende Gemeinde Bad Bentheim schloss Ina Wortelen mit einem Gebet den Nachmittag.

Antje-Gertraude Schrader, Schriftführerin