Herbstversammlung 2014

    „Nicht nicht kommunizieren“

    Herbstversammlung des Frauenbundes am 28. September 2014

    Nach Begrüßung, Andacht und Gebet durch die erste Vorsitzende, Renate Heikens, und dem Singen eines Liedes hörten wir einen Vortrag von Frau Seidel zum Thema: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Das Wort aus Kolosser 4,6 - „Redet mit jedem Menschen freundlich; alles was ihr sagt, soll gut und hilfreich sein. Bemüht euch darum, für jeden das richtige Wort zu finden.“ - bildete den Anfang des Referates auf der Herbstversammlung des Frauenbundes in Emlichheim. Eingeladen worden war die Psychologin Frau Brigitta Seidel aus Dinslaken, tätig in der Beratung, in der Erwachsenenbildung, als Dozentin mit Lehrauftrag an einer Fachhochschule, als Trainerin im Bereich Teamentwicklung und als Referentin.

    Ihre Arbeit bezeichnet sie als Wellness für die Seele. Sie sieht sich als Brückenbauerin zwischen Menschen. Gott hat uns als soziale Wesen geschaffen, die das Bedürfnis haben, in Beziehungen zu leben. Diese beinhalten Kommunikation als Basis für ein Miteinander. Allerdings ist Kommunikation leicht ein Grund für Missverständnisse, Konflikte und Auseinandersetzungen, und es kann sogar zu Feindschaften kommen.

    Freundlich reden

    Schon Paulus kennt diese Problematik. Welche Möglichkeiten haben wir, damit unser Gegenüber unser Reden als freundlich empfindet? Wie finden wir die richtigen Worte? Worte, die die andere Person nicht verletzen und auch bei Kritik wertschätzen? Wenn Menschen miteinander kommunizieren, geht es um mehr als um einen Austausch von Informationen. „Es geht darum, ob sich mein eigenes Bild von der Wirklichkeit in Einklang bringen lässt mit der Wirklichkeit des anderen“, so die Referentin. Damit wir einander gut verstehen, müssen wir miteinander reden.

    Paul Watzlawik (Psychotherapeut und Kommunikationswissenschaftler, 1921-2007) versteht Verhalten jeder Art als Kommunikation. Frau Seidel stellte das Vier-Ohren-Modell von Friedemann Schulz von Thun vor, mit dem Kommunikation erklärt werden kann. Außerdem zeigt sie Gesprächstechniken als einen Teil von Kommunikation auf, mit denen wir darauf achten können, dass Missverständnisse so gering wie möglich gehalten werden.

    Wahrnehmung

    Mein Bild und meine inneren Einstellungen meinem Gegenüber spielen eine wesentliche Rolle, also meine Wahrnehmung, die allerdings immer unvollständig ist. Dazu zeigt Frau Seidel einige Beispiele.

    Ein Problem im Alltag ist, dass man sehr schnell zu wissen meint, wie mein Gegenüber ist. Dadurch verbaut man sich die Möglichkeit, den Anderen wirklich kennen zu lernen. Die innere Einstellung des Zuhörers entscheidet, nicht die Technik, ob Kommunikation gelingt. Konzentriere ich mich voll auf die Aussagen meines Gegenübers, dann schweifen meine Gedanken nicht ab. Ich hüte mich davor, Andeutungen als konkrete Aussagen zu nehmen. Dies sind nur zwei von den ausgeführten Beispielen, Zuhörfehler zu vermeiden.

    Botschaften

    Es gibt zwei Möglichkeiten, um unserem Gesprächspartner eine Information zukommen zu lassen: so genannte Du/Sie-Botschaften und Ich-Botschaften.

    Du/Sie-Botschaften werden häufig als Vorwurf verstanden. Der Empfänger akzeptiert sie nicht, reagiert oft aggressiv darauf. Ich-Botschaften enthalten die Beschreibung des Verhaltens, das mich stört, das Äußern des Gefühls, das ich empfinde und meine Aussage über die Wirkung, die das Verhalten des Partners auf mich hat und weshalb ich um die Änderung seines Verhaltens bitte, so die Referentin. Wichtig ist das Gespräch unter vier-Augen, auf Augenhöhe, ohne Schuldzuweisung, Worte wie „immer, nie“ vermeidend, möglichst zeitnah.

    Stimmigkeit

    „Das Herzstück der Kommunikation und des Umgangs miteinander ist die Stimmigkeit. Stimmigkeit bedeutet: Sei in Übereinstimmung mit dir selbst (es muss zu mir passen, zu meiner Person) und mit den Herausforderungen, die die Situation bereit hält und dir etwas abverlangt. Die Forderung nach Stimmigkeit ist der Abschied von jeder Verhaltensschablone. Wir haben die Möglichkeit, auf unser Leben in gewissen Grenzen Einfluss zu nehmen und unser Leben zu gestalten. Hier können wir die Stimmigkeitsfrage stellen: Was passt zu mir? Was entspricht mir? Wofür bin ich da? Wo will Gott mich gebrauchen? Was ist mir wesensgemäß? Hier ist der doppelte Blick gefragt: auf mich selbst und auf die Welt mit ihrer Herausforderungsstruktur, wie sie mir begegnet, wie sie mich anruft.

    Dieser doppelte Blick ist für die menschliche Lebensführung grundlegend. So werden Kommunikationsratgeber nicht zu starren Rezepten, sondern zu gedanklichen Geländern auf der Suche nach Stimmigkeit.“, so die Referentin.

    Bei einem gemütlichen Kaffeetrinken mit kurzer Aussprache beschließen wir mit Gesang und Gebet den Nachmittag. Wir danken den Emlichheimer Frauen für die tolle Bewirtung!

    Johanne Gerritzen, Schriftführerin